Phylogenetischer Stammbaum / Kladogramm - Anwendungsaufgaben [Biologie, Abitur, Oberstufe] TeacherToby https://www.youtube.com/watch?v=KQISsOJBsXc Transkript (automatisch erstellt) 0:01 [musik] In diesem Video geht es um konkrete Anwendungsaufgaben rund um das Thema 0:12 phylogenetische Stampe. Es empfiehlt sich bereits das vorherige Video zu diesem Thema an dieser Stelle einmal 0:18 verlinkt geguckt zu haben, indem wir wichtige theoretische Grundlagen besprochen haben, z.B. wie man einen 0:24 phylogenetischen Stammbaum liest und interpretiert und welche Fachbegriffe in diesem Kontext relevant sind. Aus diesem 0:31 Video wisst ihr ebenfalls, dass die Analyse und Interpretation von Stammbäumen immer wieder Gegenstand von 0:36 Abiturprüfung im Fach Biologie ist, weshalb wir in diesem Video vergangene Abiturklausuraufgaben 0:42 zu diesem Thema besprechen werden. In den letzten 5 Jahren kam in fast jeder LK oder GK Klausur eine Aufgabe zu 0:50 phylogenetischen Stamm dran. im Jahr 2024 im LK und im Grundkurs, 2023 im Grundkurs, 0:58 2022 im LK und GK, 2021 im LK. Oft ging es in den Aufgaben darum, die Evolution eines Merkmals zu analysieren oder 1:09 anhand des Stammbaums Rückschlüsse auf eine konvergente oder divergente Entwicklung abzuleiten. Aus diesem Grund 1:15 werden wir zwei Aufgaben, die die eben genannten inhaltlichen Schwerpunkte abbilden, exemplarisch besprechen. Zum 1:21 einen werden wir uns die Aufgabe der Grundkursklausur aus dem Jahr 2024 angucken, ehe wir uns der 1:26 Abiturklausuraufgabe aus dem LK desselben Jahres widmen. Aber auch als Klausur Vorbereitung in der Qualiphase 1:33 kann dieses Video hilfreich sein. Nutzen Lehrkräfte doch nicht selten vergangene Abiturklausuraufgaben für die Erstellung 1:40 ihrer eigenen Klausuren. Die Aufgabenstellung der Grundkursklausur sowie das dazugehörige Material habe ich 1:46 euch an dieser Stelle einmal abgebildet. Tipp: pausiert das Video und versucht einmal die Aufgabe selbstständig zu 1:53 lösen. Die Teilaufgabe der Abiturklausur ist es also zu beurteilen, ob die Angepasstheiten des Dornteufels, eine in 2:01 Australien lebende Echsenart, an heiße und trockene Lebensräume das Ergebnis einer konvergenten Entwicklung in der 2:08 Gruppe der australasiatischen Agamen sind. Also anhand der Interpretation des gegebenen phylogenetischen Stammbaums. 2:16 Noch mal zur Erinnerung, bei divergenten Entwicklungen entstehen Ausgehen von einem gemeinsamen Ursprung 2:22 unterschiedliche phänotypische Ausprägung Homologrukturen aufgrund unterschiedlicher 2:28 Selektionsbedingung oder anders formuliert homologisch Strukturen, die von einem gemeinsamen Vorfahren vererbt 2:34 wurden und damit ein Beleg für eine gemeinsame Verwandtschaft sind, weise natürlich eine genetische Ähnlichkeit 2:40 aufgrund weitgehend übereinstimmender DNAqurenzen auf. Diese Merkmale können sich im Laufe der Evolution durch 2:47 Anpassung an die Umweltteils erheblich verändern. Etwas ursprünglich ähnliches entwickelt sich hier also auseinander, 2:55 z.B. aufgrund unterschiedlicher Umweltbedingung. Bei konvergenten Entwicklung hingegen entstehen aufgrund 3:00 eines ähnlichen Selektionsdrucks analoge, also oberflächlich ähnliche Merkmale, die nicht auf einen 3:07 gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind. Etwas ursprünglich unterschiedliches entwickelt sich hier 3:13 also zu etwas ähnlichem. Wenn ein ähnliches Merkmal wie z.B. hier die Angepasstheit an einen Lebensraum bei 3:21 weit entfernten Arten auftritt, ohne dass es auf denselben gemeinsamen Ursprung zurückgeht. Denn dann wissen 3:27 wir, dass es unabhängig z.B. aufgrund ähnlicher Selektionsdrücke entstanden ist und damit analog und ein Indiz für 3:34 eine konvergente Entwicklung ist. Übrigens, allein für die Definition gibt es bereits vier Punkte. 