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🎧 Die Liebe der Erika Ewald – Stefan Zweig | Novelle & Gefühl | Hörbuch | Gelesen von Sven Görtz

Hörbuchzeit1:47:17 1.257 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 615 Zeilen
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  1. die Liebe der Erika Ewald von Stefan Zweig gelesen von Sven GZ Erika Ewald trat langsam ein mit dem vorsichtig leisen Gang einer zu
  2. spätkommenden der Vater und die Schwester saßen schon beim Abendessen beim Geräusch der Türe blickten sie auf um der eintretenden flüchtig zuzunicken
  3. dann Klang nur wieder das klingen der Teller und das Klappern der Messer durch den matthellten Raum gesprochen wurde selten nur hier und da fiel ein Wort und
  4. das flatterte wie ein aufgeworfenes Blatt haltlos in der Luft und dann ermattet zu Boden zu sinken sie hatten sich alle wenig zu sagen die Schwester
  5. war unscheinbar und hässlich eine jahrelange Erfahrung stets überhört und bespöttelt zu werden hatte ihr jene altjüngfliche stumpfe Resignation
  6. gegeben die jeden Tag mit einem Lächeln scheiden sieht den Vater hatte eine langjährige gleichfarbige Bürotätigkeit der Welt entfremdet und insbesondere
  7. seit dem Tod seiner Frau umfing ihn jene harte Verstimmung und trotzige Schweigsamkeit mit der alte Leute gern ihre physischen Leiden
  8. verbergen auch Erika schwieg meistens an diesen eintönigen Abenden sie fühlte es dass ich gegen die GRA Stimmung die sich wie dickeohende Wetterwolken über diese
  9. Stunden legte nicht ankämpfen lasse und dann war sie zu müde dazu die quälende Tagesarbeit die sie von Stunde zu Stunde hetzte und sie zwang Disharmonien
  10. tastend Akkorde unmusikalische Brutalitäten mit rastloser Sanftmut zu ertragen löste ih ihr ein dumpfes Ruhebedürfnis aus ein wortloses
  11. verströmen aller Empfindungen die die Gewalt des Tages überwuchert hatte sie liebte es in diesen Wachen Träumen sich selbst anzuvertrauen weil ihr eine f
  12. überreizte Schamhaftigkeit nie gestattete anderen nur eine Andeutung ihrer seelischen Erlebnisse zu geben ob auch ihre Seele unter dem Drucke ihrer
  13. ungesprochenen Worte bebte wie ein überreifer obstbaumzweig unter der Last seiner Früchte schwankt und nur ein leichter ganz
  14. unmerklich feiner Zug um die schmalen blassen Lippen verriet das Kampf und Ringen in ihr war und eine unbändige Sehnsucht die sich nicht von Worten
  15. tragen lassen wollte und nur manchmal ein wildes Beben um den festgeschlossenen Mund legte wie von jem Schluchzen das Abendessen war bald zu
  16. Ende der Vater erhob sich sagte kurz einen gute nachtguß und ging in sein Zimmer um sich die Pfeife anzuzünden das war so jeden Tag in diesem Hause wo auch
  17. die gleichgültigste Tätigkeit zu Sterrer Gewohnheit versteinerte und auch Jeanette ihre Schwester holte sich wie immer ihr Nähzeug her und begann beim
  18. Lampenlicht stark vorgebeugt wegen ihrer Kurzsichtigkeit mechanisch zu sticken Erika ging in ihr Zimmer und begann sich langsam zu entkleiden es war diesmal
  19. noch sehr früh sonst pflegte sie bis tief in die Nacht hinein zu lesen oder sie lehnte in einem süßen Gefühle am Fenster und blickte hoch von oben über
  20. die hellen Mondschein beleleuchteten Dächer die sich in Lichter silberflut badeten sie hatte da nie klare zielstrebige Gedanken nur das
  21. unbestimmte Gefühl einer Liebe für das schimmernde blitzende und doch so sanft verströmende des Mondlichtes dass die Tausende von Scheiben blank spiegelte
  22. hinter denen sich die Geheimnisse des Lebens Ben aber heute empfand sie eine sanfte Mattigkeit eine selige schwere die sich
  23. sehend von milden warm anschmiegenden Decken getragen zu werden an Schläfrigkeit die nichts anderes ist als Sehnsucht nach süßen seligen Träumen ran
  24. durch alle Glieder wie ein sa erkaltendes betäubendes Gift sie raffte sich auf warf beinah mit Hass die letzten kleidungsstüe von sich
  25. verlöschte die kze einen augenblickch und dann dehnte sie sich Bette ein hurtiges Schattenspiel tanzten noch einmal die seligen Erinnerungen des
  26. Tages vbei sie war heute bei ihm gewesen gemeinsam hatten sie wieder geprobt zu ihrem Konzert wo ihr Spiel seine Geige begleiten sollte und dann spielte er ihr
  27. vor Chopin die Ballade ohne Worte und dann die sanften lieben Worte die er ihr sagte die vielen lieben
  28. Worte die Bilder eilten immer rascher vorbei sie führten sie wieder nach Hause zu sich selbst um rasch wieder hinweg zu irren in die Vergangenheit zu dem Tag da
  29. sie ihn zuerst kennengelernt hat und bald stürmten sie heraus über die Enge der Zeit und des Erlebens und wurden immer wilder und bunter noch
  30. hörte Erika wie ihre Schwester nebenan zu Bette ging und ein toller merkwürdiger Gedanke kam ihr ob er sie wohl auch zu sich gebeten hätte ein
  31. frohes übermütiges Lächeln wollte sich noch matt auf ihre Lippen schleichen aber sie war schon zu schlaftrunken und einige Minuten später
  32. trug sie ein sicherer Schlaf zu seligen Träumen beim Erwachen fand sie eine Ansichtskarte auf dem Bette nur ein paar Worte waren darauf mit fester
  33. energischer Schrift hingeworfen Worte wie man sie auch an fremde verschenkt aber Erika empfand sie als Gabe und Glück weil er sie geschrieben hatte ihr
  34. war es gegeben aus dem geringfügigen und unscheinbaren beahnungen der wirklichen Fülle sich zu erschließen und so sollte Ihr diese
  35. Liebe nicht nur ein wilder Glanz werden der jedes Wesen umleuchtet und erhält sondern so tief sollte dieses verklärende Gefühl sich verlieren dass
  36. es wie ein Schimmer wurde der in innigem durchglühen von innen empor zuwachsen schien aus allem leblosen und unbesehten schon von früher Jugend auf
  37. hatte das dunkle Gefühl ihres ängstlich Seins derer zurückhaltenden Einsamkeit sie gelehrt die Dinge nicht als kalt und leblos zu betrachten
  38. sondern als verschwiegene Freunde die Geheimnisse und Zärtlichkeiten dem anvertrauen der auf sie hört Bücher und Bilder Landschaften und
  39. Musikstücke Sprachen zu ihr der das dichterische Vermögen des Kindes geblieben war in bemalten Körpern unbesehlten Dingen froh bewegte bunte
  40. Wirklichkeit zu sehen und das waren ihre einsamen feste und Seligkeiten ehe die Liebe zu ihr gekommen war so wurden ihr auch die wenigen schwarzen
  41. Schriftzüge auf dem Blatte Ereignis sie las die Worte so wie er sie zu sprechen pflegte mit der weichen und musikalischen Betonung seiner Stimme sie
  42. suchte in ihren Namen den heimlich süßen Reiz zu legen den nur die Sprache der Zärtlichkeit geben kann und sie horchte in den wenigen Sätzen die ihrer
  43. Angehörigen wegen in kühler fast respektvoller Form gehalten waren den verborgenen klingenden Unterton der Liebe und buchstabierte sich so langsam
  44. und traumverloren durch die Zeilen dass sie beinahe ihren Inhalt wieder vergessen hätte und der war nicht so unwichtig sie möchte ihm doch mitteilen
  45. ob ihr geplanter Sonntagsausflug zustande käme und noch ein paar unwichtige Worte wegen ihres gemeinsamen Auftretens in einem längst besprochenen
  46. Konzert dann ein freundlicher Gruß und eine hastige Unterschrift aber sie las die Zeilen immer wieder und wieder weil sie in ihnen die starke und drängende
  47. Empfindung zu hören glaubte die doch nur der widerklang ihrer eigenen war es war noch nicht lange her dass diese Liebe zu Erika Ewald gekommen war
  48. und den ersten Glanz in ihr blasses gleichgültiges mädchenasein getragen hatte und ihre Geschichte war still und alltäglich in einer Gesellschaft hatten
  49. sie sich kennen sie gab dort Klavierstunden aber ihrekrete und feine Art gewann ihr so sehr die Liebe des ganzen Hauses dass
  50. sie nur mehr als Freundin betrachtetde und er war dort zu einer Veranstaltung geladenzusag als PI resist denn sein RF als geigentuose war TR seiner Jugend ein
  51. ganzungewöhnlicher die umände erwiesen sich selbst als bereitwiig ihre Verständigung zu unterstützen er wurde gebeten zu spielen und es begab sich als
  52. fast selbstverständlich dass sie die Begleitung übernehmen sollte und da wurde er zuerst auf sie aufmerksam denn sie ging mit so viel Verständnis auf
  53. seine Intentionen ein dass er sogleich die Feinheit und Innigkeit ihres Wesens ahnte und noch mitten im stürmischen Applaus der ihrem Vortrag folgte machte
  54. er ihr den Vorschlag ein bisschen zusammen zuaudern sienickte leise ganz unmerklich leise aber es kam nicht dazu man gab sie beide
  55. nicht so rasch frei er konnte nur ab und zu mit einem verstohlenen Blicke ihre überschlanke biegsame Gestalt messen und einen schüchtern staunenden Gruß ihrer
  56. dunklen Augen auffangen ihre Worte gingen unter in gewöhnlichkeiten und Höflichkeiten mit denen man sieüberäufte dann kamen wieder neue Menschen und
  57. hunderterlei Ablenkungen anderer Art dass sie beinahe an die Verabredung vergaß aber alses vor war und sie sich empfah
  58. stand er plötzlich neben ihr und fragte sie mit seiner sanften zurückhaltenden Stimme er sie nach Hause geleitenürfeen Augenblick war sie
  59. hilflos dann lehnte sie mit so ungeschickten Worten seine Mühe ab dass er seinen Willen schlielich leicht durchsetzen
  60. konte sieohnte ziemlichit draßen in der Vorstadt und es ein langer WE in der mondhellen klaren witernach eine Zeitl blieb ein Stillschweigen
  61. zwischen ihnen es war dies keine unbehilflichkeit sondern nur die unbestimmte Furcht die feiner durchgebildete Leute haben eine
  62. Unterhaltung mit Banalitäten zu beginnen dann begann er zu sprechen von dem Musikstück das sie gemeinsam gespielt hatten und von der Kunst überhaupt aber
  63. das war nur ein Anfang nur ein Weg zu ihrer Seele denn er wusste dass alle die in der Kunst ihre letzten schätze so königlich verschwendeten die ihr volles
  64. Gefühl in die musikalische Schönheit legten im Leben ernst und verschlossen waren und sich nur dem verstehenden offenbarten und sie gab ihm auch
  65. wirklich in ihren Ansichten überschaffen und reproduzieren viel von ihren geheimen psychischen Erlebnissen vieles dass sie noch keinem anvertraute und
  66. manches das ihr selbst bisher noch nicht zum Bewusstsein gekommen war später konnte sie es selbst nicht begreifen wieso sie ihre fast ängstliche
  67. Zurückhaltung damals überwunden hatte später als er ihr näher getreten war ihr Freund und Vertrauter wurde denn an jenem Abend erschien ihr ein Künstler
  68. ein schaffender noch wie ein gewaltiger der nie in das Leben tritt sondern in fernen lebt unnahbar und überragend ein verstehender und gütiger dem man nichts
  69. verschweigen darf bisher waren nur schlichte Leute in ihrem Kreis getreten Menschen die sich zerlegen und berechnen ließen wie eine Schulaufgabe
  70. vorurteilsvolle und konservative ketzerrichter denen sie sich fremd fühlte und die sie beinahe fürchtete und dann es war eine stille und helle Nacht
  71. gewesen und wenn man in solchen schweigenden Nächten zu zweit geht von niemandem gehört und gestört und sich die dunklen Schatten der Häuser über die
  72. Worte senken und die Stimmen ohne Nachhall in der Stille verwehen da ist man so Vertrauens voll als ob man zu sich selbst spreche da Wachen Gedanken
  73. aus den Tiefen auf die in der bunten Unrast des Tages ungehört untergehen und denen erst die Stille des Abends sanfte schwingen gibt und die Gedanken werden
  74. zu Worten fast ohne dass man es will der lange Gang in der einsamen Winternacht hatte sie einander nahe gebracht als sie sich zum Abschied die
  75. Hände reichten blieben ihre blassen kühlen Finger lange hil los in seiner starken Hand liegen wie vergessen und sie gingen wie alte Freunde
  76. voneinander sie begegneten sich noch oft in diesem Winter zuerst war es ein günstiger Zufall der aber bald Verabredung wurde ihn reizte dieses
