Das Vaterunser erklärt: Die Bitte, die fast alle falsch verstehen Tiefe leicht erklärt https://www.youtube.com/watch?v=842jIl_Jb6Y Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Milliarden Menschen sprechen diesen Text, viele davon jeden Tag. Fast niemand fragt sich dabei, warum seine Bitten ausgerechnet in dieser Abfolge 0:09 stehen. Sprich die ersten drei im Kopf mit. Dein Name, dein Reich, dein Wille. Dreimal wird derselbe Angesprochene zum Thema gemacht und in keiner dieser 0:19 Zeilen bekommst du etwas. Dann dreht sich die Blickrichtung. Unser Brot, unsere Schuld. Führe uns, erlöse uns. Ab jetzt bist du der Gegenstand und das 0:31 über vier Bitten hinweg. Oben drei, unten vier. Wer diese Aufteilung einmal gesehen hat, kann sie nicht mehr übersehen. 0:40 Das Gebet ist dann keine Wunschliste, bei der man die Punkte auch anders sortieren könnte. Es hat eine Laufrichtung und der Ausgangspunkt bist 0:49 nicht du. Da hier nichts zufällig steht, lässt sich überprüfen, ohne eine Zeile griechisch, denn das Gebet ist uns 0:58 doppelt überliefert in zwei Evangelien, in zwei unterschiedlichen Längen. Die eine Version ist merklich knapper. Sie streicht ganze Bitten, aber sie stellt 1:09 keine einzige um. Wir arbeiten uns bitte für bitte durch und jedes Mal stellen wir dieselbe Frage. Was hat diese Zeile an genau dieser Position zu suchen? 1:22 Am Ende landen wir in einer Nacht auf einem Grundstück am Ölberg, in der Jesus selbst betet, frei formuliert und dort begegnen dir zwei Bitten wieder. 1:33 Beginnen wir aber mit dem, was unmittelbar davor steht. Denn das Gebet fällt nicht vom Himmel. Es ist eine Reaktion. 1:43 Matthäus 6, Vers 7, warnt davor, beim Beten Worte aneinander zu reihen, wie die Heiden, die sich von der Menge ihrer Worte die Erhörung versprechen. 1:52 Einsatz gegen die Masse, also gegen den Gedanken, ein Gebetgewinne an Kraft, je häufiger man es wiederholt. Der Vers danach entzieht dem Beten noch 2:04 eine weitere Stütze. In 68 heißt es sinngemäß, dass der Vater deinen Bedarf schon kennt, bevor du ihn ausgesprochen hast. 2:15 Wenn das zutrifft, überbringt ein Gebet keine Nachricht. Gott erfährt hier nichts, was er noch nicht wusste. Damit ist der Grund entfallen, aus dem die 2:25 meisten Menschen überhaupt beten. Und genau dort, wo man erwarten würde, dass die Frage offen bleibt, wozu man dann noch bittet, folgt die Anweisung. So, 2:36 also sollt ihr betrichen, der Informationszweck gestrichen. Übrig bleibt eine Ordnung. Der zweite Bericht 2:45 schärft noch. In Lukas 11:1 beobachten die Jünger ihn beim Beten und erst im Anschluss bitten sie ihn, es ihnen beizubringen. 2:54 Sie wollen keine Formeln, die funktionieren. Sie haben etwas gesehen, das ihnen fremd war und möchten verstehen, wie es geht. 3:03 Die Antwort fällt so knapp aus, dass ein Kind sie behalten kann. Das hat einen Grund. Was du auswendig kannst, steht dir auch dann noch zur Verfügung, wenn 3:13 dir selbst keine Worte mehr einfallen. Bevor die erste Bitte kommt, steht allerdings noch die Anrede und die trifft bereits zwei Entscheidungen. 3:23 Matthäus, Vers 9 setzt ein mit: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. bleib beim ersten Wort hängen. Es heißt nicht 3:35 mein. Du kannst diesen Text allein in einem dunklen Zimmer sprechen und trotzdem steht er im Plural. Von der ersten bis zur letzten Zeile taucht 3:45 keine einzige Ichform auf. Kein mir, kein mein. Wer so betet, betet als Teil von etwas Größerem. Der zweite Teil der Anrede zieht dann eine Grenze im Himmel. 