Eine kurze Geschichte der Technik [Ganze Doku] | Harald Lesch | Terra X: Faszination Universum Terra X Lesch & Co https://www.youtube.com/watch?v=KAgC9iVLHh4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 [Intro] [Intro] 0:10 [Intro] [Intro] 0:22 [Intro] [Rauschgeräusche] [Harald Lesch] Das war ich mit neun. 0:30 Da bekam ich meine neue Brille. Eine simble technische Erfindung, aber für mich war es der Eintritt in eine neue, faszinierende Welt. 0:40 Doch das war nichts gegen den Blick ins All, den die damalige Technik möglich machte. 0:50 Der erste Mensch betritt den Mond und wir waren live dabei. [Im Fernseher] It's beautiful, Mike. 1:00 [Lesch] Mein Vater und ich haben mehr darüber gestaunt Bilder von einem fremden Himmelskörper in unserem Wohnzimmer zu sehen, als über die Mondlandung selbst. 1:10 Ein kleiner Schritt, mehr als 380.000 km entfernt. Weltraumtechnik und mit Sensoren bepackte Sonden 1:20 öffnen uns die Augen für ganz neue Perspektiven. Eine Station, auf der Menschen uns aus 400 km Höhe ein neues Bild unseres Planeten vermitteln. 1:30 [Musik] Der technische Fortschritt scheint unaufhaltsam. Immer neue Erfindungen und Möglichkeiten 1:40 faszinieren uns, aber es wächst auch die Sorge vor den Folgen. Seit Kurzem ist die Masse der von Menschen produzierten Objekte 1:50 größer als die Masse allen Lebens auf der Erde. Unser Planet wird mehr und mehr zur Technosphäre. 2:00 Segen oder Fluch? [Musik - Intro] 2:10 [Musik - Intro] [Musik - Intro] 2:20 [Lesch] Die Technik bestimmt unser Leben, wie wir kommmunizieren, was wir tun können, wie wir uns bewegen und was wir wissen können. 2:30 Mit Technik, vor allem der modernsten Technik, der digitalen, werden Probleme gelöst und Hindernisse überwunden. Das ist die gute Nachricht. 2:40 Aber die technische Entwicklung wird immer rasanter und immer komplizierter. Deswegen erscheint sie oft als übermächtig. Manche der von Technik gelösten Probleme 2:50 hätten wir ohne Technik gar nicht. Oft liefert eine technische Lösung zwei neue Probleme. Ein echter Teufelskreis. 3:00 Was muss ich tun, was muss ich wissen, welche Bildung brauche ich, um Technik als das Werkzeug zu begreifen, das sie ist? Ohne vor ihr zu kapitulieren, 3:10 nur weil sie mich überfordert? Auch künftig geht es nicht ohne Technik. Das nächste Ziel, das Technik und wir erreichen wollen, ist schon im Visier und zum Greifen nah. 3:20 Der nächste kleine große Schritt: Menschen auf dem Mars. Ein Traum, der noch viel Vorbereitung braucht. 3:30 [Bassgeräusch] Es ist die fünfte und bisher ambitionierteste US-Marsmission. 3:40 [Musik][Funksprüche] Anspannungen im NASA-Kontrollzentrum. 3:50 Ob die Landung der Sonde gelingt, hängt jetzt allein von der Technik ab. [Herzschläge] 4:00 Sechs Monate hat die Reise gedauert. Im Kontrollzentrum in Pasadena kann man nur noch warten ... und hoffen. 4:10 [unbekannte Frau] We're 20 m off the surface. [unbekannter Mann] [unverständlich] 4:20 [Jubel][Lesch] Erleichterung. Alles ist so gelaufen, wie man es vorausberechnet hatte. Kurz zuvor waren schon zwei weitere Marsmissionen gestartet: 4:30 Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten ihre Sonde "Al Amal" losgeschickt. Ziel: eine Umlaufbahn um den Mars. 4:40 Und die Volksrepublik China hatte die Sonde "Tianwen-1" gestartet. [Musik] 4:50 Auch den Chinesen gelang es einen Rover auf dem Mars abzusetzen, nur drei Monate nach den Amerikanern. 5:00 Aber warum der Mars? Nun, er ist der uns nächste Planet und dank Technik erreichbar. Damit ist er der 5:10 nächste Kandidat für bemannte Missionen. Am Anfang stehen Neugier und Entdeckergeist, doch die Entwicklung wird befördert durch die Aussicht auf Rohstoffe und das Bestreben 5:20 der Nation sich einen Vorsprung zu sichern. Der erste sein, Rekorde: Das sind schon immer die Triebfedern für gewagte Missionen. 5:30 Im 20. Jahnhundert galt es der erste zu sein, der den höchsten Berg erklimmt - den Mount Everest. [Musik] 5:40 Man wollte zeigen, wer über die beste Technik für Geschwindigkeitsrekorde verfügt. 