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Der Wettbewerb für Post-Quanten-Kryptographie ist vorbei!

The Morpheus Tutorials13:59 12.570 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 112 Zeilen
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  1. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich darf Sie zu unserer heutigen Verleihung begrüßen für den ersten standardisierten asymmetrischen Postquantenverschlüsselungsalgorithmus.
  2. Herzlichen Glückwunsch, Crystal Skyver! Mit ihm die drei ersten standardisierten digitalen Signaturverfahren, die postquantensicher sind,
  3. Crystal's Dilithium. Und man sagt die beiden seinen Verwandt, Falcon und Sphinx.
  4. Applaus bitte! Postquanten-Kryptographie ist ein eigenes Forschungsfeld und am 5.
  5. Juli hat das NIST, das National Institute for Standardization and Technology, die ersten vier Postquantenalgorithmen veröffentlicht, die jetzt standardisiert sind.
  6. Ich habe mir länger überlegt, ob und wie ich das hier verpacke, aber dass ich das Thema vorstellen will, dürfte klar sein.
  7. Immerhin gibt es eine Krypto-Playlist von mir mit über 100 Videos. Dieses Video hier soll aber für alle sein.
  8. Jeder kann das verstehen, wie beeindruckend das ist und was wir da eigentlich gerade Historisches gemacht haben.
  9. Wir werden dementsprechend keine Beweise oder genauen Berechnungen machen. Dazu müsste ich selbst vermutlich erst mal ein bisschen mehr Mathe lernen, sondern wir
  10. wollen verstehen, was genau eigentlich der Hintergrund ist, dass wir solche Verfahren überhaupt brauchen und wie die jetzt eben zustande kamen.
  11. Was stimmt denn mit den alten Verfahren nicht und wie funktioniert Krypto eigentlich grundlegend? An der Stelle möchte ich nochmal ganz kurz auf unseren Sponsor eingehen.
  12. Das ist heute wieder GetInIT. Bei GetInIT könnt ihr sehr schnell und einfach einen Job in, natürlich, der IT-Branche finden.
  13. Die größten Firmen haben ihre Jobangebote auch bei GetInIT hinterlegt. Das Tolle, du musst nichts weiter tun, als dich auf der Plattform anzumelden und dein
  14. Profil auszufüllen. Hinterlege dort, welche Skills du hast, zum Beispiel agile Softwareentwicklung oder Kanban
  15. und was dein Werdegang und deine Ziele sind. Anschließend melden sich die Firmen bei dir.
  16. Der Prozess ist für dich natürlich vollkommen kostenlos und auch mit viel weniger Arbeit verbunden, als wenn du selbst auf die Suche gehen würdest.
  17. Fangen wir also kurz mit den Grundlagen an. Wie ihr in der Einleitung gehört habt, geht es nur um asymmetrische Verfahren, die hier
  18. standardisiert wurden. Es gibt aber grob gesagt vier Arten von Kryptoverfahren, die so regelmäßig zum Einsatz kommen.
  19. Symmetrische und asymmetrische Verschlüsselung, Hashing und digitale Signaturen. Symmetrische Verschlüsselung, zum Beispiel mit AIS, funktioniert so.
  20. Wir beide wollen kommunizieren und haben denselben Schlüssel und Verschlüsseln genau damit und wir entschlüsseln auch wieder damit.
  21. Die Dinger sind tatsächlich ziemlich unknackbar mittlerweile. Früher nicht unbedingt.
  22. Das einzige was man tun kann, ist nämlich den Schlüssel zu knacken. Und selbst das funktioniert im rein kryptografischen Verfahren eigentlich nicht wirklich.
  23. Das geht nämlich Jahrhunderte. Hashing ist auch ein symmetrisches Verfahren.
  24. Ihr könnt es euch so vorstellen. Ich packe was in eine Hash-Funktion rein und raus kommt eine Zeichenkette, die immer
  25. gleich lang ist. Packe ich dasselbe nochmal rein, kommt auch wieder derselbe Kram raus.
  26. Ändere ich auch nur einen Buchstaben, habe ich keine Ahnung mehr, was das Ergebnis von meiner Hash-Funktion ist oder sein wird.