3:58 Vater und Himmel stehen direkt nebeneinander und ziehen doch auseinander. Das eine ist Vertrautheit, das andere ist Distanz. 4:08 Das eine erlaubt dir zu sprechen. Das andere erinnert dich daran, mit wem du sprichst. Entferne eines der beiden und der Text verliert sein Gleichgewicht. 4:19 Streicht man den Vater, bleibt ein förmliches Gesuch übrig. Streicht man den Himmel, wird daraus ein Gespräch auf Augenhöhe. indem man demen gute 4:29 Ratschläge zur Führung der Welt erteilt. Die Abfolge startet also nicht mit einem Anliegen, sondern mit einer Klärung der Verhältnisse. 4:40 Alles weitere baut darauf auf. Nun zur Bitte und sie ist zugleich die sperrigste. Geheiligt werde dein Name. Deutsche 4:49 Ohren hören darin eine Aufforderung zu mehr Ehrfurcht. Darum geht es nicht. Entscheidend ist die grammatische Form und die überliest fast jeder. Der Satz 4:59 steht im Passiv und es fehlt die Angabe, wer hier tätig werden soll. Nicht heilige deinen Namen. Auch nicht wir werden deinen Namen heiligen, sondern er 5:13 werde geheiligt. In der Auslegung besteht weitgehende Einigkeit, dass diese Konstruktion die Zuständigkeit bei Gott belässt. 5:22 Gebeten wird, dass Gott seinem eigenen Namen in der Welt Geltung verschafft. Der Betende macht sich nicht zum Ausführenden. 5:31 Ein ungewöhnlicher Einstieg. Die erste Bitte beschreibt eine Aufgabe, die dir nicht übertragen wird. Name meint dabei nicht die Schreibweise, sondern das 5:42 Ansehen, das jemand genießt. Hekiel 36, Vers 23, verhandelt genau das. Gott kündigt dort an seinen großen 5:53 Namen, den die Völker in Verruf gebracht haben, selbst wieder zu Ehren zu bringen. Die Initiative liegt nicht bei den Menschen. Übrigens war diese Bitte 6:03 nicht neu, als Jesus sie formulierte. Das Kadisch, ein jüdisches Gebet, setzt auf Aramäisch mit einer Zeile ein, die man ungefähr so wiedergibt: Erhoben und 6:16 geheiligt werde sein großer Name. Anschließend folgt dort die Bitte um die Aufrichtung seiner Herrschaft. Erst der Name, dann das Reich. Zwei Schritte in 6:27 derselben Reihenfolge. An dieser Stelle ist Zurückhaltung nötig. Und ich sage das ausdrücklich. Welche Fassung dieses Gebets wie weit 6:37 zurückreicht, ist umstritten. Eine saubere Abhängigkeit lästt sich daraus nicht konstruieren. Unstrittig ist etwas anderes. Jesus 6:47 formuliert nicht gegen die Gebetstradition seines Volkes, sondern innerhalb davon. Wer hier eine völlige Neuerfindung vermutet, kennt die älteren 6:56 Texte nicht. womit wir bei der zweiten Bitte wären, der politischsten des ganzen Gebets. Dein Reich komme. Was Luther mit Reich 7:08 wiedergibt, bezeichnet weniger ein Territorium als eine Regierungsgewalt. Nicht das Land, in dem ein König residiert, sondern der Raum, in dem sein 7:18 Wort Gewicht hat. Und nun vergegenwärtige dir die Umstände der ersten Aussprache. Ein besetztes Land. Menschen, denen 7:28 täglich vor Augen stand, wessen Anordnungen dort tatsächlich befolgt wurden. Diese Bitte erklärt also, zurückhaltend verpackt, die bestehende 7:38 Machtordnung für vorläufig. Und erneut fällt ein Wort auf, das dich aus der Verantwortung nimmt: Komme. Nicht, wir richten es auf. Nicht hilf uns beim 7:50 Aufbau. Es kommt von außen auf dich zu. Grammatisch stehen die ersten beiden Bitten damit gleich. Beide erbitten etwas, das der Betende nicht 8:00 herbeiführen kann. Die Dritte gibt dem Ganzen einen Schauplatz. Dein Wille geschehe, so auf Erden. Auch das ist keine 8:10 Selbstverpflichtung, Gottes Willen