  77. interessante Mädchen mit allen ihren Eigenarten und Seltsamkeiten er bewunderte die vornehme Zurückhaltung ihrer Seele die sich nur ihm offenbarte
  78. und sich zagen zu seinen Füßen warf wie ein erschrecktes Kind er liebte ihre tausendfachen Feinheiten die schlichte Gewalt des empfindend die jeder
  79. Schönheit willenlos entgegenpulste und doch vor fremden Augen sich bergen wollte um sich die reine Innigkeit des Genusses nicht zu stören aber diese
  80. zaten und innigen Empfindungen die er so voll und hinreisend bei jemandem mitempfinden konnte waren ihm selbst fremd schon von Jugend auf noch ein
  81. halbes Kind war er zu sehr von Frauen als Künstler verhätschelt und verführt worden um in einer vergeistigten Liebe Befriedigung zu finden er empfand zu
  82. wenig feminin zu wenig jünglinghaft weil die ganze unverständige wunschlose süße der gymnasiastenliebe sich nie in sein frühreifes Leben eingeschlechen hatte
  83. temperamentvoll und blasiert zugleich lebte er mit jenem schrfen Begehren das der letzten sinnlichen Erfüllung zustrebt um dort zu verbluten und er
  84. kannte sich selbst und verachtete sich wegen jeder Schwäche die ihn überwältigte er empfand jede dieser raschen Befriedigungen mit Ekel ohne
  85. sich wehren zu können denn Leidenschaftlichkeit und Sinnlichkeit durchbebten sein Leben wie seine konst auch die Meisterschaft seines Spieles
  86. wurzelte in dieser festen temperamentvollen Männlichkeit die letzten verhauchten Nuancen die wie leise Atemzüge einer schlummernden
  87. Melancholie sind mussten seine ener ischen und doch zigeunerhaft süßen Bogenführung entgehen eine leise Furcht stand immer versteckt hinter der
  88. packenden Gewalt mit der er zu überwältigen musste und so furchtsam und ergeben war auch ihre Liebe zu ihm sie lebte in seiner Person alle ihre
  89. Traumgestalten die in den langen Jahren des Alleinseins eine gewisse Wirklichkeit gewonnen hatten Sie verehrte den Künstler der sich in seinem
  90. Wesen verkörperte weil sie den mädchenhaften Glauben hat dass ein Künstler auch in seiner Lebensführung die priesterliche würde verwirklichen
  91. müsse manchmal sah sie ihn mit einem Fremden und unsinnlichen Blick an wie ein seltsames Bild in dem man vertraute Züge empfinden will und ihr anvertrauen
  92. war wie zu einem beichtiger sie dachte nicht an das Leben weil sie es nie gekannt hatte sondern es erlebt hatte wie einen haltlosen Traum
  93. darum fehlte ihr auch jede Angst und jedes bangen vor der Zukunft sie glaubte an ein sanftes und seliges weiterklingen dieser unsinnlichen verehrenden Liebe
  94. die sie zuversichtig machte mit ihrer künstlerischen Schönheit und innigen Reinheit manchmal überraschte sie sich dabei dass sie gar nicht das Bedürfnis
  95. hatte zu sprechen wenn sie bei ihm war er spielte oder schwieg und sie saß und träumte und fühlte nur wie ihre Träume immer heller und Lichter wurden wenn er
  96. sprach oder sie anblickte das war alles verklungen kein ein ihrer Lärm Drang mehr vom Tage herüber nur stille schweigen und silberne feiertagsglocken
  97. tief im Herzen und ein sehnsüchtiges zärtlichkeitsbedürfnis ein erwarten von lieben und leisen Worten die sie doch eigentlich fürchtete bebte dann in ihr
  98. sie ahnte wie sie ganz in seinem Banne stand wie er sie mit seiner Kunst beherrschen konnte Schmerzen und Jubel geben mit seinen lockenden Tönen sie
  99. fühlte sich wehrlos seinem Spiel gegen über und so unsäglich arm weil sie nichts geben konnte und nur empfing mit offenen zitternden Händen bei ihm
  100. bettelte es war eine unabänderliche Gewohnheit geworden dass sie mehrmals in der Woche zu ihm kam zuerst waren es Proben zu einem gemeinsamen Konzert aber
  101. bald konnten sie die wenigen Stunden gar nicht mehr entbehren sie ahnte gar nicht die Gefahr die in der wachsenden Intimität ihrer Freundschaft lag sondern
  102. ließ die letzte Zurückhaltung Seele vor ihm fallen und offenbarte ihm ihre verborgensten Geheimnisse als ihrem einzigen Freunde sie merkte es oft gar
  103. nicht in ihrem heißen fast visionären erzählen wie er ihre Hände in wachsender Erregung umspannte und manchmal die Lippen brennend zu ihren Fingern
  104. herabsenkte während er ihr zu Füßen lag und zuhörte und sie erkannte auch nicht wie er manchmal in den drängendsten und verlangendsten Tönen seiner Geige nur zu
  105. ihr sprach weil sie in der Musik immer sich selbst suchte und ihre Träume ein verstehen und eine Erlösung war ihr diese Zeit für das viele dass sie bisher
  106. nicht laut zu sagen wagte und noch nicht mehr sie wusste nur dass eine solche Stille Stunde viel Glanz hineinbrachte in ihren öden arbeitsvollen Tag und
  107. einen lichten Schein in ihre Nächte und mehr wollte sie nicht als still sein und selig sein sie verlangte nur ein reichen Frieden in den sie flüchten konnte wie
  108. zu einem Altar aber sie hütete sich wohl ihr Glück offen zu zeigen ihre Lippen bagen oft ein Lächeln reinster Seligkeit mit
  109. so herabverschlossener Gewalt vor den Leuten und vor ihrer Familie als sei es ein aufquellendes weinen denn sie wollte ihre Erlebnisse bewahren vor fremden
  110. Blicken wie ein Kunstwerk mit hunderterlei flüchtigen zusammenhängen das in plumpen Fingern mit einem bangen aufschreiz prcht und sie baute kühle und
  111. abgenutzte alltagsworte um ihr Glück und um ihr Leben s dass es durch viele Hände gehen konnte ohne verkannt zu werden und den wertlose Scheiben zu
  112. zerbrechen am Samstagabend vor dem Ausfluge besuchte sie ihn wieder als sie anklopfte fühlte sie wieder jene merkwürdige Bangigkeit wie immer wenn
  113. sie zu ihm ging und die sich immer mehr steigerte bis er selbst mit ihr war aber sie musste nicht lange warten er öffnete rasch geleitete sie in sein
  114. studienzimmer nahm ihr mit vorsichtiger Galanterie die frühlingsjacke ab und streifte respektvoll mit den Lippen ihre schöne fein geäderte Hand und dann
  115. setzten sie sich zusammen auf ein kleines dunkles Samtsofa das bei seinem Schreibtisch stand es war schon düster im Zimmer draußen am Himmel verfolgten
  116. sich graue Wolken hastig im Abendwind und ihre Schatten trübten Unruh dur das matte Dämmerlicht er fragte ob er anzünden solle sie verneinte das matte
  117. süße Licht das nicht mehr erkennen und nur erahnen lässt war ihr so lieb mit seiner sanften Melancholie sie saß ganz still man konnte noch die geschmackvolle
  118. Einrichtung des Zimmers deutlich wahrnehmen den prächtigen Schreibtisch mit seiner prones Stu rechts einen geschnitzten geigenständer dessen
  119. Silhouette sich scharf von dem grauen Stück Himmel abhob das durch die Scheiben gleichgültig hereinblickte irgendwo tickte eine Uhr mit schwerem
  120. abgemessenem Schlag als sei es der harte Schritt der mitleidlosen Zeit sonst war es still nur ein paar bläuliche Rauchstreifen von seiner vergessenen
  121. Zigarette stiegen gleichmäßig in das Dunkel und durch das geöffnete Fenster kam ein lauer Frühlingswind zu ihnen herein sie
  122. plauderten zuerst war war es ein Lächeln und erzählen aber ihre Worte wurden immer schwerer im drohenden dunkel er sprach von einer neuen Komposition einem
  123. Liebeslied das sich an ein paar schlichte wehmütige volksliedstrophen anschmiegte die er einmal in einem Dorfe gehört hatte ein paar Mädchen waren es
  124. gewesen die von der Arbeit kamen ihre Stimmen klangen weit von ferne dass er die Worte nicht mehr Verstand und nur die leise schweratmende Sehnsucht der
  125. Weise hörte und gestern war die Melodie wieder in ihm erwacht spät am Abend und war ihm ein Lied geworden sie sagte nichts sondern sah ihn nur an
  126. und er verstand ihre Bitte schweigend trat er zum Fenster hin und nahm seine Geige ganz leise begann sein Lied hinter ihm W es langsam wieder hell die
  127. abendwolken waren entbrandt geraten und glühten in purpurnem Glanz das Zimmer begann wieder zu leuchten von dem hellen der allmählich düsterer und gesättigter
  128. wurde er spielte das einsame Lied mit wundervoller Gewalt er verlor sich selbst in seinen Tönen und er verlor sein Lied und behielt nur die unendlich
  129. sehnsüchtige Fremde volksmelodie die in allen seinen Variationen immer wieder dasselbe stammelte weinte und jauchzte er dachte an nichts mehr seine Gedanken
  130. waren fern und verwirrt nur das strömende Gefühl seiner Seele formte mehr die Töne und gab sich ihnen zu eigen das enge dunkle Zimmer überflutete
  131. von Schönheit die roten Wolken waren schon schwere schwarze Schatten geworden und er spielte noch immer längst hatte er schon vergessen dass er dieses Lied
  132. nur als Huldigung spielte seine ganze Leidenschaft die Liebe zu allen Frauen der Welt zum Inbegriff des schönen wachte in den Seiten auf die in seliger
  133. Innbrunst erschauerten immer wieder fand er eine neue Steigerung und eine wildere Gewalt aber nie die verklärende Erfüllung es blieb auch im rasendsten
  134. Aufschwung immer nur Sehnsucht stöhnende und jauchzende sehensucht und er spielte immer weiter wie einem bestimmten Akkord zu einer
  135. abschließenden Auflösung entgegen die er nicht finden konnte plötzlich brach er jlings ab Erika war mit einem dumpfen hysterischen
  136. Schluchzen auf dem Sofa zusammengebrochen von dem sie sich in ihrer Gase erhoben hatte wie angelockt von den Tönen ihre schwachen reizbaren
  137. Nerven Unterlagen stets dem Zauber einer gefühlsmusik sie konnte Weinen bei wehmütigen Melodien und dieses Lied mit seiner drängenden aufpeitschenden
  138. Erwartung hatte in ihr alle Gefühle erregt ihre Nerven in eine furchtbare atemlose Spannung versetzt wie einen Schmerz empfand sie die Wucht dieser
  139. niedergehaltenen sehensucht sie hatte ein Gefühl als ob sie aufschreien müsste unter dieser engenden Qual aber sie sie vermochte es nicht nur in einem jähen
  140. weinkrampfe löste sich ihre gesteigerte physische Erregung er kniete bei ihr nieder und suchte sie zu beruhigen er küsste ihr leise die Hand aber sie bebte
  141. noch immer und manchmal lief ein Zucken über ihre Finger wie von einem elektrischen schlage er sprach ihr freundlich zu sie hörte nicht da wurde
  142. er immer inniger und küsste mit heißen Worten ihre Finger ihre Hand und küsste ihren bebenden Mund der unbewusst unter seinen Lippen
  143. erschauderte seine Küsse wurden immer drängender dazwischen stieß er zärtliche Liebesworte hervor und umfasste sie immer stürmischer und verlangender mit
  144. einem Male fuhr sie aus ihrem halbtraum und stieß ihn beinahe mit Heftigkeit zurück er stand erschrocken und unsicher auf einen Augenblick blieb sie noch
  145. stumm wie um sich an alles zu besinnen dann stammelte sie mit unruhigem Blick und gebrochener Stimme er möge ihr verzeihen sie habe öfters so nervöse
  146. Anfälle und die Musik habe sie erregt einen Augenblick blieb ein peinliches Schweigen er wagte nichts zu antworten weil er fürchtete eine
  147. niedrige Rolle gespielt zu haben sie fügte noch hinzu sie müsse jetzt gehen es sei schon höchste Zeit man würde sie zu Hause schon längst erwarten und
  148. zugleich nahm sie ihre Jacke ihre Stimme schien im kühl und fast frostig er wollte etwas sprechen aber es kam ihm alles so lächerlich vor nach den Worten
  149. die er ihr eben noch in seiner leidenschaftlichen Trunkenheit gesagt hatte stumm und respektvoll geleitete er sie zur Türe erst wie er ihr die Hand
  150. zum Abschied küsste fragte er zögernd und morgen wie wir verabredet haben ich denke doch selbstverständlich er war freudig
  151. berührt dass sie über Benehmen ohne ein Wort hinwegging und bewunderte ihre feine Zurückhaltung die ihm vergab ohne es merken zu lassen ein flüchtiges
  152. Abschiedswort sagten sie sich noch dann fiel die Türe dumpf ins Schloss der Sonntag Morgen war ein wenig trüb und melancholisch gewesen ein
