Konrad Zuse — Der Mann, der im Wohnzimmer den Computer erfand | Dokumentation Konrad Steinbach https://www.youtube.com/watch?v=4QpNZmius08 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Eine Maschine aus 2400 Telefonrelais, die im Mai 1941 als erste der Welt ein Programm selbsttätig abarbeitete. Ein Berliner Wohnzimmer, in dem anstelle der 0:11 Möbel eine Konstruktion aus tausenden von handusgesägten Stahlblechen stand. Ein Lastwagen, der 194 quer durch ein zerstörtes Land in ein Altendorf fuhr, 0:22 beladen mit dem einzigen funktionsfähigen Rechner des europäischen Festlands. Wer war der Mann, der das alles ohne Auftrag, ohne 0:29 Geld und ohne Vorbild begann und weshalb wusste die Welt jahrzehntelang so wenig davon? Ich begrüße Sie herzlich. Mein Name ist Konrad Steinbach und dies ist 0:39 eine neue Folge aus der Reihe Geschichten großer Schöpfer. Im Mittelpunkt steht heute Konrad Zuse. Um zu verstehen, wie ein Einzelner zu 0:47 solchen Gedanken kam, müssen wir an den Anfang zurückgehen. In eine ostpreußische Kleinstadt und in das Berlin der späten 20er Jahre. In einem 0:56 Konstruktionsbüro der Henschel Flugzeugwerke bei Berlin sitzt im Jahr 1935 ein junger Statiker über einem vorgedruckten Bogenpapier. 1:05 Der Bogen ist sorgfältig gegliedert. Spalten für Ausgangswerte, Spalten für Zwischenergebnisse. Am Ende eine Zahl, die darüber entscheidet, ob ein Bauteil 1:14 den Kräften standhält. Der junge Mann trägt Werte ein, multipliziert, addiert, überträgt das Ergebnis in die nächste Zeile, dann nimmt er den nächsten Bogen. 1:24 Er ist dem vorigen bis auf die Zahlen vollkommen gleich und der übernächste ebenfalls. Die Luftfahrtindustrie jener Jahre wuchs rasch und mit ihr wuchs der 1:33 Rechenaufwand. Jedes Bauteil eines Flugzeugs musste auf Zug, Druck und Biegung geprüft werden und die Zahl der Prüfungen ging in die Hunderte. Um diese 1:42 Arbeit überhaupt bewältigen zu können, hatten die Ingenieurbüros ein Verfahren entwickelt, dass man heute als Standardisierung bezeichnen würde. Die 1:50 Formeln waren vorgedruckt, der Weg der Rechnung war vorgeschrieben, der Bearbeiter hatte nur noch die Zahlen einzusetzen und Schritt für Schritt zu 1:57 folgen. Rechenhilfen gab es dabei kaum. Die mechanischen Tischrechner jenerzeit arbeiteten im Zehnersystem, beherrschten die vier Grundrechenarten und mußen für 2:07 jede einzelne Operation von Hand bedient werden. Der junge Statiker hieß Konrad Zuse. Er war knapp 25 Jahre alt, hatte soeben sein Diplom als Bauingenieur 2:18 erworben und war damit an einem Punkt angelangt, den die meisten seiner Komelitonen als Erfolg empfunden hätten. Eine feste Anstellung in einer Branche 2:26 mit Zukunft, ein geregeltes Einkommen, ein Beruf mit Ansehen. In einer Zeit, in der die Erinnerung an die Arbeitslosigkeit der frühen 30er Jahre 2:35 noch frisch war, bedeutete das Sicherheit. Doch nach etwa einem Jahr kündigte er. Er verließ die Werke, zog wieder zu seinen Eltern und begann in 2:44 deren Wohnung an einer Maschine zu bauen, die es noch nirgends gab und deren Zweck er den Nachbarn nur mühsam erklären konnte. Diese Entscheidung 2:52 wirkte auf sein Umfeld unbegreiflich. Sie läst sich auch nicht aus jugendlichem Übermut erklären, denn Suse war kein leichtsinniger Mensch. Was er 3:00 in jenen Formularen erkannt hatte, sahen seine Kollegen nicht, obwohl sie dieselben Bogen vor sich liegen hatten. Geboren wurde er am 22. Juni 1910 in 3:10 Berlin-Wilmersdorf in der Tübingerstraße. Sein Vater stand im Dienst der Post, ein Beruf, der Zuverlässigkeit, Ordnung und 3:18 Versetzbarkeit verlangte. Als der Junge zwei Jahre alt war, führte eine solche Versetzung die Familie nach Braunsberg in Ostpreußen, eine kleine Stadt im 3:27 äußersten Nordosten des Reiches. Dort verbrachte Konrad Zuse seine Kindheit und den größten Teil seiner Schulzeit, weit entfernt von den Zentren der 3:35 Technik, in einer Umgebung, in der die großen Umwälzungen der Zeit nur gedämpft ankamen. Die Lehrer bescheinigten ihm Begabung, aber keine besondere Neigung 3:44 zur Mathematik. Was ihm wirklich beschäftigte, lag außerhalb des Lehrplans. Er zeichnete. Er entwarf Maschinen, Fahrzeuge, ganze Städte. Ein 3:54 Blatt zeigte eine Stadt der Zukunft mit übereinander gelegten Verkehrsebenen. Ein anderes eine Vorrichtung, deren Nutzen sich niemandem erschloss. Er 4:03 fotografierte, entwickelte selbst und interessierte sich für den Film, der damals gerade seine ersten großen Werke hervorbrachte. In den Erinnerungen 4:13 seiner Familie erscheint er als ein stiller, freundlicher, in sich gekehrter Junge, der stundenlang über Papier gebeugt saß und dabei vollkommen 4:21 zufrieden wirkte. Diese Neigung zum Bild und zur Vorstellung ist für sein späteres Werk wichtiger, als es zunächst scheint. 4:30 Zuse dachte nicht in Formeln, sondern in Anordnungen. Er sah Dinge vor sich, Bewegungen, Verbindungen, Abläufe und übersetzte sie erst danach in Zahlen. 