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Kein Klopapier, keine Dusche: Die schockierende HYGIENE im Mittelalter

Geschichte entfesselt9:19 51.671 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 67 Zeilen
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  1. Wenn wir heute an das Mittelalter denken, so sehen wir meist die prächtigen Kathedralen, die stolzen Bogen und die glänzenden Rüstungen der
  2. Ritter vor uns. Doch um die historische Realität jener Epoche zwischen dem Jahr 500 und dem Jahr 1500 wirklich zu begreifen, müssen wir einen unserer
  3. Sinne besonders schärfen, den Geruchssinn. Eine Zeitreise in das mittelalterliche Europa wäre für den modernen Menschen vor allem eines, ein
  4. olfaktorischer Schock, der an die Grenzen der physischen Belastbarkeit geht. Denn hinter der romantischen Fassade verbarg sich eine Welt, in der
  5. Hygienevorstellungen herrschten, die für uns heute kaum noch als solche erkennbar sind. Es war eine Welt ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser und
  6. ohne die grundlegendsten sanitären Artikel, die wir heute als selbstverständlich erachten. Beginnen wir mit dem intimsten aller menschlichen
  7. Bedürfnisse, dem Gang zur Toilette. Was heute ein privater Vorgang in einem gefließten, wohlriechenden Raum ist, war im Mittelalter eine logistische und
  8. hygienische Herausforderung. Auf den Bogen gab es den sogenannten Abortärker. Dies war im Grunde nichts weiter als ein Loch in einer steinerne Sitzbank, die
  9. wie ein Schwalbennest an der Außenmauer der Burg klebte. Die Exkremente fielen ungebremst in die Tiefe, entweder in den Burggraben oder schlicht an den Fuß der
  10. Mauer, wo sie sich zu meterhohen Haufen türmten. Im Sommer, wenn die Sonne auf diese Fäkalienberge brannte, stieg ein bestialischer Gestank auf, der durch die
  11. offenen Fenster in die Wohnräume zog und das Leben der Burgherren begleitete wie ein ständiger Schatten. Die Frage, die sich dem modernen Beobachter
  12. unweigerlich stellt, lautet: Was benutzte man statt Klopapier? Papier war im Mittelalter ein unbezahlbares Luxusgut, das für Bücher und Urkunden
  13. verwendet wurde, niemals, aber für die Hygiene. Die Antwort ist so pragmatisch wie unangenehm. Man nahm, was die Natur bot. In den Sommermonaten griffen Adlige
  14. wie Bauern zu Moos, Blättern oder Grasbüscheln. Im Winter, wenn die Vegetation ruhte, musste Stroh oder Heu herhalten. Diese Materialien waren grob,
  15. kratzig und alles andere als sauber, was häufig zu Hautreizungen, Entzündungen und Abzessen im Analbereich führte. In gehobenen Kreisen nutzte man manchmal
  16. Leinenlappen, die gewaschen und wiederverwendet wurden. Eine Vorstellung, die heute Brechreiz auslöst, damals aber der Gipfel der
  17. Zivilisation war. Auch dramatischer war die Situation in den engen aufstrebenden Städten. Während auf der Burg der Wind die Gerüche vertrieb, sammelte sich in
  18. den Gassen der Metropolen der Unrat. Es gab keine unterirdische Kanalisation. Die Menschen entlehrten ihre Nachttöpfe oft direkt aus dem Fenster auf die
  19. Straße, begleitet von einem Warnruf, der Passanten jedoch oft zu spät erreichte. Die Straßen waren nicht gepflastert, sondern bestanden aus festgetretener
  20. Erde, die sich mit menschlichen und tierischen Fäkalien, Abfällen und As vermischte. Dieser Morast, der sogenannte Gassencode, war der perfekte
  21. Nährboden für Krankheitserreger. Um durch diesen Sumpf zu kommen, trugen die Menschen Trippen, hölzerne Unterschuhe, die wie Stelzen unter die
