Die Russischen Revolutionen erklärt MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=Kt6QoiZ4mQs Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Zuerst stürzt man sich ins Gefecht, das Weitere wird sich finden. So fasst Lenin zusammen, wie Revolution gemacht wird. 0:06 Nicht lange fackeln, sondern machen. Und im Prinzip läuft die Oktoberrevolution 1917 genau so ab. 0:12 Die Russische Revolution prägt die Geschichte Russlands entscheidend. Bis heute. Noch immer polarisiert das Thema. 0:19 Ist sie glorreicher Wendepunkt in der Geschichte Russlands oder sogar der ganzen Welt? 0:24 Oder doch nur ein blutiger Krieg, geführt für die falschen Ideale? Oder beides? Und welche Rolle spielt Lenin dabei? 0:31 In diesem Video sprechen wir darüber, wie es zu der Russischen Revolution, oder eher den Russischen Revolutionen kommt und über das Jahr 1917. 0:39 Spoiler Alarm: Revolution im Plural, denn wie gesagt, es gibt mehrere. Dazu jetzt mehr. 0:46 (Pling-Laut) Was ist eine Revolution überhaupt? 0:50 Die Bundeszentrale für Politische Bildung definiert Revolution als schnelle, radikale, in der Regel gewaltsame 0:56 Veränderung der Bedingungen. Das bedeutet meist: Weg mit den amtierenden Herrschern, es muss etwas Neues her. 1:02 Ob Revolutionen etwas Gutes oder Schlechtes sind, das bleibt offen. 1:06 Wir neigen dazu, die Französische Revolution als gut einzuordnen. 1:10 Aber wie ist das mit den Russischen Revolutionen? Klären wir zunächst einmal, wie es zu den Revolutionen überhaupt kommt. 1:17 Klar ist, Revolutionen kommen nicht aus dem Nichts. Menschen stehen dahinter. 1:22 Menschen, die nicht zufrieden sind mit ihrer Situation. Die Menschen sind im Russischen Reichen damals 1:29 in nahezu allen Bereichen unzufrieden. Die Wissenschaft fasst die Ausgangslage Russlands 1:33 als tiefgreifendes Strukturproblem zusammen. Okay, das kann Vieles heißen, heißt aber konkret: 1:39 Bereits seit Jahrzehnten rumort es in der russischen Gesellschaft. Was ist da eigentlich genau los? 1:46 Russland ist um 1900 herum vor allem im Vergleich zu westlichen Nachbarn wirtschaftlich abgehängt. 1:52 Anders als etwa das Britische Empire oder das deutsche Kaiserreich, ist das russische Reich immer noch stark landwirtschaftlich geprägt. 2:01 Bauern stellen den Großteil der russischen Bevölkerung und die sind oft hoch verschuldet. 2:06 Das ist eine Folge der sogenannten Bauernbefreiung 1861. Vorher gehören Bauern den Gutsbesitzern, 2:12 deren Land sie bewirtschaften. Seit 1861 können sich Bauern aus dieser Knechtschaft herauskaufen. 2:18 Freiheit gibt es für Bauern also nur gegen Rubel, das Zahlungsmittel in Russland. 2:23 Viele gehen den Schritt. Aber wie gesagt, sie verschulden sich dadurch häufig. 2:27 Einige ziehen auf der Suche nach Arbeit und in der Hoffnung auf besseres Leben in Städte. 2:32 Sie wollen in den Fabriken eine Anstellung finden. Entweder als Saisonarbeiter oder aber auch dauerhaft. 2:40 Fabriken finden sie in den urbanen Zentren Moskaus und St. Petersburgs. Das Problem: die russische Industrie - 2:47 ich hab's schon erwähnt - ist im Vergleich nicht so gut entwickelt. Insgesamt sieht die Lebens- und Arbeitsrealität dort anders aus 2:54 als sich das viele gedacht haben. Schauen wir uns St. Petersburg an. 2:58 Die meisten Arbeiter verdienen dort zwar ein Drittel mehr Lohn als im russischen Durchschnitt, aber er ist hart verdient. 