Französische Revolution nach Hinrichtung Ludwig XVI. I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=G4DUFX18o7Y Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video schauen wir uns an, wie die Französische Revolution nach der Hinrichtung 0:04 von König Ludwig XVI. weitergeht, gegen welche Feinde die junge Republik kämpft 0:08 und warum es zum Großen Terror kommt. Alles, was du wissen musst. 0:17 Am 21. Januar 1793 wird der abgesetzte König Ludwig XVI. mit einer Guillotine geköpft. 0:25 Dieses Gerät ist benannt nach ihm hier: Joseph-Ignace Guillotin. Und der ist nicht der Erfinder der Guillotine. 0:32 Der Mann ist Arzt und Mitglied der Nationalversammlung. Er hatte die Idee, dass die Abgeordneten im Ballhaus zusammenkommen, 0:39 nachdem der König ihren eigentlichen Sitzungsraum versperrt hatte. Mehr dazu in dem Video, was wir verlinkt haben, 0:45 wenn ihr auf das "i" klickt. Guillotin will, dass Hinrichtungen 0:49 mittels einer mechanischen Vorrichtung durchgeführt werden sollen, wie er sagt. Sein Argument ist: Das geht schnell und außerdem können so alle, 0:57 egal ob König oder Bettler, auf die gleiche Art bestraft werden. Also Gleichheit sozusagen fürs Volk. 1:03 Aber zunächst mag keiner etwas davon wissen. Erst als sich die Revolution radikalisiert, kommt man auf den Vorschlag zurück. 1:10 Fallbeile gibt es schon, zum Beispiel in England oder Spanien, aber jetzt wird die Idee sozusagen perfektioniert. 1:17 Von - und das ist interessant - einem deutschen Klavierbauer. Ab sofort kann wie am Fließband geköpft werden. 1:24 Und der arme Herr Guillotin, der eigentlich etwas verbessern wollte, steht heute als Sinnbild für eine grausame Strafe. 1:31 Aber jetzt mal zurück zum eigentlichen Thema. Man könnte meinen, dass die Revolution nach der Enthauptung des Königs 1:37 erfolgreich zu Ende ist. Aber stimmt gar nicht. 1:40 Zum einen bedrohen immer mehr ausländische Armeen Frankreich und kämpfen sich weiter voran, 1:45 zum anderen geht die Wirtschaftskrise weiter. Und diese Wirtschaftskrise verschärft die Spannungen im Landesinneren. 1:52 Denn es sind längst nicht alle Menschen glücklich damit, wie die Revolution verläuft. 1:57 Viele Bauern, Geistliche und auch Landadelige wehren sich gegen die neue Regierung. 2:01 Ihnen geht die Revolution jetzt zu weit. Es kommt zu Aufständen und sogar zu einem Bürgerkrieg. 2:08 Und in Paris, da hungern die Armen immer noch. Die Sansculotten machen der Regierung Druck. 2:14 Sie soll noch radikaler vorgehen. In dieser Lage setzt das Parlament einen Ausschuss, eine Regierung, ein. 2:21 Der Ausschuss heißt "Wohlfahrtsausschuss". Der soll dafür sorgen, dass die Menschen besser versorgt werden, 2:27 dass das Militär aufgebaut wird und dass die Polizei die Republik schützt. Vorsitzender, also Regierungschef, wird Maximilien de Robespierre. 2:37 Den seht ihr hier neben mir. Der greift knallhart gegen alle durch, die er als Feinde der Republik sieht. 2:43 Wer auch nur einen kleinen Zweifel an der neuen Verfassung oder der neuen Regierung äußert, 2:47 der gilt schon als Feind. Wenn zum Beispiel jemand einen Großbauern, 2:51 den man zusammengeschlagen hat, nur ganz, ganz bisschen bedauert, dann gilt er schon als verdächtig. 2:56 Spitzel und Denunzianten, also Leute, die andere Menschen beschuldigen, 2:59 weil sie sich dafür eine Belohnung erhoffen, die zeigen vermeintlich Verdächtige an. 3:04 Also so ein richtiges Spitzelsystem, das von ganz oben befohlen wird. Und dann kommen Revolutionsgerichte ins Spiel, 3:12 die urteilen die Menschen nämlich ab. Aber es sind keine rechtsstaatlichen Verfahren, wie man es heute kennt, 3:17 da geht einer vor Gericht und hat einen Anwalt und so, sondern das sind unsaubere Schauspiele, die nur den Anschein erwecken sollen, 3:24 dass es irgendwie gerecht zugeht. In Wirklichkeit geht es darum, möglichst viel Schrecken zu verbreiten 3:29 und den Menschen durch Gewalt Angst zu machen. Sodass keiner sich gegen die Revolution auflehnt. 