Multiperspektivität (Geschichtswissenschaft) WikiTubia https://www.youtube.com/watch?v=7Wz3Yf4vfis Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Multiperspektivität ist ein Prinzip der Geschichtsdidaktik für die Planung und Durchführung von Geschichtsunterricht es wird auch in anderen 0:08 gesellschaftswissenschaftlichen Fächern angewandt besonders in der politikdaktik bzw der politischen Bildung aber auch der 0:16 religionsdidaktik Perspektivität das Prinzip basiert auf der grundliegenden geschichtstheoretischen Überzeugung dass eine beobachterunabhängige Erkenntnis 0:26 der vergangenen Wirklichkeit nicht möglich ist weil jede Aussage über ein Ereignis ein Datum oder einen Zusammenhang nur von einer bestimmten 0:34 sozialen kulturellen oder anderweitig bestimmten Perspektive ausgemacht werden könne dies gelte jedoch nicht nur für Aussagen über eine Vergangenheit also 0:43 Narrationen im geschichtswissenschaftlichen Sinne sondern auch bereits für Aussagen der Zeitgenossen des jeweils zu 0:50 betrachtenden Ereignisses bereits die Quellen sein also grundsätzlich perspektivisch geschichtsdidaktische Postulate aus dieser Einsicht hat die 0:59 geschichts daktik nicht mehr die Vermittlung einer vermeintlich unabhängigen Wahrheit über die Geschichte an die Schüler zum Ziel des 1:06 Geschichtsunterrichts erhoben auch nicht in der Form des jeweiligen Forschungsstandes sondern die Befähigung zum eigenständigen historischen Denken 1:15 und die Ermöglichung einer selbstständigen und Verantwortlichen Ausbildung einer historischen Identität als Folge erhebt sie die Forderungen 1:23 dass die Einsicht in die Tatsache der nicht aufhebbaren Perspektivität und somit Selektivität aller historischen Aussagen selbst ein wichtiges Lernziel 1:33 darstellt der jeweilige historische Gegenstand den Schülern nicht nur durch Materialien präsentiert werden darf die nur eine einzige Perspektive 1:41 repräsentieren sondern das möglichst alle mindestens aber mehrere relevante Perspektiven vorkommen müssen die Schüler somit die Möglichkeit erhalten 1:50 sollen die verschiedenen Sichtweisen auch als plurale Angebote für eine eigenständige Identifikation zu reflektieren 1:58 Multiperspektivität kontroversität Pluralität der Begriff Multiperspektivität wird dabei in einer weiteren und einer engeren Variante 2:07 gebraucht in der weiteren Variante umfasst er die Forderung nach Repräsentation möglichst aller relevanten Perspektiven auf den 2:14 Gegenstand insgesamt in der engeren Variante meint Multiperspektivität allein die Kombination von Quellen aus verschiedenen Perspektiven wogegen bei 2:24 der Kombination von späteren Deutungen aus verschiedenen Perspektiven späterer Zeiten von oversität gesprochen wird und die Offenhaltung verschiedener 2:33 gegenwartsbezüge und Orientierungen aus der Reflexion der Geschichte als Pluralität bezeichnet wird insbesondere in der Variante der kontroversität 2:42 berührt sich die Forderung nach Multiperspektivität mit dem zweiten Prinzip des Beutelsbacher Konsensus der politischen Bildung Defizite in der 2:52 Schulpraxis und kritische Einwende auch wenn das Prinzip der Multiperspektivität bereits in vielen Lehrplänen eingefordert wird spielt es 3:00 im realen Geschichtsunterricht noch keine beherrschende Rolle auch in den geschichtsschulbüchern finden gute multiperspektivische Quellen und 3:09 literaturzusammenstellungen nur allmählich Eingang folgende Einwende stehen einem breiteren Einsatz des Prinzips entgegen die Erarbeitung 3:17 mehrerer Perspektiven und ihre Erörterung Kosten im Unterricht mehr Zeit die unter den Bedingungen der lehrplananforderungen und 3:24 zentralprüfungen kaum gegeben ist besonders leistungsschwächere Schüler werden über fordert da sie nicht die Motivation für die angestrebte reflexive 3:33 Haltung aufbringen das Prinzip entspricht in dieser Hinsicht nicht einer Pädagogik vom Kinde aus das Aufzeigen mehrerer Bewertungen könne in 3:42 einen unreflektierten Relativismus führen der gerade im Umgang mit Diktaturen und Gewaltverbrechen pädagogisch fatal wäre ein Beispiel 3:51 dafür ist die Diskussion um die Bewertung der DDR als Diktatur der kritische Umgang mit kontroversität sei eine geistige Leistung die er in ein 3:59 Hochschulstudium gehöre wer etwa die fischerkontroverse mit Schülern aufarbeitet stoße ständig an die Grenzen des gegebenen Textmaterials und der 4:09 Kenntnisse s dass ein unabhängiges Urteil kaum möglich wird