3:05 Frauen und Kinder verdienen weniger als Männer. Das Leben in der Stadt ist auch teuer. 3:10 Preise für Nahrung und Kleidung sind hoch. St. Petersburg ist um 1900 die teuerste Stadt des Reichs. 3:16 Dazu kommen noch Abgaben und Steuern. Am Ende bleibt also vom Lohn nicht viel übrig. 3:21 Wenn überhaupt. Auch die Arbeitsumstände sind katastrophal. 3:24 Arbeiter schuften täglich elfeinhalb Stunden. Je nach Branche sogar noch länger. 3:29 Ihr seht, egal, ob auf dem Land oder in der Stadt, Arbeiter und Bauern sind alles andere als glücklich. 3:35 Kann man sich auch vorstellen. Hoffnung, dass sich was ändert, setzen die Menschen in diesen Mann, 3:41 den ihr hier sehen könnt: den russischen Zaren Nikolaus II. 3:44 Er und seine Vorfahren sind Jahrhunderte alleinige Herrscher. Der Zar ist überfordert mit der Gesamtsituation. 3:51 Sein großes Problem: sein Reich droht, auseinanderzubrechen. Im riesigen russischen Reich leben nicht nur Russen, 3:57 sondern Menschen vieler Ethnien und Völker. Die streben seit dem 19. Jahrhundert die Autonomie von Russland an. 4:03 Sie wollen nicht dazugehören. Der Zar und seine Leute versuchen jetzt, 4:07 diese Menschen stärker an Russland zu binden. Das Schlüsselwort ist: Russifizierung. 4:12 Also weg von den eigenen Bräuchen, der Sprache und vor allem die Idee der Autonomie und die Forderungen, 4:18 die sollen sie vergessen. Alle sollen Russen sein, 4:21 oder zumindest die Überlegenheit der russischen Nation anerkennen. Hier ist das Schlagwort: Großrussischer Nationalismus. 4:29 Aber wer nach Autonomie strebt, der lässt sich von solcher Propaganda nicht beeindrucken. 4:34 Die Russifizierungspolitik führt eher zum Gegenteil. Zu noch mehr Opposition. 4:40 Wegen all dieser Gründe vom Konflikt um die Nation und Ethnien bis zur prekären Arbeitslage von Bauern und Industriearbeitern 4:47 brodelt es im Reich. Die Unzufriedenheit mit der Politik des Zaren wächst. 4:51 Jeder weitere Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen. Und dieser Tropfen fällt 1904 ins Fass. 4:58 Russland kämpft im Krieg gegen Japan. Russland verliert den Krieg 1905. 5:03 In St. Petersburg entlädt sich der ganze angestaute Frust. Tausende Arbeiter protestieren. 5:08 Anlass ist die willkürliche Kündigung vieler Arbeiter. Man fordert bessere Arbeitsbedingungen, 5:13 einen Acht-Stunden-Tag, eine bessere Bezahlung, 5:16 Mitsprache in den Betrieben. Am Sonntag, den 9. Januar 1905, 5:20 zieht ein Menschenzug friedlich in St. Petersburg zur Residenz des Zaren. 5:24 Sie tragen Ikonen von ihm mit sich, denn schließlich erhoffen sie seine Hilfe. 5:29 Überforderte Wachen schlagen die Demonstration blutig nieder. Es gibt Tote und Verletzte. 5:34 Die Ereignisse gehen als Blutsonntag in die Geschichte ein und bewirken wieder das Gegenteil. 5:40 Die Forderungen werden lauter. Die Menschen fordern nicht mehr nur verbesserte Arbeitsbedingungen, 5:45 sondern sie wollen eine ganz klare Veränderung in der Politik. Etwa die Errichtung eines Parlaments. 5:51 Die Erste Russische Revolution ist voll im Gange. In ganz Russland gehen die Menschen bis zum Herbst 1905 auf die Straße 5:59 und die Bewegung radikalisiert sich. Im Dezember kommt es zu einem bewaffneten Aufstand der Arbeiter. 6:05 Aber die zarischen Gruppen schlagen den Aufstand erneut blutig nieder. Die russischen Truppen beenden diese erste Russische Revolution 6:13 mit Gewalt. Hat sie also gar nichts gebracht? 