Die Geschichte von Alexander von Humboldt – Zwischen Naturforschung und Staatsdienst Historische Geschichten https://www.youtube.com/watch?v=7eU9DZbeFwU Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Willkommen zu einer neuen Folge. Heute widmen wir uns Alexander von Humboldt, einem der größten Naturforscher seiner Zeit. Wir begleiten ihn von seinen 0:09 abenteuerlichen Reisen bis hin zu seinem umfassenden Weltbild, das Natur und Kultur in einem großen Ganzen zu verbinden suchte. Wenn euch unsere 0:18 historischen Hörbücher gefallen, vergesst nicht zu liken, zu teilen und unseren Kanal zu abonnieren, damit ihr keine neuen Folgen verpasst. 0:27 Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humbold wurde am 14. September 1769 in Berlin geboren. Sein Vater, Alexander Georg von Humbold stammte aus Pommern, 0:39 diente als preußischer Offizier und wurde nach seinen Verdiensten im siebenjährigen Krieg zum Kammerherrn der Prinzessin von Preußen ernannt. Im Jahr 0:48 1766 heiratete er Marie Elisabeth von Holvede, geborene Columb, die aus einer wohlhabenden, teils hugenotisch 0:56 geprägten Familie stammte. Sie brachte aus ihrer ersten Ehe beträchtliches Vermögen mit, darunter das Schloss Tegel sowie ein Stadthaus in Berlin. Aus der 1:06 zweiten Ehe gingen die beiden Söhne Wilhelm und Alexander hervor. Schon zu Lebzeiten wurde Alexander mitunter als Freiherr oder Baron bezeichnet. Er 1:15 selbst widersprach diese Anrede nicht und verwendete den Titel gelegentlich sogar selbst. Rechtmäßig wurde er jedoch erst im Jahr 1:25 den Nachkommen seines Bruders Wilhelm zugesprochen. Alexander selbst unterschrieb meist schlicht mit Alexander Humbold, oft 1:33 sogar ohne den Namensbestandteil von Die Verbindung des Vaters zum preußischen Königshaus prägte das Leben der Brüder von Beginn an. Einer der Taufparten 1:43 Alexanders war der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm II. Nach der Scheidung des Thronfolgers im Jahr69 1:53 zog sich Alexander Georg von Humbold aus dem Hofdienst zurück und widmete sich auf Gut und Schloss Tegel der Erziehung seiner Kinder. Zunächst übernahm der von 2:02 den Ideen Jean-Jacques Rousseau, inspirierte Pädagoge Joachim Heinrich Kampe zwischen den Jahren 1769 und 1773 2:13 sowie noch einmal im Jahr 1775 die Ausbildung der Knaben. Ab 1777 trat Gottlob Johann Christian Kund als Hauslehrer hinzu, der nach dem Tod des 2:24 Vaters im Jahr 1779 zu einem engen Vertrauten der Familie wurde und der Mutter beraten zur Seite stand. Alexander galt seinen Erziehern 2:34 lange als schwerfälliger, ja, lernunwilliger Schüler, während sein zwei Jahre älterer Bruder Wilhelm den Stoff mühelos erfasste. Doch zeigte 2:42 Alexander früh eine Leidenschaft für Naturgegenstände. Er sammelte Steine, Pflanzen und Insekten, ordnete und beschriftete sie 2:50 sorgfältig, sodass er bald den Beinamen der kleine Apotheker erhielt. Mit 10 Jahren entwarf er Karten des Planetensystems und sogar des fernen 3:00 Amerika. Seine Neigung zur Naturbeobachtung verband er mit einem Talent für Zeichnung und Malerei. Unter Anleitung des Kupferstechers 3:09 Daniel Nikolaus Chodovjetki erlernte er Radierung und Kupferstich. Bereits im Jahr 1786 stellte er seine Arbeiten in der ersten 3:19 Kunstausstellung der Berliner Akademie aus. Eine Fähigkeit, die später in die eindrucksvollen Illustrationen seiner Reiseberichte einfließen sollte. Die 3:29 Mutter, nun zweifach verwittwichtete alle Anstrengungen auf die Ausbildung ihrer Söhne mit dem Ziel, sie für den Staatsdienst vorzubereiten. 3:38 Unter der Leitung von Gottlob Johann Christian Kund erhielten Wilhelm und Alexander Unterricht auf nahezu universitärem Niveau. Zu ihren Lehrern 3:46 gehörten der Kammeralwissenschaftler Christian Konrad Wilhelm von Dom, der sich für die Emanzipation der Juden einsetzte, der Kammergerichtsrat Ernst 3:56 Ferdinand Klein für Naturrecht und der Philosoph Jakob Engel. Darüber hinaus hörten die Brüder die naturwissenschaftlich philosophischen 4:04 Vorlesungen des Arztes Markus Herz, eines Schülers Emmanuel Kanz und bewegten sich bald im Salon von Henriette Herz, wo sie mit der Berliner 4:14 Aufklärung in Berührung kamen. Im Jahr 1787 schrieb die Mutter ihre Söhne an der brandenburgischen Universität Frankfurt 4:22 an der Oder ein. Wilhelm studierte dort Rechtswissenschaften, Alexander die weniger angesehene Kameralwissenschaft. Beide fühlten sich akademisch 4:32 unterfordert und verließen die Hochschule bereits nach einem Semester. Alexander kehrte nach Berlin zurück und bildete sich bei dem Botaniker Karl 4:40 Ludwig Wildenhof fort. Am 25. April 1789 immatrikulierte er sich an der Georg August Universität Göttingen. Hier prägten ihn der Physiker Georg Christoph 4:53 Lichtenberg und vor allem der Anatom Johann Friedrich Blumenbach. der Humbold in seinen Kreis junger Gelehrter aufnahm und ihm die Bedeutung empirischer 5:02 Forschung für Anthropologie und Biologie vermittelte. Im Herbst desselben Jahres unternahm Alexander zusammen mit dem niederländischen Mediziner Steven Jan 5:11 von Goin eine Reise an den Reihen. In Mainz lernte er den Naturforscher Georg Forster kennen, der bereits die Welt umrundet hatte und für Humbold den 5:20 Idealtyp des wissenschaftlichen Reisenden verkörperte. Ende März bis Juli begleitete er Forster auf einer 5:29 Forschungsreise von Mainz über den Niederreihen nach England und zurück über Paris, das sich im ersten Jahr nach dem Sturm auf die Bastie befand. Während 5:38 Forster sich immer stärker den Idealen der Revolution verschrieb und als glühender Anhänger nach Paris zog, blieb Humbold in seiner Haltung ambivalent, 5:48 wenngleich er sich klar für die Menschenrechte aussprach. Seine Ausbildung setzte er an der Hamburger Büschakademie fort, wo er 5:55 Handelswissenschaften, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft studierte. Dadurch ergaben sich für ihn vielfältige Gelegenheiten, Geographie und 6:04 Reiseberichte intensiver zu studieren. Im Mai 1791 bewarb er sich bei dem Oberg Hauptmann Friedrich Anton von Heinitz um eine Tätigkeit in der Preußischen 6:14 Bergverwaltung. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, begann er ein Studium an der Bergakademie Freiberg, das er in nur Monaten statt der üblichen 3 Jahre 6:24 abschloss. Unter dem Geologen Abraham Gottlob Werner verband er praktische Arbeit im Bergwerk. Er fuhr täglich um 6 Uhr morgens mit den Arbeitern ein, mit 6:34 einem überaus intensiven Studium, bei dem er bis zu sechs Vorlesungen pro Tag besuchte. Diese Disziplin und der Drang Theorie und Praxis miteinander zu 6:44 verbinden, sollten sein weiteres Leben prägen. In einem Teil der Forschungsliteratur wird die Ansicht vertreten, dass Alexander von Humbold 6:53 homosexuell gewesen sei. Diese Vermutung war für manche seiner frühen Biographen negativ konnotiert und wurde lange Zeit verdrängt oder gar als unangemessen 7:03 betrachtet. Die Frage nach seiner sexuellen Orientierung ist bis heute kaum erforscht. Der Historiker Andreas Daum wies 2019 darauf hin, daß Humbolts 7:15 private Korrespondenzen aus den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts den Eindruck eines durchaus sinnlichen Menschen vermitteln, der ein starkes Bedürfnis 7:24 nach körperlicher Nähe zu Männern verspürte. In welchem Umfang dies sein Leben bestimmte, bleibt allerdings unklar, da 7:31 Humbold bewusst einen Schleier der Privatheit über diese Seite seines Daseins legte. Daum äußerte die Vermutung, daß künftige 7:39 Forschungen hier noch zu überraschenden Erkenntnissen gelangen könnten. Belegt ist, dass Humbold enge, zum Teil innige Beziehungen zu Männern pflegte. Bereits 7:49 im Februar 178 schloss er mit dem Theologiestudenten Wilhelm Gabriel Wegener einen ewigen Freundschaftsbund. 7:57 Der Historiker Bernt Ulrich Hergemöller nannte in seinem 2001 erschienenen Lexikon Indizien für homoerotische Bindungen nicht nur zu Wegener, sondern 8:08 auch zu Johann Karl Freies Leben, zum Offizier Reinhard Samuel Christian von Halften, zum Maler Karl von Stäuben und zum Chemiker Josef Louis Gay Lak mit dem 8:19 Humbold mehrere Jahre in Paris eine Wohnung teilte. Gerade die Beziehung zu Reinhard von Hälften, die weniger von intellektuellen Gemeinsamkeiten als viel 8:29 mehr von emotionaler Nähe geprägt war, wurde von Biographen und Angehörigen lange verschwiegen oder mit fragwürdigen Deutungen überdeckt. 8:38 Am 6. März 1792 erhielt Alexander von Humboldt seine Anstellungsurkunde als Bergassessor Kumvoto, also mit dem Recht, amtliche 8:48 Gutachten zu verfassen. Kurz darauf wurde er mit der Untersuchung des Loterheiler Schiefers im neu zu preußen gekommenen Fürstentum Beirut betraut. 8:57 Auf dem Weg dorthin inspizierte er auch den Kampfsdorf Könizer Bergbau und führte im Schmiedefelder wie Triolwerk tiefgreifende Veränderungen durch. 9:07 Aufgrund eines besonders klaren und wegweisenden Berichtes wurde er schon nach einem halben Jahr zum Obergmeister befördert mit dem Auftrag, den Bergbau 9:16 im Fichtelgebirge und im Frankenwald neu zu ordnen. Humbold reorganisierte die Förderung von Silber, Nickel, Zin, Eisen und Aller und Schiefer Gestein. Kümmerte 9:27 sich um die bedrohten Goldgruben von Goldkronach und verbesserte die dortige Verhüttung. Er studierte alte Aufzeichnungen, fand neue abbauwürdige 9:36 Gänge und griff auch in die Arbeitssicherheit sowie die Ausbildung der Bergleute ein. Seine Maßnahmen führten dazu, dass die Gruben in 9:44 Goldkronach wieder Gewinne erzielten und bis zum Jahr 1861 betrieben wurden. Ein ähnlicher Erfolg gelang ihm mit dem Friedrich Wilhelm Stollen im Stebener 9:54 Kupferbergbau. Zudem reformierte er die Bergbauasse, indem er ihr die Überschüsse der Bergämter zuführte. um so die soziale 10:03 Lage der Arbeiter zu verbessern. Seine chemischen Analysen der Luft in den Gruben führten zur Entwicklung einer Lampe, die auch in sauerstoffarmer 10:12 Umgebung zuverlässig brannte. Bei einem Selbstversuch in einem Schacht wurde Humbold durch giftige Gase ohnmächtig, doch gerade die eigene Lampe trug zu 10:22 seiner Rettung bei. Er konstruierte außerdem eine Respirationsmaschine, einen frühen Vorläufer der Atemschutzmaske, die jedoch in der 10:30 Praxis nicht übernommen wurde. Mit eigenen Mitteln gründete Humboldt die erste Arbeiterbergschule Deutschlands, zunächst in Stäben. Dort konnten junge 10:40 Männer zwischen 12 und 30 Jahren nach Schicht Ende bis 11 Uhr nachts Fächer wie Mineralienkunde, bergmännisches Rechnen, Bergrecht, Maschinen und 10:51 Kompasskunde erlernen. Da es an geeignetem Lehrmaterial mangelte, verfasste Humbold die Lehrbücher