Stauffenberg-Attentat auf Hitler: Scheitern und Folgen des 20. Juli 1944 MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=MjvUoR4UjeY Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Rastenburg in Ostpreußen am 20. Juli 1944. Es ist 12:42 Uhr. 0:05 Eine heftige Explosion erschüttert den Sommertag auf dem Gelände der sogenannten Wolfsschanze. 0:10 Der Führungsstab der Wehrmacht arbeitet und wohnt hier. Hier treffen Hitler und seine Generäle 0:15 die wichtigsten militärischen Entscheidungen. Schnell ist klar: Die Explosion war in der Beratungsbaracke. 0:21 Dort, wo Adolf Hitler gerade eine Besprechung hat. Der Urheber des Attentats: 0:25 Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ein hoher Offizier. In diesem Video hier schauen wir uns das Attentat vor 80 Jahren ganz genau an. 0:34 Wer waren die Hinterleute? Welche Folgen hatte das Attentat? Los geht's. 0:40 Nachdem Stauffenberg eine Aktentasche mit Sprengstoff in die Beratungsbaracke geschmuggelt hat, 0:45 verlässt er unter einem Vorwand das Gebäude. Er weiß, wenn das Attentat gelingt, 0:50 muss er schnellstens wieder nach Berlin fliegen, um von dort aus alles zu koordinieren. 0:54 Als die Bombe explodiert, ist Stauffenberg bereits im Auto auf dem Weg zum Flugplatz, 0:58 aber noch auf dem Gelände der Wolfsschanze. Ihn begleitet Werner von Haeften. 1:03 Sein Adjutant; also so etwas wie sein Assistent. Wachleute halten sie zwar auf, 1:07 aber letztlich schaffen es die beiden Männer, durch den bereits blockierten Sperrkreis um das Gelände zu entkommen. 1:13 Stauffenberg ist fest davon überzeugt, dass Hitler das Attentat nicht überlebt haben kann. 1:18 Sie landen gegen 16:00 Uhr auf dem Flugplatz bei Berlin, von dem sie erst am selben Morgen gegen 8:00 Uhr nach Ostpreußen abgeflogen sind. 1:25 Sofort lässt Stauffenberg Vertrauten im Bendlerblock, einem wichtigen Verwaltungsgebäude der Wehrmacht, eine Nachricht zukommen. 1:33 Obwohl Stauffenberg selbst immer noch nicht weiß, ob das Attentat tatsächlich gelungen ist, gibt er seine Überzeugung weiter, 1:40 dass Hitler tot sei. Denn es muss schnell gehen. Hitler und die NS-Führung erhalten 1:44 immer noch große Loyalität von der Mehrheit der Deutschen, obwohl sich eine Niederlage des Krieges schon abzeichnet 1:50 und immer mehr Menschen eine Ahnung von den NS-Verbrechen haben. Um das Regime zu stürzen, haben die Widerständler einen bereits 1:58 für den Fall von Unruhen vorhandenen Befehl für ihre Zwecke umgeschrieben. Codename: „Walküre“. 2:05 Er soll sicherstellen, dass alle wichtigen Stellen im Staatsapparat durch den Widerstand besetzt werden. 2:11 Aber manche Eingeweihte zögern. Sie zweifeln am Gelingen des Attentats, wie zum Beispiel 2:16 Generaloberst Friedrich Fromm, der Chef des Ersatzheeres. Nur wenn Hitler tot ist, will er sich dem Widerstand anschließen. 2:24 Dagegen versucht General Friedrich Olbricht, den Umsturz mit der Befehlsweitergabe zum Beispiel 2:29 zur Verhaftung der Sicherheitskräfte einzuleiten. Die Lage ist unklar. 2:34 Gegen 16:00 Uhr hat sich der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, nämlich Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, aus der Wolfsschanze gemeldet. 2:42 Vier der 24 Anwesenden sind tot. Adolf Hitler aber ist nur leicht verletzt. 