Gewissen ignorieren? So weit geht Eric im Selbstversuch | PUR+ PUR+ https://www.youtube.com/watch?v=C2lYJrSc1ec Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Das ist fies. Das kann ich nicht machen. 0:01 Ich soll einem Obdachlosen Geld wegnehmen? Also es ist eine Stimme in mir, die jetzt sagt: Eric, das kannst du einfach nicht machen. 0:09 Diese Stimme ist mein Gewissen. Und dagegen kämpfe ich in diesem Video an. 0:14 Ich will herausfinden: Kann ich mein Gewissen ignorieren? Meine Challenge: 4 Aufträge, die ich erfüllen soll. 0:22 An meiner Seite ist Dr. Dr. Rainer Erlinger. Deutschlands bekanntester Gewissens-Experte. Hier kommt meine erste Aufgabe. Mal gucken, ob sich mein Gewissen direkt meldet. 0:33 Aufgabe 1: Sage per Telefon eine Verabredung mit einer Notlüge ab. Oh Gott. 0:42 Wir haben noch eine... so 'ne Redaktionsfeier, die wir einmal im Jahr machen, wo wir uns alle treffen aus der Redaktion von PUR+. 0:49 Das könnte ich noch absagen. Bei meiner Kollegin Conny würde ich das machen. 0:54 Tut weh, oder? Tut weh, und jetzt müsste ich sie auch anlügen. Ich könnte ja sagen, dass meine Nachbarin, 1:00 dass die da einen Hundesitter in der Woche braucht, und sie findet sonst keinen. 1:04 Conny oder Jutta. * Freiton * "Jutta Popp, 'PUR+'." Hi Jutta, hier ist Eric, grüß dich. 1:10 Hi, grüß dich. Du, ich hab grad 'ne Drehpause und wollte dir nur schnell sagen, 1:14 ich kann leider nicht zur Redaktionsfeier kommen. "Oh, schade." 1:19 "Ich hab grad vorhin dran gedacht – jetzt bist du am Drehen, da belästige ich dich nicht, 1:24 dass wir gar nicht drüber gesprochen haben." Ja, tut mir total leid, weil meine Nachbarin, 1:28 die ist in der Woche weg, und die braucht einen Hundesitter und findet einfach keinen. Ich muss auf den Hund aufpassen und kann den nicht mitbringen leider. 1:36 "Oh, nein. Das ist ja blöd." Tut mir leid, wollt ich nur schnell sagen. 1:42 Ja. Okay, wir drehen ... müssen leider weiterdrehen. 1:47 Bis dann. "Okay, danke. Ciao." Und? Ich hab ein mega schlechtes Gewissen. 1:57 Hast du gehört, wie traurig sie auch war? Jaja. "Oh, schade." 2:02 Ich hab total Herzklopfen. Und warum jetzt, weil du gelogen hast, oder weil du sie enttäuscht hast? 2:06 Beides. Die hat die Lüge nicht so wirklich... Ich weiß nicht, ob sie's geglaubt hat oder sie dachte so: 2:10 "Ey wegen so was kommt der jetzt nicht...". Die vertraut dir und gibt dir was Persönliches, Wertvolles von sich selbst, 2:16 nämlich dieses Vertrauen. Und ich hab sie enttäuscht. 2:19 Es ist gut, dass das Gewissen hier sofort sagt: "Halt, stop! Irgendwas stimmt nicht." 2:24 Na dann, mal schauen, wie's mit der nächsten Aufgabe läuft. Aufgabe 2: Bestelle im Café etwas zu essen. 2:31 Lass das Essen dann unangerührt stehen, zahle und verlasse das Café. Das ist halt... Das ist fies. 2:40 Das ist Essensverschwendung. Ja. Einfach Essen wegschmeißen find ich nicht gut. 2:45 Aber ich muss mich dazu überwinden, es zu machen. Dann nehm ich so 'nen Crunchy Nut Burger. 2:50 Menü oder nur den Burger? Nur den Burger. Dankeschön. Guten Appetit. 2:56 Danke. So. Mhm. 3:00 Jetzt haben wir hier einen schönen Burger. Allein das find ich schon 'ne Überwindung, zu zahlen, 3:04 wenn das Essen noch auf dem Tisch steht. 13, bitte. Danke. 3:16 Ach, Mann, ey. Und? Also es hat mich natürlich riesen Überwindung gekostet. 3:22 Die haben das Essen mit viel Mühe zubereitet. Und andere Leute haben nichts zu essen. 3:27 Wir haben schon so viele Sendungen darüber gemacht, dass man Essen nicht vergeuden sollte. 3:30 Das eine, dass Leute zu wenig zu essen und Hunger haben, denen gegenüber ist es wirklich sehr ungerecht und auch eine Unverschämtheit. 3:37 Dann natürlich auch gegenüber den Leuten hier im Lokal, das ist wie so 'ne kleine Ohrfeige, die die bekommen. 3:42 Es ist eine Stimme in mir, die jetzt sagt: "Eric, das kannst du einfach nicht machen." 3:45 Aber ich hab's gemacht. Ich hoffe, die nächste Aufgabe wird nicht ganz so schlimm. 