5:50 Und dann wetteiferte man noch um den Rekord in der Höhe. 1931 will der Schweizer August Piccard 6:00 den Höhenrekord von rund 9 km brechen. Mit einem speziell konstruierten Ballon erreicht er die Stratosphäre. 6:10 15 Kilometer über der Erde. Ein damals aufsehenerregender Triumph. [Musik] 6:20 Schon bald sucht er die nächste Herausforderung, etwas das noch niemand vor ihm wagte. Nach dem Höhenrekord lockt Piccard die tiefste Stelle des Planeten, 6:30 im Westpazifik im Marianengraben. Rund 11.000 m tief. 6:40 Eine noch völlig unbekannte Welt. Finster und kalt, mit einem Druck über 1.000 mal höher als an der Oberfläche 6:50 und Bewohnern, die wie Fabelwesen anmuten. Es gab wilde Spekulationen, was es dort zu finden gäbe - wenn überhaupt etwas. 7:00 Monsterwesen vielleicht. Von dem bizarren Leben in der Finsternis hatte man keine Vorstellung. 7:10 [Musik] Von der Oberfläche aus war diese Welt gefühlt so weit weg wie der Mond. 7:20 Piccards Plan: eine Stahlkugel, wie er sie schon bei seinem Höhenrekord verwendet hatte, könnte auch dem großen Druck der extremen Tiefe standhalten. 7:30 [Geigenmusik] Mit seinem Sohn Jacques konstruiert er das Tiefenschiff Trieste. 7:40 Wie bei einem Luftschiff hängt die druckfeste Kapsel unterhalb eines Tanks. Nur dass dieser nun mit Ballast aus Eisenschrot für das Absinken gefüllt ist. 7:50 Eine damals revolutionäre Technik. Doch Ideenreichtum allein reicht nicht für so eine Expedition, es braucht auch die finanziellen Mittel. 8:00 [Musik] Und die kommen aus den USA. Die Navy kauft die Trieste und heuert 8:10 Jacques Piccard als Kapitän der Mission an. Der soll während der Expedition Messungen, die für das Militär interessant sind, durchführen. 8:20 Z.B. zu Meeresströmungen und zur Schallausbreitung in großen Tiefen. Während die Expedition für die USA eine Demonstration ihrer technischen Überlegenheit ist, 8:30 geht es Piccard nur um eines: den Tiefenrekord aufzustellen. [Musik] 8:40 23. Januar 1960: Die Trieste liegt im Westpazifik, dort, wo der Marianengraben nach Messungen am tiefsten ist. 8:50 Jacques Piccard wird von einem Lieutenant der Navy begleitet. Die Mission ist geheim. Es gibt kaum Filmdokumente, doch mit Testlauf- material lässt sich die Mission nachempfinden. 9:00 [Bassgeräusche] Die Trieste sinkt unter die bisherige Rekordtiefe für U-Bote 9:10 bei 4.400 Meter. Ab jetzt muss sich zeigen, 9:20 ob die Kapsel dem stetig wachsenden Druck standhält und die Berechnungen richtig waren. Nach fast vier Stunden erreicht die Trieste 9:30 eine Tiefe von 8.849 Metern. Sie ist jetzt so tief unter dem Meeresspiegel, wie der Mount Everest hoch ist. Und noch immer laufen die Schallwellen 9:40 des Echolots ins Leere. Dann ein Knall. 9:50 Bei 9.000 Metern bekommt ein Plexiglasfenster der Außenluke Haarrisse. Doch es hält dem Druck weiterhin stand. 10:00 Nach fünf Stunden bei knapp 11.000 Metern Tiefe sind Piccard und sein Begleiter endlich am Ziel. 10:10 Von der Tiefseewelt ist im aufgewirbelten Sediment kaum etwas zu sehen. Ohnehin müssen die beiden nach kurzer Zeit den Wiederaufstieg einleiten, 10:20 da der Luftvorrat begrenzt ist. Fast neun Stunden dauerte die Reise. 10:30 Als Jacques Piccard aus dem Turm der Trieste klettert, ist klar, dass er seinen Rekord einer ausgetüftelten Technik, seinem Mut als Pionier und 10:40 der Unterstützung durch die US-Navy verdankt. Und nach der ersten Eroberung stellt die Navy das Programm wieder ein - 10:50 "zu teuer und zu wenig nutzen" - bis in den letzten Jahren das Interesse an Rohstoffen aus der Tiefsee wächst. Auffällig: China schickt fast gleichzeitig 2020 11:00 und 2021 die erste Mission in die Tiefsee und die erste Mission auf den Mars. Aber nicht nur die Supermächte, 11:10 auch die Superreichen treiben die Eroberung unbekannter Welten voran. Ein wahrer Kampf ist zwischen Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos' Blue Origin entbrandt. 11:20 Ruhm und Macht, Geld und Reichtum, ohne dieses Quartett und diesen Antrieb hätte es viele Entdeckungen und 11:30 Erkundungen der Menschheit nicht gegeben. Es gibt aber Menschen, die mit ihrem Vermögen andere Ziele verfolgen, als Rendite und Gewinne, Heller und Pfennig. 