2:49 Wie Adolf Hitler das Attentat überlebt hat, dazu haben wir ein kurzes Video gemacht. Das verlinken wir euch hier oben. 2:54 Wenig später telefoniert Stauffenberg mit seinem Cousin in Paris, Oberstleutnant Cäsar von Hofacker. 2:59 Daraufhin laufen dort die Maßnahmen des Widerstands an Bis etwa 17:00 Uhr 3:05 sind auch andere Dienststellen informiert, Wien und Prag zum Beispiel. Da die Fernschreiben mit den „Walküre“-Befehlen der höchsten 3:12 Geheimhaltungsstufe unterliegen, müssen sie einzeln durchgegeben werden. Wichtige Zeit geht auf diese Weise verloren. 3:21 In Berlin ist Friedrich Fromm immer noch nicht überzeugt. Stauffenberg nimmt ihn fest. 3:26 Den Widerständlern gelingt es dennoch nicht, die wichtigsten Schaltstellen der Macht zu übernehmen. 3:31 Rundfunk, Reichskanzlei, Reichspropagandaministerium und Reichssicherheitshauptamt, 3:36 die Polizeizentrale des Dritten Reichs, bleiben in Händen der Machthaber. Beim damals wichtigsten und auch schnellsten Nachrichtenmedium, 3:43 dem Rundfunk, werden die Aufständischen gar hinters Licht geführt. Während sie das Sendezentrum besetzen, kursieren schon von etwa 17:45 an aus 3:52 einem benachbarten Bunker Radiomeldungen, dass ein Attentat verübt worden sei, aber Hitler lebt. 3:58 Viele Widerständler sind unsicher, was zu tun ist. Außerdem kommen nun auch Fernschreiben vom Oberkommando der Wehrmacht an, 4:04 die von Hitlers Überleben berichten und die „Walküre“-Befehle widerrufen. Stauffenberg versucht noch, Zweifler zu überzeugen 4:12 und behauptet, selbst gesehen zu haben, dass Hitler tot sei. Aber die Leute vom 20. Juli 4:16 können nicht mehr genügend Unterstützung im Militär und in der Polizei mobilisieren. 4:23 So muss Stauffenberg gegen 22:00 Uhr nach Paris melden, dass in Berlin alles verloren ist. 4:28 Im Bendlerblock haben sich mittlerweile regimetreue Offiziere zusammengeschlossen, um den Aufstand niederzuschlagen. 4:34 Sie holen General Fromm aus seinem Hausarrest. Nach einem kurzen Schusswechsel werden die Hauptfiguren des Widerstands, 4:40 Stauffenberg und sein Adjutant Werner von Haeften sowie die Offiziere 4:43 Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht verhaftet und verhört. Der pensionierte Generaloberst Ludwig Beck erhält, wie in dieser Rangordnung üblich, 4:52 die Gelegenheit zum Suizid. Als ihm nicht gelingt, sich zu erschießen, macht das ein Offizier. 4:57 Um seine eigenen Kontakte zum Widerstand zu vertuschen, verurteilt General Fromm die anderen vier Festgenommenen gegen militärisches Recht eigenmächtig zum Tod. 5:06 Etwa zehn Stunden nach der Explosion ist der Versuch des Regimewechsels vollständig gescheitert. 5:13 Das Attentat vom 20. Juli 1944 ist vielleicht der am besten vorbereitete Versuch, Hitlers Macht zu brechen. 5:19 Der Widerstandskreis, dem Stauffenberg sich 1943 anschließt, besteht schon mehrere Jahre. 5:24 Besonders Oberst Henning von Tresckow hat zu dieser Zeit schon Attentate geplant, die 5:28 aber immer im letzten Moment gescheitert sind. Das Netzwerk des 20. Juli, 5:32 insgesamt etwa 200 Personen, umfasst nicht nur Offiziere, sondern auch Vertreter der Zivilgesellschaft, darunter viele frühere Politiker. 5:40 Claus Schenk Graf von Stauffenberg kommt aus einer christlich geprägten Adelsfamilie. 5:45 Nach seinem Abitur 1926 entscheidet er sich 5:48 für eine militärische Laufbahn, die ihn bis in den Rang eines Obersten bringt. 