4:40 Später, als er die schwierigsten logischen Probleme seiner Maschinen löste, griff er immer wieder zu Skizzen, zu räumlichen Schemata, zu Bildern. Der 4:49 Umweg über die Anschauung war für ihn kein Mangel an mathematischer Stränge, sondern seine eigentliche Arbeitsweise. Eine weitere Versetzung des Vaters 4:57 führte die Familie nach Heuers Werder in der Lausitz. Dort legte Konrad Zuse 1928 das Abitur ab und stand vor der Frage nach dem Studium. Er ging nach Berlin an 5:09 die technische Hochschule in Charlottenburg. In den Quellen wird der Beginn seines Studiums teils auf 1927, teils auf 1929 5:18 datiert. Sicher ist, daß er sich in den ersten Semestern nicht festlegen konnte. Er schrieb sich zunächst für Maschinenbau ein, wechselte zur 5:26 Architektur und landete schließlich beim Bauingenieurwesen. Drei Anläufe, drei Fachrichtungen. Was in einer Personalakte nach 5:34 Unentschlossenheit aussieht, war in Wahrheit die Suche eines Menschen, der zwischen dem konstruktiven und dem gestalterischen keine saubere Trennlinie 5:42 ziehen wollte. Berlin war in diesen Jahren eine der aufregendsten Städte Europas. Die technische Hochschule zählte zu den führenden Einrichtungen 5:51 ihrer Art. Die Elektroindustrie hatte hier ihre Zentren. Die Verkehrstechnik entwickelte sich in einem Tempo, das die Zeitgenossen atemlos machte. Zugleich 6:00 verschärften sich die wirtschaftlichen Verhältnisse dramatisch. Der Student Zuse verdiente sich mit Gelegenheitsarbeiten etwas dazu, unter 6:08 anderem mit Entwürfen für Werbeanzeigen. Eine Tätigkeit, die seiner zeichnerischen Begabung entgegenkam und die er später mit Vergnügen erwähnte. Im 6:17 Bauingenieurwesen lernte er dann jene Art von Rechnen kennen, die sein Leben bestimmen sollte. Statik bedeutete damals das immer gleiche Verfahren auf 6:25 immer neue Zahlen anzuwenden. Man bereete die Belastung von Trägern, die Spannungen in Brückenkonstruktionen, die Kräfte in Fachwerken. Die Formeln 6:35 standen fest, der Weg stand fest, nur die Werte änderten sich. Studenten fertigten seitenweise solche Rechnungen an und wer sie einmal gemacht hatte, 6:44 vergaß die Eintönigkeit dieser Arbeit nicht. Nach dem Diplom 1935 setzte sich in der Praxis fort, was im Studium begonnen hatte, nun in größerem 6:55 Maßstab und unter Zeitdruck. Und hier vollzog sich in zusken der entscheidende Schritt. Er betrachtete das vorgedruckte Formular nicht länger als ein Blatt 7:04 Papier, sondern als eine Vorschrift. Der Bogen enthielt sämtliche Anweisungen. Welche Größe zuerst genommen wird, was mit ihr geschieht, wohin das Ergebnis 7:14 wandert, welcher Schritt folgt. Der Mensch, der ihn ausfüllte, traf keine einzige eigene Entscheidung. Er lasweisung, führte sie aus, ging zur 7:22 nächsten. Er war in der Sprache der späteren Fachwelt nicht der denkende, sondern das ausführende Organ. Damit war das Formular nichts anderes als das, was 7:33 Zuse bald einen Rechenplan nennen sollte und was die Welt später Programm nannte. Wenn aber der Plan vollständig aufgeschrieben werden konnte und wenn 7:42 der Mensch bei seiner Ausführung nichts hinzufügte als Geduld und Fehleranfälligkeit, dann ließ sich diese Ausführung übertragen, nicht auf einen 7:50 besseren Angestellten, sondern auf eine Vorrichtung, die den Plan Schritt für Schritt selbst abarbeitete. Eine Maschine sollte nicht nur rechnen, 7:59 wie es die Tischrechner taten, sondern dem geschriebenen Plan folgen. Genau darin lag der Unterschied zu allem, was es damals gab. Rechenmaschinen führten 8:08 einzelne Operationen aus, wenn ein Mensch sie dazu auffordert. Suse wollte eine Maschine, die eine ganze Kette von Operationen selbst tätig durchlief. Aus 8:17 Sicht seiner Kollegen bearbeitete er Formulare. Aus seiner Sicht hielt er täglich den Beweis in den Händen, dass geistige Arbeit in eine Form gebracht 8:25 werden konnte, die eine Mechanik zu übernehmen vermochte. Er sprach mit Freunden darüber und die Reaktionen reichten von höflichem Interesse bis zu 8:34 offener Skepsis. Eine solche Maschine würde riesig werden, teuer, kompliziert. Niemand hatte sie bestellt. Niemand würde sie bezahlen. Zuse blieb dennoch 8:44 bei seinem Entschluss. Er kündigte bei den Hänschel Flugzeugwerken, kehrte in die Wohnung seiner Eltern zurück und richtete sich darauf ein, mehrere Jahre 8:52 ohne Einkommen zu arbeiten. [räuspern] Seine Eltern, die einen Beamtenhaushalt führten und keineswegs vermögend waren, unterstützten ihn. eine Entscheidung, 9:01 die viel über diese Familie aussagt. Was ihn dazu bewog, war keine Erfindung im gewöhnlichen Sinne. Es war eine Einsicht, das Rechnen ein Vorgang ist, 9:11 den man vollständig beschreiben kann und dass alles, was sich vollständig beschreiben lässt, sich auch übertragen lässt. Diese Einsicht hatte er nicht aus 9:19 Büchern. von Charles Bebch, der ein Jahrhundert zuvor ähnliches gedacht hatte, hatte er nie gehört. Er kam darauf, weil er zu viele Formulare 9:28 ausgefüllt hatte und weil er nicht bereit war, das für selbstverständlich zu halten. In der Wohnung der Familie Zuse in der Wrangelstraße 37 in 9:36 Berlin-Kreuz stand im Jahr 1937 kein Wohnzimmer mehr. Der Tisch war fort, die Stühle waren fort, der Schrank war an die Wand gerückt. An ihrer Stelle 9:47 erhob sich ein Gebilde aus Stahl, das nahezu den gesamten Raum einnahm, mehrere Meter lang in Schichten aufgebaut, durchsetzt von Stiften, 9:56 Hebeln und Blechen, die sich beim Betrieb gegeneinander verschoben. Wenn die Maschine lief, erfüllte ein trockenes metallisches Klappern die 10:03 Wohnung, das durch Decken und Wände drang. Die Nachbarn wußten nicht recht, was sie davon halten sollten. Die Eltern, deren Wohnzimmer dieser 10:10 Konstruktion zum Opfer gefallen war, ertrugen es mit einer Gelassenheit, die im Rückblick bemerkenswert erscheint. Der Sohn hatte seine feste Anstellung 10:19 aufgegeben und arbeitete seit Monaten ohne Einkommen an einem Gerät, dessen Nutzen sich niemandem außerhalb seines Kopfes erschloss. Die Eltern gaben ihm 10:28 Geld. Ein kleiner Kreis von Freunden aus dem Studium half beim Bau. Einige gaben ebenfalls kleine Beträge dazu. Kurt Punke, ein Berliner Fabrikant für 10:37 mechanische Rechenmaschinen, steuerte eine Summe bei, nicht weil er an den Erfolg glaubte, sondern weil ihn der Gedanke interessierte. Es war eine 10:46 Unternehmung ohne Auftraggeber, ohne Institut, ohne Aussicht auf Bezahlung. Genau darin lag ein Unterschied zu allem, was zurelben Zeit in anderen 10:55 Ländern