selbst. In einem Brief an seinen Freund Johann 11:00 Karl Freies Leben äußerte er über seine Tätigkeit in Goldkronach überschwängliche Freude und betonte, er sei glücklicher, als er es je gewagt 11:08 habe zu hoffen. Während seiner Jahre im Staatsdienst begegnete Humbold einflussreichen Persönlichkeiten, darunter Karl Freiherr vom Stein und 11:18 Karl August von Hardenberg, die später bei den preußischen Reformen eine bedeutende Rolle spielen sollten. von seinem Ressortminister Friedrich Anton 11:26 von Heinitz wurde er im Jahr 1794 zum Bergrad und im Jahr 175 zum Obergrad ernannt. Trotz dieser schnellen Karriere bat Humbold am 26. März desselben Jahres 11:40 um seine Entlassung aus dem Staatsdienst, um endlich seinen Jugendtraum von großen Forschungsreisen verwirklichen zu können. Neben seiner 11:48 Verwaltungstätigkeit arbeitete Humbold auch wissenschaftlich. Er veröffentlichte die Flora Fribergensis Speziman, in der er Pilze und Flechten 11:57 beschrieb, darunter mehrere Erstnachweise neuer Arten. Dabei stellte er Verwandtschaftstafeln auf, die jedoch noch nicht auf stammes geschichtlichen 12:06 Beziehungen, sondern auf äußerer Ähnlichkeit beruhten. Er erkannte zudem die Bedeutung der Spaltöffnungen für den Wasserhaushalt der Pflanzen und 12:15 untersuchte den Einfluss der Luftbestandteile auf das Wachstum. Darüber hinaus wandte er sich der damals aktuellen Erforschung der tierischen 12:24 Elektrizität zu. In unzähligen Versuchen, oft gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm und nicht selten am eigenen Körper, untersuchte er die 12:32 Wirkung elektrischer Ströme auf Muskeln und Nerven. Mit galvanischen Zellen aus Zink und Silber reizte er künstlich erzeugte Wunden auf seinem Rücken, um 12:42 die Muskelbewegungen zu studieren. Im Gegensatz zu Alessandro Wolter blieb Humbold überzeugt von der Existenz einer eigenen tierischen Elektrizität. 12:52 Seine Versuche veröffentlichte er im Jahr97 unter dem Titel Versuche über die gereizte Muskel und Nervenpfaser. 13:01 Diese Schriften wurden in der zeitgenössischen Fachliteratur häufig zitiert und hatten großen Einfluss auf die Physiologie. 13:08 Auch während seiner späteren Südamerika Expedition setzte er diese Experimente fort, etwa in seinen Studien zum Zitterahl. In seinen letzten 13:18 Lebensjahrzehnten unterstützte er die elektrophysiologischen Forschungen von Emil Heinrich Dubo Remont, dessen Ergebnisse er als Fortführung seiner 13:27 eigenen Arbeiten betrachtete. Parallel zu seinen Erfahrungen im Bergbau begann Alexander von Humbold sich intensiv mit Fragen der Chemie zu beschäftigen. Dabei 13:37 standen stets praktische Probleme im Vordergrund. Er untersuchte die Entstehung und Zusammensetzung von Grubengasen, führte Messungen zum 13:45 Sauerstoffverbrauch durch und erforschte die Bildung von Kohlendioxid. Er erkannte die Jahreszeitlichen Schwankungen im Anteil dieses Gases an 13:54 der Luft und stellte fest, dass ein erhöht Kohlendioxidgehalt bis zu einer gewissen Grenze das Wachstum von Pflanzen beschleunigt. 14:03 Besonders fesselte ihn die Chemie der Luft und ihrer Bestandteile. Er stellte die Konstanz der Luftzusammensetzung in unterschiedlichen Höhenlagen fest. 14:12 Gemeinsam mit seinem engen Freund, dem französischen Chemiker Josef Lis Gusak, wies er im Jahr 1805 durchiometrische Versuche nach, dass im Wasser das 14:23 Verhältnis von Sauerstoff zu Wasserstoff ein:2 beträgt. Daneben unternahm er Experimente zu den Nitrosengasen. Als Bergbeamter verfasste Humbold auch 14:33 Gutachten zur Produktion von Glas, Porzellan und Steingut. Durch seine chemischen Publikationen wurde er schon früh wissenschaftlich anerkannt. Am 4. 14:43 August des Jahres 1800 wurde er von der königlich-preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin als außerordentliches Mitglied aufgenommen 14:52 und als Schimiste Celebre, als berühmter Chemiker bezeichnet. Bereits seit dem Jahr93 hatte sich Alexander von Humbold neben 15:02 seiner Tätigkeit als Bergbeamter zielstrebig auf eine große Forschungsreise nach Übersee vorbereitet. 15:09 Im November des Jahres96 erbte er nach dem Tod seiner Mutter ein beträchtliches Vermögen. Damit schied er aus dem Staatsdienst aus, um sich als 15:19 unabhängiger Naturforscher zu etablieren. Sein großes Ziel war eine Physik du, eine umfassende Darstellung des 15:28 physischgeographischen Wissens seiner Zeit, zu der er durch eigene Beobachtungen entscheidend beitragen wollte. Ende des Jahres6 15:38 formulierte er seine Pläne brieflich. Er wolle sich einige Jahre vorbereiten, Instrumente sammeln, ein bis anderthalb Jahre in Italien verbringen, um die 15:47 Vulkane gründlich zu studieren, dann über Paris nach England gehen und schließlich mit englischen Schiffen nach Westindien aufbrechen. In den Jahren der 15:56 Vorbereitung nutzte Humboldt jede Möglichkeit, seine Kenntnisse systematisch zu vertiefen. Er las die neuesten Reiseberichte, pflegte 16:05 persönlichen Kontakt zu führenden Zen, Botanikern und Astronomen und erprobte ständig wissenschaftliche Messinstrumente in verschiedenen 16:13 Landschaften, etwa in den Alpen. Außerdem entwickelte er ein eigenes Verfahren, die sogenannte Pasigraphie, eine Zeichensprache, mit der er 16:23 geographische Erscheinungen durch Buchstaben, Pfeile, Symbole und Abkürzungen systematisch festhielt. Im Mai des Jahres 16:32 begab er sich nach Paris, wo er in Vorträgen und Diskussionen sein wissenschaftliches Renaom festigte und seine Ausrüstung vervollständigte. 16:42 Hier begegnete er dem französischen Botaniker Em Jacques Alexandre Bompl, der sein treuer Gefährter auf den kommenden Reisen werden sollte. Seine 16:51 Pläne waren jedoch durch die politischen Umwälzungen der Zeit immer wieder gefährdet worden. So mußte er im Dezember des Jahres 1798 17:01 den Versuch abbrechen, sich der ägyptischen Expedition Napoleons anzuschließen. Stattdessen begaben sie sich mit ihren zahlreichen Instrumenten 17:09 zu Fuß nach Madrid, um die Unterstützung der spanischen Krone zu gewinnen. Unterwegs führten sie unzählige Messungen durch und gaben erstmals 17:18 genauen geographischen Aufschluss über die Gestalt der spanischen Hochebene. In Madrid überzeugte Humbold mit seiner Fachkenntnis im Bergbau, mit 17:27 diplomatischem Geschick und dank seiner ausgezeichneten Sprachkenntnisse. Er erhielt von der spanischen Krone einen Forscherpass, wie ihn nach seiner 17:36 eigenen Einschätzung noch nie ein Ausländer bekommen hatte. Dieser sicherte ihm Handlungsfreiheit und die Unterstützung aller Gouverneure und 17:44 Beamten in den spanischen Kolonien. Spanien hoffte, dass eine solche private Expedition auch ökonomische Vorteile bringen könnte. Tatsächlich führten 17:55 Humbolz später veröffentlichte Beschreibungen der mexikanischen Silberminen zu umfangreichen Investitionen ausländischer Unternehmer. 18:03 Die portugiesische Regierung reagierte hingegen misstrauisch. Im Jahr 1800 erließ sie einen Haftbefehl für den Fall, daß Humboldt die 18:12 portugiesische Kolonie Brasilien betreten sollte. aus Furcht, er könnte revolutionäre Ideen verbreiten oder als Spion tätig sein. Am 5. Juni des Jahres 18:23 1799 stachen Alexander von Humbold und Emy Jacques Alexandre Bomplan von La Corunia aus mit der spanischen Fregatte Pizaro 18:33 in See. Noch am Tag der Abreise schrieb Humbold in einem Brief. Er wolle Pflanzen und Fossilien sammeln, astronomische Beobachtungen mit seinen 18:42 modernen Instrumenten anstellen und die Luft chemisch zerlegen. Doch das sei nicht das Hauptziel seiner Reise. Vielmehr wolle er das Zusammenwirken der 18:51 Kräfte, den Einfluss der unbelebten Natur auf die belebte Tier und Pflanzenwelt erkennen und die Harmonie des Ganzen erfassen. 19:00 Nach einem Zwischenaufenthalt auf der Kanareninsel Teneriffa bestiegen die beiden den Pico dele. registrierten die Vegetationszonen und übernachteten in 19:09 einer Höhle am Berg, bevor sie den Krater untersuchten. Am 16. Juli des Jahres 1799, 20 Tage nach der Abfahrt von Teneriffa 19:20 ankerte die Pizaro an der Küste von Neugranada im heutigen Venezuela. In der Stadt Kumana gingen sie an Land. Dort erlebten sie einen Sklavenmarkt, 19:30 dessen Grausamkeit Humbold tief erschütterte. Von da an wurde er ein überzeugter Fürsprecher der Abschaffung der Sklaverei. Von Kumana aus setzten 19:40 die beiden ihre Reise nach Karas fort. Humbolds große Amerika Expedition lässt sich in drei zeitlich etwa gleich lange Phasen gliern. Eine erste Phase mit der 19:51 Erkundung des Orinoko. Eine zweite, die von Cuba über das heutige Kolumbien und Ecuador nach Peru führte und eine Dritte, die vorwiegend dem 20:00 Vizekönigreich Neuppanien, also Mexiko, gewidmet war. Die erste Unternehmung begann im Februar 1800 in Caracas und führte zunächst zum Fluss Apure. Von 20:11 dort ging es indessen Unterlauf in das Strombett des Orinokco, das Strom aufwärts so weit wie möglich nach Süden befahren wurde. Danach verließen sie den 20:20 Hauptstrom, um über den Rio Atabo, weiter südlich den Rio Negro zu erreichen, einen Zufluss des Amazonas. Befahren wurde das weit verzweigte 20:30 Gewässernetz in einer Piroge, einem mit Axt und Feuer ausgehühlten Baumstamm von etwa 13 m Länge und knapp 1 m Breite, gesteuert von einem Steuermann und vier 20:41 indigenen Ruderan. Am Heck war ein niedriges Blätterdach angebracht, an dessen tragfähigen Teilen Käfige mit eingefangenen Vögeln und Affen hingen. 20:51 Die mitgeführten größeren Messinstrumente schränkten die Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Auf dem Rio Negro erreichten sie die 20:59 Einmündung des nordöstlich direkt zum Orinoko zurückführenden Rio Kasikiade und belegten, indem sie ihn in ganzer Länge Fluss aufwärts befuhren, den 21:08 tatsächlichen Zusammenhang der beiden großen Stromsysteme entgegen der verbreiteten Lehrmeinung, es gäbe zwischen den großen Flusseinzugsgebieten 21:17 der Erde keine natürlichen Verbindungen. Am 20. Mai 1800 gelangten sie wie erwartet zur Bifurkation des Orinoko, wo der Strom sich in zwei Arme gabelt. Das 21:28 wichtigste Ziel dieser Etappe war damit erreicht. Für den Rückweg konnten sie nun Fluss abwärts auf dem Orinoko fahren, folgten ihm bis Angostura, dem 21:38 heutigen Chiodat Bolivar und schlugen sich anschließend in der quälenden Hitze der Lanus nordwärts bis zur Küstenstadt Nueva Barcelona durch, die sie am 23. 