1943 wird er schwer verwundet, verliert eine Hand und ein Auge 5:56 und kommt danach in den Generalstab. Deshalb bekommt er auch Zugang zu den Besprechungen mit Hitler. 6:02 Auch Werner von Haeften und Albrecht Mertz von Quirnheim sind Offiziere und entstammen dem Adel. 6:07 Es sind im Wesentlichen Leute, die stark von den Werten und Idealen 6:10 der Kaiserzeit geprägt sind, weniger von den Grundlagen der Weimarer Republik. Man spricht auch vom nationalkonservativen Widerstand, 6:18 der vor allem aus Adel, Großbürgertum und oberer Mittelschicht stammt. Ziel ist es vor allem, eine Niederlage 6:24 wie im Ersten Weltkrieg zu verhindern und möglichst die Machtstellung Deutschlands zu erhalten. 6:29 Auch der Rechtsstaat soll wiederhergestellt werden. Aber, das muss man auch sagen, 6:33 wir können nicht wissen, was tatsächlich nach einem gelungenen Attentat geschehen wäre. 6:37 Erstens haben die Alliierten schon 1943 auf der Konferenz von Casablanca 6:41 beschlossen, dass Deutschland bedingungslos kapitulieren muss, um den Krieg zu beenden. 6:45 Zweitens gab es ja auch kommunistische, sozialdemokratische, liberale und religiös motivierte Widerstandsbewegungen, 6:52 die nach dem Fall des Hitlerregimes am Wiederaufbau hätten mitwirken wollen. Eine breite, über die politischen 6:57 und ideologischen Grenzen hinausgehende Widerstandsbewegung gab es in Deutschland nicht. 7:02 Was den 20. Juli außergewöhnlich macht, ist die starke Beteiligung des Militärs. 7:06 Und gerade deshalb wäre es für einen erfolgreichen Umsturz so wichtig gewesen, dass Hitler das Attentat nicht überlebt. 7:13 Schließlich sind alle Militärs im NS-Staat auf Hitler persönlich vereidigt und nur sein Tod 7:19 hätte die Soldaten aus ihrer Sicht aus ihrem Eid gegenüber Hitler entlassen. Man mag das für eine übersteigerte Ehrvorstellung halten, 7:27 aber das unbedingte Festhalten an einem Eid ist für das Handeln im Militär wichtig. Viele Offiziere, die dem Widerstand nahestehen, sind daher überzeugt: 7:36 Ein Aufstand gegen Hitler ist nicht mit ihrem Eid vereinbar, solange der noch lebt. 7:42 Immerhin darf man nicht vergessen, dass gerade die Armee sehr von Hitler profitiert hat und sehr viele Militärs 7:47 ihre Karriere dem sogenannten Dritten Reich verdanken. Bei den Widerständlern dagegen dominiert die Sicht, 7:52 dass es mit ihrem Gewissen nicht vereinbar ist, diesen Krieg so weiterzuführen und einem verbrecherischen Regime zu dienen. 7:59 Diese Einsicht, muss man dazu sagen, ist nur langsam gewachsen und die brutale Kriegsführung der Führungsriege gerade in Osteuropa 8:05 war dafür verantwortlich. Die Verbrechen der Wehrmacht, die gerade den Militärs bekannt waren, 8:10 die rassistische Vernichtungspolitik des NS-Staates, aber auch die sich anbahnende Niederlage überzeugt sie, dass gehandelt werden muss. 8:19 Der militärische Widerstand handelt nicht allein. Er unterhält Kontakte zu anderen oppositionellen Gruppen, wie zum Beispiel 8:26 dem sogenannten Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke, seine Frau Freya und Peter Graf Yorck von Wartenburg. 8:34 Das ist eine zivile Widerstandsgruppe, die aus Adligen, Christen beider Konfessionen und Sozialdemokraten besteht. 8:41 Aus einem anderen, konservativeren Kreis, kommt neben Generaloberst Ludwig Beck zum Beispiel der Politiker Carl Goerdeler. 