geschah. In den Vereinigten Staaten arbeiteten Männer wie John Atanasov am Iowa State College und Howard Aen in Harvard mit den Mitteln 11:04 von Universitäten und großen Unternehmen im Rücken. Sie hatten Werkstätten, Mitarbeiter, ETAs. Konrad Zuse hatte ein Wohnzimmer, eine Laubsäge und Freunde, 11:14 die am Wochenende vorbeikamen. Der gesamte Entwurf der Maschine stammte von ihm allein. Bevor auch nur ein Blech gesägt wurde, waren die grundlegenden 11:22 Entscheidungen gefallen und sie waren radikal. Die erste betraf das Zahlensystem. Sämtliche Rechenmaschinen jener Zeit arbeiteten im Zehnersystem, 11:32 weil der Mensch im Zehnersystem rechnet. Das erforderte Bauteile, die zehn verschiedene Stellungen einnehmen konnten. Zahnräder, Sprossenwalzen, 11:41 Ziffernscheiben, alles samt fein gearbeitet und teuer. Zuse verwarf dieses Prinzip vollständig. Erwählte das Dualsystem, in dem jede Zahl nur aus 0 11:51 und 1ht. Ein Bauteil musste dann nicht zehn Zustände beherrschen, sondern zwei links oder rechts, offen oder geschlossen, ja oder nein. Damit wurde 12:01 aus einem feinmechanischen Problem ein einfaches. Ein Stift, der sich links oder rechts eines Stahlstegs befindet, genügt, um eine Ziffer festzuhalten. Die 12:10 zweite Entscheidung betraf die Darstellung der Zahlen. Die Ingenieurpraxis arbeitet mit Größen, die um viele Zehnerpotenzen 12:17 auseinanderliegen, von winzigen Dehnungen bis zu gewaltigen Kräften. Eine Maschine mit fester Kommastelle zwingt den Rechnenden ständig Maßstäbe 12:26 umzurechnen und auf Bereichsüberschreitungen zu achten. Zuse entschied sich stattdessen für das, was er halbarithmische Schreibweise nannte 12:35 und was heute Gleitkommadarstellung heißt. Jede Zahl wird in ein Vorzeichen, einen Exponenten und eine Mantisse zerlegt. Die Maschine verwaltet den 12:45 Maßstab selbst. Diese Wahl war zu jener Zeit alles andere als selbstverständlich. Noch ein Jahrzehnt später sollten führende Fachleute in 12:53 Amerika die Frage erörtern, ob der Aufwand einer gleitenden Kommastelle die Vorteile überhaupt rechtfertige. Die dritte Entscheidung betraf den 13:01 Aufbau. Zuse trennte den Speicher vom Rechenwerk. Der Speicher hielt die Zahlen. Das Rechenwerk verarbeitete sie. Das Programm kam von außen. Die Ein und 13:10 Ausgabe war ein eigener Teil. Vier getrennte Baugruppen, verbunden durch Leitungswege, jene Gliederung, die später zum Grundriss jedes Rechners 13:19 werden sollte. Zuse kam auf sie nicht aus theoretischer Überlegung, sondern aus praktischer Not. Er wollte den Speicher groß machen, ohne das 13:28 Rechenwerk zu vervielfachen. Und das ging nur, wenn beides voneinander unabhängig war. Er begann mit dem Speicher und das aus gutem Grund. Ohne 13:37 ausreichenden Speicher war die ganze Idee wertlos. Die Rechenmaschinen jener Jahre besaßen [räuspern] einzelne Zählwerke, wenige an 13:45 der Zahl, und diese Zählwerke konnten nur addieren. Zuse brauchte etwas anderes, reine Ablage. Er brauchte Zellen, die eine vollständige Zahl 13:54 aufnahmen, Vorzeichen, Exponent, Mantisse und die einzeln ansprechbar waren. Seine Lösung bestand aus dünnen Stahlblechen, aus Stiften und aus 14:03 Stegen. Ein Stift links vom Steg bedeutete null, ein Stift rechts davon bedeutete eins. Die Bleche ließen sich in Schichten übereinander stapeln, 14:11 sodass aus der Fläche ein Körper wurde und die Speicherkapazität mit der Bauhöhe wuchs. Die Auswahl der einzelnen Zelle erfolgte ebenfalls über Bleäche 14:21 und zwar nach demselben dualen Prinzip wie die Speicherung selbst. Zuse arbeitete diese Konstruktion so weit aus, dass sie sich grundsätzlich auf 14:29 1000 Zahlen hätte erweitern lassen. [räuspern] Er rechnete später vor, was dieselbe Kapazität in Relachnik bedeutet hätte. 40.000 Relais und ein ganzer 14:39 Saal, um sie unterzubringen. Ein Modell dieses Speichers brachte er in etwa sech Wochen zum Laufen. Das war der Beweis, den er brauchte und zugleich die 14:47 Weichenstellung. Als er vor der Wahl stand, die gesamte Maschine mechanisch oder aus Telefonrelais zu bauen, entschied er sich für die Mechanik. Für 14:56 die Relaisvariante wären rund 1000 Stück nötig gewesen. Eine Zahl, die seine Mittel bei weitem überstieg. Vier Jahrzehnte später sagte er über diesen 15:06 Punkt, daß er heute wisßse, dass die sofortige Entscheidung für Relais besser gewesen wäre. Erfinder, [räuspern] bemerkte er, stünden häufig vor solchen 15:15 Entscheidungen. Die Umsetzung verlangte eine Art von Arbeit, die mit Ingenieurwesen im gewohnten Sinne wenig zu tun hatte. Die Bleche mußten von Hand 15:24 ausgesägt werden, Stück für Stück mit der Laubsäge. Es waren tausende. Freunde saßen an den Abenden und an den Wochenenden in der Wohnung und sägten 15:34 nach Zus Zeichnungen. Sie taten es ohne Bezahlung, meist ohne genaue Vorstellung davon, welchem Zweck das jeweilige Teil diente. Wie das Ganze zusammenwirkte, 15:44 verstand nach dem Zeugnis der Beteiligten niemand, außer Zuse selbst. Die eigentliche Schwierigkeit lag nämlich nicht in der Logik, sondern in 15:52 der Übersetzung der Logik in Bewegung. Zuse hatte gezeigt, dass sich mit beweglichen Blechen die logischen Grundverknüpfungen darstellen lassen, 16:01 die Verneinung, das und das oder die ausschließende oder Verknüpfung. Damit war die geistige Arbeit im Prinzip getan. Doch jede logische Verknüpfung 16:11 entsprach einer tatsächlichen Verschiebung eines Bauteils und jede dieser Verschiebungen mußte mit den Verschiebungen aller übrigen Bauteile 16:19 abgestimmt sein. Geradlinige Bewegungen in einer Schicht mussten in geradlinige Bewegungen einer anderen Schicht überführt werden, häufig in eine andere 16:27 Richtung. Aus heutiger Sicht war der mechanische Entwurf die weitaus größere Leistung als der logische. Im Jahr 1938 war die Maschine, die später den Namen 16:37 Z1 erhielt, betriebsbereit. Sie wurde einigen Besuchern vorgeführt und berechnete dabei die Determinante einer Matrix mit drei Zeilen und drei Spalten. 