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Kein Klopapier, keine Dusche: Die schockierende HYGIENE im Mittelalter
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 67 Zeilen
- Wenn wir heute an das Mittelalter denken, so sehen wir meist die prächtigen Kathedralen, die stolzen Bogen und die glänzenden Rüstungen der
- Ritter vor uns. Doch um die historische Realität jener Epoche zwischen dem Jahr 500 und dem Jahr 1500 wirklich zu begreifen, müssen wir einen unserer
- Sinne besonders schärfen, den Geruchssinn. Eine Zeitreise in das mittelalterliche Europa wäre für den modernen Menschen vor allem eines, ein
- olfaktorischer Schock, der an die Grenzen der physischen Belastbarkeit geht. Denn hinter der romantischen Fassade verbarg sich eine Welt, in der
- Hygienevorstellungen herrschten, die für uns heute kaum noch als solche erkennbar sind. Es war eine Welt ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser und
- ohne die grundlegendsten sanitären Artikel, die wir heute als selbstverständlich erachten. Beginnen wir mit dem intimsten aller menschlichen
- Bedürfnisse, dem Gang zur Toilette. Was heute ein privater Vorgang in einem gefließten, wohlriechenden Raum ist, war im Mittelalter eine logistische und
- hygienische Herausforderung. Auf den Bogen gab es den sogenannten Abortärker. Dies war im Grunde nichts weiter als ein Loch in einer steinerne Sitzbank, die
- wie ein Schwalbennest an der Außenmauer der Burg klebte. Die Exkremente fielen ungebremst in die Tiefe, entweder in den Burggraben oder schlicht an den Fuß der
- Mauer, wo sie sich zu meterhohen Haufen türmten. Im Sommer, wenn die Sonne auf diese Fäkalienberge brannte, stieg ein bestialischer Gestank auf, der durch die
- offenen Fenster in die Wohnräume zog und das Leben der Burgherren begleitete wie ein ständiger Schatten. Die Frage, die sich dem modernen Beobachter
- unweigerlich stellt, lautet: Was benutzte man statt Klopapier? Papier war im Mittelalter ein unbezahlbares Luxusgut, das für Bücher und Urkunden
- verwendet wurde, niemals, aber für die Hygiene. Die Antwort ist so pragmatisch wie unangenehm. Man nahm, was die Natur bot. In den Sommermonaten griffen Adlige
- wie Bauern zu Moos, Blättern oder Grasbüscheln. Im Winter, wenn die Vegetation ruhte, musste Stroh oder Heu herhalten. Diese Materialien waren grob,
- kratzig und alles andere als sauber, was häufig zu Hautreizungen, Entzündungen und Abzessen im Analbereich führte. In gehobenen Kreisen nutzte man manchmal
- Leinenlappen, die gewaschen und wiederverwendet wurden. Eine Vorstellung, die heute Brechreiz auslöst, damals aber der Gipfel der
- Zivilisation war. Auch dramatischer war die Situation in den engen aufstrebenden Städten. Während auf der Burg der Wind die Gerüche vertrieb, sammelte sich in
- den Gassen der Metropolen der Unrat. Es gab keine unterirdische Kanalisation. Die Menschen entlehrten ihre Nachttöpfe oft direkt aus dem Fenster auf die
- Straße, begleitet von einem Warnruf, der Passanten jedoch oft zu spät erreichte. Die Straßen waren nicht gepflastert, sondern bestanden aus festgetretener
- Erde, die sich mit menschlichen und tierischen Fäkalien, Abfällen und As vermischte. Dieser Morast, der sogenannte Gassencode, war der perfekte
- Nährboden für Krankheitserreger. Um durch diesen Sumpf zu kommen, trugen die Menschen Trippen, hölzerne Unterschuhe, die wie Stelzen unter die
