Wie kann ein allmächtiger Gott das Böse zulassen? | Harald Lesch Terra X Lesch & Co https://www.youtube.com/watch?v=IwKn4WKBOl0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Nehmen wir doch mal an, nur mal für Spaß, es gäbe Gott. Warum ist dann die Welt ungerecht? [Intro] 0:13 Das darf doch eigentlich gar nicht sein. Wer kann uns da Auskunft geben? Natürlich ein katholischer Priester und am Besten noch einer, der was von Wirtschaftsethik versteht. 0:21 Und das ist er: Professor Doktor Thomas Schwarz, guter Freund von mir, deswegen können wir uns duzen. [Harald Lesch] Thomas, nehmen wir mal an, nur mal für Spaß, es gäbe Gott. Warum ist die Welt dann ungerecht? 0:32 [Harald Lesch] Warum lässt Gott diese Ungerechtigkeiten zu? Will er uns antreiben oder anschieben, damit es gerechter wird? [Harald Lesch] Oder Was ist die Aufgabe? [Thomas Schwarz] Das es einem schlecht geht, heißt nicht zwingend, 0:43 [Thomas Schwarz] dass da der liebe Gott für verantwortlich ist, sondern, da ist es dann schon, der Mensch auch. [Thomas Schwarz] Und diese Welt, in der uns Gott hinein gesetzt hat, ist halt eine Welt, mit Naturgesetzen. 1:01 [Harald Lesch] Auf jeden Fall wird dadurch, das Naturgesetze da sind, eben auch klar, warum wird man krank? Weil es eben [Harald Lesch] tatsächlich solche Schwankungen in Vielteilchensystemen gibt, um es mal so ganz nüchtern 1:10 [Harald Lesch] zu erklären. Warum treten Naturkatastrophen auf, auch das ist nichts anderes als eine Reaktion auf die entsprechenden [Harald Lesch] Rand- und Anfangsbedingungen. Und warum, muss man dann natürlich die Frage stellen, warum hat Gott diese Natur- 1:22 [Harald Lesch] Gesetzlichkeiten in die Natur gelassen? Warum ist das so wichtig? Für so eine Behandlung einer [Harald Lesch] absoluten Grenze, wie Gott? [Thomas Schwarz] Ich kann dir nur sagen, dass für mich 1:31 [Thomas Schwarz] im Grunde, diese Frage nicht eine Frage ist, die die Theologie zu beantworten hat und immer dann, [Thomas Schwarz] wenn die Theologie anfängt, solche Fragen beantworten zu wollen, dann macht sie sich auf Dauer 1:44 [Thomas Schwarz] irgendwann unglaubwürdig. [Harald Lesch] Aber wie ist es z.Bsp, wenn man den- [Thomas Schwarz] Ich würde eher mal sagen, Entschuldigung, für mich ist Gott eine Hoffnungsinstanz. Nicht eine Begründungsinstanz. 1:55 [Harald Lesch] Freiheit zum Bespiel, der freie Wille, dass der Mensch ein Lebewesen sei, dass sich mit freiem Willen für oder gegen Gott [Harald Lesch] entscheiden kann. Und dann, dass natürlich nur tun kann, auf Grundlage einer Natur, die nach Regeln funktioniert und 2:07 [Harald Lesch] die nicht chaotisch ist und damit der Mensch die Wirkungen seiner Handlungen vorraussehen kann. [Harald Lesch] Wenn er einmal angefangen hat, diese Natur- Gesetzlichkeiten zu erkennen. 2:16 [Thomas Schwarz] Im Grunde, weil er diese Ungerechtigkeiten erst ein mal erkennt, wahrnimmt, auffasst und auch realisiert, [Thomas Schwarz] dass es da Ungerechtigkeiten gibt, dann als freier und verantwortlicher Mensch, daran zu arbeiten, zu überwinden. 2:32 [Harald Lesch] Vielleicht sind wir nur dazu da, die Fehler, die gemacht worden sind, zu korrigieren. Damit es besser wird. [Harald Lesch] Vielleicht sind die Ungerechtigkeiten einfach nur, ja, Fehler. 2:46 [Thomas Schwarz] Dann müsste man aber im Grunde zunächst mal, schon einen ganz klaren Sinn davon haben, was richtig ist. [Harald Lesch] Das Irre ist, das fällt mir gerade ein, das hab ich gar nicht gewusst, dass ich das gewusst habe, 2:58 [Harald Lesch] diese Fehlerhaftigkeit, ist der Natur zumindest von der physikalischen Perspektive aus, [Harald Lesch] ist diese Fehlerhaftigkeit, also dieses Spielräume haben, der Natur tatsächlich eingewebt. 3:10 [Harald Lesch] Also wenn man in die Struktur der Materie eintaucht, da unten schwankt alles, du kommst [Harald Lesch] also gaar nicht umhin, es wird nie so eindeutig so, es ist genau das und nichts anderes, 3:20 [Harald Lesch] es ist geradezu der Unterschied, ist die Vorraussetzung dafür, dass das Universum sich überhaupt [Harald Lesch] in die Existenz geworfen hat. [Thomas Schwarz] Eben! Wir sind ja selber, also auch als 3:28 [Thomas Schwarz] kleiner Theologe, wissen wir ja, heutzutage, dass gerade diese Schwankungs- [unverständlich] [Thomas Schwarz] Urknall wahrscheinlich geführt haben wird. Also, ohne Fehler, ohne diese Schwebezustände 3:41 [Thomas Schwarz] Asymmetrien, was auch immer, würde es uns auch gar nicht geben. Von daher, [Thomas Schwarz] und wir nehmen ihn, als Menschen, noch einmal und jetzt sind wir sehr philosophisch, 3:52 [Thomas Schwarz] aber Philosophie ist ja auch eine Wissenschaft; Diese Schwankungen in unserem eigenen [Thomas Schwarz] Leben dann auch noch mal ganz neu und klarer auch in unserem sozialen Gefüge wahr 4:04 [Thomas Schwarz] und merken dort, dass sie einerseits positiv sein können, denn Unterschiede führen ja auch [Thomas Schwarz] zu Kreativität und führen zu Fortschritt, aber auch destruktiv wirken können, wenn wir sie nicht zu 4:21 [Thomas Schwarz] steuern versuchen, wozu wir als Menschen auch in der Lage sind [Harald Lesch] wir merken ja daran, dass es taucht ein neuer Mensch auf, in unseren Lebensumständen 4:29 [Harald Lesch] und auf einmal ist die Welt ganz anders. Also, es kann ständig was neues passieren, positiv wie [Harald Lesch] negativ und ich finde ja einen Satz ganz herrlich, von dem tschechischen Theologen, 4:39 [Harald Lesch] Tomáš Halík: "Glaube, Hoffnung und Liebe, sind drei Formen der Geduld mit Gott." Und die braucht man [Harald Lesch] vielleicht auch, bei der Frage der Gerechtigkeit in dieser Welt. 4:51 [Thomas Schwarz] Genau, dann werden wir nämlich auch Gott gerecht.