  153. schwerer Frühnebel legte sein dichtmaschiges graues Netz über die Stadt und ließ wie durch feine Ritzen ein leises regenstieben auf die Straße
  154. niederzittern aber bald begann es in dem dunklen Netz zu funkeln als ob sich eine schwere goldene Königskrone darin gefangen hätte
  155. die immer schimmernder und heller wurde und schließlich zerriss das trübe Gewebe unter der lichten Last und eine frische Frühlingssonne leuchtete herab und
  156. spiegelte tausendfältig ihr Junges Antlitz in den blanken Scheiben und nassen Dächern in den glitzernden wassertümpeln den sanfter glühenden
  157. Kirchturm kuuppeln und in den heiteren Blicken der auslugenden Leute nachmittags war schon helles sonntagstreiben in den Straßen die
  158. vorüber rasselnden Wagen klapperten eine frohe Melodie aber die Spatzen wollten noch lauter sein und schrien um die Wette von dem Telegraphen träten herab
  159. und dazwischen schrillten die Signale der Straßenbahn in hellem durcheinander eine breite menschenflut drängte sich auf den Hauptstraßen gegen die
  160. Peripherie zu wie ein dunkles Meer aber ein lichtes schimmerndes Blitzen war darin von weißen frühlingsk leidern und hellen Farben die sich zum ersten Mal
  161. wieder ins freier wagten und über dem allen lag Sonne eine warme lichtflutende Frühlingssonne mit dem blinkenden Leuchten
  162. Erika freute sich um dahinchreiten wie leicht und beseligt sie an seinem Arm ging am liebsten hätte sie getanzt oder getollllt wie ein Kind und ganz kindlich
  163. und mädchenhaft war sie in ihrem einfachen glatten Kleide und dem aufgesteckten Haar das tief und schwer wie eine wetterschwere Wolke über der
  164. Stirne trohte und der Übermut war so überquellend und echt dass er auch seinen Ernst bald ins Wanken brachte sie hatten ihren ursprünglichen
  165. Beschluss in den Prater zu gehen bald aufgegeben denn sie fürchteten den grellen stimmenlauten sonntagstrubel der in die feierliche Stille des prächtigen
  166. Parkes bricht ihr Prater das waren die breiten wohlgepflegten Alleen mit den uralten kastanienbäum die weiten schweifenden Auen die in
  167. dunklen Waldungen enden und die hellen wiesen die sich in sattem Glanze sonnen und nichts mehr von der Millionenstadt wissen die in unmittelbarer Nähe atmet
  168. und stönnt aber am Feiertag verliert sich dieser Zauber und verbirgt sich vor den überströmenden Scharen er schlug vor gegen Döbling zuzugehen aber weit hinter
  169. den eigentlichen netten Ort mit seinen freundlichen weißen Häuschen die so kokett aus der dunklen Umhüllung schmucker Gärten herausblitzen er wusste
  170. dort ein paar Stille und stimmungsvolle Wege die durch schmale Akazienblüten beschneite Alleen sanft in die weiten Felder hinüberführen und die gingen sie
  171. auch heute sie kamen in den stillen Ort mit seinem fast ländlichen sonntagsfrieden der sie auf ihrem ganzen Spaziergange wie ein milder unfassbarer
  172. Duft begleitete manchmal sahen sie sich an und fühlten wie reich ihr Schweigen war wie es die ganze selige Empfindung des
  173. vollströmenden Frühlings trug und mehrte die Felder waren noch niedrig und grün aber der segenschwere Duft der warmen spendenden Erde kam zu ihnen wie
  174. ein verheißungsvoller groß Ferne lag der karlenberg und der Leopoldsberg mit seinem uralten Kirchlein von dem die Wand steil abfiel bis zur Donau hinab
  175. und dazwischen viel reiches Land meist noch braun und unbestellt und voll gewertiger Saat aber dazwischen schon viereckige Flächen mit gelber werdende
  176. Frucht die sich eckig und unvermittelt vom dunklen Erdreich abhoben wie abgerissene und zerschlissene Fetzen auf dem gebräunten kraftvollen Körper eines
  177. arbeitsharten werkmahs und W ein blauer Bogen darüber ein heiterer Frühlingshimmel gespannt in den die flinken Schwalben mit zwitscherndem
  178. Jubel hineinsegelten als sie durch eine alte breite akazienallee kamen erzählte er ihr dass dies beethofens lieblingsgang
  179. gewesen sei auf dem er im Spazierengehen viele seiner tiefsten Schöpfungen zuerst empfunden habe der Name stimmte sie beide ernst und feierlich sie dachten an
  180. seine Musik die ihnen ihr Leben in vielen begnadeten Stunden reicher und inniger gemacht hatte alles schien ihnen deutender und größer da sie an ihn
  181. dachten sie empfanden die Majestät der Landschaft deren fröhliche Heiterkeit sie nur vorher geschaut und der Schwere satte Duft der Sonne glühenden
  182. fruchtschwellenden Erde gab ihnen das geheimste Symbol des Frühlings ihr Weg ging weit durch die Felder Erika ließ im Vorübergehen das unreife Korn durch ihre
  183. Finger Rauschen aber sie fühlte es gar nicht wenn ab und zu ein Halm unter ihrer Hand zerknickte das weigen zwischen ihnen gab ihr seltsame und
  184. tiefe Gedanken in diee sich träumend verlor es waren milde und heimliche Liebesgefühle in ihrer wacht aber sie dachte nicht an ihn der ihr zur Seite
  185. ging sondern an alles das um sie war und lebte an das Korn das sich leise im Winde wiegte undter die Menschen denen es Arbeit und Glück schenkte sie dachte
  186. an die Schwalben die sich im Himmel hoch verfolgten und dann die Stadt die fern unten in einer grauen dunstkapuzze eingehüllte rüberers schaute sie fühlte
  187. wieder die allumfassende Gewalt des Frühlings in sich wie ein Kind das mit frohen Sprüngen zum ersten Male jubelnd in das mildströmende Sonnenlicht
  188. hinausstürmt sie gingen lange in den Wiesen und Feldern inzwischen neigte sich der Nachmittag seinem Ende zu es war noch
  189. nicht Abend aber das scharfe Licht ging allmählich in eine weiche verhauchende Mattigkeit über die sein nahen verkündigte und in der Luft zitterte ein
  190. leiser blassrosa Ton Erika war ein wenig müde geworden und um sich auszurasten und ein wenig auch aus Neugier gingen sie in ein kleines
  191. Wirtshaus am Wege aus dem ihnen fröhliche Stimmen in buntem Durcheinander entgegenklangen im Garten setzten sie sich nieder an den
  192. Nachbartischen saßen Familien aus der Vorstadt bessere Leute mit gemütlichen Minen und lauten ungezwungenen Stimmen die den Sonntag nach wienerart mit einem
  193. Ausflug feierten rückwärts und in einer lau bewahren ein paar Musikanten drei oder vier Leute die am Wochentag in der Stadt bettelnd herumzogen und nur des
  194. Sonntags ein Dach über sich hatten aber sie spielten die alten abgeleierten Volksweisen recht gut und wenn Sie einen besonders flotten und populären Schlager
  195. begannen so fielen bald alle Stimmen ein und sangen die Melodie aus voller Kehle mit auch die Frauen stimmten ein Niemand genierte sich alles war hier
  196. Gemütlichkeit und behäbige Zufriedenheit Erika lächelte ihm über den Tisch zu aber ganz verstohlen dass ich niemand beleidigt fühlte ihr
  197. gefielen diese schlichten unkomplizierten Leute mit den einfachen Empfindungen und trieben die sich nicht verbergen konnten und ihr gefiel die
  198. behaglich ländliche Stimmung die kein Fremder Einschlag trübte der Wirt ein breiter gutmütiger Mann kam mit jovialem Lächeln zum Tisch
  199. her er hatte in seinem Gast einen vornehmen Mann bemerkt den er selbst bedienen wollte er fragte ob er ihm Wein bringen dürfe und als das bejaht wurde
  200. erkundigte er sich ob das Fräulein Braut auch etwas Wünsche erika wurde blutrot und wusste ihm im ersten Augenblick nichts zu antworten dann nickete sie nur
  201. verwirrt mit dem Kopf ihr Bräutigam saß gegenüber und obwohl sie ihn nicht ansah fühlte sie seinen lächelnden Blick der sich an ihrer Verwirrung weidete sie
  202. schämte sich eigentlich wie ungeschickt sie sich benahm einer naturgemäßen Verwechslung halber aber sie wurde das peinliche Gefühl nicht mehr los und mit
  203. einem Male war ihr die Stimmung verdorben jetzt fühlte sie erst wie abgehackt und maschinenmäßig die Leute ihre Lieder abdudelten jetzt erst hörte
  204. sie das hässliche brüllen und Poltern der bierbässe die in toller Freude mitjohten am liebsten wäre sie weggegangen aber da begann der Geige ein
  205. paar seltsame Takte mit weichen süßen Strichen spielte er einen alten Walzer von Johann Strauß und die anderen stimmten schmiegsam in die
  206. weiche liebelodie ein Erika fühlte wieder erstaunt was für zwingende macht die Musik über ihre Seele habe denn mit einem Male war eine Leichtigkeit in ihr
  207. und dann wiegen und schweben und die Süßigkeit der Melodie ließ sie fremde versworte Mitsingen ganz leise mitsummen ohne dass sie es recht wusste sie spürte
  208. nur dass wieder alles gut und froh sei und das Blühen des Frühlings fühlte sie wieder und ihr eigenes tanzendes Herz als der Walzer zu Ende war stand er
  209. auf und ging sie folgte ihm gern denn sie verstand sofort seine Absicht sich die packende Gewalt der Melodie und ihre sonnige Innigkeit nicht durch einen öden
  210. Gassenhauer zerstören zu lassen und sie gingen den schönen Weg gegen die Stadt zu wieder zurück die Sonne war schon sch gesunken
  211. nur hinter den Kanten der Berge durch die goldumglühten Bäume sickerten feine lichtbächeer von seltsam rosiger Färbung hinab ins Tal es war ein wundersamer
  212. Anblick ein rötliches Leuchten stand am Himmel wie von einem fernen Brande und tief unten über der Stadt wölbte sich der Dunst in der intensiven
  213. strahlenfärbung wie ein purponerball und alle Geräusche verklangen im Abend in sanfte Harmonie der Ferne sang von heimkehrenden Ausflüglern begleitet von
  214. einer Harmonika das immer lauter werdende helle gezirb der Grillen und das unbestimmte sausen und Rauschen und Raunen das in allen Blättern lebte in
  215. allen Ästen wisperte und selbst in der Luft zu suchen schien plötzlich ganz unvermittelt fielen ein paar Worte von ihm in ihr
  216. feierliches fast andächtiges Schweigen hinein Erika das war doch komisch wie sie der Wirt meine Braut nannte und dann ein Lachen ein mühseliges gezwungenes
  217. Lachen Erika fuhr aus ihrer Träumerei was wollte er damit sie fühlte dass er ein Gespräch beginnen erzwingen wollte sie
  218. hatte Furcht eine dumme sinnlose dunkle Angst sie gab keine Antwort nicht das war doch komisch und wie sie rot geworden sind sie sah hinüber um seinen
  219. Gesichtsausdruck zu betrachten wollte er sie verspotten nein er war ganz ernst und sah sie gar nicht an er hatte es absichtslos gesagt aber er wollte eine
  220. Antwort haben jetzt fühlte sie erst wie gezwungen er das gesagt hatte wie um einen Anfang zu machen es war ihr so bange und sie wusste nicht warum aber
  221. etwas musste sie sagen er wartete ja darauf mir war es weniger komisch als peinlich ich bin nun einmal so dass ich scherze nicht recht verstehen kann sie
  222. sagt es und abschließend fast wie gereizt dann stellte sich wieder ein Schweigen zwischen beide aber es war keine selige Stille vereinten Genießens
  223. mehr wie früher kein sympathetisches Ahnen und Erfassen der Ungeborenen Empfindung sondern ein schweres und dunkles Schweigen das ein verschweigen
  224. war von irgendetwas drohendem und drängendem und sie hatte plötzlich Angst vor ihrer Liebe dass sie auch so schmerzhaft und verzehrend werden sollte
  225. wie jedes Glück das ihr n wie die wehmüen und leisen Bücher über denen sieinte und die doch ihr liebstes waren und wie die brnendenen der tonflutenden
  226. trister und diee die ihr höchste Seligkeit beuteten und sie doch quälten wie ein Schmer das schweigenückte sie immer mehr und mehr und wurde wie ein
  227. dunkler schwerer Nebel der sich schmerzhaftre Augen legte allmählich befre sie sich erstus ihrer Bangigkeit sieollte ein machen ihn klar unden
  228. Fragen mir ist so als wollten sie mir et verschweigen was ist Ihnen einen momentb ruhig dann sah er sie anunklen uneweglichen
  229. augsternen erlete und sah siech einmal anefer und sicherer und seine Stimme klang seltsam voll undodisch ich habe es nicht seit kurzi ich erst