  22. eigentlichen Schuhe geschnallt wurden, um nicht im Kot zu versinken. Schweine liefen frei in den Stäten umher und fungierten als lebende Müllschlucker,
  23. indem sie die Fäkalien und den Abfall frasen, bevor sie selbst geschlachtet und verzehrt wurden. Ein geschlossener Kreislauf der Unhiene. Ein weit
  24. verbreiteter Irrtum ist jedoch, dass die Menschen des Mittelalters sich nie wuschen. Das Gegenteil ist der Fall. Bis zum Ausbruch der Syphilis und der großen
  25. Pestwellen war das Baden sogar äußerst beliebt. Die öffentlichen Badehäuser waren soziale Zentren, vergleichbar mit modernen Clubs oder Kneipen. Man saß
  26. gemeinsam in großen Holzzubern, A, Trank und verhandelte Geschäfte. Doch das Wasser in diesen Zubern wurde oft stundenlang nicht gewechselt. Dutzende
  27. Menschen mit offenen Wunden, Hautkrankheiten und Parasiten teilten sich dieselbe Brühe. Was der Reinigung dienen sollte, wurde so oft zur
  28. Petrischale für Infektionen. Mit dem Aufkommen der Syphilis gegen Ende des 15. Jahrhunderts änderte sich die Einstellung radikal. Die Ärzte jenerzeit
  29. glaubten, dass Wasser die Poren öffne und so den Pesthauch in den Körper lasse. Die Folge war fatal. Das Waschen mit Wasser wurde als
  30. gesundheitsschädlich verpöhnt. Stattdessen rieb trockenen Tüchern ab und wechselte, wenn man es sich leisten konnte, häufig das weiße
  31. Leinenunterhemd, um den Schmutz aufzusaugen. Parfüm und Puder dienten fortan dazu, den Körpergeruch zu überdecken, statt ihn abzuwaschen. Ein
  32. besonders dunkles Kapitel der mittelalterlichen Hygiene ist die Monatshygiene der Frau. Dies war ein absolutes Tabuthema, über das in den
  33. Quellen kaum berichtet wird, was die Situation für die Betroffenen nur noch schwieriger machte. Es gab keine Einwegprodukte. Frauen behalfen sich mit
  34. selbstgenähten Binden aus Leinenresten oder Moos, die mit Bändern um die Hüften gebunden wurden. Diese Stoffbinden mussten ausgewaschen werden, was in
  35. einer Welt ohne fließendes Wasser und ohne Privatsphäre eine logistische Meisterleistung war. Oft trugen Frauen unter ihren langen Röcken gar keine
  36. Unterwäsche im modernen Sinne, was die Menstruation zu einer Zeit der ständigen Angst vor sichtbaren Flecken und Gerüchen machte. Die Kirche betrachtete
  37. die Menstruation zudem oft als Zeichen der weiblichen Sündhaftigkeit, was die physische Belastung um eine enorme psychische Scham erweiterte. Die Pflege
  38. der Kleidung folgte Regeln, die uns heute schaudern lassen. Da Seife teuer war, nutzte man die Kraft der Chemie der Natur. Das bleichende Mittel der Wahl
  39. war Ammoniak und die günstigste Quelle für Ammoniak war alter abgestandener Urin. Die Wäscherinnen sammelten den Urin der Hausbewohner in großen Fässern.
  40. Die Wäsche wurde dann in einer Lauge aus Asche und Urin eingeweicht und mit den Füßen oder Händen geknetet. Der stechende Geruch dieser Reinigung hing
  41. oft noch tagelang in den Stoffen. Man muss sich das vor Augen führen. Um sauber zu erscheinen, wuscht man seine Kleidung in den Ausscheidungen des
  42. eigenen Körpers. Körperbeharung und die damit einhergehenden Parasiten waren ein weiteres allgegenwärtiges Problem. Läuse und Flöhe waren keine Zeichen von
  43. Verwahrlosung, sondern ständige Begleiter aller gesellschaftlichen Schichten vom Bettler bis zum Kaiser. Es juckte immer und überall, das Flohen,
  44. also das gegenseitige Absuchen nach Parasiten, war eine alltägliche soziale Interaktion, fast so normal wie ein Gespräch.