8:47 Er war bis 1937 Bürgermeister von Leipzig und ist von den Widerständlern als Kanzler vorgesehen. 8:53 Mit den Offizieren um Stauffenberg kommt dieser Kreis ab 1943 in Kontakt. Diese drei Gruppen sind an den Planungen beteiligt, 9:02 aber nur die Offiziere kommen nahe genug an Hitler heran, um überhaupt ein Attentat durchführen zu können. 9:08 Nach dem gescheiterten Attentat nimmt das Regime blutige Rache. Im Laufe der nächsten Monate werden Hunderte Personen verhaftet 9:14 und eingesperrt, zum Teil auch ganze Familien von Widerständlern. Vom August 1944 bis April 1945 werden allein vom sogenannten 9:22 Volksgericht in Berlin etwa 200 Urteile gefällt, davon mehr als 100 Todesurteile. Die meisten Hinrichtungen davon, nämlich 89, erfolgen in der 9:31 Strafanstalt Plötzensee in Berlin. Dort ist heute eine Gedenkstätte eingerichtet. 9:35 Wir beziehen uns hier in dem Video auf Zahlen der Gedenkstätte Plötzensee. Andere Quellen sprechen von deutlich mehr Verhaftungen und mehr Hinrichtungen. 9:42 Manche der Gerichtsverhandlungen werden vom Regime gefilmt, um das propagandistisch auszuschlachten. 9:47 Aber viele Angeklagte zeigen Haltung und so verschwindet das Filmmaterial in den Archiven. 9:53 Schaut man auf die vielen Prozesse, wird noch mal deutlich, dass der Widerstand 9:56 von einer breiteren Gruppe getragen wurde und nicht nur von Männern. Mehr als ein Dutzend Frauen werden inhaftiert und vier auch hingerichtet. 10:05 Hitlers Propaganda verbreitet dagegen, dass am 20. Juli nur eine ganz kleine Clique Offiziere das Attentat geplant 10:12 und durchgeführt habe. Diese Vorstellung bleibt auch nach 1945 noch verbreitet. 10:17 Viele Menschen werfen den Offizieren damals vor, dass sie ihren Eid gebrochen hätten und damit Verräter sein. 10:24 Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 ändert sich das allmählich. 10:29 Von den 1950er Jahren an werden die Attentäter gewürdigt. 1952 wird in Berlin im Bendlerblock eine Gedenkstätte eingerichtet. 10:37 Zum 20. Juli finden regelmäßig Feierlichkeiten statt. In der DDR dagegen gilt der Widerstand des 10:43 20. Juli nicht viel. Hier wird vor allem der kommunistische Widerstand geehrt. 10:48 Andere Widerstandsaktivitäten werden eher stiefmütterlich behandelt. Kurz: Beide deutsche Staaten suchen sich den Widerstand aus, der ideologisch passt. 10:57 Inzwischen ist unser Bild vom 20. Juli 1944 differenzierter 11:01 und dieser Tag ist heute wohl einer der am besten erforschten in der deutschen Geschichte. 11:06 Der 20. Juli ist ein wichtiger Teil des Gedenkens an den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 11:11 Vielleicht kennt ihr die Geschichte des Attentats und seiner Folgen auch aus den Verfilmungen zum Beispiel 11:15 von 2004 mit Sebastian Koch und natürlich 2008 mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Was meint ihr denn? 11:22 Ist das Gedenken an das Attentat immer noch aktuell? Oder sollte lieber an die vielen anderen 11:26 Widerstandsbewegungen und Attentatsversuche, die es ja auch gab, gemeinsam erinnert werden? 11:31 Schreibt es gerne unten in die Kommentare und wenn ihr euch für dieses Thema interessiert, dann klickt 11:36 gern auch mal hier. Dort findet ihr ein Video von Terra X History, das sich auch darum dreht. 11:41 Sehr interessant. Also schaut doch mal rein. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.