- eigentlichen Schuhe geschnallt wurden, um nicht im Kot zu versinken. Schweine liefen frei in den Stäten umher und fungierten als lebende Müllschlucker,
- indem sie die Fäkalien und den Abfall frasen, bevor sie selbst geschlachtet und verzehrt wurden. Ein geschlossener Kreislauf der Unhiene. Ein weit
- verbreiteter Irrtum ist jedoch, dass die Menschen des Mittelalters sich nie wuschen. Das Gegenteil ist der Fall. Bis zum Ausbruch der Syphilis und der großen
- Pestwellen war das Baden sogar äußerst beliebt. Die öffentlichen Badehäuser waren soziale Zentren, vergleichbar mit modernen Clubs oder Kneipen. Man saß
- gemeinsam in großen Holzzubern, A, Trank und verhandelte Geschäfte. Doch das Wasser in diesen Zubern wurde oft stundenlang nicht gewechselt. Dutzende
- Menschen mit offenen Wunden, Hautkrankheiten und Parasiten teilten sich dieselbe Brühe. Was der Reinigung dienen sollte, wurde so oft zur
- Petrischale für Infektionen. Mit dem Aufkommen der Syphilis gegen Ende des 15. Jahrhunderts änderte sich die Einstellung radikal. Die Ärzte jenerzeit
- glaubten, dass Wasser die Poren öffne und so den Pesthauch in den Körper lasse. Die Folge war fatal. Das Waschen mit Wasser wurde als
- gesundheitsschädlich verpöhnt. Stattdessen rieb trockenen Tüchern ab und wechselte, wenn man es sich leisten konnte, häufig das weiße
- Leinenunterhemd, um den Schmutz aufzusaugen. Parfüm und Puder dienten fortan dazu, den Körpergeruch zu überdecken, statt ihn abzuwaschen. Ein
- besonders dunkles Kapitel der mittelalterlichen Hygiene ist die Monatshygiene der Frau. Dies war ein absolutes Tabuthema, über das in den
- Quellen kaum berichtet wird, was die Situation für die Betroffenen nur noch schwieriger machte. Es gab keine Einwegprodukte. Frauen behalfen sich mit
- selbstgenähten Binden aus Leinenresten oder Moos, die mit Bändern um die Hüften gebunden wurden. Diese Stoffbinden mussten ausgewaschen werden, was in
- einer Welt ohne fließendes Wasser und ohne Privatsphäre eine logistische Meisterleistung war. Oft trugen Frauen unter ihren langen Röcken gar keine
- Unterwäsche im modernen Sinne, was die Menstruation zu einer Zeit der ständigen Angst vor sichtbaren Flecken und Gerüchen machte. Die Kirche betrachtete
- die Menstruation zudem oft als Zeichen der weiblichen Sündhaftigkeit, was die physische Belastung um eine enorme psychische Scham erweiterte. Die Pflege
- der Kleidung folgte Regeln, die uns heute schaudern lassen. Da Seife teuer war, nutzte man die Kraft der Chemie der Natur. Das bleichende Mittel der Wahl
- war Ammoniak und die günstigste Quelle für Ammoniak war alter abgestandener Urin. Die Wäscherinnen sammelten den Urin der Hausbewohner in großen Fässern.
- Die Wäsche wurde dann in einer Lauge aus Asche und Urin eingeweicht und mit den Füßen oder Händen geknetet. Der stechende Geruch dieser Reinigung hing
- oft noch tagelang in den Stoffen. Man muss sich das vor Augen führen. Um sauber zu erscheinen, wuscht man seine Kleidung in den Ausscheidungen des
- eigenen Körpers. Körperbeharung und die damit einhergehenden Parasiten waren ein weiteres allgegenwärtiges Problem. Läuse und Flöhe waren keine Zeichen von
- Verwahrlosung, sondern ständige Begleiter aller gesellschaftlichen Schichten vom Bettler bis zum Kaiser. Es juckte immer und überall, das Flohen,
- also das gegenseitige Absuchen nach Parasiten, war eine alltägliche soziale Interaktion, fast so normal wie ein Gespräch.