21:48 Juli 1800 erreichten. Sie überstanden diese rund 2250 km lange Flussfahrt, trotz extremer Strapazen und obwohl Emy Jacqu Alexandre 21:59 Bplan zuletzt in Angostura, dem Tod nahe war, neben glücklichen Wendungen in Gefahr trugen vor allem Entschlossenheit und eine erstaunliche physische 22:09 Belastbarkeit zum Gelingen bei. Der als Jugendlicher oft kränkelnde Alexander schrieb nach Hause: "Die Tropenwelt ist mein Element. und ich bin nie so 22:19 ununterbrochen gesund gewesen als in den letzten zwei Jahren. Am Atabo, wo die Wilden stets am Faulfieber leiden, widerstand meine 22:28 Gesundheit unbegreiflich gut. Zum Gesamterfolg trug auch ein unermüdlicher Arbeitsrhythmus bei. Humbold fertigte unablässig Ortsbestimmungen, Messreihen 22:39 und die Orinoko Karte. Em Jacqu Alexandre Bplan Botanisierte, beide zeichneten und notierten, selbst unter widrigsten Umständen. Vier Monate 22:50 hindurch schliefen wir in Wäldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Jaguaren. Nichts genießend als Reis, Ameisen, Maniok, Pisang, Orenokovassa 23:01 und bisweilen Affen. In Guayana, wo man wegen der Moskiten, die Luft verfinstern, Kopf und Hände stets verdeckt haben muss, ist es fast 23:10 unmöglich am Tageslicht zu schreiben. Man kann die Feder nicht ruhig halten, so wütend schmerzt das Gift der Insekten. Alle unsere Arbeit musste 23:19 daher beim Feuer in einer indianischen Hütte vorgenommen werden, wo kein Sonnenstrahl eindringt und in welcher man auf dem Bauche kriechen muss. Hier 23:28 aber erstickt man wieder von Rauch, wenn man auch weniger von den Moskiten leidet. Die zweite Südamerika Etappe begann nach 23:35 einem Zwischenaufenthalt in Havana, wo Humboldt das Material für seinen Essay Politik Sir Lil de Küber erarbeitete am 30. März 1801 in Katagena an der 23:47 karibischen Küste des heutigen Kolumbien. Humbold hatte vernommen, er könne sich an der peruanischen Küste der französischen Weltumschiffung unter 23:56 Kapitän Nikola Baudin anschließen. Auf dem Weg dorthin drängte sich sein seit langem geplantes Andenforschungsprogramm auf. Von Barankas Nuevas fuhren sie den 24:07 Rio Magdalena Fluss aufwärts. Er schrieb dazu: "Uns Magdalena Reise bildete schreckliche Tragödie. Von den 20 dunklen Ruderknechten ließen wir acht 24:18 auf dem Wege zurück. Ebenso viel lanktenleich und mit stinkenden Geschwüren in Honda an. Nach einem viertägigen steilen Aufstieg erreichten 24:28 sie die Andenhochfläche und hielten sich in Bogotá auf, wo sie der Leiter der königlichen botanischen Expedition José Celestino Mutis mit großem Aufwand 24:38 empfingen. Humboldt erstattete dem Vizekönig zu dem Gutachten zu Silbergruben und Goldproduktion. Die Weiterreise über die Anden erwies 24:47 sich als äußerst beschwerlich. Dicke Wälder liegen zwischen Moresten. Die Maultiere sinken bis auf den halben Leib ein und man muß durch so tiefe und 24:57 enge Schlüchte, dass man in Stollen eines Bergwerks zu kommen glaubt. Auch sind die Wege mit den Knochen der Maultiere bepflastert, die hier vor 25:05 Kälte oder Mattigkeit umfielen. Nach einem langen Marsch, der am 19. September 1801 begann und über Pupayan führte, erreichten sie am 6. Januar des 25:17 folgenden Jahres, die Stadt Kito. Dort fanden sie Unterkunft im Haus des Herzogs Juan Pio Montufa Ilarea, dessen Sohn Carlos sich der Expedition 25:27 anschloss und die Forscher von nun an begleitete. Wie schon zuvor richtete Humbold seine Aufmerksamkeit auf die Vulkane der Region. Den Picincha bestieg 25:37 er nach einem ersten vergeblichen Versuch schließlich zweimal. Während der zweiten Besteigung wurde er von einem schweren Erdbeben überrascht. dessen 25:46 heftige Stöße er mit größter Sorgfalt protokollierte. Am 23. Juni des Jahres 180 wagten die drei den Aufstieg auf den Chimborazo, dessen Gipfel mit mehr als 25:58 6200 m Höhe zu den höchsten Erhebungen der Erde zählt. Bis wenige 100 Meter unter den Kraterrand drangen sie vor, ehe eine tiefe Felsspalte den Weg 26:09 versperrte und sie zur Umkehr zwang. Gleichwohl galt die erreichte Höhe über drei Jahrzehnte hinweg als Weltrekord. Der Preis für diese Leistung war hoch. 26:19 Alle drei litten unter den quälenden Symptomen der Höhenkrankheit, Schwindel, Übelkeit sowie Blutungen aus Lippen und Zahnfleisch. Nach raschem Abstieg nach 26:30 erforschte die Expedition den Oberlauf des Maragon im Quellgebiet des Amazonas, überquerte wieder die Anden und untersuchte Inkaüberreste bei Kahamaka. 26:40 Nach ihren Messungen passierten sie den magnetischen Äquator. Humboldt beobachtete vieler Orts die tagesperiodische Schwankung der 26:48 Schallintensität, den später sogenannten Humboldeffekt und lieferte dafür im Jahr 1820 eine Erklärung. Als sie nach vierfacher Antenquerung am 23. Oktober 27:00 180 in Lima eintrafen, war die zweite große Etappe erfolgreich abgeschlossen. Zwischen etwa 10° nördlicher und 10° südlicher Breite hatten sie Klima und 27:11 Vegetationsstufen des tropischen Hochgebirges in großer Vielfalt durchmessen. Mit der Beobachtung des Merkurtransits am 9. November 180 im 27:22 Hafen von Kalao gelang Humbold zudem eine präzisere Längengradbestimmung Limas, die lange als Richtwert für den gesamten südwestlichen Teil des 27:31 Kontinents diente. Dort studierte er auch die Düngewirkung von Guano, dessen Einsatz in Europa daraufhin Schule machte. Der ursprünglich geplante 27:40 Anschluß an die französische Weltumschiffung zerschlug sich, sodass die Expedition ihre Pläne ändern musste. Nach einem Aufenthalt in Guayakel, wo 27:49 Humboldt durch Temperaturmessungen die später nach ihm benannte kalte Meeresströmung nachwies, begann am 23. März 180 in Akapulko die dritte und 27:59 einjährige Mexikoetappe. Mit Hilfe barometrischer Höhenmessungen entlang der Route von Akapulko über Mexiko Stadt bis nach Verrau entwarf 28:09 Humbold ein detailliertes Höhenprofil Zentralmexikos. In Mexico Stadt sammelte er das Material für sein landeskundliches Hauptwerk über 28:18 das Vizekönigreich Neuspanien. eine umfassende Darstellung politischer, sozialer und ökonomischer Verhältnisse samt weitreichenden 28:27 Bevölkerungsstatistiken. Ein Grundstein der modernen wissenschaftlichen Geographie, vergleichbar seinem Kuba Werk, zu dem er 28:35 im März und April 1804 in Havana Vorstudien anstellte. Außerdem trug er Beobachtungen zu epidemischen Infektionskrankheiten, 28:44 insbesondere zum Gelbfieber zusammen und beschrieb sie später als Herausforderung für Medizin und Gesellschaft. Den Abschluss bildete Besuch in den 28:52 Vereinigten Staaten, wo Humboldt nicht zuletzt aufgrund seiner intensiven Reisekorrespondenz bereits höchstes Ansehen genoss und 29:01 unter anderem drei Wochen als Gast des Präsidenten Thomas Jefferson in Washington und in Philadelphia verbrachte. Am II. Dr. August des 29:09 Jahres4 betraten Alexander von Humboldt und Emme Jacques Alexandre Bonplan in Bordeaux wieder europäischen Boden. Dass ein 29:19 Privatmann eine solch gewaltige Unternehmung vollständig aus eigenen Mitteln finanzierte, war bis dahin beispiellos. Humboldsvermögen war um 29:28 etwa ein Drittel geschmolzen und sollte sich in den drei folgenden Jahrzehnten vollend aufbrauchen, in jener Zeit, in der er sein monumentales Reisewerk in 30 29:37 Bänden verfasste und drucken ließ, das umfangreichste private Forschungsunternehmen seiner Epoche. Obgleich er unter dem Schutz der 29:46 spanischen Krone reiste und für viele Untersuchungen auf die Kooperation der Kolonialverwaltungen angewiesen war, lässt sich aus seinen Tagebüchern und 29:54 späteren Schriften klar ablesen, dass Humbold die bestehenden Verhältnisse für unhaltbar hielt. Gegen die von Monokulturen und Sklavenarbeit geprägte 30:04 gegenwärtige Zwangslage setzte er die Verbindung von natürlicher Ordnung und menschlicher Freiheit. Er schrieb: "Die Abschaffung dieser Zwangslage würde 30:13 Produktion in selbständiger freier Existenz ermöglichen, die Handelsabhängigkeit verringern und eine natürliche Ordnung herstellen. Sklaven 30:22 Hassenders setzten unnatürliche Verhältnisse voraus und begründeten neue noch unnatürlichere. Was aber gegen die Natur ist, ist 30:31 ungerecht, schlecht und ohne Bestand." In seinem politischen Essay über die Insel Kuba formulierte er unmißverständlich: 30:39 "Ohne Zweifel ist die Sklaverei das größte aller Übel, welche die Menschheit gepeinigt haben. Sei es, dass man den Sklaven betrachtet, wie er seiner 30:47 Familie in der Heimat entrissen und in die Schiffsräume eines für den Negerhandel zugerichteten Fahrzeugs geworfen wird, oder dassß man ihn als 30:55 einen Teil der Herde schwarzer Menschen, die auf dem Boden der Antillen zusammengefercht wird, betrachtet. Eine Besserung könne nur von 31:03 europäischen Regierungen ausgehen, welche ein Gefühl für Menschenwert haben und wissen, dass jede Ungerechtigkeit einen Keim der Zerstörung in sich trägt. 31:13 Doch werde es dazu nicht kommen, solange nicht die Gesamtheit der Eigentümer und die Kolonialversammlungen oder Legislaturen die nämliche Ansicht teilen 31:21 und nach einem wohlberechneten Plan zusammenarbeiten, um die völlige Aufhebung der Sklaverei in den Antillen zu erzielen. In einer zu Lebzeiten 31:31 unveröffentlichten Schrift zeigte er sich skeptisch. Die europäischen Regierungen haben so viel Erfolg in der Verbreitung des Hasses und der 31:39 Uneinigkeit in den Kolonien erzielt, daß man in diesen die Freuden des geselligen Lebens kaum kennt. Aus dieser Lage entsteht eine Verwirrung von Ideen und 31:48 unbegreiflichen Meinungen, eine allgemeine revolutionäre Tendenz, aber dieser Wunsch beschränkt sich darauf, die Europäer zu vertreiben und sich 31:57 danach gegenseitig zu bekriegen. Besonders scharf kritisierte er in seinem Reisetagebuch die Willkürherrschaft mancher Mönche in den 32:05 Missionen, vor allem in Venezuela. Durch Intrigen, bei denen indigene Gemeinden durch einseitige Belohnungen gegeneinander ausgespielt worden sein, 32:14 habe sich ein Unterdrückungsregime etabliert. Es gibt keine unbegrenztere Despotie als die der Mönche. Welche schreckliche Vorstellung, daß derselbe 32:24 Mensch, der von den Sünden freispricht, der nach seinem Belieben den mildesten Trost eines zukünftigen glücklicheren Lebens entziehen kann, auch Herr und 32:33 Gebieter über euer Eigentum, die Früchte eures Ackerbaus, eure geringfügigsten Handlungen ist. Der Missionar versucht, sein Dorf wie ein Kloster zu behandeln. 