auszuführen. Es ist die Bitte, dass er sich durchsetzt. Manche Ausleger beziehen den Zusatz wie im Himmel, so 8:21 auf Erden, nicht nur auf diese Zeile, sondern auf alle drei. Ergibt Sinn. Name, Herrschaft und Wille sollen unten dieselbe Geltung bekommen, die sie oben 8:33 längst haben. Dreimal dein dreimal etwas, das über deinen Terminkalender weit hinausreicht. Dann mitten im Text wechselt der Ton: 8:45 "Unser tägliches Brot gib uns heute." Hier verlangt zum ersten Mal jemand etwas für sich selbst. Bisher wurde beschrieben, was werden soll. Jetzt wird 8:55 gefordert. Dass dieser Umschwung ausgerechnet an dieser Stelle liegt, ist die eigentliche Botschaft des Aufbaus. An anderer Stelle 9:04 wird dasselbe noch einmal gesagt, ganz ohne Bildsprache. Bleib in derselben Predigt. Ein paar Absätze weiter in Matthäus3 9:14 lautet: "Die Anweisung zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu suchen." Das Übrige komme dann hinzu. Zuerst ein Wort, das nichts anderes als 9:26 Reihenfolge bedeutet, gesprochen in derselben Rede. Und das Übrige ist alles andere als Waage. Die Verse unmittelbar davor handeln von Essen, Trinken und 9:38 Kleidung. Also exakt von dem, was die vierte Bitte anspricht. Gebet und Predigtsatz ordnen dieselben Dinge identisch an. Erst das Reich, dann das 9:49 Brot. Achte darauf, was diese Ordnung nicht behauptet. Sie erklärt dein Brot nicht für nebensächlich. Es steht im Text, Jesus hätte darauf verzichten 10:01 können und hat es nicht getan. Bestimmt wird lediglich der Platz. Über dieses Brot muß man ausführlicher reden, denn an einem einzigen Wort haben 10:10 sich Generationen von Gelehrten abgearbeitet. Der griechische Ausdruck, den Luther mit täglich wiedergibt, ist in der übrigen 10:19 griechischen Literatur so gut wie nicht nachweisbar. Er begegnet uns in dieser Bitte und sonst praktisch nirgends. 10:29 Bereits Originis stellt fest, dass die griechischen Autoren dieses Wort nicht verwenden und vermutet eine Neubildung der Evangelisten, weil ihnen offenbar 10:39 kein vorhandener Begriff ausreichte. Wie ratlos man war, zeigt die lateinische Bibel. Ein und derselbe Übersetzer entscheidet sich bei Matthäus 10:48 für überwesentlich und bei Lukas für täglich. Zwei Lösungen für ein Wort innerhalb einer einzigen Bibelausgabe. Im Kern 10:58 bleiben zwei Deutungen. Entweder ist gemeint, was zum Leben nötig ist, der Bedarf oder das Brot für den nächsten Tag, die Ration von heute für morgen. 11:10 Und beide Deutungen haben eine Gemeinsamkeit, auf die es ankommt. Es geht um eine Tagesration, nicht um Rücklagen. Dazu passt das unscheinbare 11:20 Wort am Schluss. Heute Lukas verstärkt es sogar zu Tag für Tag. Gebeten wird jeden Morgen neu, nicht einmal jährlich im voraus. Wer die Schrift kennt, hört 11:33 hier einen älteren Textmitling in 2 Mose 16 erhält ein Volk in der Wüste jeden Morgen Nahrung, verbunden mit einer Vorschrift. Gesammelt werden 11:46 darf nur der Tagesbedarf. Wer mehr hortete, fand am folgenden Morgen Maden darin. Lediglich vor dem Ruhetag galt eine Ausnahme. 40zig Jahre 11:56 lang wurde dieses Volk satt und besaß dennoch zu keinem Zeitpunkt einen Vorrat. Die Abhängigkeit blieb Tag für Tag. 12:07 In genau diese Lage stellt dich die Bitte und dieselbe Predigt zieht wenige Verse später die Konsequenz daraus. In 64 heißt es sinngemäß: 12:18 "Sorgt euch nicht um morgen. Der morgige Tag bringt seine eigenen Angelegenheiten mit. Damit wäre die erste der vier Ich bitten abgehandelt und sie war die 12:28 bequemste. Die nächste verlangt etwas und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." 