3:50 Aufgabe 3: Drängle dich beim Einsteigen in eine Bahn rücksichtlos vor. Fahre ohne Ticket ein paar Stationen. Nein! 3:59 Ich kann nicht ohne Ticket Bahn fahren. Keine Rücksicht auf die andern Fahrgäste nehmen. 4:04 Irgendwie reinquetschen. Keinen aussteigen lassen. Kein Ticket haben. *Musik* 4:13 Für sich selbst löst Rainer natürlich einen Fahrschein. Ich schaue nur zu. 4:18 Und dann mache ich, was ich bei andern echt furchtbar finde, ich drängle mich einfach vor. 4:26 Immerhin sieht mir keiner an, dass ich heute nicht nur unhöflich bin, sondern auch noch schwarzfahre. 4:33 Es ist natürlich ein Gefühl von Bescheißen, so ein bisschen. Es ist auch ein Bescheißen, daher ist das Gefühl vollkommen richtig. 4:41 Man kann nachdenken: Was wäre, wenn es alle tun? Und alles, was nicht funktioniert, wenn es alle tun, 4:46 ist immer schon sehr verdächtig, dass es dann auch wirklich falsch ist. Wenn alle schwarzfahren würden, ... gäb's keine Einnahmen 4:51 mehr, dann würden die Züge ausfallen. Keine Kohle, um diese Züge überhaupt fahren zu lassen. 4:56 Langsam wird klar: Das Gewissen sorgt dafür, dass das Zusammenleben überhaupt klappen kann. 5:01 Von Kindheit an speichert es alle möglichen Regeln. "Du darfst anderen nicht wehtun." 5:06 "Lügen ist unfair." Oder ganz allgemein: 5:10 Tu nur Dinge, die Du auch dann noch okay fändest, wenn alle sie täten. 5:14 Umso fester die Regeln im Gewissen verankert sind, desto zuverlässiger schlägt es Alarm, wenn wir sie verletzen. 5:20 Man hat's ganz schön gesehen bei dem Burger. Da hast du gesagt, 5:24 dass du sofort ein schlechtes Gewissen hattest, weil ihr schon viele Sendungen drüber hattet. 5:28 Da ist mein Gewissen schon gut geschult. Genau. Man muss das Gewissen durch Nachdenken schulen, 5:34 damit es dann, wenn's mal schnell gehen muss, schnell arbeiten kann. 5:39 Aufgabe 4: Um die Ecke liegt ein schlafender Obachloser. Nimm ihm 20 Cent weg. 5:45 Ich soll einem Obdachlosen Geld wegnehmen. Das mach ich nicht. 5:52 Nee. Das kann ich nicht machen. Ich guck mir die Situation mal an. 6:00 Aber das fühlt sich, allein schon, wenn ich dran denke, fühlt sich das so schlimm an, 6:04 dass ich das nicht machen will. * düstere Musik * 6:16 Der schläft, ne? Der würd das jetzt nicht merken. Experiment hin oder her, 6:23 irgendwo ist auch mal Schluss, das mach ich jetzt nicht. Wir hätten's auch nicht gemacht. 6:26 Ah, ihr hättet's nicht gemacht? Nein. 6:28 Das ist kein Bettler, das ist ein Schauspieler. Nein! Ja. 6:32 Das ist nicht euer Ernst. Doch, das ist ein Schauspieler und wir wollten einfach wissen, 6:36 wie weit du mitmachst. Echt? Ja. 6:40 Nein, das gibt's nicht! Danke sehr. Wir sind durch. Danke. 6:45 Vielen Dank. Alles Gute. Allerdings muss ich gestehen: 6:48 Die andern Sachen hätten mein Gewissen auch schon überschritten. Und deswegen hab ich, ohne dass du's gewusst hast, 6:54 ein Ticket für dich gelöst. Du bist nicht schwarzgefahren. Du hattest ein Ticket, das hatte nur ich in der Tasche. 7:00 Der Burger ist auch nicht weggeschmissen worden, den hat nämlich der Wirt aufgegessen. 7:04 Da gibt's ein Foto, wie er ... Nein! Ihr seid echt verrückt. 7:12 Aber die Redaktionsfeier hab ich abgesagt. Da musst du noch anrufen. Jutta? Hi, hier ist Eric, grüß dich. "Hi!" 7:18 Du, ich muss dir kurz was sagen. Ich komm doch zu unserer Redaktionsfeier. 7:23 *Lachen* "Das ist super!" Ich hatte ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich dir abgesagt habe. 7:28 Und ich muss dir auch sagen, dass das für unsere Gewissens-Sendung war und ich hier von Kameras gefilmt wurde, als ich dir abgesagt habe. 7:35 (lachend) "Echt?" Wie ein innerer Kompass hilft uns das Gewissen dabei, 7:42 wie weit wir gehen können. Bei mir war beim Wohnungslosen Schluss und privat wäre ich nie so weit gegangen. 7:49 Wie ist das bei euch? Wann und warum hattet ihr mal ein schlechtes Gewissen?