3:34 Hunderttausende Menschen werden angeklagt und ins Gefängnis geworfen. Etwa 17.000 Leute werden durch die Guillotine geköpft. 3:44 Auch Kinder, muss man sich mal vorstellen, mit zehn Jahren. Das bedeutet, das pro Tag rund 33 Leute hingerichtet werden, 3:52 alle 45 Minuten. Man nennt diese Schreckensherrschaft der Jakobiner auch den "Großen Terror". 3:58 Warum, braucht man nicht zu erklären, das erklärt sich von selbst. Weil die meisten der Hingerichteten Bauern und Kleinbürger sind, 4:04 aber nur 15 Prozent Adelige oder Geistliche, sagt man: "Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder." 4:11 Noch mal: Der Terror soll allen Angst machen und die Feinde der Republik in Schach halten, 4:16 sie einschüchtern, davon abhalten, selber auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren, sich einfach gegen die Revolution zu stellen. 4:23 Gleichzeitig legt der Wohlfahrtsauschuss die Preise für Lebensmittel und alle Löhne fest. 4:28 So sollen die Leute versorgt werden, aber das geht zum Teil nach hinten los. Denn auf den Märkten gibt es plötzlich weniger zu kaufen, 4:35 weil viele Händler sagen: "Ich verkauf lieber auf dem Schwarzmarkt. Da bekomme ich viel mehr Geld, 4:40 als nach dem Höchstpreisgesetz eigentlich erlaubt wäre." Außerdem erlässt der Wohlfahrtsausschuss 4:45 die allgemeine Wehrpflicht. Das heißt, die Männer müssen Dienst in der Armee Frankreichs leisten. 4:51 Damit gibt es auf einen Schlag sehr viele Soldaten. Genug, um die ausländischen Feinde zu besiegen. 4:56 Da wäre die Koalition aus Österreich und Preußen. Deren Armeen haben zuerst das revolutionäre Frankreich angegriffen 5:04 und anfangs haben sie auch, wie erwartet, gesiegt. Denn ihre Soldaten waren erfahrene Söldner, 5:09 die Armee Frankreichs hatte viele kaum ausgebildete Männer in ihren Reihen. Aber die haben richtig motiviert gekämpft für die neuen Ideen der Revolution, 5:19 für ihre Nation. Und schließlich kommt der Sieg, der Sieg der Franzosen über Preußen, 5:25 über Österreich, über die Engländer, über die Spanier, einfach über alle. Die französische Revolutionsarmee ist sogar so erfolgreich, 5:32 dass sie die feindlichen Armeen nicht nur zurückschlägt, sondern jetzt selbst zum Angriff übergeht. 5:38 Das revolutionäre Frankreich führt gegen die Königtümer Europas Krieg, weil man die Revolution exportieren möchte, 5:44 sie zu anderen Menschen bringen möchte. Auch die Leute anderer Staaten sollen vom "Feudalismus der Sklaverei", 5:50 wie die französischen Bürger es nennen, befreit werden. Die vielen Soldaten besiegen aber nicht nur die ausländischen Feinde, 5:56 sondern auch noch die Aufständischen in den Regionen in Frankreich. Die Pariser Regierung lässt in den Provinzen, 6:02 in denen Bürgerkrieg tobt, Dörfer und Städte niederbrennen. Zehntausende Menschen werden geradezu abgeschlachtet. 6:10 Bald herrscht verständlicherweise Ruhe, weil sich niemand mehr traut aufzubegehren. 6:15 Und so endet der Terror dann auch, als alle Feinde der Revolution im Jahr 1794 besiegt sind. 6:22 Es gibt keinen Grund mehr für das Morden und die Verfolgungen. Deshalb beschließt der Nationalkonvent jetzt Robespierre zu verhaften 6:31 und selbst auf die Guillotine zu schicken. Die Revolution holt ihn also ein. 6:36 Die Revolutionsgerichte werden abgeschafft und die Jakobiner, die radikalen Vertreter der Revolution, werden verboten. 6:43 Während Robespierres Herrschaft gibt es übrigens nicht nur schlimme Gewalttaten, es wird auch die althergebrachte Religion bekämpft. 