6:17 Na ja, der Kampf der Menschen ist nicht ganz umsonst. Nach den Ereignissen 1905 stimmt der Zar einer Verfassung zu. 6:23 Russland erhält auch ein gesamtrussisches Parlament, die Duma. 6:27 Man muss aber klar sagen: Der Zar bleibt der Herrscher. Grundsätzlich ändert sich also nicht so viel. 6:33 Aber man merkt, die Gesellschaft ist in Bewegung. Und die meisten Konflikte sind nicht einmal ansatzweise gelöst. 6:40 Und dann die nächste Katastrophe. Im Sommer 1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. 6:45 Wie andere Nationen erhoffen die Russen einen schnellen Sieg. Aber je länger der Krieg dauert, desto klarer wird, 6:51 den wird's nicht geben. Enttäuschung über den schleppenden Verlauf 6:55 demoralisiert die Truppen. Auch die Zivilbevölkerung ist zunehmend unzufrieden. 6:59 Den meisten bleibt kaum was zu essen, denn die Front muss versorgt werden 7:04 und hat Priorität. Im sehr harten Winter 1916/1917 kann kaum noch Nahrung 7:09 und Kohle ausgeliefert werden. Die Situation spitzt sich zu. 7:13 Am 8. März beziehungsweise 23. Februar nach russischem Kalender, also dem Internationalen Frauentag, 7:19 der 1911 eingeführt wurde, gehen Textilarbeiterinnen und Hausfrauen auf die Straßen 7:23 von Petrograd, dem ehemaligen St. Petersburg. Die aufgebrachten Frauen fordern nichts Unmögliches: 7:29 Brot und Frieden. Es geht um nicht weniger, als das Überleben, wollen sie klarmachen. 7:34 Daheimgebliebene Frauen gehören zu den Menschen, die unter diesen katastrophalen Bedingungen besonders leiden. 7:40 Auf dem Weg durch die Stadt schließen sich ihnen Industriearbeiter an. Die Proteste halten tagelang an und werden immer größer. 7:48 Petrograd befindet sich im Ausnahmezustand, zarische Truppen reagieren. 7:53 Mit Gewalt. Bei den Demonstrationen sterben viele Menschen. 7:57 Angesichts der chaotischen Lage wenden sich jetzt Teile des zaren- treuen Militärs vom Herrscher ab. 8:03 In der Stadt übernehmen Soldaten und Arbeiter die Waffenarsenale. Und inmitten des Chaos bilden sich neue politische Gremien. 8:11 Die zweite Revolution, die Februarrevolution, ist in vollem Gange. 8:16 Die politischen Proteste bewegen Zar Nikolaus II. am 2. März des russischen Kalenders zur Abdankung. 8:21 Damit liegt die Macht in Russland zum ersten Mal in seiner Geschichte in den Händen des Volkes. 8:27 Zumindest in den Händen ihrer politischen Vertreter. Ist jetzt alles gut für die Bevölkerung? 8:33 Schauen wir uns mal an, wer jetzt an der Macht ist. Es gibt nicht nur eine, sondern zwei Gruppen, 8:38 die Russland vertreten wollen. Erstens die Mitglieder der provisorischen Regierung. 8:43 Das sind vor allem versierte, liberal eingestellte Politiker, die vorher schon im Parlament der Duma gesessen haben. 8:49 Das zweite Gremium ist der Petrograder Sowjet. Sowjet ist russisch und bedeutet "Rat". 8:55 Dahinter verstecken sich Gremien, die basisdemokratisch funktionieren. So ein Sowjet bildet sich Ende Februar in Petrograd. 9:03 Das wird später noch mal wichtig. Die provisorische Regierung und der Petrograder Sowjet 9:08 sind nun politische Entscheidungsträger. Auch wenn Mitglieder der provisorischen Regierung sagen, 9:13 dass sie die Regierungsverantwortung allein übernommen haben. Das Problem ist nun, 9:18 die beiden Gremien müssen sich abstimmen. Das macht die politische Entscheidungsfindung langwierig 9:24 und zermürbend. Die russischen Gremien schaffen es nicht, 9:27 dauerhaft stabil zu regieren. Auch weil sie die Probleme, vor allem die wirtschaftlichen, 9:32 nicht lösen können. Das liegt auch daran, dass Russland sich immer noch im Krieg befindet. 