  45. Adlige Damen trugen manchmal sogenannte Flohpelze, kleine Pelzstohlen, die sie um den Hals legten oder an der Kleidung befestigten. Die Idee war, dass die
  46. Flöhe vom Körper der Dame auf das weiche Tierfell überspringen sollten, wo man sie dann ausschütteln konnte. Es war ein verzweifelter, meist vergeblicher Kampf
  47. gegen eine Übermacht an Ungeziefer. Bettwanzen waren so verbreitet, dass Reisende oft in Hängematten oder sitzend schliefen, um den Kontakt mit den
  48. verseuchten Matratzen der Herbergen zu minimieren. Die Zahnhgiene war ebenfalls ein Feld des Schreckens. Karius war weit verbreitet, besonders als Zucker und
  49. Honig verfügbarer wurden. Man glaubte, dass ein Zahnwurm sich durch den Zahn fresse und die Schmerzen verursache. Um die Zähne zu reinigen, rieb man sie mit
  50. Leinenlappen ab. Oft getränkt in Kräutermischungen oder auch hier wieder in Eigenurin, der aufgrund seiner Säure die Zähne weißer machen sollte. Wenn ein
  51. Zahn nicht mehr zu retten war, blieb nur der Gang zum Dorfschmied oder Bader. Ohne Betäubung. Vielleicht nur mit einem Schluck Schnaps betäubt, wurde der Zahn
  52. mit einer groben Zange herausgebrochen. Oft brach dabei der Kiefer oder Wurzelreste blieben stecken, was zu tödlichen Entzündungen führte. Ein
  53. strahlendes Lächeln war im Mittelalter eine Seltenheit. Ein Mund voller schwarzer Stümpfe und Lücken war ab dem 30. Lebensjahr die Norm. Essen und
  54. Hygiene standen ebenfalls in einem Spannungsverhältnis, da es keine Gabeln gab. Diese galten lange als Teufelswerkzeug, aß man mit den Händen
  55. aus einer gemeinsamen Schüssel. Man teilte sich Becher und Löffel. Wer krank war, aß mit den gesunden. Die Übertragung von Herpes, Grippe und
  56. anderen Infektionen war beim täglichen Mal garantiert. Tischzucht verlangte zwar, dass man sich vor dem Essen die Hände wusch und sich nicht ins Tischtuch
  57. schneuzte, doch die Realität in den einfachen Bauernkarten sah anders aus. Wenn wir all diese Aspekte zusammenführen, entsteht das Bild einer
  58. Gesellschaft, die in einer ständigen Symbiose mit Schmutz und Bakterien lebte. Das Immunsystem der Menschen, die das Kindesalter überlebten, muss von
  59. einer Härte gewesen sein, die wir uns heute nicht vorstellen können. Sie ertrugen Gerüche, die uns ohnmächtig werden ließen. Sie tolerierten Schmerzen
  60. und Juckreiz, die uns in den Wahnsinn treiben würden. Diese hygienischen Zustände waren jedoch nicht das Resultat von Dummheit oder Faulheit. Sie waren
  61. das Ergebnis eines Mangels an technischer Infrastruktur und wissenschaftlichem Wissen. Man wusste schlicht nicht, dass Bakterien
  62. Krankheiten verursachen. Man roch den bösen Dunst, das Miasma und versuchte sich mit Räucherwerk und Kräutern dagegen zu schützen, während man das
  63. verseuchte Wasser trank. Die Geschichte der mittelalterlichen Hygiene lehrt uns eine tiefe Dankbarkeit für die Errungenschaften der Moderne. Der Dreh
  64. am Wasserhahn, die Spülung der Toilette, die sterile Zahnbürste, all das sind Privilegien, die Könige und Kaiser für ihr halbes Reich eingetauscht hätten.
  65. Das Mittelalter war eine Zeit der großen Kunst und des tiefen Glaubens, aber es war auch eine Epoche des Gestans, des Schmutzes und des stillen Leidens an den
  66. unerbittlichen Bedingungen der menschlichen Biologie. Wer sich heute nach der guten alten Zeit sehnt, sollte daran denken. Er sehnt sich nach einer
  67. Zeit ohne Klopapier, in der der nächste Zahnarztbesuch ein Todesurteil sein konnte und in der das Waschen der Wäsche bedeutete, knietief im Urin zu stehen.