  27. Umkehren lässt sich die Berechnung auch absolut nicht. Asymmetrische Verfahren, also Verschlüsselung und Signaturen, sind aber noch viel spannender,
  28. wie ich finde. Nun hat jeder Teilnehmer, also du und ich, einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel.
  29. Also wir haben zwei Schlüssel. Jeder kann unsere öffentlichen Schlüssel haben und den privaten, den behalten wir nur
  30. bei uns. Der muss nicht zum Gesprächspartner.
  31. Nun nimmst du meinen öffentlichen Schlüssel und verschlüsselst damit was, was nur ich entschlüsseln kann.
  32. Denn ich bin der Einzige, der den privaten Schlüssel hat. Das heißt Verschlüsseln mit dem öffentlichen Schlüssel, Entschlüsseln mit meinem privaten.
  33. Signaturen sind da ähnlich. Nur mit dem privaten Schlüssel lassen sich Unterschriften erstellen.
  34. Das heißt, nur ich kann unterschreiben. Sollte ja auch so sein.
  35. Jeder, der den öffentlichen Schlüssel hat, also du, kann die Signatur prüfen und damit verifizieren, dass ich das Dokument wirklich unterschrieben habe.
  36. Es ist also asymmetrisch, weil die Schlüssel, die wir nutzen, andere sind. Du nimmst meinen öffentlichen, ich nehme meinen privaten.
  37. Ich nehme deinen öffentlichen, du deinen privaten. Und hier kommen die Quantencomputer ins Spiel.
  38. Jedes asymmetrische Verfahren basiert auf einem harten mathematischen Problem. Das prominenteste Beispiel wahrscheinlich die Faktorisierung von Zahlen.
  39. Nehmen wir die Zahl 15. 5 mal 3 ist 15.
  40. Das wissen wir. Ein Computer kann das aber nicht effizient berechnen.
  41. Er muss jede einzelne Primzahl durchgehen und schauen, ob eine Division ohne Rest möglich ist.
  42. Das heißt 15 durch 2. Ah shit.
  43. Ist 7,5. Also nicht drin.
  44. 15 durch 3. Aha, das ist 5.
  45. Also haben wir keinen Rest. Also haben wir den ersten Primfaktor gefunden.
  46. Und so weiter und so fort. 5 kommt dann direkt danach.
  47. Jetzt, deswegen ist natürlich das Beispiel ziemlich langweilig. Es sind ja nur zwei Primzahlen und dabei haben wir Primzahlen 2 und 3 dabei.
  48. Also nicht wirklich spannend. Sind aber diese Primzahlen mal mehrere tausend Binärstellen lang, wird das auch für einen
  49. Menschen echt ziemlich unmöglich. Logisch.
  50. Quantencomputer haben jetzt allerdings ein Feature. Quantencomputer können das leider effizient machen.
  51. Das heißt, es gibt einen ausführbaren Algorithmus, Shores Algorithmus, um genau aus solchen riesigen Zahlen die Primfaktoren auszulesen.
  52. Und das zerstört unsere komplette Annahme. Denn wir sagen ja, wir müssen haben, dass das nicht möglich ist.
  53. Und Quantencomputer machen es möglich. Denn die Primfaktoren sind bei RSA mein privater Schlüssel.
  54. Das heißt, ich kenne 3 und 5. Und die große Zahl, also in unserem einfachen Beispiel 15, ist mein öffentlicher Schlüssel.
  55. Das heißt, du kennst 15, ich kenne 3 und 5. Das heißt, ein Quantencomputer könnte technisch gesehen aus meinem öffentlichen Schlüssel
  56. meinen privaten errechnen. Und damit können wir natürlich nicht mehr von Vertraulichkeit sprechen.
  57. Denn man kann ja jetzt alles machen. Deswegen brauchen wir kryptografische Verfahren, die auf Annahmen basieren, die wir auch mit
  58. Quantencomputern nicht brechen können. Und hier wird extrem viel geforscht.
  59. Gibt es vielleicht einen Algorithmus, der das Diffie-Hellman-Problem bricht? Gibt es einen, der das Diffie-Hellman-Problem auf elliptischen Kurven bricht?