9:38 Die Männer möchten nicht mehr in einem Krieg kämpfen, der ganz offensichtlich verloren ist. 9:44 Aber die Alliierten, Frankreich und Großbritannien, fordern von der neuen russischen Regierung, weiterzukämpfen. 9:51 Das führt dann dazu, dass die Regierung im Mai 1917 eine weitere militärische Offensive startet. 9:57 Da haben sie nicht mit den Soldaten gerechnet oder besser gesagt, ab jetzt müssen sie ohne Soldaten rechnen. 10:03 Denn die Truppen desertieren. Und zwar scharenweise. 10:08 Wer kann die ganze Krise jetzt lösen? Ein Mann behauptet zumindest, dass er das hinbekommt. 10:14 Diesen Mann kennt ihr vielleicht. Besser bekannt als Lenin. 10:20 Er ist Politiker, radikaler Sozialist. Er selbst kommt aus einer bürgerlichen Familie. 10:26 In der Jugend schließt er sich den Sozialisten an. Grund könnte die Verurteilung seines älteren Bruders gewesen sein. 10:32 Der ist Mitglied der Terrorgruppe Narodnaja Wolja gewesen. Nach der Hinrichtung seines Bruders, 10:38 wird Lenin selbst Mitglied. Ziel ist ein Umsturz durch Bauern, 10:42 und das Mittel sind Terrorangriffe auf Mitglieder des Zarenhauses. Jahre später als Anwalt in Samara und St. Petersburg 10:49 wird Lenin Teil marxistischer Gesprächskreise. Er beginnt, seine Theorien zu konzipieren. 10:54 Er passt die Thesen von Marx, zu dem haben wir auch ein Video, nach seiner Sicht an die Umstände Russlands an. 11:00 Das bedeutet: Für eine erfolgreiche Revolution müssen Bauern und Arbeiter zusammenstehen, sagt er. 11:06 Lenin wird eine beherrschende Figur der russischen Sozialisten. Und so wird er auch Kopf der Berufsrevolutionäre, 11:12 der Bolschewiki. Lenins großes Ziel ist eine Revolution. 11:17 Darauf arbeitet er geradezu fanatisch hin. Als im Frühling 1917 deutlich wird, 11:23 dass die neue Regierung aus provisor- ischer Regierung und Sowjet an Rückhalt verliert, 11:28 sieht der Taktiker Lenin die Chance, die Macht zu ergreifen. Lenin, der sich bis dahin im Schweizer Exil befindet, 11:35 fährt mit der deutschen Reichsbahn zurück nach Russland. Lenin positioniert sich öffentlich gegen die provisorische Regierung. 11:43 In den sogenannten Aprilthesen ruft er ganz klar dazu auf, die aktuelle Regierung nicht mehr zu unterstützen. 11:49 Er propagiert den gewaltsamen Umsturz. Das ist nicht Parteilinie, aber Lenin setzt seinen Willen durch. 11:56 Der provisorischen Regierung will Lenin ein Ende setzen und das tut er geschickt. 12:00 Er arbeitet nämlich einen Umsturzplan aus. Dann kommt der Tag, an dem er und die Bolschewiki 12:07 diesen Plan in die Tat umsetzen. Es ist der 25. Oktober 1917, 12:13 als die Bolschewiki wichtige Gebäude in Petrograd besetzen. Vielleicht habt ihr so ein Bild wie dieses vor Augen, 12:19 wie die siegreichen Revolutionäre in Massen den Winterpalast, die ehemalige Residenz der Zaren, erstürmen. 