Fiskalpolitik | EINACH ERKLÄRT StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! https://www.youtube.com/watch?v=N4ELARYCW2E Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hallo zusammen. Heute geht's um ein echt großes Thema. Fiskalpolitik. Klingt vielleicht erstmal trocken, aber es geht im Grunde darum, wie der Staat 0:09 versucht, die Wirtschaft zu steuern. Also, warum fühlt sich die Wirtschaft manchmal an wie eine Achterbahnfahrt? Du kennst das doch sicher, oder? Mal läuft 0:18 super, die Jobs sind sicher, alle sind happy und dann zack, bremst plötzlich alles ab und man fragt sich, was da eigentlich los ist. Genau dieses 0:27 ständige Auf und ab, das ist die Wirtschaftsachterbahn oder wie die Profis sagen, der Konjunkturzyklus und der hat na ja gleich zwei ziemlich 0:38 große Probleme im Gepäck. Also auf der einen Seite, wenn die Wirtschaft im Keller ist, sprechen wir von einer Rezessionslücke. Heißt konkret hohe 0:47 Arbeitslosigkeit, Fabriken machen dicht, gar nicht gut. Auf der anderen Seite, wenn die Wirtschaft total überhitzt, dann haben wir eine Inflationslücke. Die 0:55 Preise explodieren und ein Geld auf dem Konto wird einfach immer weniger wert. Auch nicht gut. Tja, und da stellt sich die Frage, kann man da irgendwas machen? 1:06 Kann jemand am Steuer dieser Achterbahn sitzen? Und genau da kommt der Start ins Spiel. Er hat nämlich ein ziemlich mächtiges Werkzeug in der Hand, die 1:15 Fiskalpolitik. Was ist das jetzt genau? Fiskalpolitik. Also ganz simpel ausgedrückt, der Staat kann damit die Wirtschaft beeinflussen 1:24 und zwar über seine Ausgaben und die Steuern. Stell dir das am besten vor wie bei einem Auto. Der Staat hat quasi ein Gaspedal und eine Bremse. Und diese 1:34 beiden Hebel sind eben erstens die Staatsausgaben, also das Gaspedal. Das ist all, das der Staat ausgibt und zweitens die Steuern, das ist die 1:45 Bremse, also das Geld, das er von uns allen und den Firmen einsammelt. Okay, Gas geben oder bremsen. Schauen wir uns doch mal an, wann der Staat 1:55 welches Pedal durchdrückt. Also, nehmen wir mal an, die Wirtschaft stottert, es herrscht flaute, dann will der Staat natürlich Gas geben und das 2:05 nennt man dann expansive Fiskalpolitik. Wie macht er das? Na ja, er hat zwei Möglichkeiten. Entweder er gibt selbst mehr Geld aus, investiert also z.B. in 2:17 neue Straßen, Brücken, Schulen, was auch immer. Das schafft direkt Jobs oder aber er senkt die Steuern. Dann haben die Leute und die Unternehmen mehr Geld in 2:28 der Tasche, dass sie ausgeben oder investieren können. Beides kurbelt die Wirtschaft an. So und jetzt das genaue Gegenteil. Die Wirtschaft läuft heiß, 2:37 die Preise gehen durch die Decke, die Inflation galoppiert. Was dann genau? Dann muss der Staat auf die Bremse treten. Und dieses Bremsen nennt man 2:46 kontraktive Fiskalpolitik. Das heißt, er macht genau das Gegenteil von vorher. Er kürzt seine eigenen Ausgaben oder, und das ist meistens noch 2:57 unbeliebter, er erhöht die Steuern. Beides sorgt dafür, dass weniger Geld im Umlauf ist, die Nachfrage sinkt und die Inflation hoffentlich gebremst wird. 3:06 Aber klar, wer hört schon gern was von Steuererhöhungen? Okay, das klingt ja eigentlich alles ganz logisch, oder? Gas geben, bremsen, 3:15 aber und das ist der entscheidende Punkt, die Sache ist ziemlich umstritten. Das führt uns direkt rein in eine der größten Debatten der modernen 3:23 Volkswirtschaftslehre. Und im Zentrum dieser Debatte steht ein Mann, John Maynard Kanes und der hat mal einen ziemlich berühmten Satz gesagt. 