32:43 Alles geschieht nach dem Ton der Glocken. Der Indio ist nicht einen einzigen Augenblick in seinen Handlungen frei. Der Indio will nichts anbauen, 32:52 weil alles, was er hervorbringt, dem Pater gehört. In Paris suchte Alexander von Humboldt den Anschluss an die wissenschaftlichen Entwicklungen der 33:00 vergangenen fünf Jahre und fand ihn rasch. Die Gelehrtenwelt bereitete ihm einen glanzvollen Empfang. Forscherinnen und Forscher sagten ihm umfassende 33:11 Unterstützung bei der Klärung fachlicher Fragen zu. Dieses Netzwerk war unverzichtbar, denn Humboldt plante weit mehr als eine bloße Schilderung seiner 33:20 Erlebnisse, Eindrücke und Messergebnisse. Wenn er etwa über den Getreideanbau oder die Kakao und Kaffeeernte im Orinoko Gebiet schrieb, 33:29 ordnete er diese Beobachtungen stets in die geographischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der gesamten damals bekannten Welt ein. Verbindungen, die 33:38 sich nur durch das Wissen anderer Experten herstellen ließ. Für diese enge Zusammenarbeit und die bestmögliche verlegerische Qualität seines Reisewerks 33:47 war Paris der ideale Ort. Rückblickend schrieb Humboldt: "Ich wählte Paris zum Aufenthalte, in dem kein Ort des Kontinents damals einen 33:56 gleichzugänglichen Schatz von wissenschaftlichen Hilfsmitteln darbotht, keiner ebenso viel große und tätige Forscher einschloss als jene 34:03 Hauptstadt. Weniger Neigung verspürte er, die Türme Berlins wiederzusehen. Im Sommer des Jahres 180 unternahm er deshalb eine mehrmonatige Italienreise, 34:15 um gemeinsam mit Joseph Louis Gay Lüsaac den Vulkanismus zu studieren und besuchte dabei in Rom seinen Bruder Wilhelm von Humbold, dessen 34:25 eindringlichen Mahnungen und dem werbenden Druck des preußischen Königshauses folgend, reiste Alexander anschließend doch nach Berlin. 34:33 Unmittelbar nach seiner Rückkehr bedachte ihn König Friedrich Wilhelm II. mit einer Pension von 2500 Talern und ernannte ihn bald darauf zum königlichen 34:43 Kammerherrn, beides ohne konkrete Dienstpflichten. Von November des Jahres 1805 an setzte Humboldt seine wissenschaftliche Arbeit 34:52 in Berlin fort. Seine Mitgliedschaft in der preußischen Akademie der Wissenschaften wurde im Jahr 1806 von einer außerordentlichen in eine 35:01 ordentliche umgewandelt und er beteiligte sich in den folgenden Jahren intensiv an ihrer Arbeit. Nach dem militärischen Zusammenbruch Preußens 35:11 infolge der Schlachten bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806 erlebte er die Besetzung Berlins durch französische Truppen und die Plünderung von Schloss 35:20 Tegel, das seinem Bruder Wilhelm im Zuge der Erbteilung zugefallen war. Alexanders Berliner Wohnung lag damals in der Friedrichstraße 189. 35:31 Seine guten Kontakte zur französischen Seite nutzte er, um Schäden an den eigenen Familiengütern zu begrenzen und manche Härte der Besatzungspolitik im 35:40 öffentlichen Raum abzumildern. Mehrfach lehnte er Angebote ab, preußischer Kultusminister zu werden. Die Gunst des Königs bewahrte er sich 35:49 trotzdem. Als weltläufiger Gesprächspartner und kundiger Begleiter stand er dem Monarchen gelegentlich zur Verfügung, etwa im Jahr 1814 35:59 bei einem Parisbesuch nach dem Sieg der Koalition über Napoleon oder im Jahr 1822 anlässlich des Kongresses in Verona mit 36:09 anschließenden Besichtigungen in Venedig und Rom. Humbolds weltmännisches verbindliches Auftreten, seine Sprachgewandtheit und fesselnde 36:18 Erzählkunst machten ihn rasch zum Mittelpunkt jeder Gesellschaft. Johann Wolfgang Göte hatte bereits im Jahr 1797 36:27 über ihn gesagt: "Die Gegenwart des Herrn Bergrad von Humbold macht mir, ich darf wohl sagen, eine ganz besondere Epoche, indem er alles in Bewegung 36:36 setzt, was mich von vielen Seiten interessieren kann. Ich darf ihn wohl in seiner Art einzig nennen, denn ich habe niemanden gekannt, der mit einer so 36:45 bestimmt gerichteten Tätigkeit eine solche Vielseitigkeit des Geistes verbende. Es ist inkalkulabel, was er noch für die Wissenschaft tun kann. Als 36:55 die französischen Forderungen nach Kriegschädigung Preußen an den Rand des Ruins brachten, entsandte Freiherr vom Stein, der als Reformer berufen war, im 37:04 November des Jahres 1807 eine Gesandschaft nach Paris. Ihr stand Prinz Wilhelm, der Bruder des Königs, vor Alexander von Humbold 37:14 begleitete sie als Berater. Für ihn bedeutete dies zugleich eine willkommene Gelegenheit, die Arbeit an seinem großen Reisewerk am bestmöglichen Ort 37:23 fortzusetzen. Zwar scheiterte die diplomatische Mission, doch erhielt Humbold ausdrücklich die Erlaubnis in Paris zu 37:30 bleiben. Ein Recht, dass er mit Konsequenz und Geschick fast zwei Jahrzehntelang behauptete. An der Pariser Wissenschaftsszene wirkte er 37:38 gestaltend mit. Bereits im Jahr 1807 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Societ Dary. Dieser Forschungsgemeinschaft schloss sich im 37:48 Jahr 1809 der katalanische Physiker François Aragot an, mit dem Humbold fortan in enger Freundschaft verbunden blieb. Mit Simon Boliva, den er dort 37:58 ebenfalls traf, entwickelte sich zudem eine lebhafte Korrespondenz. In den Jahren bis 1827 38:08 nahm Humboldt bei Jean-Marie Constant Duhamel privaten Mathematikunterricht und besuchte später in Berlin wiederum mathematische Vorlesungen an der 38:16 Universität. Ein weiteres Beispiel für seinen Anspruch, sich methodisch stets auf der Höhe der Zeit zu halten. Beständig äußerte er den Plan, seine 38:26 naturkundlichen Forschungen auf die östliche Hemisphäre auszuweiten, um durch Vergleich und Differenzierung ein umfassendes Bild aus der 38:34 Vielgestaltigkeit der Erde und ihrer Bewohner zu gewinnen. Besonders lockten ihn Indien, der Himalaya und Tibet. Als er im Jahr 1811 bereits zum zweiten Mal 38:45 das Angebot erhielt, an einer russischen Expedition teilzunehmen, schrieb er: "Es kostet mir viel, die Hoffnung aufzugeben, die Ufer des Ganges mit 38:54 ihren Bananenbäumen und Palmen zu sehen. Ich bin jetzt 42 Jahre alt und wünsche eine Expedition zu unternehmen, welche 7 bis 8 Jahre dauert. Aber um die 39:05 Equinoalgegenden Asiens zu opfern, ist es nötig, daß der Plan, den man mir vorzeichnen wird, ausgedehnt und breit sei. Der Kaukasus zieht mich weniger an 39:16 als der Beikalsee und die Vulkane der Halbinsel Kamchatka. Kann man nach Kabul, Samarkant und Kaschmir eindringen? Napoleons 39:25 Russlandfeldzug im Jahr 1812 machte diese Pläne zu nichte. Eine neue vielversprechende Option ergab in den Jahren 1817 und 1818, 39:36 als sein Bruder Wilhelm Preußischer Gesandter in London war. Alexander erwarb die Unterstützung des Prinzregenten und von George Kenning, 39:44 dem Präsidenten des Board of Control der britischen Ost-Indienkpanie, sowie eine Finanzierungszusage von König Friedrich Wilhelm dem II. Nach über 39:54 zweijährigen intensiven Vorbereitungen scheiterte das Projekt vermutlich an Widerständen innerhalb der Ost-Indienkpanie. Humbolds kritischer 40:02 Blick auf koloniale Verhältnisse war dort nicht überall willkommen. Die Aufarbeitung der Amerikareise trieb Humbold unterdessen systematisch voran. 40:11 Schon während der Expedition hatte er durch dichte Korrespondenz und durch das Versenden von Belegstücken aus der mit Emy Jacques Alexandre Bonplan angelegten 40:20 Pflanzensammlung dafür gesorgt, dass die Reise in den europäischen Wissenschaften stetige Beachtung fand. In Berlin nahm Karl Ludwig Wildenau, 40:30 Direktor des Botanischen Gartens, und früher Förderer Humbolds, die Sendungen entgegen und begann zu publizieren. Andere große Sammlungsanteile gab 40:39 Humbold an das Museum National Distoire naturell in Paris, eine damals weltweit einzigartige, von Anfang an global ausgerichtete Institution. Erst ab dem 40:50 Jahr 1813, als Karl Sigismund Kund in Paris die systematische Bearbeitung übernahm, nahm die Dokumentation der botanischen Erträge konkrete Formen an. 41:01 In den sieben Bänden der Nova Genera Plantarum veröffentlichte Kund zwischen den Jahren 1815 und 1825 41:11 den botanischen Ertrag der amerikanischen Forschungsreise. Zugleich wuchs das amerikanische Reisewerk Voyage au Equinoxial du 41:20 Nouveau Continent weit über die ursprüngliche Konzeption hinaus. Die 30 Bände erschienen zwischen den Jahren und 1834. 41:31 Zehn Bände im Folio, 20 im Quartformat. Neben zahlreichen Fachgelehrten aus unterschiedlichen Disziplinen, die inhaltlich zuarbeiteten, waren annähernd 41:42 50 Spezialistinnen und Spezialisten für die bildlichen Darstellungen tätig. Allein die Kupferstiche summierten sich auf 1452. 41:52 Was seinen Qualitätsmaßstäben nicht genügte, ließ Humbold auf eigene Kosten neu fertigen, bis hin zu bereits gestochenen Platten, fertigen Drucklagen 42:01 und im Extremfall sogar einem ganzen Band. Im Jahr 1827 schließlich, als die Vorarbeiten für die Gesamtpublikation im Wesentlichen 42:10 abgeschlossen waren, entfiel aus Berliner Sicht der Grund für den Daueraufenthalt in Paris. Der König beorderte seinen Kammerherrn zurück. 42:21 ernannte er ihn zum wirklichen geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Humboldt nahm es mit der Heimkehr indess nicht eilig und reiste zunächst nach London, 42:31 um Kontakte zu pflegen und das Gesellschaftsleben zu genießen. Dort wagte er im Alter von 57 Jahren anlässlich des ersten Tunnelbaus unter 42:41 der Temse spektakuläre Tauchfahrt. In einer an einem Schiffskran befestigten rund 2 Tonnen schweren Taucherglocke mit dicken Glasscheiben, die den Blick in 42:51 das trübe Flusswasser erlaubten, ließ sich Humbold gemeinsam mit dem Konstrukteur und dem betagten Philosophen Jeremy Benthem auf eine 42:59 Tiefe von 11 m absenken. Die Atemluft wurde über einen Lederschlauch von der Oberfläche zugeführt. Nur wenige Tage später brach die Baustelle ein. Zurück 43:10 in Berlin wurde Humbold sofort zum Motor und Kristallisationspunkt einer aufstrebenden Wissenschaftsszene. Seine am 3. November 1827 43:20 an der Universität begonnen Vorlesungen mit sehr weitem Themenspektrum waren so überlaufen, dass er sie ab dem 6. Dezember desselben Jahres in der rund 43:29 1000 Zuhörer fassenden Singakademie als verdichtete öffentlich zugängliche Reihe fortsetzte. An der Universität hielt er schließlich etwa einstündige Vorträge. 43:41 In der Singakademie kamen sechse hinzu, für jeweils zwei Stunden angesetzt. Später wurden beide Zyklen als Kosmosvorlesungen bezeichnet. Das 43:51 Publikum war gesellschaftlich breit gemischt, Frauen eingeschlossen. Obwohl ursprünglich geplant, erschien keine von Humbold autorisierte 44:00 Druckfassung. Inhalte sind ausschließlich durch mehrere Nachschriften aus dem Hörerkreis überliefert. Aus der Universitätsreihe 44:08 existieren mehrere Hefte, während die einzige bislang bekannte Mitschrift der Singakademie Reihe von Henriette Kohlrausch stammt. Der Vortragszyklus 44:18 schrieb Rüdiger Scharper schafft eine neue Form von Öffentlichkeit. Humbold ist Stadtgespräch. Wie schon in den zwei Jahrzehnte zuvor 44:27 erschienenen Ansichten der Natur, vermochte er sein deutsches Publikum in allgemeinverständlicher bildreicher Sprache zu fesseln und das Interesse an 44:36 erdkundlichen und naturwissenschaftlichen Fragen neu zu entfachen. Vergleichbare Ausstrahlung entfaltete er als Organisator und 44:44 Präsident des hochkarätig besetzten Naturforscherkongresses des Jahres 1828 in Berlin, dessen Tagungsmodus mit 44:53 Fachabteilungen Maßstäbe für künftige Veranstaltungen setzte. Nicht lange nach seiner Rückkehr aus Paris, für das ihm künftig pro Jahr ein 45:02 viermonatiger Aufenthalt bewillig wurde und auf dem Höhepunkt seiner glänzenden Berliner Vortrags- und Vermittlungserfolge ergriff Alexander 45:10 von Humbold die Chance doch noch zu seiner lange ersehnten östlichen Forschungsreise aufzubrechen und zwar 37 Jahre nach den ersten Überlegungen. 