6:51 Das Parlament beschließt, dass es keinen Gott gibt, sondern nur ein "höchstes Wesen". So ganz abstrakt. 6:58 Außerdem beschließt das Parlament, dass die menschliche Seele unsterblich ist. 7:02 In Kirchen werden Statuen von Philosophen aufgestellt und das "höchste Wesen" wird angebetet. 7:08 Robespierre will eine aufgeklärte Religion der Vernunft schaffen. Vielen Menschen kommt das alles so ein bisschen komisch vor. 7:15 Man kann schon sagen, dass in dieser Phase der Französischen Revolution übertrieben wird. 7:20 und es geht auch noch weiter. Es ist so, dass der Mensch nicht nur nach Vernunft leben kann. 7:25 Wir haben eben auch Gefühle, und die sind manchmal irrational. Das haben Gefühle so an sich, dass sie unvernünftig sind. 7:31 Wie schwierig einige Änderungen während der Revolution sind, kann man auch an der Kalenderreform sehen. 7:36 Und das ist wirklich 'ne ganz absurde Geschichte. Man will keinen Kalender mehr, der so stark von der Kirche geprägt ist. 7:42 Deshalb sagt man: "Okay, wir teilen das Jahr in 12 gleichlange Monate mit jeweils 30 Tagen auf." 7:48 Die jetzt fehlenden fünf Tage, die werden am Ende Jahres einfach drangehängt. Und man muss sagen, ist vielleicht irgendwie ziemlich gewagt, 7:56 aber das geht ja noch. Aber warte mal ab. Als Nächstes bekommen die Monate nämlich neue Namen - 8:02 wie zum Beispiel Vendémiaire, der Monat der Weinlese. Okay, ist auch noch irgendwie einigermaßen verständlich, 8:08 aber jetzt kommt's: Ein Tag ist plötzlich zehn Stunden lang. Jede Stunde wiederum setzt sich aus 100 Minuten 8:15 und die wieder aus 100 Sekunden zusammen. Man kann also ein Date ausmachen nach dem Motto: 8:20 "Pass auf, wir treffen uns am Tag des Kürbisses in der Nacht um acht Uhr und 78 Minuten." 8:27 Ist schon ein bisschen komisch. Heute versteht man nicht mehr, was das sollte, 8:31 aber damals sagt man: "Gut, wir wollen alles vernünftig machen, wir wollen alles rational machen, und dementsprechend: 10, 100, 100." 8:38 Ist mathematisch vielleicht sinnvoll, aber die Menschen kamen damit irgendwie nicht so gut klar. 8:43 Und dementsprechend gibt es damals natürlich Widerstand. Die Bauern wehren sich besonders heftig, denn eine Woche dauert jetzt zehn Tage. 8:51 Früher hat man sechs Tage gearbeitet und durfte am siebten ruhen. Und jetzt muss man plötzlich neun Tage in der Woche ran 8:57 und hat dann erst einen freien Tag. Trotzdem hält sich dieser absurde Kalender ganze 13 Jahre lang, 9:04 bevor wieder der normale Kalender eingeführt wird. In der Geschichte ist es so, dass wir erleben, 9:09 dass sich ganz unterschiedliche Phasen abwechseln. Oft scheint dann das Gegenteil von dem zu passieren, was vorher war. 9:16 Diese Pendelbewegung, die kann man nach dem großen Terror der Französischen Revolution sehen. 9:21 Eine neue Verfassung, die begünstigt wieder das reiche Bürgertum. Traditionen werden wiederbelebt, 9:27 die Höchstpreise für Lebensmittel werden abgeschafft und die Revolutionsgerichte verschwinden. 9:32 Kurz und gut: Die Revolution wird wieder ein bisschen zurückgeschraubt, sie wird bürgerlicher. 9:38 Und da kommt ein Mann in Spiel, der, so sagt man, die Revolution vollendet und sie auch überwindet. 9:44 Den Namen habt ihr bestimmt mal gehört: Das ist Napoleon. 9:48 Damit geht's auch bald weiter hier bei uns. Bis dahin könnt ihr euch noch mal über mehr Ereignisse 9:53 während der Französischen Revolution informieren auf unserem Kanal. Natürlich empfehle ich euch, den Kanal zu abonnieren, 9:59 dann verpasst ihr künftig kein weiteres Video mehr. Wenn ihr Fragen habt dazu, stellt sie einfach unten in den Kommentaren, 10:05 wir kümmern uns dann darum. Vielen Dank fürs Zuschauen. Und bis zum nächsten Mal. 10:09 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017