11:40 Sie investieren in die Erweiterung der Grenzen auf dem Planeten der Erkenntnis. Anfang des 19.Jahrhunderts startet eine Expedition Richtung Südamerika. 11:50 Mit einem Sextanten ist die genaue Positionsbestimmung mithilfe der Sonne und auch von Sternen in der Nacht möglich. So lässt sich über 12:00 die weiten Meere sicher navigieren. Leiter der Expedition ist Alexander von Humboldt. 12:10 Die Instrumente, die er für seine Experimente braucht, kann er selbst finanzieren. Er ist vermögend und daher von Sponsoren unabhängig. 12:20 [Musik] Die Schönheit der Natur fasziniert ihn. Doch er will sie auch wissenschaftlich erfassen 12:30 und verstehen, wie alles zusammenhängt. Dort wo er herkommt, beschäftigen die Menschen andere Fragen. 12:40 Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernehmen mit der Industrialisierung Maschinen das Regiment. Es wächst der Bedarf an Rohstoffen und an Industriearbeitern. 12:50 Humboldt ist diese Welt nicht unbekannt. Als junger Beamter zuständig für Bergbau lernte er die dunkle Seite des Fortschritts kennen. 13:00 Die Natur wird als Reservat betrachtet, das der Mensch zu seinem Nutzen ausbeutet. Humboldt sieht darin eine fatale Entwicklung. Seine Welt würde anders aussehen. 13:10 [Schlaggeräusche] Als er sich im Alter von 30 Jahren 13:20 zur Reise nach Mittel- und Südamerika aufmacht, lässt er seinen Beamtenleben hinter sich. [Musik] 13:30 Seine Ausrüstung umfasst mehr als 40 der besten Messinstrumente. Sein Ziel beschreibt er so: "Auf das Zusammenwirken der Kräfte, 13:40 den Einfluss der unbelebten Schöpfung auf die belebte Tier- und Pflanzenwelt, auf diese Harmonie soll stets mein Auge gerichtet sein." 13:50 Fast fünf Jahre lang sammelt Humboldt Pflanzen und Tiere, dokumentiert daneben Luftdruck, 14:00 Feuchtigkeit und Temperatur. Während einer Sonnenfinsternis hält er den Verlauf der Himmelserscheinung akribisch fest. 14:10 [Musik] Sein Erkenntnisdrang scheint unersättlich. 14:20 Doch Humboldt hat auch ein Auge für die Schönheit und Vielfalt der Natur. Hinter seinen Beobachtungen sucht er nach 14:30 Mustern und Gesetzen, wie alles miteinander in Verbindung stehen mag. [Windrauschen] 14:40 Die Reise zum höchsten Vulkan Südamerikas, dem Chimborazo wird zu einem Schlüsselerlebnis. Während des Aufstiegs dokumentiert Humboldt den Wechsel der 14:50 Vegetation in Bezug zur Höhe. Dazu registriert er, wie Luftdruck und Temperatur stetig fallen. 15:00 Humboldt setzt die einzelnen Beobachtungen in Beziehung zueinander und nun erkennt er auf einmal wie Vegatationszonen entstehen. 15:10 Noch nie war ein Mensch in solche Höhen gelangt. Über 5.500 Meter. 15:20 Humboldt kommt an seine eigenen Grenzen. Auch wenn er den Gipfel nicht erreicht, ist der Vulkan Inspiration für ihn. 15:30 Immer mehr Details fügen sich zu einem klaren Bild für ihn. Er versteht nun, wie alles 15:40 Leben von den äußeren Bedingungen, vom lokalen Klima, abhängt. Angeregt durch diese Erfahrungen enwirft er ein komplexes Schaubild der Pflanzenwelt 15:50 eines typischen Berges - sein berühmtes Naturgemälde. Humboldt erkennt, dass die Vegetationszonen über verschiedene Kontinente hinweg 16:00 Spiegel des jeweiligen Klimas sind - in den Anden, wie dem Himalaya und auch in den Alpen. 16:10 Und damit schafft er die Voraussetzung für eine fundamentale Erkenntnis: Die Natur ist in ihrer Gesamtheit 16:20 ein komplexer Organismus. Veränderungen einzelner Bedingungen, wie etwa Temperatur oder Feuchtigkeit, bedeuten Veränderungen 16:30 im gesamten Netzwerk des Lebens. Eingriffe des Menschen, auch mithilfe von Technik, 16:40 stören diese Ordnung. Die Natur ist eben viel mehr als ein nützliches Rohstofflager. Eine Erkenntnis, die schon Alexander von Humboldt gewonnen hatte 16:50 und die seither immer offensichtlicher wird. Technik kann Fluch oder Segen sein. Das hängt ganz davon ab, zu welchen Zwecken 17:00 sie genutzt wird. Humboldt hat sich auf seinem Weg vom Beamten für Bergbau 17:10 zum Naturforscher entschieden. Technik ist für ihn kein Mittel, um Gewinne zu erzielen. Er will mit ihr die Grenzen des Wissens überwinden und das Netzwerk der Natur besser verstehen. 