Erster Weltkrieg I Fakten und Verlauf I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=9CI-vZlnPwo Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video beschäftigen wir uns mit einem besonders schlimmen Kapitel der Geschichte: 0:04 mit dem Ersten Weltkrieg. Ich erklär euch die zehn wichtigsten Dinge, 0:08 die man dazu wissen muss. So wie die Bündnisse in Europa stehen, 0:16 muss das Deutsche Kaiserreich an zwei Fronten kämpfen: gegen Russland und gegen Frankreich. 0:22 Wie in einer Presse. Um dieses Problem zu lösen, 0:25 entwickelte der General Alfred Graf von Schlieffen schon im Jahr 1905 einen Plan: 0:30 den nach ihm benannten "Schlieffen-Plan". Die Idee ist: Russland ist der gefährlichere, weil stärkere Gegner. 0:37 Aber Russland braucht Zeit, um seine Soldaten zu sammeln. Diese Zeit kann man nutzen. 0:42 Erst schnell Frankreich besiegen, dann alle Kräfte an die Ostfront gegen Russland werfen. 0:47 Der Plan war aber nicht so wirklich genial. Denn das größte Problem war: 0:52 Die deutschen Heere müssen durch Belgien durch, um Frankreich anzugreifen. 0:56 Als sie das neutrale Belgien überfallen, greift auch noch England ein. 1:00 Und Frankreich wird nicht in ein paar Wochen besiegt. Blöderweise sind außerdem die russischen Truppen 1:06 viel schneller als gedacht kriegsbereit und marschieren in Ostpreußen ein. 1:10 Am 4. August beginnt der Krieg. Im September ist der Schlieffen-Plan schon gescheitert. 1:19 Der deutsche Angriff bleibt vor Paris stecken. Damit die Deutschen das eroberte Gebiet nicht verlieren, 1:24 graben sie sich ein. Die Alliierten, also französische und englische Truppen, 1:28 graben sich auch ein - in Sichtweite zu den Deutschen. Es liegen sich die Feinde also 1:33 in ihren Stellungen in den Schützengräben gegenüber. Es geht nichts mehr vor und auch nichts zurück. 1:41 700 Kilometer ist die Front im Westen lang. Auf beiden Seiten sind die Armeen eingegraben. 1:46 Mit der Zeit werden diese Schützengräben immer weiter ausgebaut. Vorne steht Stacheldraht. 1:52 Wer versucht, da durchzukommen, ist den Maschinengewehrschützen hilflos ausgeliefert. 1:57 Im Schützengraben stehen hinter ihrer Deckung Soldaten, die ihre Stellung verteidigen. 2:01 Oder sie sammeln sich, um auf Befehl aus dem Graben herauszustürmen und zu versuchen, 2:06 in den gegenüberliegenden feindlichen Graben einzudringen. Hinter dem ersten Graben 2:12 gibt es ein ganzes System von weiteren Gräben und Bunkern, wo Nachschub herangeführt wird. 2:16 Oder wo man von einer Frontstellung zur nächsten kommen kann. Die Gräben verlaufen im Zickzack, 2:23 sodass man sich besser verteidigen kann, wenn jemand in den Graben eindringt. 2:26 Außerdem ist man besser vor Granatsplittern und Explosionen geschützt. 2:31 Zwischen den beiden Gräben liegt das "Niemandsland". Es kann einige Meter oder sogar 500 Meter breit sein. 2:39 Ganz hinten, etliche Kilometer hinter der Front, steht die Artillerie. Die schießt eine Granate nach der anderen ab. 2:49 Denn der Erste Weltkrieg ist eine Materialschlacht. Die Generäle merken schnell, dass der Grabenkrieg nix bringt. 2:55 Deshalb handeln sie nach dem Motto "Viel hilft viel". Bevor ein Angriff gewagt wird, 3:00 schießt man stundenlang, manchmal tagelang, mit der Artillerie, also mit schweren Geschützen, 3:05 riesige Granaten auf die feindlichen Stellungen. Der Boden wird regelrecht umgepflügt. 3:10 Insgesamt werden an der Westfront 850 Millionen Granaten abgefeuert. Die Krater, die dabei entstehen, 3:17 die kann man teilweise heute noch sehen. Materialschlacht aber auch, 3:21 weil Millionen Soldaten regelrecht verheizt werden. Menschenmaterial, das man wieder und wieder angreifen lässt. 3:28 Selbst wenn bei einem Vorstoß mal die ein oder andere Seite ein wenig Gelände erobert - 3:33 vielleicht, keine Ahnung, 100 Meter -, verliert man anderswo oder muss sich nach zwei Wochen zurückziehen. 3:39 Selbst wenn hunderttausend Soldaten auf einmal angreifen, tut sich kaum etwas. 