12:38 Luther wählt Schuld und das trifft es genauer als es zunächst wirkt. Der griechische Begriff stammt aus der Buchhaltung. Er benennt eine offene 12:48 Forderung, einen nicht beglichenen Posten. Sünde erscheint hier nicht als Empfindung, sondern als etwas, das noch 12:57 aussteht. Lukas formuliert milder und spricht zunächst von Sünden. Doch beachte, wie sein Satz endet, denn auch wir erlassen jedem, der bei uns in der 13:08 Schuld steht. Auch dort taucht am Schluss der Schuldner auf. Die kaufmännische Sprache läßt sich nicht wegübersetzen. Sie gehört zum Bild und 13:16 jetzt jener Nebensatz, an dem die meisten hängen bleiben. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Es ist die einzige Stelle im ganzen 13:27 Gebet an der Betende etwas über sich selbst behauptet. Überall sonst bittet er. Hier legt er offen. Abschwächen läst sich der Satz nicht ohne ihn zu 13:38 zerstören. Falsch verstehen lässt er sich dagegen mühelos und das geschieht ständig. Die falsche Lesart lautet: "Vergib mir in dem Umfang, in dem ich 13:50 anderen vergebe. Ein Tauschgeschäft, bei dem du in Vorleistung gehst. Der Aufbau widerspricht dem, wer bis hierher gelangt ist, hat drei Bitten hinter 14:01 sich, in denen es ausschließlich um Gott ging und eine, in der er sich beschenken ließ. Er steht längst auf der Empfängerseite. 14:10 Unbequem bleibt der Satz trotzdem. Und das soll er auch, denn hier geschieht etwas, das an keiner anderen Stelle geschieht. Nach dem Schlusswort des 14:20 Gebets schweigt Jesus nicht. Er schiebt eine Erläuterung nach und die bezieht sich weder auf den Namen, noch auf das Reich, noch auf das Brot, sondern 14:32 ausschließlich auf diese eine Bitte. 61 hält fest: "Wer den Menschen ihre Verfehlungen erläßt, dem wird auch der Vater im Himmel erlassen." Und 615 14:45 liefert die Gegenprobe: "Wer den Menschen nicht erläst, dem wird auch der Vater nicht erlassen." Sieben bitten und nur eine einzige bekommt einen 14:55 Kommentar. Es ist diese, wo der Nerv dieses Gebets liegt, muß also niemand erraten. Der Text markiert die Stelle selbst. 15:06 Auch hier trägt die Position Bedeutung. Die Bitte folgt auf das Brot. Sie geht ihm nicht voraus. Ein Mensch kann satt sein und dennoch in zerbrochenen 15:17 Beziehungen leben. Essen behebt [räuspern] das nicht. Es ist ein eigenständiger Mangel und bekommt deshalb eine eigenständige Bitte. 15:26 Zwei bitten bleiben und mit ihnen richtet sich der Blick erstmals nach vorn und führe uns nicht in Versuchung. An diesem Satz arbeiten sich Übersetzer 15:38 bis heute ab und wir umgehen ihn nicht. Der griechische Begriff deckt zwei Bedeutungen ab: Versuchung und Prüfung. Gemeint ist eine Situation, in der sich 15:50 zeigt, woraus ein Mensch tatsächlich besteht. Das kann ein Reiz sein. Es kann ebenso eine Notlage sein. Und die Spannung 15:59 liegt offen im Text. Jakobus 113 stellt ausdrücklich klar, dass Gott niemanden zum Bösen verführt. Wenn das gilt, wozu dann die Bitte, er 16:11 möge es unterlassen? Darüber ist in mehreren Sprachräumen jahrelang diskutiert worden und einzelne Kirchen haben ihre liturgische Fassung 16:20 daraufhin verändert. Eine Auflösung liefere ich dir hier nicht. Unstrittig ist dagegen dies. Die Bitte verlangt keine Erklärung. 