17:20 Nicht nur bei den Entdeckungen ging Humboldt aufs Ganze. Lange Zeit bevor die Besatzung der Apollo 8 das erste Foto 17:30 von der ganzen Erde aufnahmen, trug er dieses Bild bereits in sich. Es hätte ihn nicht überrascht zu hören, was wir heute über das Klima wissen. Dass das aus dem 17:40 Kamin und Auspuff kommende CO2 der Industriestaaten dazu beiträgt, dass am Nordpol das Eis zurückgeht. Grundlagen zu erkennen, wie alles miteinander zusammenhängt, ohne nur auf die eigenen 17:50 Interessen zu schauen, sondern die Zusammenhänge immer im Blick zu behalten, das heißt Grenzen auflösen. Damit steht er im Konflikt zu den politischen und wirtschaftlichen 18:00 Realitäten seiner Zeit. 19.Jahrhundert, die Technik ist auf dem Vormarsch, die Welt soll erobert werden, zur Not mit Krieg auf allen Kontinenten, 18:10 mit dem Ziel die Grenzen zu erweitern. Angetrieben von Kolonialismus und Nationalismus und das nicht nur auf dem 18:20 Schlachtfeld und der Politik, sondern auch auf dem Feld der Wirtschaft. Neue Technologien wie Eisenbahn und Dampfmaschine führen zu einer Explosion an Wirtschaftskraft. 18:30 Stahl wird durch stetig verbesserte Herstellungsverfahren zum Massenprodukt. In der Folge boomt die Industrie. 18:40 Die Technik der Stahlveredelung eröffnet neue Märkte. Die Industrialisierung rückt Nutzung und Gewinn weiter in den Mittelpunkt. Es werden immer 18:50 bessere Maschinen und Arbeitskräfte mit den notwendigen Kenntnissen gebraucht. [Musik] 19:00 Alexander von Humboldt und sein Bruder Wilhelm sind überzeugt: ein Schul- und Ausbildungswesen, das primär auf die Nützlichkeit der jungen Menschen für die Industrie setzt, 19:10 führt in eine Sackgasse. Wilhelm hatte als Erziehungsminister ganz eigene Ideen entwickelt, um das preußische Bildungssystem fit für die Zukunft zu machen. 19:20 Die Vorstellung der Humboldt Brüder, was Bildung leisten soll, entspricht so gar nicht den Erwartungen von Unternehmern an ihre künftigen Mitarbeiter. 19:30 [Musik] Wirtschaft und Politik fordern besser 19:40 ausgebildete und effiziente Arbeiter. Den Maßstab bestimmen die Anforderungen der industriellen Prozesse. 19:50 Die Brüder Humboldt dagegen warnen davor, Schulen ausschließlich auf die Vorbereitung auf ein späteres Berufsleben auszurichten. Was, wenn sich die Anforderungen mit 20:00 dem Fortschritt plötzlich ändern? Beide sind überzeugt, dass in der Bildung auch solches Wissen ein wichtigen Platz einnehmen 20:10 muss, das nicht unmittelbar an seiner Brauchbarkeit für den Arbeitsmarkt gemessen wird. Kinder müssten die Chance bekommen ihren eigenen 20:20 kritischen Geist zu entwickeln, eigenständig zu denken, um so die Welt selbst zu entdecken. 20:30 Gerade in so einer so dynamischen Zeit kann niemand vorhersagen vor welchen Herausforderungen die Kinder künftig tatsächlich stehen werden. Die Humboldt Brüder sind überzeugt, 20:40 gewisse Kenntnisse müssen allgemein sein und Bildung ist mehr, als Faktenwissen. 20:50 Freude am Entdecken, sich begeistern lassen von Rätseln und Fragen, Vergnügen beim Lernen, aber auch Offenheit für überraschende Antworten, 21:00 die wieder neue Fragen stellen. Das ist der Schatz der frühen Kindheit, den wir uns ein Leben lang bewahren sollten. Es sind nämlich diese Eigenschaften, die als 21:10 wirklicher Antrieb hinter allem stehen. Die unbändige Lust zu fragen, zu lernen und so die Welt in ihren Zusammenhängen zu verstehen. 21:20 Die Neugier und die Möglichkeit aus dem Entdeckten etwas Neues zu schaffen treibt den Fortschritt in der Technik unentwegt weiter. Erkenntnisse der 21:30 Grundlagenforschung lassen neue Anwendungs- möglichkeiten vermuten. Die setzen wir dann in Technologien und Maschinen erfolgreich um. Der Mensch ist das Tier, 21:40 das Innovationen schafft. Das war schon immer so. Unsere Gier nach Wissen, Ruhm und Geld ließ selbst Weise nach Steinen suchen. 