45:20 Ausgangspunkt war eine Bitte des russischen Finanzministers Georg von Kankrien: Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platinwährung in 45:28 Russland Stellung nehmen. Diese wurde im Jahr 1828 trotz Humbolswarnung verwirklicht und scheiterte im Jahr 1845. 45:38 Kanin interessierte sich jedoch ebenso für den Geognbauexperten Humbold und stellte ihm eine Forschungsreise in den Ural und darüber 45:47 hinaus in Aussicht, um Aufschluss über ausbeutbare Lagerstätten zu gewinnen. Humbold zögerte nicht, obwohl er dabei Rücksicht auf Regierungsinteressen 45:56 nehmen musste und sich die Unternehmung deutlich von seiner amerikanischen Expedition unterschied, bei der er völlig frei hatte entscheiden können. 46:04 Die Beziehungen zwischen dem preußischen König Friedrich Wilhelm dem II und dem russischen Zaren Nikolaus dem I waren damals ausgezeichnet und Humbols eigene 46:14 Mittel hätten eine derartige Unternehmung nicht mehr getragen. In diese Reise fiel sein 60. Geburtstag. Er war also etwa doppelt so alt wie zu 46:23 Beginn seiner Amerikafahrt. Als wissenschaftliche Begleiter wählte er den Mediziner, Theologen und Botaniker Christian Gottfried Ehrenberg 46:33 sowie den Chemiker und Mineralogen Gustav Rose. Beide sollten die Expeditionsergebnisse in ihren Fächern auswerten. Humboldt selbst widmete sich 46:42 vor allem geomnetischen und astronomischen Beobachtungen und betrachtete die physische Geografie im Überblick. Am Anfang stand ein 46:50 dreiwöchiger Aufenthalt am Hof in St. Petersburg, wo Humbold die Zarin unter anderem mit der Vorhersage zu erwartender Diamantfunde im Ural 46:59 fesselte. Funde, die noch während der Reise tatsächlich eintrafen. Ab dem 20. Mai 1829 reiste die Gruppe in drei gefederten 47:09 Wagen gezogen von 16 Pferden. Mit dabei waren im deutlichen Kontrast zu den amerikanischen Reisen ein Koch und Humbolsdiener Johann Seifert. Seifert 47:20 stand seit dem Jahr 1826 aufgrund königlicher Verfügung in Humboldsdiensten. Die vereinbarte Route führte über 47:29 Moskau, Kasan und Perm zunächst nach Jekaterinburg am Ural. Eine nördliche Schleife diente dort detaillierten Untersuchungen und brachte eine reiche 47:39 geologische Sammlung ein. Tobolsk an der Einmündung des Tobol in den Irtisch hätte eigentlich den östlichen Umkehrpunkt bilden sollen. Humboldt aber 47:49 drängte weiter bis zum Alteigebirge und an die chinesische Grenze. Er ließ Kannen wissen, die Expedition sei dem Zeitplan weit voraus und stellte ihn mit 47:59 dieser Ausdehnung der Strecke vor vollendete Tatsachen ebenso später beim Vorstoß an der Wolger entlang bis zum Kaspischen Meer. Über die lästige 48:08 Überwachungspraxis notierte Humbold trocken: "Kein Schritt, ohne dass man ganz wie ein Kranker unter der Achsel geführt wird. Das zarristische Regime 48:17 ließ seine Eigenmächtigkeiten gewähren. Tatsächlicher Umkehrpunkt wurde nach der Inspektion der Silbergruben im Al und nach Kontakt zu chinesischen Grenzposten 48:26 der Ort BTI. Der Rückweg führte von Semipalatinsk über Omsk und Miask nach Ohrenburg am südlichen Ausgang des Urals und nach dem zweiten programmwidrigen 48:38 Abstecher von Astrahann über Woronisch und Moskau zurück nach St. Petersburg, das am 13. November 1829 erreicht wurde. Binnen eines knappen 48:49 halben Jahres legte die Expedition mehr als 18 000 km zurück, gezogen von über 12000 Pferden. Das hohe Reisetempo erschwerte die sorgfältige Aufnahme und 49:00 sofortige Verschriftlichung von Beobachtungen und Messungen. Während Humbold und Jacques Alexandre Bonplan in Amerika innerhalb von 5 Jahren rund 8000 49:10 km zurückgelegt hatten, bewältigte er nun in nur 8 Monaten mehr als die doppelte Strecke. Diese Verdichtung prägte den Charakter seiner Notizen und 49:20 deren spätere Bearbeitung nachhaltig. Zar Nikolaus I. und sein Finanzminister hatten Humbold in diskret Kenntnis seiner angespannten Finanzen mit 20.000 49:31 Rubeln großzügig ausgestattet ohne Rechenschaftspflicht. Humboldt gab das gute Drittel, das nicht verbraucht wurde, zurück und regte an, 49:40 die Ersparnis für weitere Forschungsunternehmungen zu verwenden. In diese Richtung zielte auch sein zusammenfassender Vortrag am 28. 49:49 November 1829 vor der russischen Wirtschaftselite in Gegenwart des Königs und anderer Honorationen, indem er appellierte: "Ein 49:58 Land, das sich über mehr als 135 Längengrade erstreckt, von der fruchtbaren Zone der Olivenbäume bis zu den Landstrichen, wo der Boden nur noch 50:08 mit flechtenartigen Pflanzen bedeckt ist, kann mehr als jedes andere das Studium der Atmosphäre, die Erkenntnisse über die durchschnittliche 50:15 Jahrestemperatur und was noch wichtiger für den Zyklus der Vegetation ist das Studium der Verteilung der Jahreswärme auf die 50:23 verschiedenen Jahreszeiten vorantreiben, wenn die variierenden Isothermen oder Linien gleicher Wärme aufgrund präziser Beobachtungen aufgezeichnet werden und 50:33 dies mindestens 5 Jahre lang im europäischen Russland und in Sibirien fortgeführt wird, wenn sie verlängert werden bis zu den westlichen Küsten 50:41 Amerikas, dann wird die Wissenschaft von der Verteilung der Wärme auf der Erdoberfläche und in den Schichten, die unserer Forschung zugänglich sind, auf 50:50 soliden Grundlagen basieren. Tatsächlich ließ die russische Regierung anschließend ein Netz von Messstationen anlegen, das unter anderem Luftdruck, 50:58 Temperatur, Windrichtung und Niederschlagsmengen erfasste. Die Daten bildeten später eine empirische Grundlage für Humboldsbetrachtungen in 51:07 der Asentrale von 1843. Im Vergleich zur Amerikareise zeigte sich Humboldt von der Russland Expedition im Nachgang deutlich weniger 51:17 inspiriert. Hier schwang die Enttäuschung mit, dass ihm verwehrt blieb, nach den amerikanischen Tropen auch die tropischen Regionen Asiens oder 51:26 Afrikas zu erforschen. Flora und Fauna des Urals erschienen ihm wenig reizvoll, ja ermüdend monoton. Sibirien ist die Fortsetzung der Hasenheide. Gleichwohl 51:37 diente diese zweite und letzte große Expedition, der die Publikation Asie zentral folgte, als Fundament, um per Analogie und Kontrast beide Hemisphären 51:48 zu vergleichen. Sie legte damit die entscheidenden Voraussetzungen für sein Modell einer physischen Weltbeschreibung im Kosmos. Zum Jahreswechsel 1829 auf 51:59 nach Berlin zurückgekehrt, sah sich Humboldt drei Hauptaufgaben gegenüber, seinen höfischen Verpflichtungen, seiner wissenschaftspolitischen Arbeit und der 52:08 Fortführung bzw. Vollendung des Reisewerks. Das Angebot, Direktor des von Karl Friedrich Schinkel erbauten Museums zu werden, wiesärgert als 52:18 unpassend zurück. Stattdessen kamen ihm die insgesamt acht diplomatischen Missionen nach Paris. zwischen den Jahren 1830 und 1848 entgegen, die er 52:29 stets auch für wissenschaftliche Kontakte und Arbeiten nutzte. Politisch blieb der am Hof begünstigte als Republikaner und Freigeist 52:38 verschriene Humbold zwar ein Grenzgänger mit begrenztem Einfluss, doch bei Kunstförderung, wissenschaftlichen Berufungen oder der Unterstützung 52:46 technologischer und industrieller Innovationen vertrauten ihm seine Monarchen und der Hof glänzte mit dem internationalen Ruf des Gelehrten. Was 52:55 Humboldt in dieser dritten Lebensphase für den wissenschaftlichen und kulturellen Aufstieg Berlins tat, kann kaum überschätzt werden. Seit seiner 53:03 Rückkehr im Jahr 1827 war er regelmäßiger Gast an der königlichen Tafel, hielt abendsvorlesungen und Vorträge für die 53:12 Hofgesellschaft und war als Kammerherr 1835 bis zur Thronbesteigung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm im Jahr 1840, dessen 53:23 Vorleser. In Schloss Schalottenhof ließ der Kronprinz eigens das Zellzimmer für Humbold einrichten. Zugleich koordinierte Humboldt, gestützt auf sein 53:32 weit verzweigtes Netzwerk und die Nähe zum König, in bemerkenswerter Weise wissenschaftliches Metzenatentum. Er förderte Nachwuchskräfte wie den 53:41 Südamerika Forscher Hermann Burmeister, den Mathematiker Gotthold Eisenstein und den Ägyptologen Heinrich Brucksch. Friedrich Wilhelm II. ernannte ihn im 53:52 Jahr 1827 zum Präsidenten einer Kommission zur Prüfung von Unterstützungsanträgen von Gelehrten und Künstlern. Als Friedrich 54:00 Wilhelm im Jahr den Orden Purlemerit für Wissenschaften und Künste stiftete, machte er Humbold zu dessen Kanzler und folgte bei der 54:10 Berufung der 30 deutschen und 25 ausländischen Mitglieder zu meist dessen Vorschlägen. Auf Einladung des Königs nahm Humbold an der Kölner Dombaufeier 54:20 im September 1842 sowie am Dombaufest im August 1848 Teil. Im Januar kehrte Humboldt kurz vor Ausbruch der 54:32 Februarrevolution aus Paris nach Berlin zurück und wurde Zeuge der Märzrevolution. Nachdem Friedrich Wilhelm II am 21. März 54:42 mit schwarz-rot goldener Armbinde durch die Stadt geritten war und er und seine Minister gesprochen hatten, wünschte das Volk Alexander von Humbold auf dem 54:51 Schlossbalkon zu sehen. Humboldt erschien, schwieg jedoch und verneigte sich. Am Folget reite sich der baldigjährige 55:00 in den Zug ein, der die zivilen Opfer vom Gendarmenmarkt am Schloss vorbei zum Friedhof der Märzgefallenen geleitete. Ein klares 55:10 öffentliches Bekenntnis zur Revolution vermiet er. Seine Haltung war von einem politisch liberalen Rechtsverständnis geprägt, zugleich aber ambivalent in den 55:19 Äußerungen und kaum auf einen offenen Konflikt mit dem Monarchen ausgerichtet. In seinen letzten Jahren erlebte Humbold im März 1857 55:29 die späte Genugtuung, dass der preußische Landtag ein Gesetz gegen die Sklaverei beschloss, für das er sich stark eingesetzt hatte. Sklaven werden 55:38 von dem Augenblicke an, wo sie preußisches Gebiet betreten, frei. Das Eigentumsrecht des Herrn ist von diesem Zeitpunkt ab erloschen. Sein Vermögen 55:48 hatte er