16:48 Die Vorführung gelang und dennoch stellte sich rasch heraus, dass die Maschine sich nicht auf Dauer zuverlässig betreiben ließ. Das 16:55 Merkwürdige daran war die Verteilung der Fehler. Der Speicher arbeitete. Genau jener Teil, der die aufwendigste Feinarbeit erforderte, der aus den 17:04 meisten Einzelblechen bestand und der Zuse die längste Vorarbeit gekostet hatte, funktionierte zufriedenstellend. Das Rechenwerk dagegen versagte immer 17:12 wieder. Die Addition, die einfachste aller Operationen, brachte die Maschine zum Stocken. Dabei war die Logik der Addition mehrfach geprüft und 17:22 nachweislich richtig. Der Fehler saß nicht im Gedanken. Zuse suchte lange nach der Ursache und was er fand, hatte etwas Bitteres. Der Fehler lag nicht in 17:31 einem Versäumnis, sondern in einer besonders gelungenen Idee. Er hatte das Adierwerk mit einer vorausschauenden Übertragsbehandlung ausgestattet. Bei 17:40 der gewöhnlichen Addition muss der Übertrag von einer Stelle zur nächsten weitergereicht werden und bei einer Zahl mit vielen Stellen kostet diese 17:48 Weiterreichung ebenso viele Schritte. Zuse ersann eine Schaltung, die den Übertrag aller Stellen gleichzeitig ermittelte. Damit war die Additionszeit 17:57 unabhängig von der Länge der Zahl, ein Verfahren von großer Eleganz, das in der Rechnerarchitektur bis heute in Gebrauch ist. In der Mechanik jedoch bedeutete 18:06 Gleichzeitigkeit, dass eine sehr große Zahl von Blechen in einem einzigen Takt bewegt werden musste. Jedes einzelne Blech war mit der Laubsäge geschnitten 18:16 und wich um Bruchteile eines Millimeters vom Sollmaß ab. Solange nur wenige Teile zusammenwirkten, blieben diese Abweichungen folgenlos. 18:25 Sobald sich Hunderte gleichzeitig verschoben, summierten sie sich, die Kräfte verteilten sich ungleich, einzelne Teile verklemmten. Die 18:32 [räuspern] Konstruktion verlangte eine Genauigkeit der Synchronisation, die von handfertigter Stahl nicht dauerhaft liefern konnte. Was auf dem Papier die 18:41 schnellste Lösung war, wurde im Blech zur unzuverlässigsten. Für Zuse war das keine Niederlage, sondern eine Klärung. Der Entwurf hatte 18:49 sich bewährt. Dualsystem, Gleitkommer, getrennter Speicher, programmgesteuerter Ablauf. All das arbeitete, wie er es gedacht hatte. Untauglich war allein der 18:59 Werkstoff und ein Werkstoff lässt sich austauschen, ein Grundriss nicht. Die Z1 war damit nicht das Ende eines Irrwegs, sondern der Beweis, dass der Weg richtig 19:09 war. Von der ursprünglichen Maschine sollte später nichts übrig bleiben. Die wenigen erhaltenen Aufnahmen sind von schlechter Qualität. Erst in den 80er 19:18 Jahren baute Zuse die Z1 aus dem Gedächtnis und nach eigenen Unterlagen noch einmal auf. Dieser Nachbau steht heute im Deutschen Technikmuseum in 19:27 Berlin, wenige Kilometer von jener Wohnung entfernt, in der einst kein Platz mehr für Möbel war. In einem Hörsaal der technischen Hochschule 19:35 Berlin Charlottenburg standen im Jahr 1938 zwei junge Männer vor einer kleinen Zuhörerschaft und trugen einen Plan vor. Sie hatten Schaltungen mitgebracht, die 19:46 mit Elektronenröhren arbeiteten und führten vor, wie sich damit logische Verknüpfungen ausführen ließen. Dann kam die Frage aus dem Publikum, wie viele 19:55 Röhren eine vollständige Rechenmaschine wohl benötigen würde. Die Antwort lautete: Etwa 2000 Röhren und mehrere tausend weitere Bauteile. Im Saal machte 20:05 sich unglaubbreit. Die aufwendigsten Röhrenschaltungen jener Zeit, die großen Sendeanlagen, kamen mit einigen hundert Röhren aus und schon dort galt der 20:15 Betrieb als Heike. Eine Röhre brannte durch, eine andere veränderte im Betrieb ihre Kennwerte. 2000 Röhren bedeuteten nach aller 20:22 Erfahrung eine Anlage, die niemals längere Zeit störungsfrei laufen würde, dazu einen Stromverbrauch und eine Wärmeentwicklung, die man kaum 20:30 beherrschen konnte. Die Zuhörer verließen den Saal in der Überzeugung, einer akademischen Träumerei beigewohnt zu haben. Bemerkenswert ist, wer damals 20:39 am schärfsten widersprach. Die stärksten Einwände kamen nicht von außenstehenden, sondern aus dem Kreis derer, die täglich mit Röhren arbeiteten. Gerade ihre 20:48 Erfahrung sprach gegen das Vorhaben. Wenige Jahre später sollte in den Vereinigten Staaten eine Anlage entstehen, die mit weit mehr als 10.000 20:57 Röhren arbeitete und tatsächlich funktionierte. Die Skeptiker hatten sich in der Sache geirrt. Sie irrten sich aus guten Gründen. [räuspern] Der eine der 21:06 beiden Vortragenden war Konrad Zuse, der andere hieß Helmut Schreier, war Hochfrequenztechniker und stand am Ende seines Studiums am Institut von 21:14 Professor Stäblein. Die beiden verband eine enge Freundschaft. Schreier war lebhaft, zu Scherzen aufgelegt und für seine Streiche bekannt. Als er zum 21:23 ersten Mal vorschlug, die Maschine mit Elektronenröhren zu bauen, hielt Zuse das zunächst für einen Studentenulk. Erst beim Nachdenken erkannte er die 21:32 Tragweite. Röhren schalteten millionenfach schneller als Bauteile, die eine Masse zu bewegen hatten. Bevor dieser Gedanke überhaupt gefasst werden 21:40 konnte, musste jedoch eine andere Arbeit getan sein, und diese Arbeit hatte Zuse in völliger Abgeschiedenheit geleistet. Um Rechenoperationen auf Bauteile mit 21:50 zwei Zuständen abzubilden, brauchte er eine Rechenweise für Aussagen, die nur wahr falsch sein können. Er brauchte Regeln dafür, wie sich solche Aussagen 