3:42 Nun gilt es herauszufinden, inwiefern die Angepasstheiten des Dornteufels an heiße und trockene Lebensräume das 3:48 Ergebnis einer konvergenten Entwicklung in der Gruppe der australasiatischen Agaben sind. Dazu heißt es im 3:53 Erwartungshorizont wie folgt. Die Stammart der australasiatischen Agamen war vermutlich an feuchte Lebensräume 4:01 angepasst. Aus dieser haben sich hauptsächlich Arten entwickelt, die an Trockenheit 4:06 angepasst wurden. Diese finden sich in beiden Entwicklungslinien, die sich vor ca. 23 Millionen Jahren getrennt haben. 4:15 Innerhalb der einen Gruppe hat sich die an feuchte Lebensräume angepasste Art als erstes abgespalten. Alle anderen 4:23 gezeigten Linien führen zu Arten, die an Trockenheit angepasst wurden. Innerhalb der einen Gruppe hat sich die an feuchte 4:30 Lebensräume angepasste Art E als erstes abgespalten. Alle anderen gezeigten Linien führten zu Arten, die an 4:38 Trockenheit angepasst wurden. Der Dornteufel findet sich in der anderen Gruppe mit einer Art wieder, die an 4:44 feuchte Lebensräume angepasst wurde. In der Abiturklausur sind es sogar zwei andere Arten, die in feuchten 4:51 Lebensräumen leben, hier aufgrund der vereinfachten Darstellung nicht abgebildet. Diese Info ist dennoch 4:56 wichtig, weil aus diesem Grund weiter angeführt wird. Diese Tatsache könnte darauf hindeuten, dass der letzte 5:03 gemeinsame Vorfahrer von Dornteufel und der anderen beiden Arten an feuchte Lebensräume angepasst war. Die 5:10 Angepasstheiten des Dornteufels und der weiter entfernten Verwandten an trockene Lebensräume könnte demnach unabhängig 5:17 voneinander entstanden sein, wodurch diese Angepasstheiten vermutlich das Ergebnis einer konvergenten Entwicklung 5:23 sind. Für diese letzten zwei Aspekte, die eigentliche Bewertung, würde es gemäß 5:29 Erwartungshorizont fünf Punkte geben, für die Ausführung davor sechs Punkte. Ihr seht also, eine konvergente 5:36 Entwicklung liegt in der Regel dann vor, wenn das beobachtbare Merkmal unabhängig voneinander entstanden ist und es oft 5:43 bei weit entfernten Arten auftritt. Auf das Merkmal, die Angepasstheit an heiße und trockene Lebensräume ist dies 5:50 zutreffend, sodass von einer konvergenten Entwicklung auszugehen ist. Noch mal kurz die Analyse der Aufgabe 5:56 auf einer Meterebene. Ihr seht, dass nicht nur die reine Beurteilung, sondern auch die Beschreibung des Stammbaums 6:03 wichtige Punkte gibt. Auch wenn der Operator beurteilen in der Aufgabenstellung steht, solltet ihr 6:08 einen Stammbaum immer auch gründlich beschreiben. Dies zeigt sich in sämtlichen Abiturklausuraufgaben zu 6:15 phylogenetischen Stammbäumen. Ich kann Irritation nachvollziehen, weil der Operator Beschreiben nicht Teil der 6:21 Aufgabenstellung ist. Aber die Beschreibung und Erläuterung des Stammbaums dient in dieser Aufgabe als 6:27 Grundlage für die anschließende Beurteilung und ist dementsprechend mit aufzuführen. Schauen wir uns als 6:33 nächstes die Leistungskurs Abiturklausuraufgabe aus dem Jahr 2024 an. Auch hier wieder 6:39 die Empfehlung, das Video kurz zu pausieren und die Aufgabe selbständig versuchen zu lösen. 