  230. ich seh m ihen Erika abbebte sie hatte die Augen zu Boden gerichtet aber sie spürte dass er sie ansehe tief fragend
  231. durchdringend sie dachte nun an das letzte Mal wie sie bei ihm war und der sie geküsst hatte sie hatte ihm damals nichts gesagt aber ihr Herz war ungestüm
  232. erwacht sie wusste nicht ob in Zorn oder Scham und das Bangen hatte sie erfasst dass sie sonst spürte wenn er so glühende und leidenschaftliche Lieder
  233. spielte jenes selige grauen mit ab gründen und Seligkeiten ohne Ende was sollte jetzt kommen oh Gott oh Gott sie fühlte dass er weitersprechen würde und
  234. sehnte sich danach und fürchtete sich doch sie wollte es nicht hören sie wollte die Felder sehen ja den Abend den herrlichen Abend nur nichts hören nichts
  235. hören nur die Stadt ansehen mit ihrem dunklen Nebel die Stadt und die Felder und die Wolken da oben die Wolken wie sie rasch am Himmel
  236. se en ganz wenige waren noch oben ein Z 3 4 fünf ja fünf Wolken nein nur vier waren es vier aber da begann er zu
  237. sprechen ich habe lange Angst gehabt vor meiner Leidenschaft Erika ich habe immer geahnt dass sie kommen werde und habe es nie glauben wollen nun ist sie da ich
  238. weiß es seitdem Sie das letzte Mal bei mir waren seit gestern einen Moment schwieg er und holte Atem aus tiefster Brust und das macht mich traurig
  239. unendlich traurig ich ich weiß dass ich sie nicht heiraten kann ich weiß es würde mich meine Kunst Kosten das kann kein Fremder verstehen sie werden es
  240. verstehen meine liebe liebe Erika nur ein Künstler kann das verstehen und sie haben eine reiche unendlich reiche Künstlerseele und sie sind doch klug wir
  241. können nicht mehr weiter so zusammen verkehren es muss ein Ende gemacht werden er hielt inne Erika fühlte dass er noch nicht zu Ende war am liebsten
  242. wäre sie vor ihm bettelnd hingesunken und hätte ihn gebeten jetzt nicht weiter zu sprechen sie wollte jetzt nichts hören nichts verstehen nein sie wollte
  243. nicht und angstvoll begann sie wieder die Wolken zu zählen aber die waren schon weg Weg nein dort war noch eine eine die letzte rosig
  244. überhaucht wie ein stolzer Schwan der den dunklen Strom hinabsegelt wieso fiel das Bild ein sie wusste es nicht ihre Gedanken wurden
  245. immer wirre sie fühlte nur dass sie bloß an die Wolke denken wollte die zog jetzt fort ja sie zog fort über den Berg hin sie spürte wie ihr ganzes Herz an
  246. ihr hing wie sie sie am liebsten mit ausgestreckten Händen gehalten hätte aber sie ging sie lief lief schneller immer schneller und
  247. jetzt jetzt war sie verschwunden und Erika hörte nun wieder klar und unabänderlich seine Worte unter denen ihr Herz in blinder Angst
  248. erbebte ich weiß nicht ob du mich so kennst ich glaube nicht ich meine immer dass du mich überschätzt ich bin kein großer Mensch ich bin keiner von denen
  249. die die über dem Leben stehen in ihrer sicheren Selbstgenügsamkeit ich wollte ich wäre so aber ich bin es nicht ich klebe am
  250. Leben ich bin nicht eben viel mehr als einer der das begehrt was er liebt ich bin nur so wie alle Männer sind ich verehre nicht nur die Frau wenn ich sie
  251. liebe ich verlange sie auch und mit Fremden will ich dich nicht betrügen ich will nicht dass du mich verachtest du bist ist mir zu lieb dazu Erika war
  252. blass geworden nun erst verstand sie was er meinte und sie wunderte sich dass sie nicht früher daran gedacht mit einem Male war sie wieder ruhig geworden es
  253. war alles gekommen wie es kommen musste sie wollte ablehnend sprechen aber sie vermochte es nicht das sanfte dusene Rede hatte sie eigentlich überwältigt
  254. mit seiner liebevollen Innigkeit sie verspürte wieder wie sie ihn lie das Bewusstsein kam ihr plötzlich wie ein vergessenes Wort das wiederkehrt sie
  255. fühlte auch wie schwer sie ihn verlieren könnte wie viel geheime Kräfte sie mit ihm verbanden wie ein Traum war ja alles er sprach weiter und seine Stimme wurde
  256. mild wie eine Liebkosung sie fühlte seine Hand in ihren zärtlichen Fingern ich weiß nicht ob du mich geliebt hast ob du mich so geliebt hast wie ich dich
  257. jetzt mit der letzten hingab und mit dem grenzenlosen Essen an alle Kleinlichkeiten mit jener heiligsten Liebe die nur schenken und nichts
  258. verweigern kann und ich glaube nur an die Liebe die Opfer bringt um ihrer selbst willen und nun ist alles zu Ende und ich habe dich darum nicht minder
  259. lieb Erika war wie von einem Rausch befangen ein sanfter Schauer überlief sie sie wusste nur dass sie ihn verlieren sollte und nicht konnte und
  260. dass sie hoch über dem Leben stand alles war so fern so weit abendstille lag über den Tälern und sanfte Feierlichkeit die Stadt war fern und ihr gebrause und
  261. alles was an Wirklichkeit erinnerte sie fühlte sich in sonnigen Höhen weit weit oben über alle Hässlichkeit und Kleinlichkeit mit ihrer opferfreudigen
  262. freien und spendenden Liebe mit ihrer seligen Macht des glückvschenkens keine Gedanken kein kluges rechnendes besinnen war mehr in
  263. ihr nur Gefühle jauchzende überströmende Gefühle wie Sie sie nie gespürt die Stimmung überwältigte sie und ihr eigenstes wollen und so sagte sie leise
  264. und schlicht ich habe niemanden auf der Welt als dich und dich will ich glücklich machen alle Scham war von ihr gewichen
  265. wie sie zu ihm sprach sie wusste nur dass sie mit einem Worte viel viel Glück verschenken konnte und sah nur seine leuchtenden Augen und ihren dankbar
  266. und er beugte sich nieder und Küste miter Ehrfurcht ihren Mund ich habe nie an dir gezweifelt dann gingen sie den Weg hinab
  267. der Stadt nach Hause zu langsam kamen sie wier in die dunkle tagesmüde Stadt und es war Erika als
  268. stiegen sie von den leuchtendennen eineseligen Traumes inste kalte underbliche le nieder mit Fremden und ängstlichen blicken trat
  269. sie in die nebeleuchten vorstadtgassen die vom hässlichen und aufdringlichen Lärm und Dunst erfüllt waren und ein Gefühl schmerzhafter öde senkte sich auf
  270. sie herab sie fühlte sich bedrückt von den rauchigen Häusern die sich dunkel über ihr zueinander drängten ein finsteres Symbol des Alltagslebens das
  271. ich mit rücksichtsloser drohender Gewalt in ihr Schicksal presste um es zu zermalmen sehr Schrag beinahe als er sie plötzlich mit einem liebeswort ansprach
  272. und sie erstaunte dass sie die zärtlichen Minuten und ihr Versprechen beinahe vergessen hatte wie fremd ihr alles hier plötzlich geworden war in
  273. dieser dumpfen beengenden Umgebung was ihr früher die jähe impulsivkraft einer rauschstimmung entlockt hatte sie sah ihn an ganz vorsichtig von der Seite
  274. seine Stirne war kraftvoll gefaltet und um den Mund lag die Ruhe eines selbstsicheren alles war unbeugsame und selbstgefällige Männlichkeit in seinem
  275. Gesichtsausdruck nirgends die sanfte Melancholie die sonst seine Kräfte in eine schöne Harmonie bannte nur triumphierende Härte die vielleicht eine
  276. lauende Sinnlichkeit war langsam wandte Erika den Blick noch nie war er ihr so fremd und so ferne gewesen wie in diesem Augenblick und plötzlich hatte sie Angst
  277. toll vol unbändige Angst mit einem Male wachten tausend erschreckte Stimmen in ihr auf die warnten und lärmten und sich selbst überschrien was sollte jetzt
  278. kommen sie fühlte es nur dunkel denn sie wagte es nicht auszudenken alles empörte sich in ihr gegen das Versprechen dass ihr eine Minute der Schwäche entrissen
  279. hatte und ihre heiße Scham brannte wie eine Wunde sie war nie sinnlich gewesen das spürte sie nun in allen Tiefen ihres Herzens sie hatte kein Begehren nach
  280. einem nur Abscheu vor der brutalen zwingenden macht nur Ekel empfand sie in diesem Augenblick und alles verfinsterte sich
  281. vor ihren Blicken und bekam eine hässliche und niedrige Bedeutung der leise armdruck den sie fühlte die Liebespaare die im Nebel auftauchten und
  282. sich wieder verloren jeder zufällige Blick der sie im Vorübergehen traf deutlich und zornig klopfte ihr Blut an den schmerzenden Schläfen mit einem Male
  283. wart ihr die Tiefe schmerzlichkeit ihrer Liebe bewusst die unter den Enttäuschungen bebte wie unter züchtigenden
  284. Schlägen was immer geschehen war musste wieder Erlebnis werden die Sinnlichkeit des Mannes mordete die sanfte Liebe des Mädchens und ihrer heiligsten Schauer
  285. das Glück das wie schimmernde abendwolken über dem Dunkel gehangen war nun zerbrochen und die Nacht begann aufzusteigen schwarz und schwer mit
  286. drohender leidvoller Stille und unbarmherz im Schweigen ihre Füße wollten kaum weiter sie merkte dass er den Weg gegen seine Wohnung nahm und
  287. dieses Bewusstsein betäubte sie sie wollte ihm alles sagen wie Ihre Liebe ganz anders sei als die seine wie sie nur das Versprechen gegeben im Banner
  288. einer Stimmung die ihr nervöses empfinden unterlegen und wie sich alles in ihr aufbäume gegen diese vorbesprochene
  289. Liebesszene aber die Worte fanden keine laute nur finstere und drängende Empfindungen die ihre Seele quellten und materten ohne sie zu befreien dunkle und
  290. Bange Erinnerungen streiften sie wie mit schwarzschattenen schwingen und eine kam immer wieder eine seltsam und doch so alltägliche Geschichte von einem Mädchen
  291. die mit ihr zur Schule gegangen war die hatte sich eineem Manne hingegeben und als er sie verließ aus Rache und Zorn einem anderen und dann wiederum an
  292. sie wusste selbst nicht mehr warum und Erika erschauerte immer wenn sie an dieses Mädchen dachte durch deren Leben die Liebe gegangen war wie ein dunkler
  293. wettersturm und das gewaltsame Widerstreben in ihr war mehr als die erste Scham eines unbefleckten Mädchens das vor dem Unbekannten Geschehen bankt
  294. es war die schöne Schwäche einer zarten und schwächlich scheuen Seele die das laute Leben fürchtet und seine brutale
  295. Hässlichkeit aber das Schweigen blieb kalt und scheiden zwischen den beiden die nebeneinander hergingen Arm in Arm gern wollte Erika den ihren losmachen
  296. aber es war als hätten ihre Glieder jede Bewegungsfähigkeit verloren nur die Füße schoben sich in traumhafter Gleichförmigkeit nach vorwärt und ihre
  297. Gedanken wurden immer wirrer und schossen durcheinander wie Pfeile die sich mit feinen brennenden Wiederhaken in ihrem Gehirn festbohrten und darüber
  298. legte sich immer dichter die schwarze Wolke der kraftlosen Furcht und der verzweifelten Ergebung in Gebet wagte sich immer wieder auf ihre Lippen dass
  299. jetzt plötzlich alles vorbei sein sollte ein großes dunkles schmerzloses nichts ein nicht fühlen und ein nicht mehr denken müssen ein aufhören J und
  300. unvermittelt wie das Erwachen das aus einem bösen Traume befreit plötzlich blieb er stehen sie fuhr auf und
  301. erschrak sie waren vor dem Hause in dem er wohnte eine Minute blieb Herz ohne Schlag ruhig ganz unbeweglich aber dann begann es wieder
  302. zu pochen hastig und wild mit hämmernder Angst und steigender Schnelligkeit er sagte ihr ein paar Worte liebe süße Worte sie hatte ihn
  303. beinahe wieder gern in diesem Augenblick so herzlich und feinfühlig sprach er zu ihr aber als er ihren Arm fester erfasste und ihren widerstandslosen
  304. Körper mit sanfter zärttigkeit drängte da kam wieder die alte dunkle Angst und sie war betäubender und furchtbarer denn je es war ihr so als müsste plötzlich in
  305. ihr die Stimme freigebunden werden und laut betteln und bitten dass er sie freigebe aber ihre Kehle blieb stumm und verschlossen halb beewusstlos ging sie
  306. an seinem Arm durch das große düstere Tor jenen Schmerz des unabwendbaren in der Seele der so tief ist dass man ihn nicht mehr als Leid empfindet eine