bereits mit der kostspieligen Publikation des Reisewerks aufgebraucht. Als Kammerherr in Berlin musste er Kredite bei der preußischen 55:56 Seehandlungsgesellschaft und beim Bankhaus Mendelzon und Kompanie aufnehmen. Bisweilen konnte er seinem langjährigen Diener Johann Seifert den 56:05 Lohn nicht zahlen. Schließlich setzte er Seifer zu seinem Erben ein. Nach einem Schlaganfall im Februar 1857 bat er den König seine Verbindlichkeiten 56:15 beim Bankhaus Mendelshn zu übernehmen, um Seifers Versorgung zu sichern, eine Zusage, die nach Humboldsst Tod eingelöst wurde. In den beiden letzten 56:24 Lebensjahren war Humbold vom Hofdienst entbunden. König Friedrich Wilhelm war selbst schwer erkrankt und suchte Heilung in Italien, während Wilhelm der 56:34 I. die Regentschaft übernahm. Humboldt konzentrierte sich auf die Arbeit am Kosmos. Am 6. Mai 1859 starb Alexander von Humbold in seiner 56:45 Berliner Wohnung, umsorgt von seiner Nichte Gabriele von Bülo, nachdem er seit dem 21. April das Bett nicht mehr hatte verlassen können. Vier Tage später 56:55 erlebte Berlin einen Tag tiefer Volkstrauer. Der Leichenzug von der Uranienburger Straße Nummer 67 bis zum Dom galt nach zeitgenössischen Berichten 57:05 als ebenso eindrucksvoll wie jener der Märzgefallenen. In der folgenden Nacht brachte man den Sarg in den Park von Schloss Tegel, wo 57:14 Humbold am 11. Mai im Familiengrab seine letzte Ruhe fand. Da die preußische Regierung Humboldsbibliothek nicht erwerben 57:22 wollte, verkaufte Johann Seifert sie nach London, wo sie wenige Jahre später zum größten Teil einem Brand zum Opfer fiel. Der wissenschaftliche Nachlass 57:31 gelangte überwiegend an die preußische Akademie der Wissenschaften und die Staatsbibliothek zu Berlin. Aufgrund kriegsbedingter Auslagerungen befindet 57:40 sich ein Teil heute in der Bibliothek in Krakau. Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wird der Nachlass editorisch erschlossen. Zunächst an der 57:50 Alexander von Humbold Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR. Heute an der Berlin brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Besonders 58:00 die Lebenssumme Kosmos begründete Humbolds anhaltende Popularität. Seit dem Jahr widmete er sich dieser Gesamtschau der 58:09 wissenschaftlichen Welterforschung, die zwischen den Jahren 1845 und 1862 in fünf Bänden erschienen. Damit 58:19 verwirklichte er die Vision, die ihn seit Beginn seiner naturforschenden Tätigkeit leitete. Im Jahr 1834 schrieb er an Karl August Warrenhagen 58:29 von Ens: "Ich habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles, was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdenlebens, von 58:38 den Nebelsternen bis zur Geographie der Mose auf den Granitfelsen wissen, alles in einem Werke darzustellen und in einem Werke, das zugleich in lebendiger 58:48 Sprache anregt und das Gemüt ergötzt." Und im Vorwort bekannte er, ich übergebe am späten Abend eines vielbewegten Lebens, dem deutschen Publikum, ein 58:59 Werk, dessen Bild in unbestimmten Umrissen mir fast ein halbes Jahrhundert lang vor der Seele schwebte. In manchen Stimmungen habe ich dieses 59:08 Werk für unausführbar gehalten und bin, wenn ich es aufgegeben, wieder vielleicht unvorsichtig zu demselben zurückgekehrt. 59:16 Ich widme es meinen Zeitgenossen mit der Schüchternheit, die ein gerechtes Misstrauen in das Maß meiner Kräfte mir einflößen muss. Ich suche zu vergessen, 59:25 dass lange erwartete Schriften gewöhnlich sich minder Nachsicht zu erfreuen haben. Ges frühe Ermutigung, da ihre Beobachtungen vom Element, die 59:34 meinigen aber von der Gestalt ausgehen, so können wir nicht genug eilen, uns in der Mitte zu begegnen, fand im Kosmos nachhaltige Resonanz. Humbold 59:44 formulierte: "Die Natur ist für die denkende Betrachtung Einheit in der Vielheit, Verbindung des Mannigfaltigen in Form und Mischung, inbegriff der 59:53 Naturdinge und Naturkräfte als ein lebendiges Ganze." Auf diesem Wege reicht unser Bestreben über die enge Sinnenwelt hinaus und es kann uns 1:00:02 gelingen, die Natur begreifend den rohen Stoff empirischer Anschauung gleichsam durch Ideen zu beherrschen. Zugleich warnte er, aus unvollständigen 1:00:12 Beobachtungen und noch unvollständigeren Induktionen entstehen irrige Ansichten von dem Wesen der Naturkräfte, während die wissenschaftliche Naturkunde 1:00:22 untersuchend und darum zweifelnd das Festgründete von dem bloß wahrscheinlichen Trend und sich täglich durch Erweiterung und Berichtigung ihrer 1:00:31 Ansichten vervollkommnet und er betonte die gesellschaftliche Bedeutung von Wissen. Wissen und erkennen sind die Freude und die Berechtigung der 1:00:40 Menschheit. Sie sind Teile des Nationalreichtums. Diejenigen Völker, welche an der allgemeinen industriellen Tätigkeit 1:00:48 zurückstehen, werden unausleiblich von ihrem Wohlstande herabsinken. Der Kosmos wurde mit einer Gesamtauflage von 87 000 Exemplaren zu einem europaweiten 1:00:59 Bestseller. Er begeisterte Studierende, Wissenschaftler, Künstler und Politiker. Gleichwohl war er kein leichtes Lesebuch. Lange oft fremdsprachige 1:01:10 Zitate, Forschungsdiskussionen, Anmerkungen, etymologische Exkurse sowie eine Fülle von Daten und historischen Einschüben prägen den Text. Aus dem Werk 1:01:21 gingen zahlreiche populärere naturhistorische Schriften hervor, die häufig Kosmos im Titel trugen. Zeitweilig erwog Humbold selbst auch aus 1:01:30 finanziellen Gründen eine Kurzfassung als Mikrokosmos. Alexander von Humbolds Denken war im umfassenden Sinn auf die Welt als Ganzes 1:01:39 gerichtet. Der Humboldforscher Otma unterscheidet dabei drei wesentliche Bedeutungsebenen. Eine auf das weltallbezogene kosmische 1:01:48 Ebene, eine planetarische Ebene, die unter anderem den Welthandel einschließt, sowie eine philosophisch abstrakte Dimension, die etwa als 1:01:57 Weltanschauung begegnet. Humbolds Forscherinteresse und seine Wissenschaftskonzeption zielten nicht nur auf einzelne 1:02:05 Gegenstände, sondern wurden aufgrund ihrer ethischen Fundierung und einer an den Interessen der gesamten Menschheit ausgerichteten politischen 1:02:13 Verantwortlichkeit zu einer kosmopolitischen Wissenschaft. Nach seinem eigenen Bekunden gingen bei ihm wissenschaftliche und literarische 1:02:21 Interessen Hand in Hand. oder wie es bündelt, Ästhetik ist für Humbold keine bloße Zierde oder schöne Dreingabe, sondern ein eigenes spezifisches 1:02:31 Verknüpfungswissen, das alles mit allem zu verbinden vermag. Als Forscher setzte Humbold auf weltweite Vernetzung und förderte sie mit unermüdlicher 1:02:40 Korrespondenz sowie als Organisator von Begegnungen und Ergebnisaustausch. Seine vielfältigen Leistungen brachten ihm höchste internationale Anerkennung 1:02:50 ein. In Frankreich, wo er jahrzehntelang an seinem Reisewerk arbeitete, erwarb er sich den Ruf, der größte Gelehrte des Jahrhunderts und der Aristoteles der 1:03:00 Moderne zu sein. in Mexiko. Wo er durch seinen Essai Politik sur le Royaum de la Nouvelle Espagne stark auf das nationale Selbstverständnis und die Unabhängigkeit 1:03:10 von Spanien einwirkte, wurde er als einziger Ausländer kurz nach seinem Tod im Juli 1859 von Staatspräsident Benito Juarez zum 1:03:21 Benemerito de la Patria erklärt und in Deutschland, wo er schon bald nach seiner Rückkehr als zweiter Entdecker Amerikas gefeiert wurde, verehrte man in 1:03:30 ihm die wissenschaftliche Autorität seiner Zeit. Zu den Feldern, zu denen Humbold grundlegendes Beitrug, zählt Anatomie, Altertumswissenschaft, 1:03:40 Botanik, Geologie, Geschichtswissenschaft, Mathematik, Philogie, Astronomie und Zoie. Charakteristisch ist sein 1:03:49 Disziplinenübergreifendes Querdenken und Zusammenden stets auf das Ganze gerichtet und weit über bloßes Messen und statistische Datenerhebung hinaus. 1:03:59 Die Horizonte seines Denkens waren offen, so offen wie nur selten in der Geschichte des abendländischen Denkens. Wissenschaft und Bildung sollten keine 1:04:08 Bildungsbrocken aufhäufen. Wirkliche Bildung zielte für Alexander von Humbold vielmehr auf eine Kernkompetenz, die Fähigkeit zum Zusammendenken. 1:04:18 Sie bildet die entscheidende Grundlage eines Zusammenlebens in wechselseitiger Achtung der Differenz. Nicht nur in der Natur ist für Humbold alles 1:04:26 Wechselwirkung. Gerade dieser Ansatz, der Natur und Geisteswissenschaften in ihren Methoden respektiert und zugleich gezielt 1:04:34 miteinander verschaltet, verleih Forschung Lösungskraft und öffentliches Gehör. Reisen und forschen, resüiert Rüdiger Scharper, kommunizieren und 1:04:44 schreiben, die Welt als globales Geschehen am jeweiligen Ort durchdringen und immer in Bewegung sein, den Informationsfluss beschleunigen. Das ist 1:04:52 die Humboldformel. Humbolskosmos erwuchs aus dauerhaftem persönlichem Austausch über Disziplingrenzen hinweg. So konnte er 1:05:01 spezialisierte Wissensbestände integrieren, auch wenn er sie nicht selbstvertieft betrieb. Zugleich blieb er sich der Lückenhaftigkeit und 1:05:09 Vorläufigkeit eigener Ergebnisse bewusst. So heißt es im zweiten Band des Kosmos. Durch den Glanz neuer Entdeckungen angeregt, mit Hoffnungen 1:05:18 genährt, deren Täuschung oft spät erst eintritt, wähnt sich jedes Zeitalter dem Kulminationspunkt im Erkennen und Verstehen der Natur nahe gelangt zu 1:05:27 sein. Lebender und der großen Idee von der Bestimmung unseres Geschlechtes angemessener ist die Überzeugung, dass der eroberte Besitz nur ein sehr 1:05:37 unbeträchtlicher Teil von dem ist, was bei fortschreitender Tätigkeit und gemeinsamer Ausbildung die freie Menschheit in den kommenden Jahren 1:05:45 erringen wird. Jedes Erforschte ist nur eine Stufe zu etwas höherem in dem verhängnisvollen Laufe der Dinge. Kein Wunder, dass Et festhält, wenn unser 1:05:55 Jetztzeitalter das Netzzeitalter ist, dann ist Alexander von Humboldt gewiss dessen wissenschaftlicher Vordenker. Sah sich der 20-jährige noch als Fremdling 1:06:05 zwischen den Wissenschaften, wurde er nach seiner Amerika Reise zum unermüdlichen Kommunikator zwischen den Disziplinen. Mehr als 30.000 Briefe 1:06:14 belegen seine weltweite Korrespondenz. Sie verschaffte ihm Zugang zu regionalen Wissensbeständen und half Spezialwissen für seine eigenen Fragehorizonte 1:06:23 fruchtbar zu machen. Salons und gesellschaftliche Begegnungen dienten ihm als mobile Akademie. Oft begleitete er Gesprächspartner noch stundenlang 1:06:32 nach Hause. Ohne das Gespräch und ohne die Salons ist Humbolds Existenz unvorstellbar. Seine Publikationen zeigen, wie dieser 1:06:41 vielquellige Forschungsprozess Sichtweisen fortwährend prüft