21:59 verknüpfen lassen, wie sich Verknüpfungen umformen und vereinfachen lassen, wie sich eine gewünschte Wirkung aus einfachsten Bausteinen 22:07 zusammensetzt. Also entwickelte er sich diese Rechenweise selbst und nannte sie Bedingungskombinatorik 22:13 oder Aussagenkalkül. Er wußte nicht, daß das alles bereits gab. Als Bauingenieur hatte er von der Existenz einer solchen Disziplin keine 22:22 Vorstellung. Der Name George Bull, der ein knappes Jahrhundert zuvor die Algebra der Logik begründet hatte, sagte ihm nichts. Auch von Charles Babch, der 22:32 im 19. Jahrhundert eine programmgesteuerte Rechenmaschine entworfen hatte, hatte er nie gehört, als er mit seiner Arbeit begann. Zuse 22:40 baute sich ein vollständiges gedankliches Werkzeug, das seit Jahrzehnten in den Bibliotheken stand. Die Aufklärung kam aus unerwarteter 22:48 Richtung. Zuseine Aufzeichnungen einem früheren Mathematiklehrer. Der sah sie durch und erklärte, dass diese Art zu rechnen mit dem 22:57 Aussagenkalkül der mathematischen Logik übereinstimme. Was der junge Ingenieur für seine private Hilfskonstruktion gehalten hatte, war ein etablierter 23:05 Zweig der Wissenschaft. Die Entdeckung hätte entmutigen können. Sie tat das Gegenteil. Zuse begriff, daß er sich mit seinem Vorgehen nicht in einer Sackgasse 23:14 befand, sondern auf einem Weg, den strenge Geister vor ihm geprüft hatten. [räuspern] Zugleich blieb ein Unterschied bestehen, auf den er später 23:22 Wert legte. Die Logiker hatten den Kalkül entwickelt, um das Denken zu untersuchen. Er brauchte ihn, um Schaltungen zu entwerfen. Von der Seite 23:31 des Ingenieurs her wurde die Brücke zur reinen Logik geschlagen und zwar zu dem Zweck, den Bau und die Programmierung von Rechenmaschinen zu vereinfachen. 23:41 Etwa zurelben Zeit näherte sich in England ein Mathematiker demselben Feld von der entgegengesetzten Seite. Allan Turing entwarf 1936 ein denkbar 23:50 einfaches gedankliches Rechenmodell. um dem Begriff der Berechenbarkeit eine formale Grundlage zu geben. Seine Arbeit war für die Theorie der späteren 23:59 Informatik von größter Bedeutung. Auf die praktische Entwicklung der Rechenmaschinen jener Jahre wirkte sie zunächst kaum ein. Die beiden wussten 24:07 nichts voneinander. Es ist eine der merkwürdigen Fügungen dieser Geschichte, das Tourings Aufsatz in demselben Jahr entstand, indem in einem Berliner 24:15 Wohnzimmer der Speicher der ersten Maschine fertig wurde. Der Kalkül erwies sich sofort als praktisch. Zuse hatte seine mechanischen Schaltungen mit ihm 24:24 entworfen. Nun zeigte sich, daß sich dieselben Formeln ohne weiteres in elektromagnetische Schaltungen übersetzen ließen. Zwei 24:32 grundverschiedene Techniken, bewegte Bleche und stromurchflossene Spulen, gehorchten denselben Regeln. Damit war die Bauweise von der Logik gelöst. Wenn 24:42 aber Mechanik und Elektromagnetik austauschbar waren, dann lag der Gedanke nahe, es auch mit einer dritten Technik zu versuchen. Genau hier setzte 24:50 Schreiers Vorschlag an. Die beiden Freunde erkannten rasch, dass Röhren sich nicht so einfach hintereinander schalten ließen wie Relaisk Kontakte. Es 24:58 mussten erst die Grundschaltungen für die logischen Grundoperationen gefunden werden. Für die Verknüpfung durch und für die durch oder für die Verneinung. 25:07 Sie teilten die Arbeit. Schreier entwickelte die elementaren Röhrenschaltungen. Zuse übernahm den logischen Aufbau der Gesamtschaltung. 25:15 Das Ziel war, die Grundelemente so zu gestalten, dass sich eine Relaisschaltung eins zu eins in eine Röhrenschaltung übertragen ließ und die 25:23 Maschine nicht von Grund auf neu entworfen werden musste. Schreier löste seine Aufgabe in verhältnismäßig kurzer Zeit. Damit stand der Weg zu einer 25:31 elektronischen Maschine offen und dann wurde er nicht beschritten. Die Gründe dafür lagen teils in den Verhältnissen, teils in einer sachlichen Überlegung. 25:40 Ein Mann, der mit dem Dualsystem, der Gleitkommandadstellung und der Trennung von Speicher und Rechenwerk seiner Zeit weit vorausgeeilt war, wandte sich von 25:48 der Technik ab, die sich als die Technik der Zukunft erweisen sollte und griff zu Telefonrelais. Zunächst spielten die Verhältnisse eine 25:57 Rolle. Der Krieg hatte begonnen. Material und Personal waren nur noch über am Zilungen zu erhalten. Aus privater Initiative ließ sich nichts 26:06 mehr bewerkstelligen. Zuse und Schreier schlugen den militärischen Stellen daher den Bau eines Rechners mit 2000 Röhren für Zwecke der Luftabwehr vor. Die erste 26:16 Reaktion war durchaus wohlwollend. Dann kam die Frage nach der benötigten Zeit. Die Antwort lautete etwa 2 Jahre. Darauf erwiderte man ihnen, wie lange Sie denn 26:27 glaubten, daß man zum Gewinn des Krieges brauche. Damit war das Vorhaben erledigt. Doch es gab auch sachliche Gründe und die wogen für Zuse schwerer. 26:36 Er war Ingenieur und dachte an den Gebrauch. Sein Ziel war eine Maschine, die in einem Konstruktionsbüro oder in einem mittelgroßen Betrieb tatsächlich 26:45 arbeitete, jeden Tag über Jahre, ohne dass ein Spezialist daneben stehen musste. Rechengeschwindigkeit war dafür weniger wichtig als Betriebssicherheit. 26:55 Relais waren erprobt, in großer Zahl verfügbar, im Fehlerfall austauschbar und die Fernsprechtechnik hatte jahrzehntelange Erfahrung mit ihnen 27:04 gesammelt. Röhren versprachen atemberaubende Geschwindigkeit, aber niemand konnte sagen, wie lange 2000us von ihnen zusammen durchhalten würden. 