  307. dunkle Wendeltreppe gingen sie hinauf sie fühlte die kalte muffige Kellerluft und sah die gelben zitternden gaslichter die im kühlen hauche bebten jede Stufe
  308. spürte sie alle diese Bilder glitten an ihr vorüber wie die Vorstellungen knapp vor dem Einschlafen flüchtig und doch scharf tief eindringend und doch wieder
  309. verfliegend im nächsten Augenblicke nun standen sie in einem Gang sie wusste es vor seiner Tür er ging voraus und ließ ihren Arm einen
  310. Augenblick Erika ich will nur Licht machen sie hörte seine Stimme von innen wie er hineinging und dort ein Licht anzündete der Augenblick gab ihr Mut und
  311. erwachen die Furcht kam plötzlich über sie wie ein fieberschauer der die krampfhafte starre löste und blitzchnell stürmte sie wieder die Treppe hinab ohne
  312. in ihrer wahnsinnigen Eile auf die Stufen zu achten rasch nur rasch vorwärts ihr war noch als ob sie seine Stimme von oben hörte aber sie wollte
  313. gar nicht mehr zur Besinnung kommen sondern lief und lief ohne innezuhalten immer vorwärts eine wilde Angst war in ihr erwacht dass er ihr nachfolgen könne
  314. und eine Angst vor ihr selbst sie möchte zu ihm zurückkehren und erst als sie mehrere Straßen weit war und plötzlich sich in einer fremden Gegend sah blieb
  315. sie mit einem tiefen Seufzer stehen um dann langsam der Richtung ihrer Wohnung zuzuschreiten es gibt lere inhaltslose Stunden die Schicksal in sich
  316. bergen sie steigen auf wie dunkle gleichgültige Wolken die kommen um sich wieder zu verlieren aber sie bleiben hartnäckig und
  317. trotzig und wie ein schwarzer steigender Rauch lösen sie sich auf werden ferner und breiter bis sie schließlich mit mattem schwermütigem grau unbeweglich
  318. über dem Leben schweben ein Schatten der sich unabwendbar und eifersüchtig an die Minute heftet und immer wieder seine drohende Faust
  319. erhebt Erika lag auf dem so in ihrem dunkel heimlichen Zimmer den Kopf in die Kissen gepresst und weinte sie fand keine Tränen aber sie spürte sie in sich
  320. verfließen heiß quellend und anklagend und manchmal lief der jähe Schauer eines schluchzens über ihren Körper sie fühlte wie ihr diese schmerzvollen Minuten
  321. Erlebnis wurden wie mit der ersten großen Enttäuschung sich das Leid tief in ihre Seele einsog die sich ihm ahnungsvoll erschloss eigentlich bebte
  322. der Triumph in ihrem Herzen dass ihr die Flucht gelungen war noch im letzten entscheidenden Augenblicke aber es wollte keine helle blinkende Freude und
  323. kein Jubel werden sondern blieb stumm wie ein Schmerz denn es gibt Naturen in denen alle großen Ereignisse und alle überragenden Geschehnisse mit der
  324. allgemeinen Erschütterung der Seele auch die vorklingende dumpfe Seite einer verborgenen schmerzlichkeit und innigen Melancholie anschlagen deren klingen so
  325. laut und drängend wird dass alle anderen Stimmungen sich selbstlos in ihr auflösen und so war die Erika Ewald sie trauerte um ihre Liebe die jung und
  326. schön gewesen war wie ein spielendes Kind das ich im Leben verliert und Scham war in ihr heiße brennende Scham dass sie entflohen war wie ein stummes
  327. hilfloses Wesen statt ehrlich zu sein und zu ihm zu sprechen kühl und mit herbem stolz dem er sich hätte fügen müssen und sie dachte an ihn und ihre
  328. Liebe mit einem so seligen Schmerz und einer heißen Ängstlichkeit und alle Bilder kamen wieder und Wirten durcheinander aber sie waren nicht mehr
  329. hell und froh sondern dunkel beschattet von der Wehmut der Erinnerung draußen ging eine Türe se schreag J und unvermittelt
  330. ängstlich horchte sie jedem Geräusch und suchte sich jede leise klangerregung zu deuten in einem unbestimmten Gedanken den sie nicht recht zu denken
  331. wagte da trat ihre Schwester ein Erika war verwirrt sie erstaunte dass sie nicht daran nicht an das nächstliegende gedacht hatte dass ihre Schwester kommen
  332. müsse und sie spürte wieder mit einem merkwürdigen Gefühle wie fremd wie ungeheuer fern ihr doch all diese Leute waren mit denen sie
  333. lebte die Schwester begann sie über den Nachmittag zu fragen Erika antwortete ungeschickt und wie sie merkte dass sie uns sicher sei wurde sie hart und
  334. ungereicht man sollte sie nicht immer mit Fragen belästigen sie kümmere sich auch um niemanden und außerdem habe sie jetzt Kopfschmerzen und wolle Ruhe haben
  335. die Schwester erwiderte nicht sondern ging aus dem Zimmer mit einem Male fühlte Erika wie ungerecht sie gewesen war und Mitleid empfand sie mit diesem
  336. stillen schicksalsergebenen Wesen das nichts erlebte und auch nicht bat darum das nicht besaß vom Leben nicht einmal einen
  337. reichen adelnden Schmerz wie sie selbst es brachte sie wieder zu ihrem Gedanken zurück und die zogen heran und verloren sich in der Ferne schwere
  338. schwarzbeschwinkte Boote die sich durch die dunkle Flut gerungen ohne Lärm und Rauschen ohne Färbung und tief einschneidende Spur nur von Unbekannten
  339. und unsichtbaren treibenden Gewalten gesendet und gelenkt aber ihre trübe Stimmung zitterte in Erikas Seele fortschwingend
  340. und löste sich nach dunkelschweren Stunden in einer Müdigkeit der sie sich willenlos
  341. ergab die nächsten Tage brachten für Erika nur harren und Bangen im Geheimen wartete sie auf einen Brief eine Nachricht von seiner Hand sie sehnte
  342. sich selbst nach einem Schreiben mit harten unbarmherzigen Vorwürfen und zornigen Worten denn sie wollte einen Abschluss haben ein
  343. dass ich über die Vergangenheit legte und ihr das geheime hinübertreten in ihre kommenden Tage verwehren sollte oder es sollte ein Brief sein mit milden
  344. verstehenden Worten die zu ihrer Seele gingen und sie wieder zurückführten in den Reigen der Seligen Stunden aus dem sie
  345. geschieden aber keine Botschaft kam kein Zeichen stellte sich zwischen sie und die quälende Ungewissheit denn Erika war noch viel zu sehr im Banne ihrer
  346. Empfindungen und Erregungen um zu wissen ob ihre Liebe zu ihm noch lebte oder ob sie schon gestorben war oder sich am Ende im umwandlungszustand der neuer
  347. Phasen befand von denen sie noch nichts ahnte sie spürte nur die Unruhe und Verworrenheit in sich die fortwährende Spannung die sich nicht lösen wollte und
  348. in ihr gereizte und hässliche Stimmungen erweckte nervös und mit Kopfschmerzen ging sie in die Stunden die ihr furchtbarer wurden als je weil sie alles
  349. Falsche und unharmonische viel schärfer spürte und jedes Geräusch irritierte sie die Außenwelt wurde ihr unerträglich in ihrem lauten hasten und drängen und
  350. selbst die eigenen Gedanken verloren ihre sanfte wohltunde traumhaftigkeit und bekamen harte einschneidende Spitzen in jedem Dinge verbarg sich ihr eine
  351. geheime feindsäigkeit und eine trotzige Absicht die sie verletzen wollte die ganze Welt die sie umschloss schien ihr nur mehr ein großes dunkles Gefängnis
  352. mit tausend verborgenen matwerkzeugen undter blindeten Scheiben die dem Lichte den Eingang verwerten und diese Tage waren ja
  353. unerträglich lang und wollten kein Ende nehmen Erika saß beim Fenster und wartete auf den Abend der ihr ein wenig Frieden
  354. brachte mit der sanften Milderung aller Kontraste wenn die Sonne sich langsam hinter den Dächern zu senken begann und immer matter und mehr abgedunkelt die
  355. widerscheine nachzitterten wurde alles in ihr stiller und ruhiger dann fühlte sie auch dass ihr ganzes Denken und Fühlen jetzt anders und fremder werden
  356. wollte dass neue Geschehnisse und neue Gefühle vor der Pforte ihres Lebens standen und lärmten und Einlass begehrten aber sie achtete ihrer nicht
  357. denn sie glaubte die Regungen die in ihr wuchsen und sich formten sein nur die letzten verscheidenden Zuckungen ihrer sterbend in
  358. Liebe so gingen zwei Wochen dahin ohne dass Erika eine Nachricht von ihm empfangen hätte alles schien vorüber zu sein und vergessen ihre Traurigkeit und
  359. Unbeständigkeit verlor sich noch nicht aber sie befreite sich von ihrer hässlichen gereizten Form und fand verfeinerten und durchgeistigten
  360. Ausdruck die schmerzlichen Empfindungen lösten sich leise und lind in schwermütigen Liedern Melodien mit tiefen verhalten mollklängen und
  361. melancholisch wehklingenden Akkorden manche Abende spielte sie so ohne Gedanken sich in sanfte Abirrung vom eigentlichen Motive zu
  362. selbstgeschaffenen Verbindungen hinwendend immer leiser und leiser werdend wie die Geschichte ihrer so leidvollen Liebe die nun langsam in
  363. Vergangenheit verrennen wollte auch begann sie wieder zu lesen jene herrlichen Bücher wurden ihr wieder nahe denen die Schwermut entströmt wie
  364. ein schwerer betäub Duft aus seltsam dunkelen und melancholischen Blüten die Marie Gruppe kam ihr wieder zur Hand der das harte Leben eine
  365. heilige und tief innige Liebe zerstört und die unglückliche Madame bovarie die nicht entsagen wollte und ihr schlichtes Glück verstieß und das unsägliche
  366. rührende Tagebuch der Maria baskcheev l sie zu der die große Liebe nie gekommen war ob i auch ein reiches und sehnsuchtsvolles Künstlerherz
  367. erwartungsvoll die Hände entg hielt und ihre gequälte Seele tauchte in diesem fremden Schmerze unter um den eigenen zu verlieren und zu vergessen aber manchmal
  368. kam man Erschrecken über sie ind dem Furcht sich dem stolze verschwisterte denn Worte kamen ihren Blicken entgegen die auch in ihrem eigenen Leben standen
  369. und deren schicksalsschweren Sinn sie verstand und nun fühlte sie wie ihre Geschichte nicht Ungerechtigkeit und Hass des Lebens verkündigte sondern nur
  370. schmerzlich war weil ihr der frohe tänzerschritt deines lachenden unbedeutenden Temperamentes fehlte der rasch vergessend die dunklen aber
  371. geheimnisreichen Abgründe des Schmerzes überspringt nur ihre Einsamkeit senkte sich noch drückend auf sie herab niemand stand ihr nah eine sonderbare Scham sich
  372. mit ihren tiefen und geheimen Schönheiten einem Fremden zu geben hatte sie von allen Freundinnen abgewandt und er fehlte auch der selig vertrauende
  373. glaube der frommen der zu einem Gotte spricht und ihm die verschwiegensten Geständnisse zu eigen gibt der Schmerz der von ihr ausging floss wieder in ihre
  374. Seele zurück und dieses unaufhörliche sich selbst anvertrauen und zergliedern gab ihr schließlich eine dumpfe Müdigkeit und hoffnungslose Trägheit die
  375. nicht mehr mit dem Schicksal Ringen wollte und mit seinen verborgenen Gewalten sonderbare Gedanken überkamen sie wenn sie vom Fenster auf die Gasse
  376. herabsah sie sah Leute in wildem durcheinander Liebespaare die in seliger Versunkenheit vorübergingen dann wieder hastende Burschen vorbeischießende
  377. Radfahrer rasch dahin rollende Wagen mit schwirrenden Rädern Bilder des Tages und der Gewöhnlichkeit aber ihr war alles das so fremd wie von ferne aus einer
  378. anderen Welt schaute sie zu als könnte sie nicht verstehen warum diese Wesen so alilten und und vorbeistürmten wenn alle Ziele so klein und verächtlich waren als
  379. ob es etwas reicheres und seligeres geben könnte als den großen Frieden in dessen Bann alle Leidenschaften schlafen und alle sehensüchte der doch wie eine
  380. wunderwirkende Quelle war in deren milder und geheimniskräftiger Flut sich alles kranke und hässliche ablöste wie eine läs die gchicht und wozu dann alle
  381. die Kämpfe und Überwindungen und wozu die he nimmer müde Sehnsucht die niemanden zurückweichen lässt so dachte die Erika Ewald manchmal
  382. und lächelte über das Leben denn sie wusste nicht dass auch der Glaube an diesen großen Frieden nur eine Sehnsucht ist das Innigste und unvergänglichste
  383. Begehren das uns nicht zu uns selbst gelangen lässt sie glaubte ihre Liebe überwunden zu haben und dachte ihre wie man eines toten gedenkt die Erinnerungen