21:50 Das Ergebnis: eine größe Überraschung. Über Jahrhunderte galt er als 22:00 eines der größten Geheimnisse: der Stein der Weisen. Er sei der Schlüssel dazu aus Unedlem, Edles zu machen, hieß es. 22:10 Denn bis ins 17. Jahrhundert herrschte der Glaube, dass man jeden Stoff in ein beliebigen anderen verwandeln könne, auch in Gold. 22:20 1669 sieht sich der Alchemist Hennig Brand kurz vor dem Durchbruch. 22:30 Über Wochen hat er menschlichen Urin gesammelt und den beißenden Geruch ertragen. Er vermutet, dass der menschliche Körper, 22:40 da von Gott erschaffen, eine veredelnde Kraft haben müsse. 16 Stunden hat er den Urin reduziert, 22:50 übrig ist eine zähe, dunkle Masse. Jetzt mischt er sie mit goldfarbenem Sand. 23:00 Der letzte Schritt zu einer Wandlung in Gold? In seinem Kessel findet Hennig Brand nicht Gold. 23:10 Er findet etwas Neues, etwas Leuchtendes: Phosphor. Durch Zufall hat Brand Phosphorverbindungen 23:20 aus Urin zu elementarem Phosphor gewandelt. Der Stoff wird rasch berühmt als geheimnisvolles, kaltes oder 23:30 ewiges Feuer. Den Stein der Weisen hat Brand nicht gefunden, doch er hat ungewollt den ersten Schritt 23:40 zu einem neuen Wissenschaftszweig gemacht - der Chemie. Bis Anfang des 19.Jahrhunderts werden über 50 Elemente entdeckt - die Grundlage 23:50 für die Entwicklung ganz neuer technischer Anwendungen, wie z.B. Zündhölzer mit Phosphor. Chemie ist allerdings immer noch eine Wissenschaft, bei der neue 24:00 Entdeckungen weitgehend vom Zufall abhängen. [Musik] 24:10 Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Malaria-Mittel Chinin aus der seltenen Chinarinde äußerst kostbar. Der 18-jährige Chemieassistent Henry Perkin 24:20 sucht nach einem künstlichen Ersatz. Der Engländer probiert alle möglichen Verfahren. 24:30 Mit einer eingekochten schwarzen Masse hat er ein Problem. In Alkohol gelöst macht das Gemisch lila Flecken. 24:40 Seine Mutter kann die Farbe mit keinen Mittel entfernen. Statt Chinin hat Perkin den ersten synthetischen Farbstoff hergestellt Mauveine. 24:50 Ein Zufallsprodukt. Der Farbstoff erzielt Höchstpreise und das Herstellungsverfahren wird zur Keimzelle der Farbenindustrie. 25:00 Auch in Forschungslaboren von Unternehmen herrscht das Prinzip von Trial and Error. Es ist unklar, was warum entsteht. 25:10 Mit dieser Strategie will der Schwede Alfred Nobel einen effektiven und gut einsetzbaren Sprengstoff entwickeln. 25:20 Ein gefährliches Unterfangen. Unfälle nimmt er dabei in Kauf. Sogar als sein Bruder ums Leben kommt 25:30 verfolgt er sein Ziel weiter und erfindet das Dynamit. [Musik] 25:40 Trotz Zufallserfolgen, die chemische Forschung steckt in einem Dilemma. Es fehlt das Verständnis der Prozesse. 25:50 Mittlerweile sind 63 Elemente bekannt. Wie sie miteinander reagieren ist aber nach wie vor rätselhaft. 26:00 Ausprobieren funktioniert nur am Anfang. Nur wenn man wirklich weiß worum es geht, wie die Materie aufgebaut ist, kann das Große gelingen. Dann wird Technik 26:10 zum zweiten Gang der Wissenschaft. Das Problem ist nur, Technik sucht nach der finalen Lösung, die immer und überall funktioniert, denn 26:20 das Ziel ist klar - der wirtschaftliche Nutzen. Die Grundlagenforschung forscht ins Unbekannte, ins Offene und ins Abseitige. 26:30 Die Natur der Elemente ist eine noch weitgehend unbekannte Welt. Ob sie sich wohl in ein verborgenes 26:40 System, eine Art Ordnung, fügen? Eigentlich will der russische Chemiker Dmitri Mendeleev 1869 26:50 ein Leerbuch für seine Studenten schreiben, bleibt aber an dieser Frage hängen. [Musik] 27:00 Um Ordnung in seine Gedanken zu bringen benutzt er Karten. Eine für jedes Element. [Musik] 27:10 Mendeleev kennt den Streit, der gerade in der Fachwelt ausgetragen wird und die Argumente nach welchen Kriterien man die Elemente Ordnen müsse. 27:20 Die einen meinen nach dem Atomgewicht, also in einer Reihe hintereinander. Andere sagen, nach 27:30 spezifischen Eigenschaften, ob sie etwa fest, flüßig oder gasförmig sind. Doch Mendeleev ist nicht überzeugt 27:40 [Unterhaltung auf Russisch] Mendeleev ist berühmt für sein aufbrausendes Temperament und seinen manischen Arbeitsstil. 27:50 Jetzt glaubt er, hat er die entscheidende Idee und steht vor dem Durchbruch, der zur Lösung des Rätsels führt. 