27:13 [räuspern] Ende 1938 stand für Zuse fest, dass elektromagnetische Relais die beste Aussicht boten, in absehbarer Zeit zu einer zuverlässig arbeitenden 27:24 Maschine zu kommen. Bevor er den gesamten Entwurf der Z1 auf Relaisebetrieb umstellte, wollte er das Verfahren erproben. So entstand die Z2, 27:34 ein Versuchsbau. Sie übernahmen den mechanischen Speicher der ersten Maschine mit einer geringen Kapazität von 16 Zahlen samt Lochstreifenleser und 27:43 Locher und setzte darauf ein Rechenwerk aus etwa 200 Relais, das mit 16 Stellen und fester Kommastelle arbeitete. Es war eine Mischform, technisch weniger 27:53 anspruchsvoll als die Z1 und in ihrem Können deutlich beschränkt, aber sie lief zuverlässig. Beim Entwurf halfen junge Nachrichtentechniker unter ihnen 28:03 Schreier. Ihre Ratschläge waren nützlich, doch in wesentlichen Punkten ging zu eigene Wege. Als besonders wichtig erschien ihm ein völlig 28:11 gleichmäßiger Takt, sodass einem Zyklus genau eine Addition entsprach. Den Takt erzeugte er mit rotierenden Walzen, die abwechselnd mit leitendem und nicht 28:21 leitendem Material belegt waren und über Kohlebürsten abgegriffen wurden. Das hatte mehrere Vorteile. Die Maschine ließ sich bei beliebiger Geschwindigkeit 28:29 prüfen und der Funke beim Abschalten entstand an den Bürsten und nicht an den Relaiskontakten, was deren Lebensdauer erheblich verlängerte. Manche 28:38 gutgemeinte Anregung aus der Fernsprechtechnik, etwa der Einsatz verzögert anziehender Relais, schlug er dagegen aus. Die Z2 diente noch einem 28:47 zweiten Zweck. Mit ihr konnte Zuse zum ersten Mal etwas vorführen, das nachvollziehbar arbeitete. Die Maschine trug wesentlich dazu bei, die deutsche 28:56 Versuchsanstalt für Luftfahrt zu einer teilweisen Finanzierung des nächsten Vorhabens zu bewegen. Zum ersten Mal seit dem Beginn seiner Arbeit stand 29:04 hinter ihm nicht mehr nur die Familie. Die Wege der beiden Freunde trennten sich mit dem Krieg. Schreier verfolgte die Röhrentechnik weiter und stellte bis 29:13 Kriegsende kleine Versuchsschaltung für zehn Dualstellen mit etwa 100 Röhren fertig. Auch sie ging in den Wirren der letzten Monate verloren. Später ging 29:22 Schreier nach Brasilien und nahm dort einen Lehrstuhl an. Er starb 1985. Im Jahr 1980 hatten die beiden noch einmal Gelegenheit, in England mit jenen 29:32 Fachleuten zu sprechen, die während des Krieges an einer eigenen elektronischen Anlage gearbeitet hatten. Beim Vergleich der Schaltungen zeigten sich 29:41 beträchtliche Ähnlichkeiten. Getrennte Wege hatten zu verwandten Lösungen geführt. Am 12. Mai 1941 standen in einem Raum in Berlin fünf 29:51 Wissenschaftler vor einem Schrank aus Relais und sahen zu, wie ein Lochstreifen durch einen Leser lief. Die Relais begannen zu schalten. Ein 29:59 rhythmisches Klicken erfüllte den Raum mehrere Sekunden lang. Dann blieb es still und auf der Anzeigetafel leuchteten Lämpchen auf, die zusammen 30:08 eine Dezimalzahl bildeten. Die Maschine hatte ein Programm selbsttätig abgearbeitet und das Ergebnis ausgegeben. Kein Mensch hatte dabei 30:17 eingegriffen. Es war die erste vollständig funktionsfähige, frei programmierbare Rechenmaschine der Welt. Anwesend waren fünf Fachleute. Es gab 30:26 keine Presse. Es wurde keine Fotografie gemacht. In den Zeitungen des folgenden Tages stand nichts. Der einzige unmittelbare schriftliche Nachweis 30:34 dieses Vorgangs ist eine Eintragung in Zus Tagebuch. Der Weg bis zu diesem Vormittag war lang gewesen. Nachdem die Z2 gezeigt hatte, dass Relachnik 30:44 zuverlässig arbeitete, ging Zuse daran, den vollständigen Entwurf der ersten Maschine auf Relais umzustellen. Die neue Anlage entstand von 1939 an in der 30:55 Metfesselstraße 7 in Berlin-Kreuzberg in einer Werkstatt hinter der Hofmauer. Wieder halfen Freunde. Wieder war die Finanzierung dürftig, wenn auch nicht 31:05 mehr ausschließlich privat. Die deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt beteiligte sich in bescheidenem Umfang. Der Baugeriät faß sofort ins Stocken, denn 31:14 im Jahr 1939 wurde Zuse zum Militärdienst eingezogen. Für die Arbeit an der Maschine bedeutete das den Stillstand. Bemühungen ihn wegen seines 31:23 Vorhabens freistellen zu lassen, blieben zunächst ohne Erfolg. Kurt Pke, der Rechenmaschinenfabrikant, setzte sich für eine Versetzung nach 31:32 Berlin ein. Auch Helmut Schreier bemühte sich um die Entlassung seines Freundes und bot der militärischen Führung an, innerhalb von zwei Jahren ein 31:40 selbsttätiges Luftabwehrgerät zu bauen. Er erhielt den bereits erwähnten spöttischen Hinweis auf die erwartete Dauer des Krieges. Schließlich wurde 31:48 Zuse freigestellt, allerdings nicht um Rechenmaschinen zu bauen, sondern um als Statiker in der Flugzeugindustrie zu arbeiten. Er selbst hat diesen Umstand 31:57 später als bezeichnend für die damals herrschende Einstellung bezeichnet. Ein Ingenieur, der Bauteile berechnete, galt als kriegswichtig. 32:06 Ein Ingenieur, der ein Gerät entwickelte, das solche Berechnungen künftig in einem Bruchteil der Zeit erledigen konnte, galt als entbehrlich. 32:14 So entstand die Z3 in den Abendstunden an Sonntagen und in den Nischen eines Arbeitstages, der bereits ausgefüllt war. Professor Herbert Wagner, für den 32:24 Zuse als Statiker arbeitete, zeigte Verständnis und ließ ihm nach Möglichkeit einen Teil der Arbeitszeit für das eigene Vorhaben. Ohne dieses 32:33 Entgegenkommen wäre die Maschine kaum fertig geworden. Fertig wurde sie mit 2400 Relais, von denen 600 auf Rechenwerk und Programmsteuerung 32:43 entfielen und die übrigen auf den Speicher. Sie rechnete im Dualsystem mit gleitender Kommastelle mit einer Wortlänge von 22 Stellen. Sie 32:53 beherrschte Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und das Ziehen der Quadratwurzel nebst einigen Hilfsfunktionen. 