  60. Was können Quantenrechner überhaupt? All das ist noch nicht ganz fertig erforscht und nicht ganz klar dementsprechend.
  61. Bislang konnten für einige neue Verfahren keine Algorithmen gefunden werden, die deren Annahmen zerstören.
  62. Und das gilt für zum Beispiel fehlerkorrigierende Codes, wie ich das zum Beispiel auch in dem Tutorial zum Mac-Elise-Kryptosystem vorgestellt habe.
  63. Aber auch für kryptologische Hash-Funktionen, multivariate Polynome und supersinguläre elliptische Kurven.
  64. Und für Gitter. Und genau darauf hat sich das Team hinter Crystals gestürzt.
  65. Reden wir ganz kurz über den Wettbewerb. Dieser wurde von der amerikanischen Behörde NIST ausgerufen.
  66. Das ist genau dasselbe Institut, das auch schon die Standardisierung von AES, dem Standard für symmetrische Verschlüsselung, veranstaltet hat.
  67. Und auch das war ein historischer Prozess für die Kryptographie. Denn dieser Prozess war sehr lang und sehr gründlich.
  68. 2016 begann der Call for Papers, das heißt Forscher weltweit wurden aufgerufen, ihre quantensicheren Algorithmen einzureichen.
  69. Egal ob jetzt digitale Signatur oder Verschlüsselung. 2017 hat die NIST mit dem Standardisierungsprozess begonnen, weil abzusehen war, dass ungefähr
  70. im Jahr 2030 RSA ein Problem haben wird. Es wurden zu all den mathematischen Problemen, die ich oben genannt habe, Vorschläge eingereicht,
  71. die die Forscher zu einem Paper formuliert hatten. Darunter zum Beispiel 22 asymmetrische Verschlüsselungsalgorithmen nur für das Gitterproblem.
  72. Das Wunderschöne an diesem Wettbewerb, was ich hier allerdings noch mal kurz hervorheben möchte, beispielsweise Hela 5 und Round 2 wurden noch in der ersten Runde von den Forschern
  73. zurückgezogen und mit dem Team hinter Round 5 haben die sich dann zusammengesetzt und gemeinsam daran gearbeitet, weil ihre Ideen so ähnlich waren.
  74. Sie haben also ihre Köpfe zusammengesteckt und aus drei quasi eins gemacht, weil es eine ähnliche Sache war.
  75. Ähnliches passierte mit den Code basierten Verfahren Lake, Locker und Uroboros R, die gemeinsam in Rollo flossen.
  76. Nach der ersten Runde durften dann wieder Kryptografen der ganzen Welt ihren Zerstörungstrieb ausleben.
  77. Jeder einzelne Algorithmus wurde nun auseinandergenommen und angegriffen. Es wurde nach Lücken gesucht und insgesamt wurden 13 Angriffe veröffentlicht.
  78. Übrigens auch hier wieder, Forscher-Teams waren sowas von international und nur gemeinsam haben die schlauesten Köpfe der Kryptografie Angriffe an den Schemata gefunden.
  79. Anschließend wurden einige Algorithmen zurückgezogen, angepasst, verbessert und überdacht und übrig blieb am 30. Januar 2019 eine Sammlung aus 17 Verschlüsselungsalgorithmen und 9 Signaturalgorithmen.
  80. Die gelten als ziemlich sicher. Jetzt durften also wieder Angriffe gesucht werden, aber es wurden zusätzlich noch weitere
  81. Kriterien beachtet. Vor allem der Overhead wird betrachtet.
  82. Das heißt, wie groß sind die Schlüssel eigentlich? Immerhin müssen die ja jedes Mal, wenn man eine Website aufruft, übertragen werden.
  83. Auch mobil. Ein paar Gigabyte an Schlüsseln wären da ziemlich unglücklich.
  84. Auch wichtig ist, wie schnell die Berechnungen verlaufen. Klar, heutzutage spielt vieles nicht mehr so eine extreme Rolle wie früher, aber trotzdem
  85. können Verschlüsselungen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Jeder, der mal eine Datei in VeraCrypt verschoben hat, der weiß, dass das für ein paar Gigabyte
  86. durchaus dauert. Laufzeit ist also ebenfalls essentiell.