3:32 Auf lange Sicht sind wir alle tot. Was er damit meinte, schauen wir uns jetzt an. Also vores war die vorherrschende Meinung, die sogenannte klassische 3:42 Theorie, dass die Wirtschaft sich immer von alleine wieder einrängt. Die Idee war, der Staat soll sich da bloß raushalten. Aber Kanes hat dann vor 3:51 allem nach der Weltwirtschaftskrise gesagt: "Leute, das ist doch Wahnsinn. Wir können doch nicht einfach rumsitzen und warten, bis sich alles von selbst 3:58 heilt, während Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren. Nein, in einer Krise muss der Staat aktiv werden und die Wirtschaft ankurbeln, indem er Geld 4:06 ausgibt. Diese Idee von Kanes, die hat sich auch weitgehend durchgesetzt, aber es gibt da natürlich einen Haken, wie immer eigentlich. Die Frage ist doch, 4:17 Moment mal, wenn der Staat mehr ausgibt und gleichzeitig die Steuern senkt, also weniger einnimmt, woher um alles in der Welt kommt dann das ganze Geld? Die 4:27 Antwort ist eigentlich ziemlich einfach. Er muss Schulden machen. Der Staat gibt also bewusst mehr Geld aus, als er einnimmt. Das nennt sich im Fachjargon 4:37 Defizit Spending und das führt logisch zu mehr Staatsschulden. Aber jetzt kommt der Trick sozusagen. Die Idee ist, dass dieses geliehene Geld 4:48 in der Wirtschaft viel mehr bewirken kann als nur die reine Summe. Und das liegt am sogenannten Multiplikatoreneffekt. 4:56 Stell dir das mal ganz einfach vor. Der Staat nimmt, sagen wir, 100 € in die Hand und bezahlt damit eine Bauarbeiterin, die eine neue Straße 5:04 baut. Was macht die Bauarbeiterin mit dem Geld? Sie gibt es aus. Vielleicht kauft sie im Supermarkt ein oder geht ins Kino. Der Kinobesitzer wiederum 5:14 bezahlt davon seine Mitarbeiter und die geben ihr Gehalt auch wieder aus. Du siehst, das Geld wird immer weiter gereicht und vermehrt sich quasi in der 5:23 Wirtschaft, wie so ein Stein, den man ins Wasser wirft und der Wellen schlägt. Und so können aus den ursprünglichen 100 € vom Start am Ende vielleicht 175 € 5:34 oder sogar noch mehr an Wirtschaftsleistung werden. Das ist der Multiplikatoreneffekt. Was jetzt aber super interessant ist, 5:41 dieser Multiplikator ist nicht immer gleich groß. Er hängt total davon ab, wofür der Staat das Geld ausgibt. Wenn er z.B. Sozialleistungen wiechen mit 5:51 wenig Geld fast jeden Euro, den sie extra bekommen, sofort wieder ausgeben müssen. Bei einer allgemeinen Steuersenkung, von der auch Reiche 5:59 profitieren, ist der Effekt oft kleiner, weil ein Teil des Geldes vielleicht einfach gespart und nicht direkt wieder in den Wirtschaftskreislauf gepumpt 6:07 wird. Du siehst also, Fiskalpolitik ist ein echt mächtiges, aber auch super kompliziertes Werkzeug mit vielen Wens und Abas. Und am Ende des Tages führt 6:16 das alles immer wieder zu einer zentralen, verdammt schwierigen Frage zurück, über die Politiker und Ökonomen ständig streiten. Was ist eigentlich das 6:24 kleinere Übel, hohe Staatsschulden oder hohe Arbeitslosigkeit?