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Geschäftsfähigkeit einfach erklärt | inkl. Ausnahmen wie Taschengeldparagraph | BGB

Berufskolleg Hückeswagen8:57 15.429 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
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  1. Hallo zusammen, in diesem Video geht es um das Basiswissen rund um die Geschäftsfähigkeit. Eine zusammenfassende Checkliste dazu findet
  2. ihr in der Videobeschreibung. Etwas vereinfacht geht es bei der Geschäftsfähigkeit darum, ob jemand z.B. was kaufen, verkaufen, einen Kredit
  3. aufnehmen oder sonstige Verträge. Allgemein spricht man hier von Rechtsgeschäften eingehen darf. Dabei kann sich jeder vorstellen, dass wir
  4. nicht von Geburt an die Bedeutung und die Folgen dieser Handlung überblicken und einschätzen können und dementsprechend auch nicht von Geburt an
  5. geschäftsfähig sein können. Der Gesetzgeber hat dabei im bürgerlichen Gesetzbuch zwei Altersgrenzen definiert und zwar 7 und 18. Mit 7 und 18 steigt
  6. man im rechtlichen Sinne sozusagen auf das nächst höhere Level auf. In der ersten Stufe, also solange man keine sieben ist, gilt man als
  7. geschäftsunfähig. Bei den Gesetzesformulierung müsst ihr immer ein wenig aufpassen, da heißt es geschäftsunfähig ist, wer nicht das
  8. siebte Lebensjahr vollendet hat. Davon dürft ihr euch nicht beirren lassen. In das siebte Lebensjahr geht man, wenn man sechs geworden ist. Und wenn man es
  9. nicht vollendet hat, dann ist man noch keine sieben. Also wer noch keine sieben ist, gilt als [Musik]
  10. geschäftsunfähig. So dürfte ein Sechsjähriger z.B. keine Süßigkeiten am Kiosken, da seine Willenserklärung, ich will für 1 € eine gemischte Tüte,
  11. nichtig bzw. ungültig ist. Somit kann kein rechtsgültiger Kaufvertrag zwischen dem Kioskbetreiber und dem Sechsjährigen zustande
  12. kommen. Anders sieht es aus, wenn der Sechsjährige z.B. im Auftrag der Mutter, sagen wir mal, eine Zeitschrift kaufen soll. Dann fungiert er als Bote und
  13. überbringt lediglich die Willenserklärung der Mutter. Dann kommt ein rechtsgültiger Kaufvertrag zustande, aber nicht zwischen dem Kiosk Betreiber
  14. und dem Sechsjährigen, sondern zwischen dem Kioskbetreiber und der Mutter des Sechsjährigen. Diese Regelung schützt Kleinkinder und somit auch ihre Eltern
  15. vor ungewollten Verträgen, dass sie die Rechtsfolgen und die Verpflichtung, die mit ihren Handlung einhergehen, noch gar nicht überblicken
  16. können. Okay, bei der nächsten Stufe wird es ein wenig komplizierter, also bei den 7 bis 17-jährigen. Grundsätzlich gilt 7 bis
  17. 17-jährige können Verträge abschließen und sonstige Rechtshandlung vornehmen, aber nur und das ist entscheidend mitwilligung der
  18. Eltern. Will z.B. will ein 14-jähriger ein Handy kaufen, dann geht es nur, wenn die Eltern dem zustimmen. Wird zunächst einmal ein
  19. Vertrag ohne die Zustimmung abgeschlossen, dann gilt dieser zunächst einmal und jetzt kommt ein Fachbegriff als schwebend unwirksam. In der Schwebe
  20. zu sein bedeutet ja, dass noch eine Entscheidung aussteht. Da kann es zwei Fälle geben. Wird die Einwilligung im Nachhinein erteilt, dann wird der
  21. Vertrag wirksam. Wird sie dagegen nicht erteilt, wird dieser Vertrag für unwirksam erklärt. Der 14-jährige müsste dann das
  22. Handy wieder zurückgeben und der Verkäufer den Kaufpreis zurückerstatten. Diese grundsätzliche Regelung gilt natürlich nicht nur für
  23. Kaufverträge, sondern für alle möglichen Rechtsgeschäfte. So darf ein 16-jähriger z.B. nicht ohne Einwilligung der Eltern einen Ausbildungsvertrag abschließen
  24. oder diesen selbständig beenden. Von dieser grundsätzlichen Regelung gibt es allerdings einige Ausnahmen. In der Regel ist das so, wenn
  25. man einen Vertrag eingeht, dann hat man nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Bei einem Arbeitsvertrag hat man nicht nur das Recht auf einen Lohn,
  26. sondern man hat auch die Verpflichtung Arbeitsleistung zu erbringen. Beim Kaufvertrag bekommt man nicht nur die gekaufte Sache, sondern man muss auch
  27. den Kaufpreis bezahlen. Bekommt ein Minderjähriger dagegen z.B. ein Fahrrad geschenkt, dann entfällt ja die Pflicht, den Preis zu
  28. zahlen. Der Gesetzgeber spricht in diesem Zusammenhang davon, dass der Minderjährige hier lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt und somit
  29. die Einwilligung der Eltern nicht erforderlich ist. Also ein Geschenk darf ein Siebenjähriger grundsätzlich auch ohne die Zustimmung der Eltern