6:45 In dieser Aufgabe gilt es also den phylogenetischen Stammbaum in Hinblick auf die Entwicklung des Merkmals 6:52 Genomvollständigkeit zu analysieren. Der am häufigsten vorkommende Aufgabentyp übrigens im Kontext von phylogenetischen 6:59 Stammbäumen, diesen auf die Evolution eines Merkmals zu analysieren. Aus dem Informationstext erfahren wir, im Genom 7:07 vieler Pflanzen gibt es eine Übereinstimmung hinsichtlich vorkommender Gene. Es gibt viele Gene, 7:13 die z.B. für die Fotosynthese, das Wachstum und der Entwicklung der Pflanze wichtig sind und entsprechend bei den 7:19 meisten Pflanzen auch vorzufinden sind. Diese Gene, die die genetische Grundausstattung einer Pflanze 7:25 darstellen, werden in ihrer Gesamtheit auch als Pflanzengenset bezeichnet. Auch hier gehen wir zunächst einmal die im 7:32 Erwartungshorizont stehenden Aspekte durch, für die es insgesamt neun Punkte gibt. 7:37 Alle untersuchten parasitisch und nichtparasitisch lebenden Pflanzengattungen gehen auf einen 7:43 gemeinsamen Ursprung zurück. Ausgehend von diesem Ursprung kam es zur Aufteilung in zwei Entwicklungslinien, 7:51 aus denen durch spätere mehrfache Aufspaltung die rezenten Gattungen hervorging. 7:56 Unter den rezenten Gattungen beider Entwicklungslinien befinden sich sowohl parasitisch als auch nichtparasitisch 8:04 lebende Gattung. Da nicht alle der parasitisch lebenden Gattung nah miteinander verwandt sind, hier an einem 8:11 Beispiel exemplarisch verdeutlicht, ist die parasitische Lebensweise vermutlich nicht auf einen gemeinsamen Vorfahren 8:18 zurückzuführen. Dieses Merkmal, die parasitische Lebensweise hat sich mehrmals unabhängig voneinander 8:24 entwickelt. Weiterhin heißt es, bei den parasitisch lebenden Gattungen wurde eine geringere Genomvollständigkeit 8:31 bezogen auf das Pflanzengenset nachgewiesen. Daher ist dieses Merkmal wahrscheinlich 8:37 erst während der Entwicklung der parasitischen Lebensweise mehrfach unabhängig und somit konvergenten. Die 8:44 beiden oben im Stammbaum aufgeführten Arten sind nah verwandt und gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück. Es 8:50 ist möglich, dass die Reduktion des Pflanzengehens bereits beim letzten gemeinsamen Vorfahren dieser beiden 8:56 Gattungen vorlang. Welche Rückschlüsse lassen sich anhand des Erwartungshorizontes hinsichtlich 9:03 der Bearbeitung dieser Aufgabe ziehen? Auch hier gilt es zunächst den phylogenetischen Stammbaum zu 9:08 beschreiben. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, wie wichtig auch die Beschreibung phylogenetischer Stammbäume 9:14 ist. Vor allem, weil man durch Operatoren, die die erhöhten Anforderungsbereiche abdecken, leicht 9:20 geneigt ist, die Beschreibung zu überspringen. Ihr wisst aus dem Grundlagenvideo, dass im Kontext der 9:25 Evolution von Merkmalen die relevante Frage ist, inwiefern beobachtete Ähnlichkeiten verschiedener Arten durch 9:31 konvergente oder divergente Entwicklung entstanden sind. Bei der Analyse eines phylogenetischen Stammbaums sollte 9:39 dieser Aspekt also immer berücksichtigt werden. In dieser Klausur wird z.B. viel geschluss folgert, dass sich die 9:45 parasitäre Lebensweise unterschiedlicher Pflanzengattung mehrfach unabhängig voneinander entwickelt hat. Diese tritt 9:51 zudem bei entfernt miteinander verwandten Gattungen auf. Weil die Genomvollständigkeit bei parasitisch 9:58 lebenden Gattung geringer ist, bezogen auf das Pflanzengenset, ist weiterhin davon auszugehen, dass ich auch dieses 10:04 Merkmal mehrfach unabhängig während der Entwicklung der parasitischen Lebensweise entwickelt hat und damit ein 10:11 Indizvergente Entwicklung ist. เฮ