16:31 Sie will schlicht, dass die Lage gar nicht erst eintritt. Damit ist sie die nüchternste Zeile des Gebets. Sie unterstellt dir keine Stärke. Sie 16:41 kalkuliert dein Scheitern ein und bittet darum, dass es dazu nicht kommt. Merkt ihr diese Bitte? Wir begegnen ihr am Schluss noch einmal in einer Nacht, in 16:53 der jemand sie seinen Freunden zuruft, während ihm selbst die Prüfung unmittelbar bevorsteht. Und schließlich die letzte, sondern 17:03 erlöse uns von dem Bösen. Das Verbt ein Heraushen. Jemand wird aus einer Lage befreit, in der er festsitzt. 17:12 Ob damit das Böse als Sache oder der Böse als Person gemeint ist, lässt das Griechische offen. Die Form erlaubt beides und die Ausleger sind geteilter 17:23 Meinung. Luther entscheidet sich für die eine Variante, andere Übersetzungen für die andere. Der Text gibt beides her und ich werde hier nicht eindeutiger sein, 17:35 als er es ist. Für unsere Frage zählt vor allem die Position ganz am Schluss. Das Gebet endet nicht in einer wohl Stimmung. Es endet mit der Feststellung, 17:47 dass es etwas gibt, aus dem man herausgeholt werden muss. Und jetzt betrachte die vier unteren Bitten im Zusammenhang. 17:56 Sie ordnen sich auf einer Zeitachse an. Das Brot betrifft den heutigen Tag. Die Schuld stammt aus dem hinter dir liegt. Versuchung und Böses liegen vor dir. 18:08 Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft. Diese Beobachtung ist nicht neu und leicht zu überprüfen. Du musst die vier Zeilen bloß nebeneinander legen. In vier 18:21 Sätzen ist damit ein Mensch über seine gesamte Lebenszeit hinweg erfasst, ohne ein überflüssiges Wort. Und nun kommt die Probe, wegen der dieses Video seinen 18:32 Titel trägt. Bis hierhin könnte alles Deutung sein. In einer Reihenfolge lässt sich vieles hineinlesen, wenn man es darauf anlegt. Deshalb prüfen wir sie 18:44 dort, wo eine Prüfung möglich ist. Das Gebet steht zweimal in der Bibel. Einmal bei Matthäus innerhalb der Bergpredigt, einmal bei Lukas. Andere Situation, 18:56 anderer Ort, ausgelöst durch eine Frage. Und die Fassungen sind unterschiedlich lang. Lukas bringt weniger. Bei ihm fehlt der 19:05 Zusatz im Himmel. Es fehlt die dritte Bitte um den Willen und es fehlt die Schlussbitte um Erlösung vom Bösen. Wenn zwei Aufzählungen verschieden lang 19:17 ausfallen, ist die kürzere in aller Regel durcheinander geraten oder hat ausgewählt. So verhält es sich normalerweise bei mündlicher Weitergabe. 19:26 Hier läuft es anders. Bei Lukas heißt es: "Vater, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme." Anschließend die Bitte uns tag für Tag das nötige Brot zu 19:40 geben. Danach die Bitte um Vergebung der Sünden mit der Begründung, dass auch wir jedem erlassen, der bei uns in der Schuld steht und zuletzt die Bitte nicht 19:51 in Versuchung geführt zu werden. Name, Reich, Brot, Schuld, Versuchung. Halte das Neben, Matthäus und du erkennst dieselbe Kette, nur mit Auslassungen. 20:04 Keine einzige Bitte hat den Platz gewechselt. gekürzt wurde, also verrutscht ist dabei nichts. Das Brot bleibt hinter dem Reich, die Schuld 20:14 hinter dem Brot, die Versuchung am Ende. Und dort, wo Lukas streicht, entfällt nie der erste, sondern immer der zweite Teil einer Einheit. Bei der Anrede 20:26 verschwindet der Himmel, nicht der Vater. Bei den du bitten, die dritte, nicht die erste. Am Schluss das Böse, nicht die Versuchung. 20:37 So kürzt jemand, der an den Enden ansetzt und die Struktur unangetastet läßt. Eine faire Anmerkung gehört dazu, wie die beiden Fassungen historisch 20:47 zusammenhängen, beurteilen Fachleute unterschiedlich. Diese Frage ist offen. An unserem Befund ändert das nichts. Zwei Evangelien, zwei 20:58 Längen, eine Abfolge. Was konstant bleibt, während die Länge variiert, ist nicht der beliebige Teil. Bevor wir zum Schluss kommen, ist noch 21:08 ein Satz fällig. Der, den viele am Ende mitsprechen und der bei Matthäus in Klammern erscheint. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit 21:21 in Ewigkeit. Amen. Schlägst du eine Luther Bibel auf, findest du ihn bei Vers 13 in eckigen Klammern. Die sind kein Satzfehler, 21:31 sondern eine Information. Sie teilen dir mit. In den ältesten Matthäushandschriften fehlt dieser Satz. Bei Lukas taucht er überhaupt nicht auf. 21:42 Frühbelegt ist er in einer kleinen christlichen Gemeindeordnung, der die Dache, die aus der Frühzeit der Kirche stammt. Dort folgt auf das Gebet ein 21:51 kürzerer Lobsatz. Vom Reich ist darin noch keine Rede, nur von Kraft und Herrlichkeit, verbunden mit der Anweisung, dreimal täglich so zu beten. 22:02 Das Bild ist damit klar. Die Gemeinden haben sehr früh aufgehört, ein Gebet auf dem Wort Böse enden zu lassen und einen Lobpreis angefügt. Auch das Armen am 22:13 Schluss gehört zu diesem Anhang. Bei Matthäus selbst endet das Gebet beim Bösen. Und jetzt der Grund, weshalb ich das überhaupt aufgreife. 22:22 Im Netz kursieren Videos mit der Behauptung, irgendeine Kirche habe im vierten Jahrhundert ins Geheim etwas verändert oder entfernt und man müsse 22:32 das echte Vater unser erst wieder ausgraben. Überleg dir, was du dafür voraussetzen müsstest. Eine Vertuschung, die in 22:40 deiner eigenen Bibel in Klammern abgedruckt ist, samt erklärender Fußnote. Genau darin unterscheidet sich 22:47 Textforschung von einer Verschwörung. Das eine wird veröffentlicht, das andere verborgen. Zwei weitere Behauptungen lassen sich 22:55 hier gleich mitbehandeln, weil sie dir ständig begegnen. Die erste, es gäbe einen verborgenen aramäischen Urtext, in dem alles völlig anders und ungleich 23:06 tiefer klinge. Dass Jesus auf Aramäisch gebetet hat, ist sehr wahrscheinlich. Überliefert wurde uns das Gebet allerdings auf Griechisch. 23:15 Rückübertragungen ins Aramäische sind moderne Rekonstruktion. keine Handschriften funde. Wer dir eine davon als das ursprüngliche Gebet anbietet, 23:25 verkauft dir seine eigene Interpretation. Die zweite betrifft Zahlen. Es zirkulieren Anleitungen, dieses Gebet 23:33 eine festgelegte Anzahl von Malen zu sprechen, damit ein bestimmtes Ergebnis eintritt. Dagegen steht jener Satz vom Anfang, 23:42 drei Verse vor dem Gebet imselben Kapitel. Sie glauben, die Menge ihrer Worte verschaffe ihnen Gehör. Wird 23:51 ausgerechnet dieses Gebet zur Stückzahl, ist es zu dem geworden, wogegen es formuliert wurde. Und damit sind wir an dem Punkt, an dem die Reihenfolge 24:01 aufhört, bloße Beobachtung zu sein. Nacht, ein Grundstück vor den Toren der Stadt am Ölberg. ein paar Männer, die in Kürze einschlafen werden. Matthäus 26 24:14 berichtet, wie Jesus sich ein Stück von ihnen entfernt und betet. Und was er dort betet, hat er zuvor selbst gelehrt. In 2639 24:26 heißt es sinngemäß: "Mein Vater, wenn es sich einrichten lässt, nimm diesen Kelch von mir, aber nicht nach meinem Willen, sondern nach 24:36 deinem. Sieh dir den Bau dieses einen Satzes an. Zuerst die Anrede, dann sein eigener Wunsch und der ist unmissverständlich. 