Was sind historische Quellen? | Geschichte wird gemacht! seguGeschichte https://www.youtube.com/watch?v=G92HNca2h9w Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Was sind historische Quellen? Geschichte wird gemacht! 0:11 Das hier ist eine Quelle. Die wird dir wohl eher im Erdkundeunterricht begegnen. 0:21 In Geschichte sind Quellen etwas anderes. Was sind historische Quellen? 0:31 Eine Urkunde aus dem späten Mittelalter mit Siegeln. Das stellen sich die meisten Menschen unter einer typischen historischen Quelle vor. 0:40 Quellen sind Dinge "von früher", also Gegenstände, Texte, Bilder oder Fotos aus der Vergangenheit. Quellen sind beispielsweise Urkunden, Familienfotos, Tagebücher, Zeitungen, 0:55 Kleidung, Gemälde, Lieder, Scherben, Höhlenmalereien, Knochen, Briefe, Alltagsgegenstände, Ruinen, Reden, Filmdokumente oder Gesetze. 1:06 Mit dem folgenden Beispiel soll verdeutlicht werden, was uns Dinge aus dem Alltag über die Vergangenheit berichten. 1:14 Hier ein Alltagsgegenstand, den ihr alle gut kennt. Über Smartphones und Handys sind wir heute immer und überall erreichbar. 1:22 Mobiltelefone haben sich erst in den 1990er Jahren langsam als Massenprodukt verbreitet. Fragt ihr eure Eltern, wie sie früher telefoniert haben, 1:32 können sie sich bestimmt an die alten Wählscheibentelefone erinnern. Dieses Modell war in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR, weit verbreitet. 1:41 In Westdeutschland fand sich viele Jahre dieses Modell in vielen Haushalten. Telefone aus den 1960er und 1970er Jahren [das Video ist von 2012] geben 1:50 uns einen Hinweis darauf, dass Deutschland damals geteilt war und es zwei deutsche Staaten gab: 1:55 die Bundesrepublik Deutschland, BRD, und die Deutsche Demokratische Republik, die DDR. Der Zeitstrahl kann helfen, die Quelle Wählscheibentelefon historisch einzuordnen. 2:09 Vor den Wählscheibentelefonen gab es noch einfachere Telefone. Um 1890 [das Video ist von 2012] existierten nur ganz wenige Telefone, 2:18 so wie dieses schwedische Modell. Und vorher? Da gab es gar keine Telefone. 2:24 Die Technik wurde erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Zudem begann erst in dieser Zeit die Verbreitung der Elektrizität. 2:31 Ein Schulzeugnis aus dem Jahr 1923 gibt uns nicht nur Auskunft darüber, dass Martina eine sehr gute Schülerin war. 2:39 Noten für Betragen, Fleiß, Gesang, Schönschreiben oder weibliche Handarbeiten weisen Unterschiede zu heutigen Zeugnissen auf. 2:48 Dieser Personalausweis ist aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das ist auch an den Hakenkreuzen zu erkennen. 2:56 Das rote "J" steht für "Jude". Durch den Pass sollte die jüdische Bevölkerung diskriminiert und ausgegrenzt werden. 3:03 Viele Quellen, vor allem schriftliche Quellen, werden in Archiven gesammelt, aufbewahrt und auch restauriert, also aufgearbeitet. 3:12 Archive gibt es in jeder Stadt und in jeder Gemeinde, zudem gibt es große Archive der Bundesländer und das Bundesarchiv für ganz Deutschland. 3:20 Unser Wissen über die Vergangenheit ist durch die Quellen begrenzt. Viele Fragen, die man an die Vergangenheit stellen könnte, 3:28 bleiben unbeantwortet, weil es einfach keine Quellen gibt. Als Faustregel gilt für die meisten Fälle: Je weiter die Vergangenheit zurückliegt, 3:36 desto weniger Quellen haben wir. Wie entstehen Quellen? 3:41 Die meisten Quellen sind Überreste aus der Vergangenheit, also Gegenstände oder Schriftstücke, die von den Menschen benutzt wurden, 3:48 so wie wir heute wir heute Emails schreiben, Zeitung lesen und andere Gegenstände im Alltag benutzen. 3:55 Diese Pickelhauben waren Gebrauchsgegenstände. Sie waren im 19. Jahrhundert die Helme von Soldaten. 4:01 Es gibt aber auch Quellen, die von den Menschen in der Absicht geschaffen wurden, ein bestimmtes Bild von der Vergangenheit zu transportieren. 4:09 Dieses Pickelhaube ist Teil eines Denkmals des ersten Reichskanzler Bismarck. Das Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffene 4:17 Denkmal soll Bismarck in kämpferischer Pose zeigen. Heute wäre ein Denkmal eines Bundeskanzlers 4:22 oder einer Bundeskanzlerin mit Militärhelm nur schwer vorstellbar. Geschichte wird gemacht! 4:30 Es gibt unzählige Bücher über Geschichte. In vielen Buchhandlungen und Bibliotheken gibt es eine Abteilung für Geschichte. 