5 Fakten, die ihr über Auschwitz wissen solltet | Terra X Terra X History https://www.youtube.com/watch?v=MzuINEWS2sk Transkript (automatisch erstellt) 0:02 Das Vernichtungslager Auschwitz – Endstation für über eine Million Menschen. Was genau geschah hier? 0:12 Hier kommen 5 wichtige Fakten, die man über Auschwitz wissen sollte. Auschwitz hat Vorläufer. Seit Beginn des Dritten Reiches entstehen überall in Deutschland 0:33 so genannte Konzentrationslager, kurz KZ, in denen politische Gegner inhaftiert werden. Im März 1940 wird in Auschwitz ein weiteres KZ gegründet. 0:50 Der Ort liegt in Oberschlesien, das nach dem Sieg über Polen von Deutschland annektiert wurde. Die SS, Hitlers Terrortruppe, nutzt hierzu eine ehemalige polnische Kaserne, die nach bewährtem Muster umgebaut wird. 1:08 Sogar die Inschrift über dem Lagertor „Arbeit macht frei“ ist die gleiche wie im ältesten KZ der SS in Dachau. Wie alle KZs dient Auschwitz zunächst der Einschüchterung der Bevölkerung. 1:28 Die deutschen Besatzer verhaften willkürlich Angehörige der polnischen Eliten und alle von denen sie Widerstand erwarten. 1:44 Selbst wenn diese noch halbe Kinder sind. Tausende Häftlinge sterben, doch das unterscheidet Auschwitz noch nicht von anderen Lagern des Dritten Reiches. 2:06 Ein Jahr später, 1941, lässt der Führer der SS, Heinrich Himmler in Auschwitz ein weiteres Lager bauen. Es liegt drei Kilometer entfernt vom bereits bestehenden KZ, das nun Stammlager genannt wird, 2:27 beim Dorf Brzezinka, das die Deutschen Birkenau nennen. Auschwitz-Birkenau, oder Auschwitz 2, wie es genannt wird, hat einen rechteckigen Grundriss, 2:42 wie ein altes Römerlager, mit zwei sich kreuzenden, zentralen Lagerstraßen. Zwischen ihnen liegen Baracken, auch Blöcke genannt, in denen die Häftlinge untergebracht sind. 2:58 Von ihnen getrennt, entsteht eine SS-Kaserne für die Bewacher. So weit, so üblich. Die Besonderheit des neuen KZs liegt woanders: 3:08 ein ehemaliges Bauernhaus, am Rande des Lagers, das sogenannte „Weiße Haus“. Von ihm sind heute nur noch Fundamente zu sehen. 3:20 Vier luftdichte Kammern hat die SS hier einbauen lassen. Sie hat eine neue Methode entwickelt für den systematischen Mord an allen Juden, 3:27 den sogenannten Holocaust, den das NS-Regime 1941 begonnen hat. Bislang wurden sie meist erschossen, im Weißen Haus sterben sie durch das Giftgas Zyklon B. 3:40 Wenn ihr mehr über den Holocaust und wie es dazu kommen konnte erfahren wollt, haben wir euch oben ein Video verlinkt. 3:54 Der Führer der SS Heinrich Himmler lässt sich die neue Mordmethode in Auschwitz persönlich vorführen - und ist beeindruckt. Das Lager hat für ihn noch weitere Vorteile. 4:08 Es liegt verkehrsgünstig an wichtigen Bahnstrecken. Andere deutsche Vernichtungslager im besetzten Polen werden nach und nach aufgegeben. 4:17 Auschwitz bleibt bestehen und wird zur zentralen Stätte für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte: den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden. 4:45 Die Mordfabrik wird Auschwitz genannt. Die SS organisiert die Vernichtung von Menschen mit industrieller Perfektion. Die Opfer werden per Zug ins Lager deportiert. 5:00 Ab Frühjahr 1944 führen die Bahngleise bis in den Lagerkomplex hinein. So können die Deportierten direkt im Zielort in Empfang genommen werden. 5:22 Bei der Ankunft der Opfer auf der Eisenbahnrampe von Auschwitz-Birkenau verfährt die SS nach einer eingespielten Methode. 5:35 Sie teilt die Ankommenden in vier Kolonnen auf, zwei an der Ostseite der Rampe in Richtung des Tores und zwei an der Westseite, ihnen gegenüber. 5:51 Alle vier Kolonnen sind auf die Mitte ausgerichtet, die frei bleibt. Dort wird der Zug geteilt, um den Weg in die Lagerstraße A zu öffnen. 6:03 Dann beginnt die sogenannte „Aussortierung“. Zuerst sind die Frauen und Kinder an der Westseite der Rampe an der Reihe. 6:16 Eine Auschwitz-Überlebende erinnert sich. "Die Menge bewegte sich nach vorne und wir mit ihr, bis wir schließlich ganze vorne waren." 