  30. annehmen. Okay, kommen wir nun zur zweiten Ausnahme. Der Einwilligung bedarf es ebenfalls nicht, wenn die Eltern z.B. einen bestimmten Geldbetrag
  31. im Vorhinein zur freien Verfügung zugestimmt haben. Dies ist z.B. beim Taschengeld der Fall. Deshalb heißt der Paragraph 110 des BGB, der genau das
  32. regelt, auch etwas umgangssprachlich Taschengeldparagraph. Will also z.B. ein Zehnjähriger für 5 € aus seinem
  33. Taschengeld eine Zeitschrift am Kios kaufen. So kommt ein rechtsgültiger Kaufvertrag auch ohne eine gesonderte Zustimmung der Eltern zustande. Auch
  34. hier liegt ja im Prinzip eine Einwilligung der Eltern vor, nur halt im Vorhinein und zwar pauschal für einen bestimmten Geldbetrag und nicht für
  35. einen bestimmten Zweck. Wie hoch das Taschengeld maximal sein darf, ist im Gesetz nicht genau festgelegt. Natürlich hängt es vom Einzelfall, von dem genauen
  36. Alter und von den Umständen ab, indem ein bestimmter Vertrag geschlossen wurde. Damit kommen wir zur dritten Ausnahme. Auch Minderjährige dürfen sich
  37. grundsätzlich selbständig machen und ein Unternehmen gründen. Nehmen wir z.B. zwei Oberstufenschüler als Beispiel vor, die Lehrvideos erstellen und diese auf
  38. eigener Lernplattform gegen Bezahlung anbieten wollen. Um minderjährige vor Gefahren einer möglichen Selbständigkeit zu schützen, hat der Gesetzgeber
  39. allerdings hier zwei Hürden eingebaut. Erstens, klar, wie hätte es auch anders sein können, die Eltern müssen zustimmen. Und weil die Konsequenzen
  40. eines selbständigen Geschäftsbetriebs so weitreichend sind, ist auch noch zusätzlich die Genehmigung des Familiengerichts erforderlich. Hier wird
  41. also genau geprüft, ob man z.B. charakterlich und fachlich dazu in der Lage wäre, wie sonst das Umfeld, Schule, Familie und so weiter aussieht, alle
  42. Risiken abgewogen und wenn dann das Familiengericht ebenfalls eine Genehmigung erteilt, dann dürfen die beiden Schüler
  43. z.B. Mitarbeiter einstellen, die Ausstattung für die Videoproduktion beschaffen, Büroräumlichkeiten anmieten und und vielleicht habt ihr das schon
  44. durchschaut, das dürfen Sie auch ohne die Zustimmung der Eltern. Auch hier wurde im Prinzip die Zustimmung durch die Genehmigung im Vorhinein
  45. erteilt. Sehr ähnlich funktioniert es auch bei der letzten Ausnahme. Stimmen die Eltern zu, dass z.B. ihr minderjähriger Sohn in einem Restaurant
  46. kellernn darf, dann sind auch alle Geschäfte, die im Zusammenhang mit diesem Arbeitsverhältnis stehen, ohne eine gesonderte Zustimmung möglich. So
  47. kann z.B. der Minderjährige ohne die gesonderte Zustimmung der Eltern ein Konto eröffnen, um sich den Lohn überweisen zu lassen, einen Monatsticket
  48. für den Arbeitsweg kaufen. Er darf auch selbständig entscheiden, ob er z.B. Stunden reduzieren möchte oder gar das Arbeitsverhältnis beenden bzw. kündigen
  49. möchte. Ganz ganz wichtig, das gilt nicht für Ausbildungsverträge. Um z.B. einen Ausbildungsvertrag zu kündigen, bedarf
  50. es bei Minderjährigen die Zustimmung der Eltern. Also Ausbildungsverträge sind von dieser Ausnahme klar ausgenommen. Fassen wir einmal ganz kurz
  51. zusammen. Beschränkt Geschäftsfäe, wenn man sieben oder älter, aber noch keine 18 ist, können grundsätzlich nur mit Zustimmung der Eltern Verträge oder
  52. sonstige Rechtsgeschäfte eingehen. Das gilt nicht, wenn es für Sie ausschließlich vorteilhaft ist, z.B. bei einer Schenkung oder wenn die Zustimmung
  53. pauschal im Vorhinein erteilt wurde, z.B. für eine bestimmte Geldsumme, Stichwort Taschengeld, für die Gründung eines selbständigen Geschäftsbetriebs
  54. oder bei der Zustimmung zu einem Arbeitsverhältnis. Wie gesagt, das gilt jedoch nicht für Ausbildungsverträge. Rechtsgeschäfte, die im unmittelbaren
  55. Zusammenhang mit dieser im Vorhinein erteilten Zustimmung stehen, dürfen dann auch ohne eine gesonderte Zustimmung der Eltern eingegangen
  56. werden. Das letzte Level der Geschäftsfähigkeit erlangt man mit 18. Mit 18 gilt man in Deutschland als voll geschäftsfähig. Dann fallen alle
  57. Beschränkungen weg. Dann darf man auch Kredite aufnehmen, Häuser kaufen und so weiter, auch ohne die Zustimmung der Eltern. In Bezug auf die
  58. Geschäftsfähigkeit von juristischen Personen, wie z.B. einer GmbH oder einem Verein, gibt es keine Einschränkung. Diese gelten unmittelbar nach der
  59. Entstehung als voll geschäftsfähig. Okay, so viel zu Geschäftsfähigkeit. LKT an die Checkliste in der Videobeschreibung.