  87. Beides war ausschlaggebend dafür, dass Crystals Kaiba den Wettbewerb als einziges asymmetrisches Verfahren gewonnen hat.
  88. Auch bei den Algorithmen zu digitalen Signaturen gewann Crystals Dilithium aufgrund derselben Kriterien.
  89. Es sollen jedoch noch mehr Algorithmen als Standard festgehalten werden, denn darum ging es bei dem Wettbewerb.
  90. Sie sollen überall verfügbar sein und leicht einsetzbar. Das ist quasi das, was den Standard ausmacht.
  91. Zu den weiteren Algorithmen gehört auch Falcon, der kleinere Signaturen erzeugt, was in manchen Szenarien wichtig sein könnte.
  92. Und zuletzt wird Sphinx Plus genannt, der zwar langsamer ist und mehr Platz braucht, aber dafür nicht wie die anderen Verfahren auf Gittern basiert, sondern auf Hash-Funktionen.
  93. Das heißt, wird ein Quantenalgorithmus gefunden, der die Gitterannahme bricht, haben wir einen Fallback-Algorithmus für digitale Signaturen, den jeder auch einfach nutzen kann, ohne auch
  94. nur irgendwas zu implementieren. Was ihr aber vielleicht gemerkt habt, sind Dilithium, Falcon und Sphinx alles nur Signature-Algorithmen.
  95. Das heißt, für Verschlüsselungen wurde nur ein einziger Algorithmus standardisiert bislang, also auch nur auf Basis von Gittern.
  96. Deswegen sollen in einer zusätzlichen vierten Runde noch vier weitere Verschlüsselungsalgorithmen standardisiert werden.
  97. Beaker, klassischer Mac-Elise, und HQC, die alle auf Codes basieren. Und dann noch Psyche, der auf supersingulären elliptischen Kurven basiert.
  98. Somit sind wir dann auch also da ganz gut aufgestellt. Die Standards sollen bis 2024 fertig sein, wenn es einen besonderen Durchbruch bei der
  99. Quantencomputerforschung gibt, sogar noch früher. Jetzt wäre die nächste berechtigte Frage, die man haben kann, warum wurde eigentlich
  100. kein neuer symmetrischer Verschlüsselungsalgorithmus gewählt? Machen wir alles in Zukunft asymmetrisch?
  101. Und nein, das wird nicht der Fall sein. Tatsächlich hat AIS aber einfach immer noch keinen Angriff gegen sich.
  102. Es gibt einen einzigen Algorithmus für Quantencomputer, der AIS ein kleines bisschen wehtut. Der Grover-Algorithmus.
  103. Der Grover-Algorithmus schafft es, die AIS-Schlüssellänge in einem Angriff zu halbieren. Mehr geht aber nach der aktuellen Forschung noch immer nicht.
  104. Deswegen passiert da einfach folgendes, AIS-Schlüssellänge wird verdoppelt. Selbst mit 256 Bits, die wir heute schon als Standard nutzen, ist also immer noch alles
  105. sehr gut gesichert. Lediglich die 128 Bit werden mit dem Grover-Algorithmus ein bisschen eng, um noch sicher zu sein.
  106. Da muss also kaum was passieren, außer dass wir halt den stärkeren Algorithmus benutzen, vielleicht noch einen stärkeren dann als Standard etablieren.
  107. Und damit sind wir dann auch in der Lage weiterhin Chats, Nachrichten, Mails, Webtraffic und noch vieles mehr sicher zu verschlüsseln.
  108. Völlig egal, ob es eines Tages Quantencomputer mit 50 Qubits oder 5 Millionen Qubits gibt. Wenn ihr euch für das Thema interessiert, zum McElies-Algorithmus, der ja auch in Zukunft
  109. noch standardisiert werden soll, hab ich tatsächlich ein Tutorial schon gemacht. Gönnt es euch gerne, ich verlinke es euch in der Endcard.
  110. Grundsätzlich empfehle ich euch aber erstmal meine Kryptografie-Playlist. Viel Spaß damit!
  111. Und vor allem auch natürlich danke an die Forscher, die sich da so reingehängt haben. Ohne euch hätten wir wirklich ein Problem.
  112. Bis zum nächsten Mal. Ciao!

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