28:00 [Musik] Schon den dritten Tag in Folge brütet er 28:10 ununterbrochen über seinen Gedanken. Eigentlich sollte er jetzt auf dem Weg zu einem Kongress sein, im Zug sitzen und sich die Zeit mit Patiencekarten vertreiben. 28:20 [Musik] Im Traum, so erzählt er später, erkennt er die Ordnung der Elemente. 28:30 Wie die Bilder von Patiencen, sortiert in Reihen und Gruppen. Mendeleev verließ sich, unbeeindruckt von anderen Auffassungen, 28:40 auf seinen Verstand und auf seine Fähigkeit neue Thesen zu prüfen und zu verwerfen bis das Bild stimmt. 28:50 [Musik] Doch beim Versuch die bekannten Elemente nach seiner Ordnung zu sortieren stößt Mendeleev 29:00 auf ein Problem. Es bleiben Lücken. Anstatt sich verunsichern zu lassen, ist er über- zeugt, dass es noch unbekannte Elemente geben muss, 29:10 welche die Lücken füllen. Er beschreibt genau, welche Eigenschaften diese Elemente haben. Soffit z.B., das Element, 29:20 das in der Ordnung nach dem bereits bekannten Aluminium steht, müsste ein glänzendes Metall mit ganz bestimmten Eigenschaften sein. 29:30 Z.B. müsste es einen Schmelzpunkt von 29°C haben. So ergibt sich der erste Entwurf des Periodensystems. 29:40 Mendeleev hat im richtigen Moment seiner Intuition vertraut. Schon zwei Wochen später veröffentlicht er seine Theorie. 29:50 Ein Großteil der Wissenschaftsgemeinde reagiert allerdings mit Ablehnung auf das scheinbar lückenhafte System. 30:00 Doch mit Galium wird keine sechs Jahre später in Frankreich ein neues Element entdeckt, das genau in die Lücke nach Aluminium passt 30:10 und auch genau die vorhergesagten Eigenschaften hat. Z.B. dass es bei Körpertemperatur flüssig wird. 30:20 [Musik] Ein Triumph für den unabhängigen Geist Mendeleev. 30:30 Mit leichten Anpassungen ist die damals gefundene Ordnung der Elemente im Periodensystem bis heute gültig. 30:40 Phasen der Anwendung wechseln sich ab mit Phasen der Grundlagenforschung. Manchmal gehen sie ohne Grenzen in einander über, aber 30:50 es ist klar: das eine geht nicht ohne das andere. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts macht die Grundlagenforschung explosionsartige Fortschritte. 31:00 Tiefer Blicke gelingen in die Welt der Atome und Elementarteilchen mit ihren eigenen Gesetzen. Das ist der wahre Stein der Weisen. Keine Methode und keine Technik, 31:10 sondern pure Erkenntnis. Sie kann aber zu ungeahnten Möglichkeiten führen, 31:20 weil sie ohne es zu wissen den Schlüssel zu einem gewaltigen Sprung in der Technologie besitzt. Mendeleev hat die Eigenschaften der Elemente vorhergesagt. 31:30 Heute nutzen wir dieses Wissen, um Stoffe gezielt nach unseren Wünschen zu erzeugen. Wer denkt schon daran, dass es 31:40 unsere moderne Welt ohne die Grundlagenforschung des 19.Jahrhunderts nicht gäbe. [Musik] 31:50 Viele der modernen Materialien hängen vom Verständnis ab, was in den Atomen passiert und wie sie sich zu Molekülen verbinden. Ohne Grundlagenforschung gäbe es keine 32:00 moderne Architektur und keine moderne Fortbewegung. Es gäbe keine Mikrochips, Computer und keine moderne Arbeitswelt. 32:10 Nicht Techniker haben diese Welt ursprünglich ermöglicht, sondern Forschende, die den Dingen auf den Grund gehen wollten. Heute gilt die Technik als der Motor der Welt. 32:20 Die Frage ist nur, wo wird sich alles hinentwickeln und welche Rolle werden wir künftig spielen? Das Tempo, mit dem immer neue technische Entwicklungen unser Leben bestimmen 32:30 ist rasant. Beim Blick in die Zukunft stellt sich die bange Frage: Was kommt auf uns zu und werden wir Schritt halten können? 32:40 Dieselbe Frage stellte man sich auch früher. Die 1970er Jahre: Wie hat man sich die Zukunft damals vorgestellt? 32:50 Im Rückblick zeigt sich, was solche Prognosen wert sind. Die damalige Vorstellung von der künftigen Welt, 33:00 hier das Jahr 2000, war vielversprechend. Die Technik unser Freund und Helfer. [Musik] 33:10 Viele Abläufe sind vollautomatisiert, es bleibt reichlich Zeit für Muße. Die Steuerung des Haushalts ist bequem 33:20 vom Sofa aus möglich. Der Transport über lange Strecken funktioniert 33:30 mit Hochgeschwindigkeitszügen. In der Stadt stehen jedem kleine, wendige Autos zur Verfügung. Fahren muss oder darf man allerdings noch selbst. 