33:03 Das Programm kam von einem Lochstreifen. Die Zahlen wurden über eine Tastatur eingegeben und über Lämpchen ausgegeben. Sie besaß damit sämtliche Baugruppen, 33:11 die ein Rechner braucht. Rechenwerk, Speicher, Steuerung sowie Vorrichtungen für die Verständigung mit dem Menschen. Unter den fünf Zeugen der Vorführung war 33:20 die deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin Adlershof am stärksten vertreten und dort zeigte sich vor allem ein Mann interessiert, 33:28 Professor Teichmann, der sich mit dem Problem des Flügelflatterns beschäftigte. Anders als bei der gewöhnlichen Festigkeitsrechnung geht es 33:36 dabei nicht um Bruch und Last, sondern um eine gefährliche Unstabilität durch Schwingungen der Tragflächen mit unter im Zusammenspiel mit dem Leitwerk. Ein 33:46 Flugzeug, dessen Flügel in einen solchen Zustand gerät, kann binnen Sekunden zerstört werden. Die Beherrschung dieses Verhaltens verlangte umfangreiche 33:54 Rechnungen, deren schwierigster Teil in der Auswertung der sogenannten Küssnerminanten bestand, mit komplexen Zahlen und unbekannten Größen in der 34:03 Hauptdiagonale. Diese Rechnungen von Hand auszuführen kostete Wochen. Zuse erzielte mit seinem Gerät einen Durchbruch. Damit war der Nutzen belegt. 34:12 Die Anerkennung blieb dennoch aus und darin liegt das eigentliche Rätsel dieses Tages. Eine Maschine, die eine Wochenarbeit auf Stunden verkürzte, 34:20 hätte in jeder Epoche für Aufsehen sorgen müssen. Sie sorgte für keines. Ein Teil der Erklärung liegt in der Zeit selbst. Im Mai 1941 34:30 stand Deutschland mitten im Krieg. Arbeiten, die mit der Luftfahrt zu tun hatten, unterlagen der Geheimhaltung. Eine öffentliche Vorführung mit 34:38 Presseberichterstattung war schon aus diesem Grund nicht denkbar. Die Nachricht blieb in einem sehr kleinen Kreis. Ein zweiter Teil der Erklärung 34:47 liegt in der Zuteilung von Dringlichkeitsstufen. Wer während des Krieges Material, Arbeitskräfte und Freistellungen 34:53 erhalten wollte, brauchte eine hohe Einstufung. Die Luftfahrtforschung besaß eine solche Einstufung nicht in dem Maße, dass sie Zuse dauerhaft von 35:01 anderen Verpflichtungen hätte befreien können. Nur Professor Wagner, der an ferngesteuerten Flugkörpern arbeitete, verfügte über diese Möglichkeit. Die 35:11 Rangfolge der Dringlichkeiten richtete sich nach dem unmittelbaren Nutzen und ein Gerät, das erst in einigen Jahren wirken würde, hatte darin keinen Platz. 35:20 Der dritte und wohlgewichtigste Teil der Erklärung betrifft das Denken der Zeitgenossen. Eine Rechenmaschine galt als Hilfsmittel, als ein besseres 35:28 Werkzeug im Konstruktionsbüro, vergleichbar dem Rechenschieber oder der Tischrechenmaschine. Dass hier eine neue Gattung von Maschine 35:36 entstanden war, deren Bedeutung weit über das Rechnen hinausreichte, war den Anwesenden nicht anzusehen und lag außerhalb dessen, was man erwarten 35:45 konnte. Sie sahen ein sinnreiches Gerät und nicht den Beginn eines Zeitalters. Zuse selbst hat den Fachleuten diese Sicht nie verübelt. Er wusste, daß der 35:55 Zusammenhang, der ihm seit Jahren vor Augen stand, sich einem Betrachter in wenigen Minuten kaum erschließen konnte. Wie weit er selbst bereits blickte, 36:03 zeigt eine Bemerkung, die er in jenen Jahren gegenüber Freunden fallen ließ. Er erklärte, seine Maschine könne Schach spielen. Gemeint war nicht das Gerät auf 36:13 dem Werkstattboden, das für eine solche Aufgabe viel zu klein war. Gemeint war das Prinzip, dass sich die Regeln eines Spiels ebenso in einem Kalkül fassen 36:22 ließen wie die Gesetze der Statik und dass eine Maschine, die dem einen Plan folgen konnte, auch dem anderen folgen konnte. Schon 36:32 hatte er gegenüber Bekannten geäußert, daß ein Rechner den Schachweltmeister in etwa 50 Jahren schlagen werde. Diese Sicherheit blieb ein einsamer Besitz. 36:41 Zuse war überzeugt, daß seine Maschine alle mathematischen Aufgaben lösen konnte und er belegte diese Überzeugung mit zahlreichen Beispielen. Einen Beweis 36:51 dafür hat er nie versucht. Erst Jahrzehnte später sollte ein solcher Nachweis geführt werden. Nach der Vorführung ging das Leben weiter, wie es 36:59 in einem Krieg weitergeht. Die Maschine wurde für Rechnungen der Luftfahrtforschung genutzt. Imselben Jahr 1941 37:07 gründete Zuse in Berlin sein eigenes kleines Unternehmen, das Zuse Ingenieurbüro und Apparatbaau, das erste Unternehmen der Welt, das mit dem 37:16 alleinigen Zweck gegründet wurde, Rechner zu entwickeln. Was blieb von diesem 12. Mai, war fast nichts. Die Maschine wurde zweieinhalb Jahre später 37:25 bei einem Luftangriff zerstört und mit ihr sämtliche Zeichnungen und Aufnahmen. Es existiert keine einzige Fotografie der ursprünglichen Z3. Alles, was heute 37:34 in den Museen steht, sind Rekonstruktionen. Die erste davon baute Zuse selbst 20 Jahre danach aus dem Gedächtnis und aus den erhaltenen 37:43 Unterlagen seiner Patentanmeldung. Sie steht im Deutschen Museum in München. Der Tag selbst überlebte nur als Datum in der Handschrift eines Mannes, der an 37:51 jenem Abend in sein Tagebuch schrieb, was er vorgeführt hatte. Wer die Z32 Zahlen miteinander multiplizieren ließ, musste warten. Der Lochstreifen hielt 38:01 an, die Relais begannen zu arbeiten und es vergingen etwa 3 Sekunden, bis das Ergebnis im Rechenwerk stand. 