3:44 Jahrelang bewegt sich die Front im Westen nur ein kleines bisschen hin und her. 3:53 Auch deshalb probiert man neue Waffen aus. Handgranaten werden in die feindlichen Gräben geworfen, 3:58 wo sie explodieren und viele Männer verwunden. Ab dem Jahr 1916 tragen die Soldaten Stahlhelme 4:04 und sind so wenigstens am Kopf ein kleines bisschen geschützter. Flammenwerfer brennen die Gräben aus. 4:10 Und dann setzt man Waffen ein, die eigentlich verboten sind: chemische Waffen. 4:15 Giftgas. Anfangs lässt man das Gas vom Wind in die feindlichen Stellungen treiben. 4:21 Später befüllt man Granaten damit. Die Gasmasken können einige Gifte gar nicht abhalten. 4:27 Diese Gasangriffe machen die Soldaten vor Angst fast wahnsinnig. 4:31 Besonders abartig: Giftgase entstehen oft bei herkömmlichen chemischen Produktionsprozessen 4:37 und sind deshalb unglaublich billig herzustellen. Teurer sind da die Panzer, 4:41 die Stacheldrahtverhaue vor den Gräben niederwalzen. Hinter den Panzern können Soldaten geschützt zum Angriff übergehen. 4:48 Aber noch ist der Panzer nicht kriegsentscheidend. Genauso wie die Flugzeuge: 4:54 Anfangs setzt man noch Luftschiffe ein. Deutschland bombardiert mit Zeppelinen sogar London. 4:59 Dann fliegen Flugzeuge. Der Kampf der Piloten, Mann gegen Mann am Himmel, 5:04 taugt für Heldengeschichten. Helden sind auch die Männer in den deutschen Unterseebooten. 5:10 Auch wenn der Einsatz der 380 U-Boote militärisch kaum etwas bringt, 5:14 entscheiden sie in gewisser Weise doch den Krieg. Denn der uneingeschränkte U-Boot-Krieg 5:19 ist der Anlass für die Vereinigten Staaten von Amerika, in den Krieg einzutreten. 5:24 Und gegen die Wirtschaftskraft Amerikas kann Deutschland nicht gewinnen. 5:31 Aber die deutsche Militärführung hat anfangs auch die russischen Truppen unterschätzt. 5:35 Die sind schneller als gedacht einsatzbereit und erobern Teile Ostpreußens. 5:39 Zwei Generäle, Paul von Hindenburg - den holt man extra aus dem Ruhestand zurück - 5:43 und Erich Ludendorff schaffen es, den Spieß umzudrehen. In zwei Schlachten, die letzte findet eben bei Tannenberg statt, 5:50 besiegen sie die russischen Armeen. Hindenburg wird als "Held vom Tannenberg" 5:54 zum Superstar in Deutschland. Später, im Sommer 1916, 5:59 übernehmen Hindenburg und Ludendorff die Oberste Heeresleitung - die OHL. Also die militärische Führung des Krieges auf deutscher Seite. 6:07 Der großväterliche Zuversicht ausstrahlende Hindenburg ist das Gesicht der OHL, 6:13 der Stratege Ludendorff kümmert sich um den Krieg. Und um die Politik. 6:18 Denn die beiden Generäle werden so mächtig, dass bald nicht mehr der Kaiser das Sagen hat oder gar die Reichsregierung. 6:24 Praktisch ist Deutschland zwischen 1916 und 1918 eine Militärdiktatur. 6:33 Während im Osten gesiegt wird, wird im Westen gestorben. 6:37 Anfang des Jahres 1916 beginnt ein deutscher Angriff, der zu einer Katastrophe führt. 6:42 Erobert werden soll die Stadt Verdun. Millionenfach regnen die Granaten auf das Schlachtfeld. 6:48 In nicht ganz einem Jahr sterben etwa 600.000 Männer. Wenn man das umrechnet, dann sieht man richtig den Wahnsinn. 6:56 Da ist zehn Monate lang alle 40 Sekunden ein Soldat gestorben. Gebracht hat das Ganze: nichts. 7:04 Das Sterben war vollkommen sinnlos. Schon damals sagt man: "Die Hölle von Verdun". 7:10 Und spricht von einer "Blutmühle". Im Weltkrieg sind 75 Prozent der Weltbevölkerung 7:18 im Kriegszustand. Einmal, weil die europäischen Länder Kolonien besitzen, 7:22 zum anderen, weil auch Länder aus Asien oder Südamerika und die Vereinigten Staaten von Amerika beteiligt sind. 7:28 Natürlich wird nicht nur in Europa gekämpft, sondern auch in den Kolonien. 7:32 Meistens können die deutschen Schutztruppen den englischen Kolonialtruppen nichts entgegensetzen. 7:37 Nur in Deutsch-Ostafrika gelingt es dem General Paul von Lettow-Vorbeck, 7:43 nicht besiegt zu werden. Anfangs verfügte er über 15.000 Soldaten. 7:47 Die meisten sind übrigens Einheimische. Der General führt damit einen Guerillakrieg. 