33:40 Die Arbeitswelt wird von Computern bestimmt, für die man komplette Räume oder gar Etagen bereitstellt. 33:50 Was zu tun bleibt, ist der prüfende Blick, ob die Technik auch funktioniert. Sonst herrscht entspannte Langeweile. 34:00 Doch es kam ganz anders. Eine revolutionäre Technik, die niemand vorhergesehen hatte, 34:10 erlebt noch vor der Jahrtausendwende ihren Durchbruch - das Internet. Rasend schnell wächst weltweit die Menge an Informationen. 34:20 Computertechnik wird stetig leichter und kleiner. Im Takt von nicht mal zwei Jahren verdoppelt sich die Leistung von Chips. 34:30 Trotz des technischen Fortschritts macht sich keine Langeweile breit, weil Automatisierung uns die Arbeit abgenommen hat. Es war eine krasse Fehleinschätzung. 34:40 Durch die Beschleunigung geraten wir immer mehr unter Druck. [technische Geräusche] 34:50 Und wieder stehen wir an der Schwelle einer Technikrevolution, die so nur wenige vorhergesagt haben. Viele Computer sind nun in der Lage, ihre Rechenleistung 35:00 selbst zu steuern und vernetzt zu agieren, mit künstlicher Inteligenz. [Musik] 35:10 Viele haben heute schon das Gefühl von der Technik abgehängt zu werden. Wie wird es dann erst in der Zukunft sein? 35:20 Die Erfahrung lehrt: Prognosen sind unsicher. Aber sicher ist, das Tempo, mit dem wir uns technischen Neuerungen gegenübersehen, nimmt weiter zu. 35:30 [Musik] Die zentrale Frage lautet daher: 35:40 Wie können wir uns heute darauf vorbereiten? [Musik] 35:50 Technik fasziniert und sie ist auch nützlich, aber ist das immer so? Müssen wir uns den Möglichkeiten unterwerfen, nur weil sie technisch möglich sind? 36:00 Oder sollte man nicht lieber den menschlichen Faktor dagegensetzen, denn Technik überfordert uns manchmal, auch wenn sie uns fasziniert. 36:10 Das ist das Thema der Zukunft. Wollen wir uns an die immer schneller werdende und immer intensivere Technikentwicklung anpassen? 36:20 [Blinkergeräusch] Wir haben Angst uns im Dickicht digitaler Maschinen und leistungsfähigeren Rechnern zu verlieren. 36:30 Denn wir sind mittendrinin der gewaltigsten, intensivsten und schnellsten Revolution. Es geht um die Verarbeitung von Informationen aller Art, ihrer Fülle, 36:40 ihrer Geschwindigkeit, aber auch ihrer Vermittlung. Da muss man sich schon fragen: Ist unsere Hardware, also unser Gehirn, wirklich für diese stetige Veränderung und die 36:50 möglicherweise unabsehbaren Folgen gewappnet? Für sie ist die Welt noch ein Abenteuer. 37:00 Sie weiß noch nichts von Informationsflut und dem stetig wachsenden Wissen rund um den Globus. Sie erkundet ihre Welt durch Erfahrung. 37:10 Wird sie für die Herausforderungen der Technik der Zukunft eines Tages gerüstet sein? Alle Eindrücke hinterlassen Spuren im Gehirn. 37:20 Doch Potenzial und Grenzen unseres Gehirns sind noch nicht wirklich erforscht. Wir entwickeln zwar Techniken für den Flug zum Mars, doch erst jetzt können wir 37:30 die Struktur unseres Denkapparats erkunden. Das europäische Human Brain Project am Forschungszentrum Jülich: 37:40 Hauchzarte Schnitte vom Gehirnen sollen Einblicke in dessen Architektur vermitteln, wie bei einem unbekannten Kontinent will man alle Bereiche und Verbindungen kartografieren. 37:50 Ein hochauflösender Scanner, High-Tech von klugen Köpfen erdacht, ermöglicht nun das menschliche Denkzentrum zu studieren. 38:00 Der Vergleich mit einem Computer liegt zwar nah, hinkt aber. Hätte sich ein Computer etwa eine solche Technik ausdenken können? 38:10 [Musik] Natürlich können wir nicht annähernd so schnell und so genau 38:20 Informationen speichern wie ein Rechner. Doch in unserem Gehirn sind etwa 86 Mrd. Nervenzellen miteinander verflochten. 38:30 Jede einzelne davon hat ca. 10.000 Kontakte und es können immer wieder neue Verbindungen durch Lernen und Erfahrung hinzukommen. 38:40 Diesen Vernetzungsgrad besitzt kein Computer. Er ermöglicht Assoziationen, die sich nicht berechnen lassen. 