  384. bekamen milde versöhnliche Farben vergessene Episoden tauchten wieder auf und zwischen Wirklichkeit und sanfter Träumerei liefen geheime verbindende
  385. Fäden hin und her bis sie sich unlöslich verwirrt hatten denn sie träumte von ihrem Erlebnis wie von einem eigenartigen und schönen Roman den man
  386. vor langem gelesen seine Gestalten treten langsam wieder heran und sprechen die Worte die bekannt sind und doch so ferme alle Räume werden wieder sichtbar
  387. wie erleuchtet von einem plötzlich aufblitzenden Licht alles ist wieder wie einst und Erika dichtete sich in ihren Gedanken die sich am Abend berauschten
  388. immer wieder neue Abschlüsse dazu aber sie fand keinen rechten denn sie wollte ein mildes und versöhnliches Ende voll Hohheit und reifer Entsagung mit kühlem
  389. freundschaftlichem händereichen und tiefem verstehen langsam gaben ihr diese romantischen Träume den innigen glauben
  390. dass auch er jetzt ihrer Harre und den tausendseligen Schmerzen gedenke und diese Idee die sich in ihr allmählich zu einer unbeugsamen Tatsache verdichtete
  391. ließ das Vertrauen immer sicherer sich entfalten dass alles noch gut werden müsse und dass eine versöhnende abschließende Konsonanz die seltsam
  392. bewegte Melodie ihrer Liebe erlösen müsse nach langen langen Tagen wagte sich jetzt manchmal ein Lächeln über ihr ih Lippen wenn sie ihrer Liebe gedachte
  393. mit all ihren bitteren Wunden die nun vernaben wollten denn sie wusste noch nicht das ein tiefer Schmerz wie ein finsterer Gebirgsbach ist der sich
  394. unterirdisch mit unruhvollem Schweigen durch das Gestein wühlt und den ohnmächtigem Zorne lange an ungebahnten Pforten pocht und
  395. pocht aber einmal zersprengt er die Wand und stürmt mit haltlosem Jubel vern und Kraft vergeudend in die blühenden tale hinab die sich in heiterem ahnungslosem
  396. Vertrauen gewiegt sollte alles anders kommen als es Erika geträumt noch einmal trat die Liebe in
  397. ihr Leben aber sie war anders geworden nicht mehr so still und mädchenhaft nahte sie mit milden segnenden Geschenken sondern wie ein
  398. Frühlingssturm wie eine heiße begehrende Frau die brennende Lippen hat und die tief rote Rose der Leidenschaft im dunklen Haare trägt denn die
  399. Sinnlichkeit der Männer ist nicht wie die der Frauen bei jenen glüht sie vom Anbeginn von den Jahren der ersten Reife aber zu manchen Mädchen kommt sie
  400. vorerst in tausend Verhüllungen und gestalten sie schleicht sich als Schwärmerei ein und als selige Träumerei als Eitelkeit und ästhetisches genießen
  401. aber einmal kommt ein Tag da wirft sie alle Masken von sich und zerreißt die bergenden Höllen eines Tages war Erika alles
  402. bewusst geworden kein lautes Ereignis hatte ihr die Erkenntnis abgezwungen und auch kein Zufall vielleicht war es ein Traum gewesen mit verwirrenden Lockungen
  403. oder ein Buch mit heimlich verführender Gewalt vielleicht eine ferne Melodie die sie plötzlich verstanden oder ein fremdes blühendes
  404. Glück es war ihr nie klar geworden sie wusste nur plötzlich dass sie sich wieder nach ihm sehnte aber nicht nach gültigen Worten und schweigenden Stunden
  405. sondern nach seinen kraftvollen Armen und nach den heißen Lippen die einstmals verlangend auf den ihren gebrannt ohne dass diese ihre stummen bettelnden Worte
  406. verstanden vergebens widerstrebte ihre mädchenhafte Scham diesem Bewusstsein sie suchte der früheren Tage zu gedenken die nie auch nur ein schwacher Hauch
  407. schwüler Sinnlichkeit durchzittert sie suchte sich vorzulü dass diese Liebe schon längst tot und begraben sei indem sie jenes abends gedachte da sie aus
  408. seinem Hause mit innerlichem abscheug geflüchtet aber dann kamen Nächte da sie ihr Blut brennen fühlte von glühendem Begehren und ihre Lippen in die kühlen
  409. Kissen sich einknirschen mussten damit sie nicht stöhnten und seinen Namen hinausschrien in die stumme mitleidlose Nacht und da wagte sie sich nicht länger
  410. zu täuschen und die erkennt es machte sie erbeben nun wusste sie auch dass die dumpfen Wallungen die Sie in allen
  411. diesen Tagen empfunden nicht das Absterben ihrer schönen und hellen liebe bedeutet hatten sondern das langsame Keimen dieser drängenden Gewalten die
  412. nun ihre Seele durchwühlten und mit sonderbarer scheue dachte sie dieser Neigung die so schlicht und alltäglich gewesen war und der doch unablässig neue
  413. Schmerzen entsprossen die feindlichen eines dunklen Geschickes in dieser Leidenschaft welche wie ein später Herbst gekommen war der seine Früchte in
  414. die leeren fröstelnden Felder wirft einte sich die Kraft der Unberührbarkeit mit der Fülle der unverbrauchten Jugendtage die nie unter den drängenden
  415. Krisen des Blutes gelitten eine stürmische siegende Gewalt war in ihr gegen die es kein Widerstreben gab und kein verweigern weil sie über alle
  416. Schranken sprang und die letzte Überlegung ertötet Erika ahnte noch nicht wie schwach sie gegen diese jähe Leidenschaft war sie
  417. fühlte nur das Verlangen in sich siegreich werden dass sie ihn wiederehen müsse sei es auch nur von der Ferne ganz von fern ohne bemerkt zu werden ohne
  418. dass auch eine Ahnung ihn überkommen könne dass sie ihn sehe und [Musik] ersehne sie holte sich wieder seine
  419. Fotografie hervor die in einer versteckten lade beinahe verstaubt war und brachte ihr eine sonderbare Verehrung entgegen sie küsste in
  420. glühender Leidenschaft seinen Mund dann stellte sie sie wieder vor sich hin und begann wirre und heftige Worte zu sprechen die sie ihm selbst sagen wollte
  421. dass er ihr verzeihen möge weil sie damals kindisch und erschreckt gehandelt habe und dann erzählte sie ihm in sich übereilenden Sätzen von ihrer Sehnsucht
  422. und wie sie ihn wieder unendlich liebe mehr als er es jemals werde stehen können aber alle diese ektasen befriedigten sie nicht denn sie wollte
  423. ihn selbst Wiedersehen mehrere Tage lang wartete sie an den Ecken der Straßen die er zu passieren pflegte doch vergebend und so
  424. sehr steigerte sich ihre Ungeduld dass manchmal aber ganz furchtsam und unbestimmt der Gedanke in ihr erwachte sie solle zu ihm in die Wohnung gehen
  425. und sich für ihr Benehmen von damals entschuldigen aber da fand sie in den Tagesblättern die Notiz dass er nächstens in einem
  426. eigenen Konzert auftreten wolle eine Nachricht die Erik wie mit einem seligen Rausche erfüllte denn nun ergab sich die beste Möglichkeit ihn zu sehen ohne dass
  427. er es ahnte und langsam furchtbar langsam verflossen ihr die Tage welche sie von dem festgesetzten sehnlichst herbeewschten Abende trennten
  428. Erika war einer der ersten im großen mit tausend Lichtern flimmernden konzertsale eine sehnsüchtige Unruhe die Minuten zu Stunden dehnte hatte sie seit
  429. Tagesanbruch erfüllt und durschauert seit jener Stunde da der Gedanke dass ich heute alles begeben müsse ihr den Schlaf und den Liedern
  430. riss und dann war sie alle die Stunden durch Traumland gegangen ob auch die einzelnen Forderungen ihres Berufes sie immer wieder auf Schrecken ließen aus
  431. ihren sinnenden Erwartungen und ihrer sanft ruhenden Sehnsucht und als der Abend kam nahm sie ihr Bestes Gewand und legte es mit einer
  432. gewissen feierlichen Sorgfalt an die nur Frauen haben wenn sie den Blick des geliebten erwarten eine Stunde zu früh begab sie sich zum Konzertsaal wohl
  433. hatte sie zuerst einen Spaziergang geplant ein kurzes rasten für ihre Nerven die zu fiebern schienen aber kaum dass sie die Straße betrat
  434. fühlte sie eine dunkle Gewalt die sie magnetisch eine Richtung zudrängte ihre anfangsbedächtigen Schritte wurden unruhiger und
  435. beschleunigter und mit einem Male stand sie fast selbst überrascht vor den breiten Stufen des konzertgebäudes und schämte sich ihrer Unrast gedankenlos
  436. ging sie noch ein wenig dort auf und ab und als die ersten Wagen behäbig vorrasselten mühte sie sich nicht mehr länger sich zu bezwingen und ging mit
  437. beherzter Miene in den eben erleuchteten Saal nicht lange blieb drinnen dieses breite und leere Schweigen das zu fürchtigen träumen lud dichter und
  438. dichter drängten sich die Leute Erika sah nicht die einzelnen sondern fühlte nur die hereinströmende Masse fühlte vor ihren Augen die wandernden Streifen der
  439. farbigen Toiletten das dunkle Durcheinanders schieben und die vielen wechselnden Gesichter die ihr wie Masken Schienen alles in ihr war Unrast und
  440. Erwartung in ihren Augen stand nur ein Name ein Wunsch ein Wort und dann plötzlich begann das jähaufrauschende Murmeln und bewegen die
  441. vorbereitete Unruhe vor dem Schweigen das leise Knacken der geöffneten operngläser das Klappern der lonnons das Regen und bewegen jenes vieltönige
  442. Geräusch dass sich in stürmischen Beifall löste sie fühlte dass er eingetreten war jetzt einget eten war und schloss die Augen sie wusste sich zu
  443. schwach ihn in dieser stolzen Minute Schweigen zu sehen sie hätte ja jubeln müssen oder ihn rufen aufspringen oder ihm zuwinken aber jedenfalls etwas
  444. törichtes unüberlegtes lächerliches tun ihr Herz fühlte sie bis an die Kehle schlagen sie wartete sie wartete mit geschlossenen Augen alles sehend wie er
  445. hinaufschritt wie er sich verneigte und jetzt jetzt musste es ja sein um Bogen griff sie harte bis endlich die ersten Töne seiner Geige sich singend erhoben
  446. wie langsam steigende Lärchen die aus den Feldern zum Himmel aufjubeln und sie fühlte eine warme blutwelle wie sie ihn sah gleichsam
  447. emporgetragen von diesem dunklen schweigenden Meer das die funkelnden Gläser und Suchenden Blicke wie zitternde schaumkämme
  448. durchglänzten sie fühlte sein Spiel und wieder die ganze zauberische Gewalt von einst und wie die Töne wuchsen und anschwollen so füllte sich auch ihr Herz
  449. Lachen und Weinen war in ihr ein flutende Erregung warme zitternde Wellen sie fühlte Jubel Jubel aus tausend Sonn durchglänzten springstrahlen in ihr Herz
  450. sprudeln sie fühlte es selbst aufschäumen zu ihrer Kehle wie den jauchzenden Strahl einer aufzuckenden Fontäne wieder verführte sie die
  451. Stimmung der Musik wie eine blinde die keinen Weg weiß und sich willig der Fremden und lieblichen Hand vertraut und als dann der Jubel
  452. losbrach und dieses dunkle Meer im Saale das gleichsam in bezauberndem schlafe gelegen war plötzlich in wilder tosender Brandung aufschäumte als von allen
  453. Seiten ein überwältigender Beifall dröhnte da rauschte ein jeer stolz in ihr empor ihre Seele jubelte bei dem Gedanken von ihm begehrt worden zu sein
  454. alle Hässlichkeit und herbe jener Minuten war zerronnen in diesem stolzen Bewusstsein in dieser siegenden Stunde seines
  455. Künstlertums so W dieser Abend ein lauteres undefes fest fürreende und unruhige Seele nur eine Frage trte sie er ihrer
  456. wohl noch gedachte und sie war ganz Demut jer Stunde eine sehüchtige die nurrt sich versken Düren sie dachte nicht mehr an sich und nur mehr an ihn
  457. sah nur sein Verlangen und seine Inbrunst in dem lockenden Geigenspiel und nicht mehr Töne und Melodien und da kam ihr eine seltsame
  458. und unendlich beseligende Antwort nach langen Beifallsstürmen hatte er sich noch zu einer Zugabe entschlossen und nur ein paar schlichte
  459. langsame Takte hatte er gespielt als Erika abblaste sie lauschte und lauschte wie gebannt in herbem erschrecken hatte sie das Lied erkannt das Lied jenes
  460. ersten seltsamen abends da er es ihr zu Liebe in der Dämmerung gestammelt und sie träumte von einer Huldigung sie fühlte dass es ihr gesungen sei zu ihr
  461. gesungen sei sie hörte es nur als Frage wie über alle anderen zu ihr hinabtastete in den Saal sie sah eine liedseele die in den dunklen Saal flog