7:51 Das bedeutet, dass er große Schlachten vermeidet, sich im Dschungel versteckt 7:56 und immer wieder aus dem Hinterhalt angreift. Am meisten leidet die einheimische Bevölkerung 8:01 unter diesem Abnutzungskrieg. Die Leute müssen nicht nur zwangsweise in den Krieg ziehen, 8:06 sie leiden auch noch unter Hungersnöten. Doch auch in Deutschland stirbt man. 8:14 Die englische Flotte riegelt den Zugang Deutschlands zum offenen Meer ab. 8:18 Diese Blockade führt dazu, dass immer weniger Rohstoffe ins Land kommen. 8:22 Wo bekommt man jetzt die Rohstoffe her, die man für den Krieg braucht? Na klar: von den Menschen. 8:28 Also sammelt der Staat ein. Metall, Gummi - zum Beispiel Bälle -, 8:33 Zinndeckel von Bierkrügen, Wollreste, Bindfäden und vieles mehr. 8:37 Die Bevölkerung muss schon länger in den Arbeitsdienst. Weil immer mehr Männer an der Front oder tot sind, 8:43 schuften die Frauen in den Fabriken. Auch die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung wird schlechter. 8:48 Als im Herbst 1916 die Kartoffelernte sehr schlecht ausfällt, werden Steckrüben verteilt. 8:54 Aber man kann gar nicht so viele Rüben essen, dass man davon satt wird, und vielen schmeckt das verständlicherweise auch nicht. 9:00 Wochenlang gibt es kein Fleisch. Mehl wird mit Sägemehl gestreckt, 9:04 Milch mit Wasser verdünnt. Insgesamt verhungern während des Krieges etwa 800.000 Deutsche. 9:10 Im Hungerwinter 1916-1917 leidet die Bevölkerung so sehr, 9:16 dass viele Menschen ein Ende des Krieges herbeisehnen. Immer wieder kommt es zu Streiks, 9:22 auch wenn die Streikenden als Landesverräter schlimm bestraft werden. Aber: Je länger der Krieg dauert, 9:27 je mehr Väter, Söhne und Brüder an der Front sinnlos sterben, je mehr Versprechen der Regierung in sich zusammenbrechen, 9:35 umso mehr heizt sich die Stimmung auf. Die Bevölkerung ist kriegsmüde. 9:40 Anfang des Jahres 1918 demonstrieren eine Million Deutsche für "Frieden und Brot". 9:51 Nicht nur in Deutschland zermürbt der Krieg die Menschen. Auch in Russland sind die Menschen unzufrieden. 9:57 Da lässt die deutsche Heeresleitung den in der Schweiz im Exil lebenden Wladimir Iljitsch Uljanow, 10:02 genannt Lenin, einen kommunistischen Revolutionär, nach Russland zurückkehren. 10:07 In der Oktoberrevolution 1917 übernehmen die Bolschewisten unter Lenin die Macht in Russland. 10:14 Am 3. März 1918 erzwingt die vorrückende deutsche Armee einen Friedensvertrag. 10:20 Jetzt will man im Westen noch mal alles auf eine Karte setzen. Für die Frühjahrsoffensive im Jahr 1918 10:27 wirft die deutsche Armee alles an die Front, was sie noch hat. Und tatsächlich kann sie große Geländegewinne erringen. 10:35 Die Front nähert sich sogar wieder Paris. Aber: Die Truppen sind erschöpft 10:39 und durch das Vorrücken wird die Versorgung noch schwieriger als vorher. 10:44 Kurz und knapp: Die Offensive läuft sich tot. 10:48 Wieder einmal ein sinnloser Versuch. Am 14. August 1918 10:53 ist der deutschen Heeresleitung endgültig klar, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann. 10:59 Am 29. September 1918 fordern die Generäle Waffenstillstandsverhandlungen. 11:05 Das lassen sie allerdings die demokratischen Politiker machen. Sie selbst übernehmen keine Verantwortung. 11:12 Am 11. November 1918 kapituliert Deutschland. 11:17 Das war jetzt ein Überblick über den Ersten Weltkrieg. Natürlich eine sehr, sehr große Sache, ein großes Thema. 11:23 Was ist das Ergebnis? Große Gebiete Europas sind zerstört. 11:27 Millionen Soldaten und Zivilisten sind tot. Millionen Menschen sind verarmt, 11:31 in vielen Ländern gibt es politische Spannungen und manchmal sogar Revolutionen und Bürgerkrieg. 11:37 Wenn ihr wissen wollt, wie es nach dem Ersten Weltkrieg weitergeht, speziell in Deutschland, dann abonniert diesen Kanal. 11:44 Dann verpasst ihr die künftigen Videos nicht. Wenn ihr zu diesem großen Thema was wissen möchtet 11:48 oder auch zu anderen Themen, oder einen Themenvorschlag habt, dann schreibt einfach unten in die Kommentare. 11:53 Danke euch fürs Zuschauen! Bis zum nächsten Mal. Untertitel für funk im Auftrag des ZDF, 2018