38:50 Eine solche Flexibilität ist beispiellos. Das Potenzial unserer Hardware, unseres Gehirns, 39:00 gilt es zu nutzen und für das Leben mit dem Fortschritt gewappnet zu sein. Reize von Außen bestimmen, wie sich unser Gehirn entwickelt, welche Vernetzungen entstehen. 39:10 Vielfältige Erfahrungen mit allen Sinnen fördern bei Kleinkindern die Frühentwicklung des Gehirns. So entstehen die Voraussetzungen auch für analytisches Denken. 39:20 [Musik] In der Schule sollte ganz im Humboldt'schen Sinne Allgemeinwissen vermittelt 39:30 und kritisches Denken geschult werden. Doch wie funktioniert effektives lernen? Selbst nach Lösungen suchen, Assoziationen zu 39:40 schon Bekanntem herstellen, Hürden mit eigenen Anstrengungen überwinden. All das sorgt dafür, das unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktiv sind und sich 39:50 Gelerntes besser verankert. Lebenslanges Lernen ist kein Schlagwort. Je aktiver wir bei der Suche nach Lösungen sind, 40:00 je mehr wir uns mit Problemstellungen auseinander- setzen, Wege ausprobieren und bei Hindernissen nach neuen suchen, desto mehr steigern wir unsere Denkfähigkeit. 40:10 Dinge, ganz wörtlich genommen, zu begreifen, verlangt den Einsatz aller Sinne. 40:20 Auch das Arbeiten mit den Händen fördert abstraktes Denken, ebenso wie die Kommunikation untereinander. All das bedeutet Lernen und funktioniert ein Leben lang. 40:30 So können wir uns für die Herausforderungen der Zukunft wappnen. [Musik] 40:40 Wenn es darum geht immer schneller und immer mehr Informationen aufzunehmen, dann sind unsere Fähigkeiten stark begrenzt, denn Menschen funktionieren nicht wie Computer. 40:50 Allgemeinwissen und praktische Erfahrung führen zu einer Erhöhung der Vernetzung im Gehirn und das gilt für alle Tätigkeiten - 41:00 wissenschaftliche, handwerkliche und soziale. Unsere große Stärke ist das vernetzte Denken in Zusammenhängen. Das führt nämlich zu einer verbesserten 41:10 Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Das hilft, wenn sich die Welt um uns herum gefühlt mal wieder ständig verändert und 41:20 die große Herausforderung darin besteht sich vom Gefühl frei zu machen, wie die Technik immer schneller und vermeintlich immer besser werden zu müssen. 41:30 Beispiele zeigen, wir müssen die Konkurrenz nicht fürchten. Nur der Mut von Jacques Piccard hat den Tieftauchrekord mit der Trieste ermöglicht. 41:40 Die Technik war allein Mittel zum Zweck. [Musik] 41:50 Die Fähigkeit von Dimitri Mendeleev jenseits von starren Mustern zu denken ist eine zutiefst menschliche Qualität. Seine innere Freiheit eröffnete ihm 42:00 den neuen Blick auf die Welt der Elemente. Die menschliche Neugier überwindet Grenzen und erweitert Horizonte. 42:10 Die Technik gab Alexander vom Humboldt nur Werkzeuge, Zusammenhänge in der Natur zu erkennen. Keine Maschine kann die Welt in gleicher Weise ganzheitlich erfassen. 42:20 Mit diesem Selbstverständnis werden wir auch in Zukunft Technik nutzen können, ohne von ihr abgehängt zu werden. 42:30 Ohne Zweifel bieten die neuen Technologien große Möglichkeiten. Beim Faktenwissen muss sich heute niemand mehr streiten, das ist nur ein Klick entfernt. 42:40 Da liegt die Latte niedriger als früher, aber wir dürfen nicht vergessen: Computer lösen keine Probleme, denn sie haben keine, aber wir stehen wieder vor neuen Situationen und Herausforderungen. 42:50 Wir müssen urteilen und uns entscheiden. Technik sollte immer der Diener sein. Im Umgang mit ihr brauchen wir eine gute Mischung aus Routine, faktenbasierter Intuition 43:00 und scheinbar nutzlosem Wissen, denn auch das gehört zur Bildung. Sich jede Art von Wissen nutzbar zu machen und dabei neue Optionen auszuloten, 43:10 so entwicklen sich Person und Persönlichkeit. Gebildet sein heißt dann auch, den beschleunigten digitalen Entwicklungen gelassen entgegentreten, 43:20 hauptsache es ist klar, wer Koch und wer Kellner ist. Denn gut Ding will Weile haben. Das ist kein Wissen, es ist eine Weisheit 43:30 und die kann man nicht programmieren. [Outro] 43:40 [Outro] [Outro] 43:50 [Outro]