12:26 Der sowjetische Filmemacher Sergej Eisenstein hat diesem Ereignis mit seinem Film "Oktober" 12:31 1928 ein Denkmal gesetzt. Abgesehen davon, dass der Film an der Kinokasse floppt, 12:36 sind die Bilder dramatischer, als in der Realität. Ein Propagandafilm, 12:40 der vor allem im Nachhinein zeigen soll, wie spektakulär diese Revolution abgelaufen ist. 12:45 Ich sagte ja, dass die Bewertung der Revolutionen sehr unterschiedlich und auch schwierig ist. 12:51 Bis heute werden die fiktionalen Filmaufnahmen übrigens als Originalaufnahmen in Dokus benutzt, müsst ihr drauf achten. 12:58 In Wirklichkeit sind es wenige Revolutionäre, die das Gebäude stürmen. 13:02 Die Wachen ergeben sich, ohne groß Gegenwehr zu leisten. Noch in dieser Nacht erklären sich die Bolschewiki um Lenin 13:09 zu den neuen Machthabern. Das ist die große Oktoberrevolution. 13:13 Die dritte Russische Revolution sozusagen. Direkt am nächsten Tag, am 26. Oktober, 13:18 bringen sie die ersten Dekrete heraus. Darin sprechen sie sich für ein Ende der russischen Teilnahme 13:24 am Ersten Weltkrieg aus. Außerdem überlassen sie sämtliches Land von Kirchen, 13:28 Gutsbesitzern und der Zarenfamilie den Bauern. Ihr erinnert euch, deren Rückhalt ist aus ihrer Sicht 13:34 für eine erfolgreiche Revolution wichtig, weil es so viele sind. Jetzt wisst ihr auch, 13:39 warum es ein Zug der deutschen Reichsbahn war, der Lenin nach Russland brachte. 13:43 Das Deutsche Reich hatte was davon, dass Russland aus dem Krieg austrat. Dass für 1917 noch Wahlen angesagt sind, 13:50 passt da nicht so ins Konzept. Aber die Wahlen finden statt. 13:53 Die Bolschewiki sind noch nicht so fest im Sattel, als dass sie andere linke Gruppierungen verprellen könnten. 13:59 Gruppierungen, die eben Rückhalt in der Gesellschaft haben. Die Wahlen finden also statt. 14:05 Bei dieser Wahl landen die Bolschewiki nach den linken Sozialrevolutionären 14:09 abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Aber am 5. Januar 1918 umstellen bolschewistische Truppen, 14:15 die Rote Garde genannt, den Taurischen Palais, der Sitz der Duma. 14:20 Sie lassen keine Abgeordneten rein. Symbolisch nehmen sie den Sitz der parlamentarischen Demokratie ein. 14:26 Sie zeigen, hier haben nur wir das Sagen. Wir, das sind die Bolschewiki. 14:31 Sie haben erst mal die Sympathie von Teilen der Bevölkerung hinter sich. Woran liegt das? 14:36 Die Bolschewiki gehen auf die Bedürfnisse des Volkes ein, beschaffen Nahrung. Das kommt an. 14:42 Denn grade die Versorgung der Bevölkerung war lange ein großes Problem. 14:46 Das heißt aber längst nicht, dass jetzt alles besser ist. Mit der Meinungsfreiheit ist es nicht weit her. 14:52 Andersdenkende soll es nicht geben. Sie werden verfolgt. 14:55 Auch Kritiker in den Reihen der Bolschewiki, ganze Parteien flüchten in den Untergrund. 15:01 Um dem Gegner ihre Gallionsfigur zu nehmen, stellen die Bolschewiki den jetzt Ex-Zaren und dessen Familie 15:07 unter Hausarrest. In Jekaterinburg, über 1.000 Kilometer entfernt von Moskau, 15:12 werden die Romanovs rund um die Uhr überwacht. Die Gegner der Bolschewiki lassen sich davon nicht entmutigen. 15:19 Sie, die wieder einen Zaren haben wollen, finden sich ab Frühsommer 1918 in einem Bürgerkrieg 15:25 gegen die Bolschewiki wieder. Das sind die Hauptgegner. 15:28 Aber es mischen noch weitere Parteien mit. Der Bürgerkrieg dauert weitere drei Jahre. 15:34 Beide Seiten terrorisieren und zerstören. Mindestens acht Millionen Menschen sterben. 15:39 Mehr als infolge des Ersten Weltkriegs. Und auch die Zarenfamilie ist tot. 15:44 Bereits 1918. Erschossen von ihren Aufpassern. 