und korrigiert. Auf diese Weise entsteht ein offenes: "Neue Untersuchungsergebnisse 1:06:50 und Einsichten möglichst rasch einbeziehendes Forschungs- und Diskussionsklima, in dem Wissen nicht als statischer 1:06:57 Besitz eines einzelnen, sondern als dynamischer Prozess einer Gemeinschaft verstanden wird. Die Vielzahl unterschiedlicher Perspektivierungen und 1:07:05 Ansichten der dargestellten Gegenstände wird ständig durch neue Einsichten angereichert, die durch eigene Untersuchungen oder durch die 1:07:13 Forschungen anderer erzielt wurden. Gegen zeitgenössische Abwertungen amerikanischer Kulturen entwickelte Humbold ein nuanciertes Gegenbild. Bei 1:07:22 aller neuhumanistischen Maßstabsetzung durch die Antike arbeitete er das Regionale präzise heraus und verband es mit Fragestellungen von allgemeiner 1:07:32 menschitlicher Bedeutung, transareal vergleichend, interkulturell sensibel. Seine Lust am Kühnen Vergleich provozierte mit Absicht die Leserschaft 1:07:42 zum Mitvergleichen. Der kühne Vergleich zielt auf die Aktivierung der Leserschaft und beabsichtigt, diese selbst zum ständig vergleichenden Denken 1:07:50 zu provozieren. Das Fremde soll durch die Kategorien des Eigenen bewusst verfremdet. Das eigene durch jenes Fremde so verändert werden, 1:07:59 dass ein Art Außenblick auf das Eigene entsteht. Eigenes und fremdes sind nicht klar voneinander geschieden. Alles ist viel mehr mit allem verbunden. Typisch 1:08:10 ist auch, dass Humbols Großprojekte offen bleiben. Vom amerikanischen Reisebericht, der nur ungefähr ein Drittel der Route abdeckt, über 1:08:18 Ansichten der Natur, Relation, Historik und Asie zentrale bis zum Kosmos, hat er kein Hauptwerk im strengen Sinn abgeschlossen. Aus gutem Grund. Der 1:08:29 Kosmos war die angestrebte Summe und echte Wissenschaft bleibt prinzipiell unabgeschlossen. Über mehr als sieben Jahrzehnte des 1:08:37 Büchermachens entstand ein ebenso dichtes wie mobiles Netzwerk an wechselseitigen intratextuellen Bezügen. Dieser Gesamttext bildet gewiss so etwas 1:08:48 wie eine intellektuelle Biographie Humbolz, zugleich aber und vor allem eine in stetiger Bewegung befindliche Gesamtheit, die nicht durch eine 1:08:56 homogene Struktur, sondern vielmehr durch eine fraktale Strukturierung zusammengehalten wird. In jedem Bruchstück leuchtet die Gesamtheit auf. 1:09:05 Zu seinem Stil bekannte er selbst gegenüber Karl August Warnhagen von Ense. Die Hauptgebrechen meines Stils sind eine unglückliche Neigung zu allzu 1:09:14 dichterischen Formen, eine lange Partizipialkonstruktion und ein zu großes Konzentrieren vielfacher Ansichten, Gefühle in einen 1:09:23 Periodenbau. Ich glaube, dass diese meiner Individualität anhangenden Radikal übel durch eine daneben bestehende ernste Einfachheit und 1:09:33 Verallgemeinerung ein Schweben über der Beobachtung, wenn ich Eitel so sagen dürfte, gemindert werden. Ein Buch von der Natur muss den Eindruck, wie die 1:09:42 Natur selbst hervorbringen. Worauf ich aber besonders in meinen Ansichten der Natur geachtet, ich habe gesucht, immer wahr beschreibend, bezeichnend, 1:09:52 selbstzientifisch wahr zu sein, ohne in die dürren Regionen des Wissens zu gelangen. Und er formulierte zwischen Genugttuung und Melancholie sein 1:10:01 Forscher Fazit: "Dies ist das Schicksal des Menschen." Man erreicht das Ende des eigenen Lebens und vergleicht nicht ohne Traurigkeit 1:10:10 das Wenige, das man hervorgebracht hat, mit all jenem, was man hätte unternehmen wollen, um das Reich der Wissenschaften zu erweitern. Als Vordenker einer 1:10:18 globalisierten Wissenschaft besitzt Humbolsatz hohe Aktualität. Er überwindet sterile Gräben zwischen Spezial und Grundlagenforschung und 1:10:28 verbindet Kontinente, Kulturen, Sprachen und Disziplinen. Andrea Wolf akzentuiert dazu Humbolds Programmsatz an Gothe. Die Natur muß gefühlt werden. Er trug 1:10:39 andererseits Instrumente durch Lateinamerika und maß alles messbare, betonte andererseits aber, dass Gefühle im Umgang mit der 1:10:48 Natur ebenso wichtig sein. Sein Werk verstand er bewusst als unabgeschlossenes Vorhaben. Humboldt selbst überspielt dabei die raschen 1:10:57 Veränderungen seines veröffentlichten Wissenstands keineswegs, sondern unterstreicht viel mehr den Charakter seines Buches als eines fortlaufenden, 1:11:05 nie abgeschlossenen Prozesses. Zentral war ihm, komplexe Zusammenhänge so darzustellen, dass sie in ihren Grundzügen überschaubar und 1:11:13 nachvollziehbar werden. Also die Popularisierung als Form der Demokratisierung wissenschaftlicher Erkenntnisweisen. 1:11:21 Charper sieht in ihm daher eine wandelbare Projektionsfigur für Zukunftsfragen von Klimawandel und weltweiter Verflechtung bis zu 1:11:29 Menschenrechten und einer humanen Wissenschaft. Auch fachlich hinterließ er tiefe Spuren. Bereits um das Jahr 1:11:38 unternahm er magnetische Beobachtungen, erkannte kurz darauf den Magnetismus eines fränkischen Basaltkegels und erhielt vor seiner Amerikareise präzise 1:11:48 Instrumente zur Messung von Inklination, Deklination und Intensität. Er zeigte, dass die Stärke des Erdmagnetfelds vom Äquator zu den Polen 1:11:58 zunimmt, prägte den Begriff Magnetsturm, initiierte ein weltweites Netz synchroner Messstationen und führte auf der Russlandreise an 27 Orten 1:12:09 Magnetmessungen durch. In der Astronomie eignete er sich die astronomischgeätische Ortsbestimmung an, kartierte bislang 1:12:18 unzureichend bekannte Räume, beobachtete in Kumana die Leoniden Sternschnuppenfälle und gehörte zu den ersten, die deren Periodizität 1:12:26 erkannten. Den südlichen Sternhimmel erfasste er systematisch nach Helligkeit und Farbe. Im Kosmos bündelte er das damalige astronomische Wissen, gestützt 1:12:36 auf engen Austausch mit führenden Astronomen und triebau der Berliner Sternwarte mit voran. Geologisch wandelte er sich, gestützt auf seine 1:12:46 Anden und Mexikoerfahrungen, vom neptunistischen Schüler Abraham Gottlob Wernas zum Vulkangeologen, der die tiefgreifende, tektonisch 1:12:55 gebundene Natur des Vulkanismus erkannte, lineare Vulkanetten beschrieb, den Zusammenhang von Vulkanen und Erdbeben betonte und den 1:13:04 Paradigmenwechsel zur Plutonistik mit vollzog. Italien blieb dafür der obligatorische Ort empirischer Studien. Zusammen mit Joseph Louis Gay Lak und 1:13:16 Leopold von Buch bestieg er mehrfach den Wesuv und wurde am z. August des Jahres 180 Augenzeuge eines Ausbruchs. Vollgerichtig ordnete er sich in der 1:13:27 reformierten Berliner Akademie dem Fach Mineralogie und Geognosie zu. Alexander von Humbold prägte die Geographie in herausragender Weise. Seine monumentalen 1:13:38 Reisewerke, der Kosmos und weitere große Gesamtdarstellungen machten seine Bedeutung ebenso sichtbar wie zahlreiche präzise Einzelstudien. 1:13:48 Methodisch arbeitete er empirisch und physikalisch vergleichend und zielte stets auf theoretische Verallgemeinerung. Er gilt als Anreger 1:13:57 der heutigen Klimatologie und Geophysik sowie als Begründer der Geomorphometrie, also der quantitativen Erfassung des Erdreliefs. 1:14:06 Erste Arbeiten dazu veröffentlichte er im Jahr 1816 und im Jahr 1825. Sein Forschungsansatz wie auch seine 1:14:16 Darstellungsweise folgten der dreidimensionalen Verbreitung der Geofaktoren. Bereits im Jahr 1817 1:14:23 führte er Ishermen ein. um den globalen Temperaturverlauf anschaulich zu machen. Aus ihren Abweichungen von der Parallelität zu den breiten Kreisen 1:14:33 entwickelte er einen weit gespannten Deutungsversuch. Humboldt beschrieb außerdem den weltweiten Verlauf biogeographischer Höhengrenzen und der 1:14:41 Schneegrenze ermittelte die mittlere Abnahme der Wärme mit der Höhe und stellte in den Anden ein Minimum des vertikalen Temperaturgradienten 1:14:50 in der Höhenstufe von 1000 bis 2500 m fest verursacht, wie er richtig erkannte, durch die Freisetzung von Kondensationsenthalpie 1:14:59 in der Wolkenbildung dieser Höhenlage. Durch systematische Messungen belegte er den ävatorialen Tiefdruckgürtel zwischen den subtropischen Hochdruckgebieten 1:15:08 beider Hemisphären. Die zeitliche Koinzidenz von Passatabschwächung und Beginn der tropischen Regenzeit führte er auf die Jahreszeitliche Verlagerung 1:15:17 der Windgürtel zurück. Zugleich dachte er über die Zirkulation der Ozeane nach, erkannte die polare Herkunft der antropischen Ostseiten aufquellenden 1:15:27 kalten Tiefenwässer und stellte den Zusammenhang zwischen niedriger Wasser und Lufttemperatur an der peruanischen Küste her. Als Ursachen der 1:15:36 Meeresströmungen benannte er die Driftwirkung der Winde. Dichte Unterschiede infolge von Temperatur und Salzgehalt sowie die ablenkende Kraft 1:15:45 der Erdrotation. Schon im Jahr 1831 formulierte Humbold einen Klimabegriff, der bis heute weith akzeptiert ist. Er 1:15:54 forderte eine mathematische Betrachtung der Klimate, also die Auswertung systematisch gesammelter Messdaten und setzte sich für dichte Netze 1:16:03 meteorologischer Stationen ein, etwa für die Gründung des preußischen Meteorologischen Instituts im Jahr 1847. Früh beschrieb er die elementaren 1:16:14 Klimafunktionen des Waldes. Auf Reisen sah er schädliche menschliche Eingriffe in funktionierende Ökosysteme. Zuerst am Valenciaasee in Venezuela. 