  462. um sie zu finden eine rasche Gewissheit schaukelte sie in seelige Träume sie verstand ein Geständnis dass er ihrer nur ihrer mehr
  463. gedachte und Seligkeiten brausten auf sie nieder wieder war es die Musik die sie betörte und über alle Wirklichkeiten hob sie fühlte einen Flug nach oben
  464. Menschen hoch und erdenfrei fast so wie damals in jener Stunde als sie hoch über der fernen brausenden Stadt zusammenstanden nur höher noch viel
  465. höher über Schicksal und Welt über allen Kleinlichkeiten und Bedenken in den wenigen Minuten dieses Spiels überflog sie in seligem Traume alle Schranken und
  466. Wirklichkeiten der unerhörte Jubel der seinem Spiele folgte erweckte Erika erst wieder aus ihren weltentrückten träumen und den drängende hast allte sie dem
  467. Ausgange zu um ihn zu erwarten denn nun wusste sie auch die helle und sonnige Antwort auf ihre letzte Frage die sie beängstigt und sie zurückgehalten sich
  468. ihm zu schenken nun war es ihr offenbar dass er sie noch immer liebte und glühender wie einst mit einer viel schöneren wilderen und größeren Liebe
  469. sonst hätte er nicht all diesen Menschen den leuchtenden Hymnus gesungen den er ihr zur Feier und aus ihrer Liebe geschaffen dieses herrliche Lied dessen
  470. macht sie damals überwältigt und besiegt hatte ohne dass es geahnt aber heute wollte sie ihm die sorglich gehüteten Früchte ihrer
  471. Schenkende Neigung zu Füßen legen dass er sie selig erhöhe mit Mühe träkte sie sich zum Ausgange durch wo die Künstler
  472. herabzukommen pflegten wenige Flammen erhälten das matte dunkel dort drängten die Menschen nicht in so wilder Hast und sie könnte sich ungestört wieder ihren
  473. Träumen hingeben sich in seliger Sicherheit wegten sie hätte es doch schon lange so lange wissen können dass er sie nicht vergessen könnte dieser
  474. Gedanke kehrte immer wieder und einte sich mit fröhlichen Verheißungen für die kommenden Tage mit übermäßigem Lächeln dachte sie an seine Überraschung wenn er
  475. ahnungslos die Treppen herabkäme und sich plötzlich der Wunsch verwirklichte von dem er vielleicht eben geträumt und wenn aber da kamen wahrhaftig
  476. schonchritte die immer lauter und näher tönten unwillkürlich zog sich Erika mehr ins Dunkel zurück lachend und plaudernd stieg er die Treppe hinab zärtlich
  477. hinabgebeugt zu einer Dame in Spitzen besetztem Kleide einer kleinen netten Sängerin von der Oper die irgend eine alte operettenmelodie trillerte Erika
  478. zuckte zusammen da bemerkte er sie instinktiv griff er nach dem Hut aber ließ die Hand auf halbem Wege müßig sinken ein böses beleidigtes und
  479. höhnisches Lächeln schien auf seinen Lippen zu lauern aber er wandte den Kopf zur Seite und dann führte er die kleine Dame im Spitzenkleid zu seinem Wagen
  480. half ihr hinein und stieg selbst ein ohne den Blick noch einmal zurückzuwenden zur Erika Ewald die dort einsam stand mit ihrer verratenen
  481. liebe solche Erlebnisse erwecken oft mit ihrer jähen Gewalt ein Leid das so furchtbar und tief einschneidend ist dass man es nicht mehr als Schmerz
  482. empfindet weil man die Fähigkeit des Begreifens und des bewussten Fühlens in seinem wilden anpralle verliert man fühlt sich nur sinken aus schwindelnden
  483. Höhen atemlos willenslos und widerstandsunfähig herabsausen einem Abgrund dazu den man noch nicht kennt den man aber ahnt näher näher und immer
  484. näher kommen fühlt mit jeder Sekunde mit jeder verschwindend kleinen Zeiteinheit die im wirbelnden Sturze verfliegt jenem furchtbaren Ende zu von dem man weiß
  485. dass es zerschmettern und zerbrechen wird Erika Ewald hatte schon zu viele kleine Leiden ertragen um einem großen Ereignis
  486. ruhig ins Auge sehen zu können jene kleinen schmerzlichkeiten hatten ihr Leben erfüllt die ein seltsames glückseligkeitsgefühl in sich tragen
  487. weil sie zu melancholischen träumerischen Stunden leiten zu sanften verzagtheiten und zu jenen süßen Traurigkeiten aus denen die Dichter ihre
  488. innigsten und wehmütigsten Verse schaffen aber sie hatte in jenen Stunden schon die mächtige Pranke des Schicksals zu verspüren geglaubt und es war doch
  489. nur ein verrinnender Schatten seiner drohend ausgestreckten Hand sie hatte gemeint die finstere Gewalt des Lebens schon getragen zu haben und auf dieses
  490. Bewusstsein baute sie ihre starke Sicherheit die jetzt zusammenbrach unter der Wirklichkeit wie ein Kinderspielzeug in einer nervigen Faust
  491. und darum verlor ihre Seele so ganz ihre bindenden Kräfte das Leben kam zu ihr wie ein Hagelschauer der saten und Blüten zerbricht nur mehr öde war vor
  492. ihren Blicken und Finsternis weite undurchdringliche Finsternis die alle Wege versteckte alle Blicke erblindete und die hallenden angstrufe mitleidlos
  493. verschlang nur mehr schweigen war in ihr ein dumpfes atemloses schweigen die Stille des Todes denn viel war in ihr gestorben in einem einzigen Augenblick
  494. ein helles heiteres Lachen das noch nicht geboren war aber in ihr Leben wollte wie ein Kind das zum Lichte strebt und viel Jugend jenes
  495. sehnsüchtige empfangen wollen das der Zukunft vertraut und Freude und Glanz hinter allen verschlossenen pforen ahnt die ihr Verlangen sich eröffnen soll und
  496. viel lautere und weltvertrauende Empfindungen dass sich hingeben an alle Menschen und die große Natur die nur feste und Wunder ihren Gläubigen
  497. Schülern offenbart und endlich eine Liebe die unendlich reich gewes war weil sie in den dunklen Quellen des Schmerzes sich
  498. gebadet hat und durch wechselnde gestalten gegangen ist um die Vollkommenheit zu finden aber auch eine neue Saat war in
  499. dieser Enttäuschung ein bitterer Hass gegen alles was sie umgab und ein heißes Rachebedürfnis das noch nicht wusste wie es sich Bahn brechen sollte in ihren
  500. Wangen brannte die Schmach und ihre Hände bebten als müssten sie jeden Augenblick losfahren in zorniger Gewalt gegen irgendetwas die schwächlichkeit
  501. und Scham war von ihr gewichen die drängende Macht des Handelns wurde immer deutlicher und unruhiger in ihr ein Wesen das sich vom Schicksal immer hatte
  502. Formen und lenken lassen wollte ihm nun entgegengehen und mit ihm ringen und dieser ziellose ungebärdige trieb ließ sie in den Gassen irren ohne einen
  503. Entschluss die Wirklichkeit lag in weiter weiter Ferne sie wusste nicht wohin sie ging in ihren Füßen war bleierne Müdigkeit aber auch eine irre
  504. Bewegung die sie weiterstieß immer mehr hüllte sie sich in ihre Gedanken um den Schmerz der jetzt wach werden wollte wegzudenken und ih im raschen gehen zu
  505. vergessen doch sie spürte einen Druck von Tränen die noch nicht hervorbrechen konnten aber innen brannten und tropften auf einmal stand sie vor einer
  506. Brücke unten der Fluss schwarz langsam gleitend mit vielen hellen glitznden Punkten Sterne waren das und Reflexe von den brückenlaternen die hinaufstarrten
  507. wie aufgerissene Augen und von irgendwo ein leises unaufhörliches pletschern die Strömung die sich an einem Pfeil erbricht einen Todesgedanken barg dieser
  508. Anblick das fühlte sie ein Beben überlief ihren Körper sie wandte sich um es war niemand in der Nähe hier und da schwarze Schatten die vorüberhuschten
  509. manchmal ein Lachen aus der Ferne oder das Rollen eines Wagens aber in der Nähe niemand keiner der sie hindern könnte wie leicht wie rasch das war ein Griff
  510. ein Schwung über die Rampe dann noch ein paar hässliche ringende Minuten unten dort unten in dieser schweigsamen Dunkelheit und
  511. dann Friede reicher ewiger Friede fern von allen Wirklichkeit der beruhigende Trost des nicht wieder
  512. Erwachens aber dann ein anderer Gedanke eine verunstaltete Leiche die man aus dem Wasser zieht Neugierige die sich belustigen Gerede und Geschwätz ist tat
  513. ja nicht mehr weh aber einer war der könnte es erfahren und dann vielleicht selbstbewusst Lächeln im Bewusstsein eines Sieges nein das durfte nicht sein
  514. das Leben war noch nicht erschöpft das fühlte sie es konnte noch Rache Bergen den letzten tastenden Versuch einer Verzweiflung und
  515. vielleicht war es sogar schön und sie hatte nur falsch gelebt sie war gut und vertrauend gewesen mild und zurückhaltend während man rücksichtslos
  516. gierig und verschlagen sein sollte wie ein Raubtier das sich von fremdem Leben nährt ein Lachen rang sich ihr aus der Brust wie sie sich von der Brücke
  517. abwendete ein Lachen vor dem sie erschrak denn sie fühlte wie sie sich selbst nicht ihre ungesprochenen Worte glaubte nur der Schmerz war wahr der
  518. glühende brennende Hass die blinde sucht nach Rache wie fremd sie sich doch geworden war dass sie sich nicht einmal selbst mehr erkannte wie schlecht und
  519. wie wertlos ihr fröstelte sie wollte an nichts mehr denken sie ging wieder tiefer in die Stadt hinein irgendwohin nach Hause zu nein nicht nach Hause mit
  520. Furcht dachte sie daran dort war alles so finster und eng und dumpf dort lauerten in allen Ecken Erinnerungen die mit hämischen Fingern auf sie deuteten
  521. dort war sie dann ganz allein mit ihrem großen Schmerz dort konnte er seine schwarzen Flügel dicht ausbretten sie umfassen und eng ganz eng an sie pressen
  522. dass ihr der Atem verginge aber wohin wohin die Frage zermarterte ihr das Hirn sie wusste nichts anderes mehr ihr
  523. ganzes denken konzentrierte sich in dieses eine Wort neben ihr lief ein Schatten sie achtete nicht
  524. darauf sie merkte es auch nicht als er sich hart gegen den ihren neigte und mit ihm eine Zeitlang parallel lief jemand ging neben ihr ein
  525. freiwilliger und betrachtete ihr Gesicht angelegentlich in dem Momente als sie vor einer Laterne vorbeikamen erst wie er sie höflich
  526. ansprach fuhr sie J aus ihren Gedanken auf sie brauchte einige mente um die Situation in der sie sich befand erst recht zu erfassen und antwortete nicht
  527. der freiwillige ein Kavallerist sehr jung noch und ein bisschen ungeschickt ließ sich durch ihr Schweigen nicht einschüchtern sondern redete in einem
  528. halbvertraulichen Ton aber mit einer gewissen Reserve weiter offenbar war er mit sich nicht recht im Klaren mit wem er es eigentlich zu tun hte sie hatte
  529. ihm nicht geantwortet und war doch so vornehm solid gekleidet und andererseits wieder dieses einsame langsame spazieren gehen spät in der Nacht ganz Recht bekam
  530. er es nicht heraus aber er redete unbekümmert weiter Erika schwieg instinktiv hatte sie ihn abweisen wollen aber alle Dinge von früher hatten sie
  531. auf seltsame Gedanken gebracht sie wollte doch jetzt ein anderes Leben beginnen nicht mehr dieses traumvolle dahindämmern und müßige sich sehnen dass
  532. ihr tausend leiden geboren es sollte ja für Sie ein neues Leben beginnen heiß verwegen und voll wilder Gewalt und dann dachte sie wieder an ihn eine Rache
  533. wollte sie nehmen eine furchtbare Schmach dem ersten besten der gekommen wollte sie sich verschenken weil er sie verschmäht wie Erniedrigung auskosten
  534. bis zum letzten bittersten und vielleicht tödlichen Tropfen alles wurde rasch in ihr Plan und Entschluss und grausame selbstpeinigung die eine neue
  535. Schmach wäht um die alte brennende zu vergessen wie sie zurecht kam die Gelegenheit ein junger Mensch ganz jung der nichts davon verstand nichts wusste
  536. der sollte es sein der erste beste und plötzlich antwortete sie ihm mit so hastiger Liebenswürdigkeit er für sie begleiten dass er beinah wieder
  537. schwankend wurde mit wem er es zu tun hätte aber ein paar Fragen das operanglas das sie vom Konzert mitbrachte und ihr vornehmes Benehmen
  538. veränderten seine oberflächliche Haltung zu ihr er blieb recht befangen eigentlich war er noch ein halbes Kind das in einer Uniform sich so seltsam