6:32 SS-Ärzte teilen die Ankommenden auf der Rampe in arbeitsfähig und nicht-arbeitsfähig ein. Alte, Kranke und Kinder gelten grundsätzlich als nicht-arbeitsfähig. 6:49 "Meine ältere Schwester war 17, sie wurde in die eine Richtung gewunken und war weg. Es wurde immer mehrere auf einmal weggeschickt, nie einer allein, es waren immer ... 7:00 eins, zwei, drei, dann immer mehr. Meine Mutter ging mit meinen zwei kleinen Brüdern in die andere Richtung 7:09 und verschwand, viele folgten ihr, sofort. Rund 75 Prozent der Ankommenden werden von der SS als nicht-arbeitsfähig aussortiert. 7:22 Neben Älteren und Kindern sind es auch deren Mütter. Die SS verzichtet lieber auf Arbeitskräfte, als Aufruhr zu riskieren, 7:32 indem sie Mütter von ihren Kindern zu trennen versucht. Es ist für sie leichter, sie gemeinsam zu ermorden. 7:57 Das Weiße Haus war nur der Anfang. Vier große Vergasungsstationen erbaut die SS in Auschwitz-Birkenau, 8:04 Krematorien Nr. 2-5 genannt. Die Abläufe in den neuen Mordanlagen, sind bis ins Detail ausgeklügelt. 8:13 Im Entkleidungsraum müssen sich die Opfer ausziehen. Angeblich zum Duschen. Nummerierte Haken an der Wand sind Teil der Täuschung. 8:25 Die Opfer sollen sich ihre Nummer merken, um die Kleider wieder zu finden. Danach geht es in den angeblichen Duschraum. 8:50 Die Duschköpfe an der Decke sind Atrappen. Entscheidend sind die umgitterten Käfige, die vom Boden zu einer Luke in der Decke reichen. 9:00 Es sind Einwurfschächte für das Gift Zyklon B. Rund 230 Quadratmeter misst der Raum. 9:09 Über 1600 Menschen auf einmal werden hier hineingetrieben, so viele, dass sie sich kaum mehr bewegen können. Dann wird die Tür geschlossen. 9:27 Ein SS-Mann schüttet das Zyklon B, ein Ungeziefer-Mittel, durch die Dachluke. Aus dem Granulat treten sofort giftige Blausäure-Dämpfe aus. 9:37 Es beginnt mit einem stechenden Schmerz im Brustkorb, gefolgt von heftigen Krämpfen wie bei einem epileptischen Anfall. 9:51 Das war ein Vorgang, der extrem qualvoll verlaufen ist. Und dieser Prozess, der von vielen selbst SS-Angehörigen im Nachhinein selbstentschuldend: 10:05 ja, das sei ein Vorgang, der human gewesen sei für die Opfer anders als Erschießungen, wo man ja nicht sicherstellen kann, dass sie sofort tot sind. 10:16 Das sind natürlich extrem zynische Aussagen, die nichts mit der Realität zu tun hatten. Rund 30 Minuten dauert der Todeskampf der Menschen. 10:36 Danach werden ihre Leichen von der Gaskammer zu den Öfen gebracht, wo sie verbrannt werden. Alles ist unter einem Dach. 10:45 Auf dem Höhepunkt des Massenmordes werden über 10.000 Menschen an einem Tag in Auschwitz-Birkenau getötet. Unweit der Krematorien Nr. 4 und 5 mit ihren Gaskammern und Öfen 11:11 liegt die sogenannte Zentralsauna, von den Häftlingen auch Badehaus genannt. Sie ist die nächste Station für diejenigen, die bei der Ankunft zur Zwangsarbeit selektiert werden. 11:28 Die Eingangstür führt direkt in einen großen Raum. Hier müssen sich die Ankommenden komplett ausziehen. 11:41 Völlig nackt gehen sie dann einen langen Flur entlang, zum Haarschneideraum. "In der nächsten Station rasierten Männer uns alle Körperhaare ab, auch die Schamhaare, alles." 12:02 "Wir junge Frauen hatten zuhause behütet gelebt und dann tut man uns das an?" "Mir auch, ich war erst 13." 12:14 "Ich weiß nicht mehr, ob ich an etwas dachte. Es passierten Dinge, die außerhalb meiner Vorstellung lagen." "Und dann gingen wir in die Dusche." 12:30 Diese ist echt. Davon existiert ein Foto, das männliche Häftlinge zeigt. Das einzige, was sie aus ihrem früheren Leben noch bei sich haben, sind ihre Schuhe. 12:45 Im nächsten Raum warten die Häftlinge, bis sie trocken sind. Danach bekommen sie ihre Häftlingsbekleidung, die zuvor in großen Behältern desinfiziert wurde. 13:04 "Wir bekamen eine Art Uniform, ein sackartiges graues Kleid." "Manche durften ihre Schuhe behalten, andere nicht." 