1:16:24 Übermäßige Entwaldung und Gewässerumleitungen beeinträchtigten Wasserhaushalt und Klima. Diesen anthropogenen Wirkungen maß er vor allem 1:16:33 lokale bis regionale Bedeutung bei, ebenso wie dem Effekt der Entstehung großer Dampf und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie. Seine 1:16:42 Beobachtungen zu Klima und Landschaftszerstörung wirkten in Frankreich über Jean-Baptist Buso, in Deutschland über Karl Fras und 1:16:51 in den Vereinigten Staaten über George Perkins Mars und Henry David Throw nach. Dann flaute das wissenschaftliche Interesse ab und lebte erst in den 80er 1:17:01 Jahren des 20. Jahrhunderts wieder auf, mit der in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts sich verbreitenden Deutung geologische Erscheinungen wie Findlinge, 1:17:11 Gletscherschrammen oder Moränen seien durch großräumige Eisbedeckungen Nordeuropas und der Alpen erklärbar tat sich Humbold schwer. Anders als Leopold 1:17:21 von Buch bekämpfte er die Vertreter dieser Verbindung von Geologie und Klimawandel jedoch nicht. Die Weite seines Ansatzes wirkte in die 1:17:30 Fachstruktur hinein. In Deutschland wurde die Geographie besonders im 20. Jahrhundert zu einem interdisziplinären Fach mit gleichberechtigtem Anteil 1:17:39 historischer und sozialwissenschaftlicher Komponenten neben den naturwissenschaftlichen Teilen. Der Biograf Hannob urteilte 1:17:46 prägnant. Humbold war erweisbar der größte Geograf der Neuzeit, der anregendste thematische Kartograf und der maßgebende Forschungsreisende seiner 1:17:56 Zeit. Mit der zeitgenössischen Naturphilosophie stand Humbold in kritischem Kontakt. Seit 1805 korrespondierte er jahrzehntelang mit 1:18:05 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Zunächst beeindruckte ihn Schellings Versuch, eine Naturphilosophie zu begründen, die sich ausdrücklich auf 1:18:13 Erfahrungswissenschaften stützt. Humboldt hoffte auf Hilfe bei der theoretischen Durchdringung des empirischen Materials und beim Auffinden 1:18:21 von Naturgesetzen. Einen Berührungspunkt bildete die damals verbreitete Idee einer Lebenskraft. In seinen physiologischen Experimenten 1:18:31 teilte Humboldt zunächst diese Vorstellung, gelangte jedoch allmählich zu der Einsicht, dass Lebensäußerungen mit bekannten Naturgesetzen erklärbar 1:18:40 sind. Diese Entwicklung spiegelt seine einzige literarische Erzählung, die Lebenskraft oder der rodische Genius, die er im Jahr 1795 1:18:50 für Friedrich Schillers Zeitschrift die Horen verfasste. Später schrieb er der Naturphilosophie keine inspirierende Wirkung mehr zu. Im Kosmos wiederholte 1:18:59 er Positionen, die er bereits in seinen Kosmosvorlesungen des Jahres 1827 vertreten hatte. Er rechnete die Naturphilosophie zu den Disziplinen, die 1:19:09 sich in Dunkelheit hüllen, geißelte ihre abenteuerlich symbolische Sprache und einen Schematismus, der enger sei, als ihn jemals das Mittelalter der 1:19:19 Menschheit aufgezwungen hat. Zudem kritisierte er Schellings Vermischung von Natur, Philosophie und Christentum und zitierte im Kosmos nur wenige 1:19:28 Naturphilosophen. Teil seiner Netzwerke blieben dennoch einige ihrer Anhänger, etwa Karl Gustav Caros. Deutlicher als gegen Schelling 1:19:38 richtete sich seine unausgesprochene Kritik gegen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Zeitgenossen erlebten Humboldt als 1:19:46 außergewöhnlich tatkräftig und er sich selbst ebenso. Adelbert von Schamisso bekannte 1810. Solche Tätigkeit, Schnelligkeit und 1:19:56 Festigkeit ist noch nie gesehen worden. In Salon etwa bei Rahel Warnhagen erzeugten sein plötzliches Auftauchen, die funkelnde Konversation und sein 1:20:06 ebenso rasches Verschwinden, eine faszinierende Unruhe. Noch ein halbes Jahr vor seinem Tod beschrieb Bayer Taylor ihn als tätig bis zur 1:20:15 Rastlosigkeit. Humboldt sprach leicht und schnell, wechselte mühelos zwischen Sprachen, saß nie länger als 10 Minuten, sprang auf, 1:20:23 zeigte Bilder oder Bücher. Er selbst schrieb: "Voller Unruhe und Erregung freue ich mich nie über das Erreichte und bin nur glücklich, wenn ich etwas 1:20:32 Neues unternehme und zwar drei Sachen mit einem Mal und noch nicht 30jährig. Ich weiß wohl, daß ich meinem großen Werke über die Natur nicht gewachsen 1:20:41 bin. Aber dieses ewige Treiben in mir, als wären es zehntausend Säue, wird nur durch die stäte Richtung nach etwas Großem und bleibendem erhalten. Dem 1:20:52 Astronomen Jean-Baptist Joseph de Lambre bekannte er am 29. Juli 1803: "Jeder Mann hat die Pflicht in seinem Leben den Platz zu suchen, von dem aus 1:21:03 er seiner Generation am besten dienen kann." Über Schlaf sagte er spöttisch: "Meine Gesundheit erlaubt die nächtliche 1:21:09 Arbeitsamkeit. Die Notwendigkeit des periodischen Schlafs ist ein Vorurteil", sage ich oft scherzhaft. 1:21:18 Und an Joseph Louis Gay Lüsack schrieb er 1842: "Ich habe mir niemals Illusionen gemacht über mein wissenschaftliches Verdienst. 1:21:27 Ich bin weit unter dem geblieben, was ich hätte sein können, weil ich meine Kräfte nicht zu konzentrieren vermochte. Meine Lebensumstände, die Verbindung mit 1:21:36 zwei Kontinenten mit berühmten Männern während mehr als eines halben Jahrhunderts, haben mich weit mehr geformt als meine Arbeiten, die sehr 1:21:44 unvollständig geblieben sind. Sech Wochen vor seinem Tod ließ er eine Zeitungsanzeige veröffentlichen, in der er bat die vielen Zusendungen, Modelle, 1:21:54 Maschinen und Naturalien, Anfragen über Luftschiffart und Anerbietungen, mich häuslich zu pflegen einzustellen, damit er ihn bei ohne dies abnehmenden 1:22:04 physischen und geistigen Kräften noch Ruhe und Muße zur eigenen Arbeit fände. Auch die Außen und Binnenwahrnehmung war ambivalent. 1:22:13 Wilhelm von Humbold beschrieb seinen Bruder gegenüber Caroline als nach außen gewandt und glänzend mit der Folge, dass sein Zeigen Wollen von manchen als 1:22:22 Eitelkeit missverstanden werde. Friedrich Schiller urteilte zunächst schroff Alexandern habe ich noch kein rechtes Urteil. Ich fürchte aber, trotz 1:22:32 aller seiner Talente und seiner rastlosen Tätigkeit, wird er in seiner Wissenschaft nie etwas Großes leisten. Es ist der nackte, schneidende Verstand, 1:22:42 der die Natur, die immer unfasslich und in allen ihren Punkten ehrwürdig und unergründlich ist, schamlos ausgemessen haben will und mit einer Frechheit, die 1:22:51 ich nicht begreife, seine Formeln, die oft nur leere Formeln und immer nur enge Begriffe sind, zu ihrem Maßstab macht. Kurz, mir scheint er für seinen 1:23:01 Gegenstand ein viel zu grobes Organ und dabei ein viel zu beschränkter Verstandesmensch zu sein. Mit Johann Wolfgang von Gote verband Humbold eine 1:23:10 über dreieinhalb Jahrzehnte reichende respektvolle Arbeitsbeziehung. Gemeinsam entstand 1795 Götes, erster Entwurf einer allgemeinen 1:23:20 Einleitung in die vergleichende Anatomie. Göte unterschied ihre Methoden so: Er selbstgehe von der Gestalt und vom ganzen aus. Humbold vom Element bzw. 1:23:31 vom Teil. Trotz Differenzen, etwa über Vulkanismus oder Götes Farbenle, die Humbold ablehnte, lobte Göte ihn als Brunnen mit vielen Röhren, wo man 1:23:41 überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt. Charles Darwin bereitete seine 1:23:50 Biegelreise mit Humbolds Tropenbericht vor. Stil und Blickweise ähnelten einander so sehr, daß Zeitgenossen es bemerkten. 1:23:59 Die persönliche Begegnung am 29. Januar 1842 in London enttäuschte Darwin wegen Humbolds monologischer Art. Doch nach 1:24:09 der eigenen Reise gesteht er, er habe ihn immer bewundert. Nun aber bete ich ihn an. Später rühmte er ihn als größten 1:24:18 wissenschaftlichen Reisenden überhaupt. Gleichwohl ist Humbold kein vordarwinischer Darwinianer. Spekulative Aussagen zur Entstehung und Wandlung von 1:24:28 Arten lehnte er seinem Empirismus treu ab. Nach seinem Tod ehrte die Berliner Akademie am 1. Juli 1859 Humbold in einer Gedenkrede von August 1:24:40 BG. Es ist ein glänzendes Gestirn im Reich des Geistes für diese Welt erloschen. Unbestritten bleibt er in allgemeiner 1:24:48 Anerkennung die erste wissenschaftliche Größe seines Zeitalters. Indem wir nun sein Brustbild in der Nähe des Leibnitzchen aufstellen, ehren mehr uns 1:24:57 als ihn, der nicht eine Büste in diesem düster überwölbten Saal, sondern ein Standbild unter freiem Himmelsgewölbe des göttlichen Kosmos neben den 1:25:06 Wohltätern des Vaterlandes verdient. Christian Gottfried Ehrenberg sah mit seinen Schriften eine neue Epoche der Erd- und Weltanschauung beginnen. Später 1:25:17 setzten sich Rudolf Wircho und andere für ein Nationaldenkmal ein. Kaiser Wilhelm. erlaubte schließlich die Denkmäler vor der Universität, 1:25:26 allerdings niedriger als die Figuren der Generäle Bü und Scharnhorst. Eingeweiht wurden sie am 28. Mai 1883. International war die Wertschätzung 1:25:38 nicht minder groß. Claude Louis Bertolet nannte ihn eine ganze Akademie in einer Person. Die Pariser Akademie prägte eine Gedenkmünze für den größten Gelehrten 1:25:49 seines Jahrhunderts und den neuen Aristoteles. Simon Boliva sah in ihm den wahren Entdecker der neuen Welt. Mexikos 1:25:57 Präsident Benito Juarez erklärte ihn am 28. Juni 1859 zum Wohltäter des Vaterlandes. Zum hundersten Geburtstag feierten Städte 1:26:08 weltweit mit den größten Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten. Von San Francisco bis Philadelphia und von Chicago bis Charleston gab es 1:26:17 Straßenumzüge, Festessen und Konzerte. In New York folgten tausende den Musikkapellen und die New York Times schrieb: "Keine Nation könne seinen Ruhm 1:26:27 für sich beanspruchen." In Berlin kamen trotz sindflutartiger Regengüsse 80.000 Menschen zusammen. Ämter und Behörden blieben geschlossen. 1:26:37 Das Humbold im deutschsprachigen Raum phasenweise verengt oder verzerrt rezipiert wurde, hatte auch mit politischer Rivalität und freihändig 1:26:46 bearbeiteten Volksausgaben zu tun. Neuere Originaleditionen seiner Schriften helfen, verschüttete Traditionslinien wieder sichtbar zu 1:26:54 machen. Seit den 1980er Jahren wird Humbold gelegentlich als erster Ökologe gerühmt. Zugleich warnen Historiker vor unkritischer Heroisierung. 1:27:05 Matthias Glaubrecht moniert: Humbold habe wichtige Vorläufer in der Pflanzen und Tiergeographie zu wenig gewürdigt. Sein kosmischer Ansatz sei überholt, 1:27:15 weshalb er auch keinen echten Zugang zu Darwins Evolutionstheorie fand. Benedikt Wallendar zeigt, dass die Humboldre Rezeption oft weniger von 1:27:24 Erkenntnissuche als von Deutungsdrang und Instrumentalisierung geprägt war. Im 19. Jahrhundert in Deutschland stark antifranzösisch, 1:27:34 im Kaiserreich national vereinnahmt, in der Weimarer Zeit als kosmopolitischer Humanist hochgehalten und im Nationalsozialismus als Kämpfer mythisch 1:27:43 überhöht. Zwei Weltkriege dämpften international den Enthusiasmus für Humbold. In den Vereinigten Staaten wurden sogar Straßennamen entfernt. 1:27:53 Während der deutschen Teilung nutzten beide Staaten seine Gestalt jeweils für eigene Deutungen. Anlässlich seines 250. Geburtstags im Jahr 2019 fanden 1:28:04 zahlreiche Veranstaltungen in Berlin statt und das im Jahr 2021 eröffnete Humbold Forum knüpft programmatisch an seine Idee an Natur und Kultur gemeinsam 1:28:16 zu betrachten. Insgesamt wurde Humbold weltweit in außergewöhnlicher Weise geehrt durch Mitgliedschaften, Ehrendoktorate, hohe Orden, Denkmäler, 1:28:26 Briefmarken und Münzen und durch eine beispiellose Zahl von Namensträgern in Biologie, Geographie und Institutionen. Nach niemandem sonst sind mehr Orte und 1:28:37 Objekte benannt. Damit endet unsere heutige Folge. Humbold bleibt der Forscher der Natur und Kultur als Einheit Verstand und damit Spuren bis in 1:28:47 unsere heutige Zeit hinterlassen hat. Wenn euch diese Folge gefallen hat, lasst gerne ein Like da, teilt sie mit anderen Geschichtsinteressierten und 1:28:55 abonniert unseren Kanal. Vielen Dank fürs Zuhören und auf Wiederhören.