  539. ausnahm wie in einem kriegerischen maskenkostüm und seine bisherigen Abenteuer waren so simpler Natur gewesen dass sie kein Abenteuer mehr waren zum
  540. ersten Mal sah er sich einem wirklichen Rätsel gegenüber denn manchmal blieb sie Minuten still und unbeweglich überhörte alle Fragen und ging wie im Traum bis
  541. sie dann plötzlich wie mit einer provozierten Zärtlichkeit die sie im Augenblick vergessen hätte mit ihm lachte und scherzte aber manchmal wollte
  542. es selbst ihm so erscheinen als sei im Lachen ein falscher Ton und in der Tat kostet te es Erika nicht geringe Mühe die Rolle einer
  543. entgegenkommenden und leichtsinnigen zu spielen während ihr die tollsten Gedankenreihen durch den Kopf Schwerten sie wusste was das Ende sein würde sie
  544. wollte es aber eine geheime Angst beschlich sie immer wieder dass sie gegen sich selbst frfele aber das Bedürfnis nach Rache das sich positiv
  545. nicht betätigen konnte hatte hier ein Mittel gefunden sich zu entfalten wenn auch in einer falschen Richtung und die Spitze gegen sich selbst kehrte aber es
  546. war so überströmend und machtvoll dass sich ihre frauenhaften Empfindungen vergebens dagegen aufbeumten mochte geschehen was der wolle sollte eine re
  547. kommen nur nichts wissen von jener Schmach nur vergessen wenn auch in einem Rausch einem künstlichen und einem verderblichen aber nur nicht mehr daran
  548. denken müssen so nahm sie auch gern den Vorschlag des freiwiigen an mit ihr in ein Restaurant in ein separiertes Zimmer
  549. zu gehen obwohl sie dumpf ahnte was das bedeutete aber sie wollte nicht daran denken nur nicht sich immer besinnen müssen zuerst kam ein kleines soup dem
  550. sie aber nicht zusprach aber Wein trank sie in gieriger hast Glas auf Glas um sich zu betäuben ganz gelang es ihr noch nicht
  551. manchmal übersah sie die ganze Situation mit furchtbarer Klarheit sie betrachtete ihr Gegenüber das war eigentlich der rechte besser hätte sie ihn sich nicht
  552. wünschen können ein guter Kerl von einer gesunden rotwangigen Derbheit ein bisschen eitel und nicht zu klug der würde nie ahnen was in dieser Nacht
  553. geschehen sei was für eine Rolle er gespielt in einem armen gequellten Menschenleben wer würde sie übermorgen vergessen haben und das wollte sie
  554. in solchen Augenblicken der Überlegung bekamen ihre Augen einen träumerischen Ausdruck und in ihrem Gesichte zeichnete sich der düstere Schatten eines inneren
  555. Schmerzes dann kam sie langsam ins Träumen hinein ihre Finger zitterten leise sie hatte alles vergessen und die fernen versunkenen Bilder wollten
  556. langsam ganz langsam wieder auftauchen dann erweckte sie wieder plötzlich ein Wort oder eine Berührung eine Sekunde brauchte sie immer um sich
  557. wieder recht in alles hineinzufinden aber dann fasste sie wieder ein Weinglas und leerte es auf einen Zug und dann noch eins und noch
  558. eins bis sie spürte wie ihr der Arm schwer herabsank der freiwillige hatte sich inzwischen herübergesetzt und ziemlich
  559. dicht an sie angedrückt sie merkte es noch aber scherzte ruhig weiter allmählich aber begann sie die Wirkung des Weines zu fühlen ihr Blick
  560. wurde unsicher und sah wie durch trübe Wolken eines schweren breitverströmenden Dunstes und die zärtlichen und überredenden Worte die sie vernahm
  561. Schienen irgendwo von weiter weiter Ferne herzukommen ganz verschwommen und verloren ihre Zunge begann zu lallen und sie merkte wie trotz aller Bestrebungen
  562. ihr Gedankengang sich verwirrte und dann Blitzen und Surren vor ihren Augen funkelte gegen dass sie sich nicht zu wehren wusste aber mit der Müdigkeit die
  563. sie immer enger und zärtlicher umfasste kam auch jene Schwermut wieder halb die lallende unmotivierte Melancholie der trunkenen und halb der Schmerz der schon
  564. den ganzen Abend ihre Brust durchstürmte und sich noch immer nicht Bahn gebrochen hatte sie war ganz in ihr Leid verloren stumpf und gefühllos gegen die Außenwelt
  565. taub gegen alle Worte und sanften Liebkosungen der Junge Bursch Verstand ihr Verhalten nicht ganz und eine Unsicherheit überkam ihn was er mit ihr
  566. beginnen sollte er hielt sie für betrunken wollte sie jedoch bewegen wach zu werden weil er sich schämte ihre Trunkenheit sich zu Nutze zu machen aber
  567. ihre Apathie war nicht durch Zureden noch durch schmeichelnde Küsse zu lösen er fächelte ihr Kühlung zu als er aber versuchte ihr Kleid zu öffnen geschah
  568. etwas Unerwartetes das ihn erschreckte denn im Augenblicke da er sie umfasste fiel sie ihm plötzlich in die Arme und begann furchtbar zu weinen es war ein
  569. unendlich schreckvolles und leidvolles Schluchzen nicht das wehmütige duseln eines trunkenen sondern in ihrem Weinen war eine elementare Gewalt wie ein
  570. Raubtier war es das jahrelang im Käfig gefesselt war und mir einem malale in wilder Gewalt die Schranken durchbricht es war ein ganzer heiliger und tiefer
  571. Schmerz die ihr nun Dunk bewusst gewesen war und sich jetzt den bebenden Schauern erlöste Erika weinte aus tiefster Brust alles alles schien jetzt gut zu werden
  572. da diese glühende Last der Tränen und die drückende Bürde der nichtentladenen Erregungen sich wie in mächtigen gewitterstößen von ihr losrang sie
  573. weinte und weinte jäh Schauer liefen über ihren hilflos angeschmickten Körper aber die heißen ihrer Augen schienen nicht versiegen zu wollen es war als
  574. spülten Sie all das Bittere Leid mit sich hinweg das sich langsam angesetzt hatte wie wachsende Kristalle die sich verhärten und nicht weichen wollen nicht
  575. ihre Augen weinten ihr ganzer schmaler und biegsamer Leib erbebte unter den harten Stößen und ihr Herz erbebte mit der junge Mann war diesem jähen und
  576. peinlichen Ausbruche gegenüber gänzlich hilflos er suchte sie zu beruhigen strich ihr leise und zärtlich über die dunklen schlechten wie aber ihre
  577. Anstrengungen sich immer verdoppelten kam ein sonderbares Gefühl mitleidvoller Zuneigung über ihn er hatte noch nie so weinen gehört und dieses unerhörte Leid
  578. von dem er nichts wusste dessen Größe er aber ahen musste flöste ihm eine achtungsvolle Furcht vor dieser Frau ein die willenlos in seinen Armen lag wie
  579. ein Verbrechen erschien es ihm ihren Körper zu berühren der zu schwach war den mindesten Widerstand leisten zu können nach und nach kam ihm dann auch
  580. zu Bewusstsein dass er sehr großartig da beh handle und diese kindliche Freude an einem seltsamen Erlebnis stärkte seine Willenskraft er ließ einen Wagen holen
  581. und begleitete sie nachdem er von ihr die Adresse erfahren hatte bis zum Hause hin wo er sich mit freundlichen und beruhigenden Worten
  582. verabschiedete als Erika sich wieder in ihrem Zimmer befand war auch der letzte Rest des Rausches verflogen nur das Geschehen der letzten Stunden war ihr
  583. unklar und verschwommen aber sie dachte nicht mit scheuer Ängstlichkeit zurück sondern mit friedevoller Ruhe in ihren glühenden Tränen war ihre ganze junge
  584. Seele gewesen mit all ihrem Schmerz der großen drückenden Liebe mit der wilden und brennenden Schmach und der letzten beinahe vollbachten Erniedrigung langsam
  585. kleidete sie sich aus alles hatte so kommen müssen denn es gibt Menschen die nicht zur Liebe geboren sind denen nur die heiligen Schauer der Erwartung
  586. blühen weil sie zu schwach sind die schmerzhaften Seligkeiten der Erfüllungen zu tragen Erika dachte über ihr Leben nach sie
  587. wusste nun dass die Liebe nicht mehr zu ihr kommen würde und dass sie ihr nicht entgegengehen dürfe die Bitterkeit des entsagens nahte ihr zum letzten
  588. Male einen Augenblick zögerte sie noch in geheimer unverständlicher Scham doch dann löste sie die letzten Hüllen vor dem Spiegel sie war noch jung und schön
  589. in ihrem Blüten weißen Körper lag noch die Hells schimmernde frische früher Jahre in sanfter fast kindlicher Rundung bebten ihre Brüste die in wilder innerer
  590. Erregung sich hoben und senkten leise und zart in rhythmisch verfließendem Linienspiel Stärke und Geschmeidigkeit prunkte in den Gliedern alles war
  591. geschaffen und bereit eine Schenkende Liebe kraftvoll zu empfangen und zu erhöhen Seligkeiten zu geben und zu nehmen im
  592. wechselnden Spiel dem heiligsten Ziele entgegenzuschaffen und das verklärte Wunder der Schöpfung in sich zu erleben und das alles sollte ungenützt
  593. und unfruchtbar Vergehen wie die Schönheit einer Blume die ein Wind verweht ein taubes Karn im unübersehbaren garbenfelde der
  594. Menschheit eine milde persönliche Resignation kam über sie die Hohheit der Menschen die durch den größten Schmerz gegangen und auch den Gedanken dass
  595. diese blühende Jugend einem einem einzigen bestimmt gewesen sei der sie begehrt und verachtet habe auch diese letzte schwerste Prüfung fand keinen
  596. Kroll mehr bei ihr wehmütig löschte sie das Licht und sehnte sich nur mehr nach dem leisen Glück milder Träume diese wenigen Wochen umgrenzten das Leben der
  597. Erika Ewald in ihnen lag alles beschlossen was sie erlebte und die vielen späteren Tage gingen an ihr vorüber gleichgültig wie Fremde ihr
  598. Vater starb die Schwester heiratete einen Beamten Verwandte und Freunde trugen Glück und Unglück nur in ihrer einsamen Stunden ließ sie das Schicksal
  599. nicht mehr ein ihr konnte das Leben nichts mehr anhaben mit seiner stürmischen Gewalt die tiefe Wahrheit war ihr bewusst geworden dass der große
  600. heilige Friede um den sie gerungen nicht anders errungen wird als durch einen tiefen läuternden Schmerz dass es kein Glück gebe für den der nicht den Weg der
  601. Leiden gegangen ist aber diese Weisheit die sie dem Leben abgerungen blieb nicht kalt und unfruchtbar die Fähigkeit zur spendenden
  602. Liebe die einst ihr Wesen in heißen Konvulsionen erschüttert zog sie nun zu den Kindern hin die sie Musik lehrte und denen sie vom Schicksal und seinen t
  603. erzählte wie von einem Menschen von dem man sich hüten muss und so gingen ihre Monate Tag für Tag dahin und wenn der Frühling ins Land kam
  604. und warmer segnender Sommer dann überströmten auch ihre Abende von inniger Schönheit sie saß dann am Klavier beim offenen Fenster von außen
  605. zitterte ein feiner würziger Duft herein wie in der erste Frühling bringt und das Brausen der großst war fern wie ein Meer das seine stürmischen Fluten gegen die
  606. Weißen gestadede wirft im Zimmer trillerte der Kanarienvogel die lustigsten Läufe und draußen vom Gang hörte man die Knaben des Nachbarn mit
  607. ihren tollen übermütigen spielen wenn sie aber zu spielen begann dann wurde es draußen still leise ganz leise ging dann die Tür auf und ein knabenkopf nach dem
  608. anderen schob sich herein um andächtig zu horchen und eriker fand wehmütige Melodien mit ihren weißen schmalen Fingern die immer heller und
  609. durchleuchtender zu werden Schienen dazwischen leise Fantasien bei denen verhalte Erinnerungen anklangen und einmal als sie so spielte
  610. kam mir ein Motiv dessen sie sich nicht entsinnen konnte und sie spielte es wieder bis sie es jählings erkannte das Volkslied die wehmütige liebesweise mit
  611. der er sein Liebeslied begonnen da ließ sie die Finger sinken und träumte wieder von der Vergangenheit ganz ohne grroll und Neid waren ihr Gedanken wer weiß ob
  612. es nicht das Beste gewesen dass sie sich damals nicht gefunden und ob sie sich vertragen wer kann es wissen aber sie schämte sich beinah des
  613. Gedankens ein Kind hätte sie gerne von ihm gehabt ein schönes gold lockiges Kind dass sie hätte wiegen und warten können wenn sie allein war ganz einsam
  614. war sie lächelte was für dumme Träumereien das doch waren und tastend suchten ihre Finger
  615. wieder das vergessene liebesmotiv