13:15 "Ich glaube, wir durften unsere Schuhe behalten." "Alles ging schnell und war irgendwie unwirklich:" 13:26 "Wir wurden in Kreaturen verwandelt, wir waren keine Personen mehr." Das Lager Auschwitz-Birkenau ist nicht nur eine Todesfabrik, es ist auch ein Sklavenmarkt. 13:52 Viele werden von hier als Zwangsarbeiter an die deutsche Kriegsindustrie verkauft. Nur wenige Kilometer entfernt, in Monowitz, hat das deutsche Chemieunternehmen IG Farben 14:07 ein riesiges Werk gebaut, das in Teilen noch heute steht. Zehntausende Häftlinge müssen hier arbeiten. 14:15 Sie sind in einem eigenen Lager untergebracht: Auschwitz-Monowitz oder Auschwitz 3. 14:23 Daneben gibt es noch zahlreiche kleine und größere Außenlager bei anderen Betrieben. Doch auch im Vernichtungslager Birkenau wird gearbeitet. 14:35 Die Häftlinge müssen Entwässerungsgräben ziehen, Gewächshäuser errichten und betreiben. Sie bauen sogar Ställe für die Pferdezucht. 14:50 SS-Chef Himmler träumt von einem landwirtschaftlichen Mustergut in Auschwitz. Die Opfer werden nicht nur ermordet und ausgebeutet. Sie werden auch beraubt. 15:04 Ihr letztes Eigentum wird erst in riesigen Mengen gesammelt und sortiert. Danach wird es in Zügen nach Deutschland geschickt und dort verwertet. 15:16 Ein Plus macht die SS mit Auschwitz nie – das Morden kostet mehr als der Raub einbringt - und doch gehört beides zusammen. 15:27 "Es wird alles geraubt. Es ist der Ehering, es ist die Krawattennadel, es ist die Brille." "Es sind die persönlichen Gegenstände, an denen Erinnerungen von Menschen hängen." 15:40 "Fotoalben mit den letzten bildlichen Überlieferungen und mit dem Raub verschwinden auch die Identitäten der Deportierten." "Das ist das was auch ich viel zentraler finde ..." 15:57 "...auch als Historiker, dass der Raub einer Identität auch die Erinnerung an ganze Menschengruppen auslöscht, "als wenn es diese Menschen gar nicht gegeben hat." 16:19 Anfang 1945 steht Deutschland kurz vor der Niederlage. Am 27. Januar befreien Sowjetsoldaten das Lager kampflos. Sie finden grauenvolle Beweise des Verbrechens, die die Täter vor ihrer Flucht nicht beseitigen konnten. 16:41 Und sie stoßen auf lebende Zeugen: 6000 entkräftete Häftlinge, die die SS bei ihrer Flucht zurückgelassen hat. Die Erinnerung an das Grauen von Auschwitz bleibt in den Überlebenden lebendig, bis heute. 17:05 "Die Leute wollen, dass ich meine Erlebnisse aufschreibe, aber das möchte ich nicht." "Meine Worte wären sehr, sehr dunkel." 17:13 Ich könnte der menschlichen Rasse keinen Respekt zollen und doch, ich muss das einschränken, gehe ich nicht umher und hasse jeden, den ich treffe." "Ich habe Freunde und Vertrauen im Allgemeinen, aber die Menschheit als Ganzes, ..." 17:35 " ... nein, sie ist ein Tier, ein grausames Tier." Nur ein kleiner Teil der SS-Täter wird vor Gericht gestellt, wie bei den Frankfurter Auschwitz-Prozessen 1964. 17:56 Fast alle leugnen ihre Schuld. "Ein schlechtes Gewissen kommt da nicht raus." 18:03 "Es sind oft Worte wie: Sie wollen nicht mit den Fragen belästigt werden, sie sind froh, dass sie nicht mehr daran denken müssen ..." "... und die Fragen würden jetzt wieder Erinnerungen aufwühlen bei denen sie ja eigentlich froh waren, dass sie jetzt nicht mehr präsent sind." 18:15 "Aber etwas wie ein offenes Bekenntnis zur Reue haben wenige nach 1945 geliefert." "Die Mehrheit ist oder ist scheinbar nahtlos zurückgekehrt und hat relativ problemlos, ..." 18:33 "... wenn sie nicht juristisch verfolgt worden sind, sich wieder in die Nachkriegsgesellschaft eingefunden." Von den SS Leuten, die in Auschwitz Dienst taten und den Krieg überlebten wird nur jeder Achte verurteilt. 18:46 Insgesamt rund 800 bestrafte Täter - bei über einer Million Menschen, die in Auschwitz ermordet wurden. Falls das Video Euer Interesse geweckt hat, dann abonniert unseren Kanal, 18:58 damit ihr auch in Zukunft keines unserer Geschichtsvideos verpasst. Wenn ihr mehr zum Nationalsozialismus erfahren wollt, haben wir euch hier ein weiteres Video verlinkt. Anne Frank - So entstand ihr Tagebuch