Die Literatur im Realismus I musstewissen Deutsch musstewissen Deutsch https://www.youtube.com/watch?v=JuBNApoGAgc Transkript (automatisch erstellt) 0:00 So geht das nicht weiter, du musst der Wirklichkeit ins Gesicht sehen und ein wenig realistisch sein. Solche Ermahnungen kennen wir. 0:06 Aber: Keine Sorge, heute legen wir uns nicht auf Dr. Freuds Psycho-Couch, sondern wir sehen der literarischen Epoche des Realismus ins Gesicht. Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 0:20 so zwischen 1850 und 1890. Damals änderte sich die Lebenswelt für die meisten Europäer dramatisch. Durch die Evolutionstheorie. 0:28 Durch die Art und Weise, wie man Wissenschaft betrieb. Dadurch, dass der Einfluss der Kirche stark zurückging. Durch die Industrialisierung, die Verstädterung. 0:36 Dadurch, dass die Arbeiter in schlimmen Verhältnissen leben mussten und ausgebeutet wurden. Durch die Verarmung vieler Menschen, durch den Aufstieg des Bürgertums. 0:45 Davon blieb natürlich auch die Literatur nicht verschont. Das Romantische, das Idyllische, die Gefühlsduselei - das war out. Angesagt war die harte Wirklichkeit. 0:54 Aber es wäre ja viel zu einfach, wenn es beim literarischen Realismus nur um eine wirklichkeitsgetreue Abbildung der Welt gehen würde. Jetzt meint ihr vielleicht, dass es dann doch naheliegt, 1:05 das schlimme Schicksal - zum Beispiel der armen Arbeiter - zu beschreiben. Nein, das macht der bürgerliche Realismus nicht. Es geht nicht darum, 1:13 die schreckliche Wirklichkeit schonungslos darzustellen. Man konzentriert sich auf das Ideal, auf die Wahrheit, die in den Dingen liegt. Theodor Fontane sagt: "Der Dichter ist wie ein Bildhauer, 1:22 der aus einem Block Marmor etwas herausarbeitet." Das Kunstwerk steckt sozusagen im Marmorblock drin. Es ist also nicht damit getan, dass der Künstler hingeht, 1:31 den Marmor anschaut und ihn dann beschreibt, so: Kalt, glatt, kantig, und so weiter. Nein, er muss das herausholen, was drinsteckt. 1:40 Aber er tut das, indem er das Material erst ganz genau ansieht, also es realistisch betrachtet. Realistisch zu schreiben heißt also so zu schreiben, 1:48 wie es sein könnte, nicht, wie es ist. Es wäre auch gar nicht möglich, das Leben so zu beschreiben, wie es ist. 1:54 Wir erkennen ja nicht alles, sondern immer nur einen Ausschnitt. Der realistische Autor entwirft ein stimmiges, schlüssiges Bild von der Welt. Die Geschichte soll so geschrieben sein, 2:04 wie sie sich wahrscheinlich ereignen würde. Das Geschehene sollte glaubwürdig sein. Die Autoren versuchen, die Wirklichkeit mit literarischen Mitteln zu verarbeiten. 2:12 Das Innere und das Äußere spiegeln sich gegenseitig wider. Der Bezugsrahmen ist die bürgerliche Gesellschaft. Es geht vor allem auch um gesellschaftliche Verhältnisse. 2:21 Das Bildungsbürgertum grenzt sich ab vom Adel und auch dem Proletariat, also den Arbeitern. Die Dichter halten das bürgerliche Bildungsideal hoch. 2:30 Und: Man reibt sich an der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Man fragt sich, wie der Mensch in der unbarmherzigen Welt seine Menschlichkeit bewahren kann. 2:38 Wie kann der Einzelne in dieser Massenwelt, die immer einheitlicher und geregelter wird, seine Individualität bewahren? 2:45 Also: Es wird keine Idylle gezeigt. Und die Autoren wissen natürlich, dass die Welt anders ist, als von ihnen realistisch beschrieben. 2:52 Aber die Autoren wollen sich auch nicht einmischen. Sie stellen ja etwas dar, das so passieren könnte. Die Leser sollen sich selbst darüber eine Meinung bilden. 3:00 Deswegen enthalten sich die Autoren einer Wertung. Aber das ist ja eigentlich unmöglich, ohne zu werten Kritik zu üben. Diesen Gegensatz versuchen sie zu überbrücken, 3:10 zum Beispiel mit Ironie und Humor. Kritik humorvoll zu verpacken, das ist eine bewährte Sache. Aber wenn sich die Welt halt nicht ändern will, 3:19 dann schlägt der Humor erst um in Sarkasmus, also in ätzende Kritik, die schon nicht mehr lustig ist, und dann wird man pessimistisch. 3:25 Man erwartet schon gar nicht mehr, das sich etwas bessert. Die Autoren in der Zeit des Realismus werden auch immer pessimistischer, schreiben immer düsterer. 3:33 Wenn wir uns den Schreibstil ansehen, dann merken wir, dass die Sprache nicht kompliziert ist, sondern klar und schlicht. Das ist wichtig, denn der Leser soll unmittelbar teilhaben können. 3:43 Es kommen wenige Personen vor und meistens spielen die Geschichten in einem überschaubaren Rahmen, in einem Dorf zum Beispiel oder einem Tal. 3:52 Wichtige Autoren und Werke aus der Zeit des Realismus sind: Ich persönlich mag es ganz gerne realistisch. Wie ist das bei euch? 4:17 Schreibt das doch in die Kommentare. Dann schaut wieder rein bei der nächsten Folge "musstewissen Deutsch". Bis dahin einen Daumen nach oben, wenn's euch gefallen hat. 4:25 Und den Kanal abonnieren. Bis dann. Untertitel für funk im Auftrag des ZDF, 2018