- Adlige Damen trugen manchmal sogenannte Flohpelze, kleine Pelzstohlen, die sie um den Hals legten oder an der Kleidung befestigten. Die Idee war, dass die
- Flöhe vom Körper der Dame auf das weiche Tierfell überspringen sollten, wo man sie dann ausschütteln konnte. Es war ein verzweifelter, meist vergeblicher Kampf
- gegen eine Übermacht an Ungeziefer. Bettwanzen waren so verbreitet, dass Reisende oft in Hängematten oder sitzend schliefen, um den Kontakt mit den
- verseuchten Matratzen der Herbergen zu minimieren. Die Zahnhgiene war ebenfalls ein Feld des Schreckens. Karius war weit verbreitet, besonders als Zucker und
- Honig verfügbarer wurden. Man glaubte, dass ein Zahnwurm sich durch den Zahn fresse und die Schmerzen verursache. Um die Zähne zu reinigen, rieb man sie mit
- Leinenlappen ab. Oft getränkt in Kräutermischungen oder auch hier wieder in Eigenurin, der aufgrund seiner Säure die Zähne weißer machen sollte. Wenn ein
- Zahn nicht mehr zu retten war, blieb nur der Gang zum Dorfschmied oder Bader. Ohne Betäubung. Vielleicht nur mit einem Schluck Schnaps betäubt, wurde der Zahn
- mit einer groben Zange herausgebrochen. Oft brach dabei der Kiefer oder Wurzelreste blieben stecken, was zu tödlichen Entzündungen führte. Ein
- strahlendes Lächeln war im Mittelalter eine Seltenheit. Ein Mund voller schwarzer Stümpfe und Lücken war ab dem 30. Lebensjahr die Norm. Essen und
- Hygiene standen ebenfalls in einem Spannungsverhältnis, da es keine Gabeln gab. Diese galten lange als Teufelswerkzeug, aß man mit den Händen
- aus einer gemeinsamen Schüssel. Man teilte sich Becher und Löffel. Wer krank war, aß mit den gesunden. Die Übertragung von Herpes, Grippe und
- anderen Infektionen war beim täglichen Mal garantiert. Tischzucht verlangte zwar, dass man sich vor dem Essen die Hände wusch und sich nicht ins Tischtuch
- schneuzte, doch die Realität in den einfachen Bauernkarten sah anders aus. Wenn wir all diese Aspekte zusammenführen, entsteht das Bild einer
- Gesellschaft, die in einer ständigen Symbiose mit Schmutz und Bakterien lebte. Das Immunsystem der Menschen, die das Kindesalter überlebten, muss von
- einer Härte gewesen sein, die wir uns heute nicht vorstellen können. Sie ertrugen Gerüche, die uns ohnmächtig werden ließen. Sie tolerierten Schmerzen
- und Juckreiz, die uns in den Wahnsinn treiben würden. Diese hygienischen Zustände waren jedoch nicht das Resultat von Dummheit oder Faulheit. Sie waren
- das Ergebnis eines Mangels an technischer Infrastruktur und wissenschaftlichem Wissen. Man wusste schlicht nicht, dass Bakterien
- Krankheiten verursachen. Man roch den bösen Dunst, das Miasma und versuchte sich mit Räucherwerk und Kräutern dagegen zu schützen, während man das
- verseuchte Wasser trank. Die Geschichte der mittelalterlichen Hygiene lehrt uns eine tiefe Dankbarkeit für die Errungenschaften der Moderne. Der Dreh
- am Wasserhahn, die Spülung der Toilette, die sterile Zahnbürste, all das sind Privilegien, die Könige und Kaiser für ihr halbes Reich eingetauscht hätten.
- Das Mittelalter war eine Zeit der großen Kunst und des tiefen Glaubens, aber es war auch eine Epoche des Gestans, des Schmutzes und des stillen Leidens an den
- unerbittlichen Bedingungen der menschlichen Biologie. Wer sich heute nach der guten alten Zeit sehnt, sollte daran denken. Er sehnt sich nach einer
- Zeit ohne Klopapier, in der der nächste Zahnarztbesuch ein Todesurteil sein konnte und in der das Waschen der Wäsche bedeutete, knietief im Urin zu stehen.