4:39 Bücher über Geschichte werden meistens von Historikern geschrieben. Leopold von Ranke, der Archäologe Heinrich 4:46 Schliemann und Theodor Mommsen waren berühmte Historiker im 19. Jahrhundert. Historikerinnen und Historiker forschen und lehren meistens an Universitäten. 4:57 Sie besuchen Archive, um Quellen aus der Vergangenheit zu erforschen. Geschichte ist, wie wir uns heute die Vergangenheit vorstellen und erklären. 5:06 Historiker blicken zurück in die Vergangenheit. Was sie über die Vergangenheit herausfinden, ist aber nicht beliebig. 5:13 Sie sind auf historische Quellen angewiesen und richten ihre Fragen an die Quellen. Mit Hilfe der Quellen können die Historiker 5:21 die Vergangenheit rekonstruieren. So entstehen Bücher über die Geschichte. Was sind keine Quellen? 5:32 Es ist oft gar nicht so leicht, Quellen aus der Vergangenheit und Geschichte zu unterscheiden. Bücher und andere Dinge, die uns heute über die Vergangenheit berichten, nennt man Darstellungen. 5:42 Geschichtsbücher, die ihr im Unterricht benutzt, sind solche Darstellungen. Dazu muss man ergänzen, dass in allen Geschichtsbüchern auch Quellen abgedruckt sind. 5:53 Diese Quellen sind aber bereits bearbeitet. Meist sind sie gekürzt und - falls erforderlich - ins Deutsche übersetzt. 6:01 Sie werden so präsentiert wie hier in diesem Beispiel. Dabei geht verloren, dass die Originalquelle ganz anders aussieht, 6:07 erst mühevoll abgeschrieben und erschlossen werden muss. Was ist mit Büchern und Schulbüchern, wenn sie selbst in die Jahre gekommen sind? 6:16 Dieses Geschichtsbuch ist aus dem Jahre 1941 [Das Video ist von 2012]. Damit haben Schüler im Nationalsozialismus Geschichte gelernt. 6:22 Das Buch trägt den Titel "Volk und Führer". Dieser Titel macht deutlich, dass Geschichtsunterricht im "Dritten Reich" die 6:28 Funktion hatte, die Ideen der Nationalsozialisten zu verbreiten und Hitler zu verherrlichen. Auch diese Buch blickt zurück in die Vergangenheit - aus der Sicht von 1941. 6:40 Das Geschichtsbuch ist heute nicht als Informationsquelle über die Geschichte von Interesse, sondern dafür, 6:47 wie im Nationalsozialismus Geschichte erklärt und vorgestellt wurde. Historiker von heute benutzen es daher als Quelle. 6:54 Man könnte mit Hilfe dieses Schulbuches versuchen herauszufinden, wie Schüler im Sinne der Nationalsozialisten beeinflusst wurden. 7:03 Ältere Darstellungen können zu einer Quelle für den Zeitpunkt ihrer Entstehung werden. Zurück zur Frage: Was sind keine Quellen? 7:12 Geschichtsdarstellungen sind zum Beispiel Artikel aus der Wikipedia. Bei der Wikipedia muss beachtet werden, dass diese Darstellungen meist von 7:19 verschiedenen Nutzern erstellt wurden und deshalb kritisch zu hinterfragen sind. Viele Computerspiele haben einen historischen Hintergrund. 7:28 Mit Vergangenheit haben sie aber meist wenig zu tun. Auch Modelle oder Rekonstruktionszeichnungen sind nur Darstellungen. 7:36 Dieses Modell der mittelalterlichen Stadt Old Sarum in Großbritannien zeigt, wie die Stadt ausgesehen haben könnte. 7:43 Man weiß es aber nicht genau, denn dort, wo sich diese Stadt einst befand, steht heute kein einziges Gebäude mehr. 7:52 Auch wenn Spielfilme oder Fernsehdokumentationen die Vergangenheit noch so realistisch darstellen wollen - sie sind immer nur 7:59 ein in der Gegenwart entstandenes Bild von der Vergangenheit, also eine Darstellung. Besonders Dokumentarfilme arbeiten oft auch mit Originalfilmaufnahmen, die zu den Quellen zählen. 8:10 Aber dadurch, dass die Filmaufnahmen in einem bestimmten Zusammenhang gezeigt werden, entsteht eine Erzählung über die Vergangenheit. 8:18 Immer öfter werden in Dokumentationen historische Szenen auch nachgespielt. Solche Szenen zeigen uns immer nur, wie wir uns heute vorstellen, 8:25 wie die Vergangenheit gewesen sein könnte. Im 19. Jahrhundert wurden viele Ölgemälde mit Szenen aus der Vergangenheit gemalt. 8:35 Von Kolumbus' Entdeckung Amerikas gibt es keinerlei bildliche Überlieferung. Das Gemälde ist also reines Phantasieprodukt des Malers. 8:44 Es soll den großen historischen Moment dramatisieren, was heute, etwa 160 Jahre [Das Video ist von 2012] nach der Entstehung des Gemäldes etwas ulkig aussieht. Das Bild kann uns also nur als Quelle für die 8:54 Verherrlichung Kolumbus' im 19. Jahrhundert dienen.