24:47 Er will das nicht. Und ganz am Ende der Wille des anderen. Er ordnet seine Worte nicht nach der Dringlichkeit seiner Angst, sondern nach dem Muster, dass er 24:58 selbst weitergegeben hat. Beim zweiten Mal fällt es noch knapper aus. 2642 lautet sinngemäß: 25:08 "Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorbeigehen kann, ohne dass ich ihn trinke, dann geschehe." Das ist die dritte Bitte. Im 25:20 Griechischen steht dort Wort für Wort dieselbe Wendung wie in der Bergpredigt. Nur die deutsche Wortstellung weicht ab und sie fällt hier nicht im Unterricht, 25:31 sondern in der schwersten Stunde eines Menschen. Es ist ausgerechnet jene Bitte, die bei Lukas fehlt. Bei Matthäus begegnet sie zweimal. Einmal als 25:42 Anweisung an alle, einmal aus seinem eigenen Mund nachts allein. Ob der Evangelist das bewusst nebeneinander gestellt hat, verrät er nicht. 25:55 Er stellt lediglich beide Sätze in dasselbe Buch. Und exakt zwischen diesen beiden Gebeten in 26:41 fordert Jesus die einschlafenden Männer 26:06 auf, wach zu bleiben und zu beten, damit sie nicht in Anfechtung geraten. Luther schreibt hier: Anfechtung. Im Griechischen steht derselbe Begriff wie 26:17 in der sechsten Bitte. In einer einzigen Nacht, im Abstand weniger Minuten, tauchen also zwei Bitten dieses Gebets auf. Die dritte 26:27 spricht er für sich, die sechste ruft er den anderen zu. Er hat dieses Gebet nicht nur verfasst, er hat es angewendet. Damit ist die Ausgangsfrage 26:37 beantwortet. Wäre die Reihenfolge nur ein Lernschema für Anfänger, hätte er sie in dieser Nacht fallen gelassen. Dann hätte der 26:46 Kelch am Anfang gestanden, ausführlich, und der Wille des Vaters wäre am Schluss höflich nachgereicht worden. Er macht es genau umgekehrt und er macht es zweimal. 27:00 Jetzt lässt sich sagen, was dieses Gebet ist. Keine Zusammenstellung frommer Anliegen in beliebiger Folge, sondern eine Bewegung mit klarer Richtung. Sie 27:11 setzt bei dem an, der angesprochen wird, nicht bei dem, der spricht. Sie durchläuft drei Bitten, aus denen für dich nichts herauszuholen ist. Dann 27:21 senkt sie sich zu einem Menschen herab und erfasst ihn vollständig, seinen heutigen Tag, sein gestern, sein Morgen. Und sie schließt mit einem 27:32 Eingeständnis, dass er da allein nicht herauskommt. Wer ausschließlich die untere Hälfte betet, betet nichts falsches. Er betet nur die 27:42 zweite Etappe eines Weges und lässt die erste weg. Spüren lässt sich das durchaus. Gott wird dann zu jemandem, der Dinge 27:51 beschafft. Genau dem setzen die drei vorangehenden Bitten etwas entgegen. Sie machen deutlich, ohne es auszubuchstaben, 28:00 dass über diese Welt nicht in deiner Größenordnung entschieden wird und dass eben darauf dein Brot ruht. Die meisten von uns beten von unten nach oben. Erst 28:11 die Sorge, dann, falls noch Zeit bleibt, der Rest. Das ist nachvollziehbar und niemand muss sich dafür rechtfertigen. 28:20 Dieses Gebet kehrt die Richtung um. Es beginnt oben, damit du unten nicht allein da stehst. Deshalb steht am Anfang auch nicht mein Vater, sondern 28:30 unser Vater. Selbst wenn du es gerade allein aussprichst, bist du nicht der einzige, der es spricht. Und das ist der Grund, 28:39 warum man dieses Gebet auswendig lernen soll. nicht um es schnell herunterzusprechen, sondern damit die Reihenfolge noch da 28:47 ist, wenn dir selbst keine mehr bleibt. So viel steckt in einem Text, den fast jeder auswendig kann. Wenn du Texte gern von innen betrachtest, abonniere den 28:59 Kanal und hinterlass mir eine Sache in den Kommentaren. Welche der sieben Bitten sprichst du am schnellsten mit, ohne dabei 29:07 nachzudenken? Und welche fällt dir inzwischen schwer? Ich lese jeden Kommentar. Danke, daß du bis hierher dabei 29:16 geblieben bist.