15:48 Mehr dazu und der Zarentochter Anastasia, die angeblich überlebt haben soll, 15:53 findet ihr auch bei Instagram und unseren Account unten in der Infobox. 1921 können die Bolschewiki den Bürgerkrieg zwar entscheiden, 16:00 aber auch in der Zeit werden wirtschaftliche und soziale Probleme nicht wirklich gelöst. Dazu kommt eine Hungerkatastrophe. 16:07 Ausgelöst durch ungünstige Witterung, verschlechtert durch Misswirtschaft. Wenn man das so sieht, sind wir bei ähnlichen Problemen 16:14 wie denen, die wir am Anfang geschildert haben. Die Bolschewiki müssen ab 1921 versuchen, 16:20 einen Staat aufzubauen, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat. 16:24 Das läuft viel mit Try and Error, könnte man sagen. Und wer nicht mitmacht, dem drohen Gewalt und Härte. 16:30 Ob Andersdenkende oder Kritiker, Abertausende fallen dem roten Terror zum Opfer. 16:36 War die Revolution jetzt also gut oder schlecht? In Sowjetrussland ist die Antwort ganz klar: 16:42 Natürlich war sie gut! Der Tag der Revolution ist ein Feiertag gewesen. 16:46 Noch Gorbatschow nennt 1987 seine Reformansätze "Revolution" in Anlehnung an die Revolutionen 1917. 16:53 Zu ihm findet ihr auch ein Video bei uns. Einer seiner Amtsvorgänger nennt die Februarrevolution 16:58 die erste Erfahrung realer Demokratie. Lenin gehört zu den Helden dieser Geschichte. 17:04 Die Wahrnehmung der großen Revolution ändert sich, nach dem Untergang der UdSSR 1991. 17:10 Revolutionen werden zunehmend negativ wahrgenommen. Die Machthaber des heutigen Russlands 17:15 sehen die Revolution, vor allem die Oktoberrevolution, als nationale Tragödie. 17:20 Die Bolschewiki, allen voran Lenin, geistiger Architekt der Sowjetunion, haben russische nationale Werte verraten, heißt es. 17:27 Heutzutage schließt sich Wladimir Putin dieser Deutung an, wenn er Stärkung der russischen Einheit 17:33 und Rückkehr russischer Werte fordert. Den Umgang mit der Revolution sieht man am besten an der Umdeutung 17:38 des offiziellen Feiertages am 25. Oktober. 2005 schafft Putin diesen Tag ab. 17:43 Stattdessen soll am 25. Oktober an den 24. Jahrestag der Revolution erinnert werden, 17:49 der im Jahr 1941 begangen wurde, als sich Russland im Kampf gegen Hitlers Deutschland befand. 17:54 Dieser Kampf heißt in Russland nicht Zweiter Weltkrieg, sondern ist als Großer Vaterländischer Krieg 18:00 wichtiger Bezugspunkt der russischen Erinnerung, eine Geschichte voller Nationalstolz. 18:05 Die Revolution von 1917, das eigentliche Ereignis, verschwindet dagegen im Hintergrund. 18:09 Sie dürfe sich auf gar keinen Fall wiederholen. Das sagen die aktuellen Machthaber, um ihrer Machtposition willen. 18:17 Wie seht ihr das? War Lenin ein Mann mit Idealen und Weitblick? 18:20 Ist er ein Diktator und Massenmörder? Oder ein Kämpfer für die Armen und Entrechteten? 18:25 Sollte daran erinnert werden, und wenn ja, wie und an was genau? 18:29 Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare, und wir wissen, dass das für einige ein emotionales Thema ist, 18:35 deshalb bitte fair und nett zueinander sein. Neben mir findet ihr ein Video zu Stalin, dem Nachfolger Lenins, 18:42 und darunter eins von den Kollegen von "Terra X Plus" und einem Video zu einer anderen revolutionären Bewegung, 18:48 nämlich die 68er. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.