3 Sekunden für eine einzige Multiplikation. Nach 38:11 heutigen Maßstäben ist das eine unvorstellbar lange Zeit. Ein gewöhnlicher Taschenrechner erledigt dieselbe Aufgabe millionenfach 38:18 schneller. Für die Zeitgenossen dagegen war es ein bemerkenswert schneller Vorgang. Ein Mensch an einer Tischrechenmaschine brauchte für 38:26 dieselbe Multiplikation mit gleitender Kommastelle deutlich länger und er musste dabei ununterbrochen aufpassen. Die Maschine brauchte niemanden, der 38:35 aufpasste. Diese 3 Sekunden entsprachen 16 Arbeitstakten. Daraus lässt sich die Taktfrequenz der Anlage errechnen, etwa 5,3 Hz. Der Takt entstand nicht 38:46 elektronisch, sondern mechanisch. Ein Elektromotor triebalze an, auf der Arme angebracht waren. Jeder Arm schloss beim Vorbeilaufen einen Schalter und die 38:56 unterschiedlichen Winkelabstände der Arme sorgten dafür, dass die verschiedenen Baugruppen zu genau festgelegten Zeitpunkten Strom 39:03 erhielten. [räuspern] Auf diese Weise blieben Rechenwerk, Speicher und Steuerung untereinander abgestimmt. Die Walze hatte noch einen 39:10 zweiten Nutzen, der weniger auffällig, aber für den Dauerbetrieb entscheidend war. Sie unterbrach den Strom im Augenblick des Umschaltens. sodass der 39:18 Funke an der Walze und nicht an den Relaiskontakten entstand. Die Kontakte blieben dadurch frei von Abbrand und hielten jahrelang. Der Aufbau der 39:27 Maschine folgte einer Gliederung, die einem heutigen Betrachter vertraut vorkommt. Es gab einen Speicher für 64 Zahlen. Es gab ein Rechenwerk für 39:36 Gleitkommazahlen. Es gab ein Steuerwerk, das die vom Lochstreifen kommenden Befehle auslegte und in die nötigen Abläufe umsetzte. Es gab Vorrichtungen 39:45 für Eingabe und Ausgabe und es gab Verbindungswege zwischen diesen Teilen, über die Zahlen, Adressen und Steuersignale liefen. 5 Jahre später 39:54 sollten amerikanische Fachleute in einer viel beachteten Schrift genau diese Gliederung als Grundriss künftiger Rechenanlagen fordern. In Berlin war sie 40:04 zu diesem Zeitpunkt seit Jahren gebaut und in Betrieb. Jede Zahl belegtez Stellen. Eine davon trug das Vorzeichen. Sieben bildeten den Exponenten, 14 die 40:15 Mantisse. Die führende Eins der Mantisse musste nicht mitgespeichert werden, weil sie bei normalisierten Zahlen ohnehin immer vorhanden war. Dadurch gewann die 40:25 Maschine eine zusätzliche Genauigkeitsstelle geschenkt. Der Exponent reichte von -64 bis 63. Damit ließen sich Zahlen von etwa einem zeh 40:34 Milliardstel eines Milliardstels bis in den Bereich von vier Trillionen Darstellen. Ein Umfang, der für jede Ingenieurrechnung jenerzeit vollkommen 40:43 ausreichte. Der Befehlsvorrat umfasste neun Befehle. Zwei davon betrafen den Speicher, das Holen einer Zahl aus einer bestimmten Zelle und das Ablegen einer 40:53 Zahl in eine bestimmte Zelle. Fünf betrafen das Rechnen: Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Quadratwurzel. 41:02 Zwei betrafen die Verständigung mit dem Menschen, das Anfordern einer Eingabe und die Anzeige eines Ergebnisses. Mehr gab es nicht. Diese neuen Befehle 41:11 genügten, um die Aufgaben zu bewältigen für die Zuse, die Maschine gebaut hatte. Die Rechenzeiten waren sehr ungleich verteilt. Eine Addition brauchte drei 41:21 Takte, eine Subtraktion 4 oder 5, je nach Ergebnis. Die Multiplikation kostete 16 Takte, die Division 18, die Quadratwurzel 20. Das Holen einer Zahl 41:33 aus dem Speicher dauerte einen Takt, das Ablegen keinen oder einen, denn wenn das Ergebnis der letzten Rechenoperation ohnehin geschrieben werden musste, ließ 41:42 es sich unmittelbar an die gewünschte Adresse leiten und der Speicherbefehl kostete keine zusätzliche Zeit. Solche Überlappungen finden sich an 41:50 vielen Stellen des Entwurfs. Zuse ließ die Vorbereitung des nächsten Befehls mit dem Abschluss des Laufenden zusammenfallen. Ein Verfahren, das die 41:58 moderne Rechnertechnik unter dem Namen Fließbandverarbeitung kennt. Das Herzstück und zugleich das Meisterstück war das Adierwerk. Bei der gewöhnlichen 42:08 dualen Addition muss der Übertrag Stelle für Stelle weitergereicht werden. Bei 16 Stellen wären das 16 aufeinander folgende Schritte allein für die 42:16 Überträge. Zuse verwendete stattdessen eine selbstentwickelte Schaltung, die den Übertrag im voraus für alle Stellen zugleich ermittelte. Das Verfahren 42:25 beruht darauf, zunächst zwei Zwischenergebnisse zu bilden. Eines, dass die Summe ohne Überträge angibt und eines, das genau jene Stellen 42:33 kennzeichnet, an denen ein Übertrag entsteht. Aus beiden lässt sich das Endergebnis in einem Zug gewinnen. Weil sämtliche Relais gleichzeitig anziehen, 42:43 pflanzt sich der Übertrag nicht von Stelle zu Stelle fort, sondern liegt sofort an. Die Additionszeit ist dadurch von der Länge der Zahl unabhängig. Genau 42:52 diese Idee hatte in der rein mechanischen Ausführung die frühere Maschine überfordert. In Relachnik entfaltete sie ihre volle Wirkung. 43:01 Multiplikation und Division führte die Maschine auf Addition und Subtraktion zurück, ganz ähnlich dem schriftlichen Rechnen von Hand. Bei der Multiplikation 43:11 wurde der eine Faktor entsprechend den einzelnen Stellen des anderen wiederholt hinzugezählt, wobei das Zwischenergebnis in jedem Durchgang um eine Stelle 43:19 verschoben wurde. Bei der Division geschah dasselbe mit Subtraktionen. Das Ziehen der Quadratwurzel führte zu geschickt auf einer Division zurück. 43:28 Gesucht ist eine Zahl, die mit sich selbst multipliziert den Ausgangswert ergibt. Die Maschine setzt daher stelle für Stelle probeweise eine ein und prüft 43:37 anhand des Vorzeichens einer Differenz, ob diese eins bestehen bleiben darf. 20 Takte und das Ergebnis stand. Unter allen Bestandteilen der Maschine gilt 43:47 dieser Algorithmus bis heute als der eleganteste. Steuern ließ sich das alles nur, weil Zuse für jede der aufwendigen Operationen ein eigenes Schaltwerk 43:57 vorsah. Steuerräder, deren Arm sich mit jedem Takt eine Position weiter bewegte und dabei nacheinander bestimmte Schaltergruppen unter Strom setzte. Der 44:07 Arm gab in einem Takt Befehl, den Inhalt eines Registers in ein anderes zu übertragen, im nächsten Takt Befehl, die Ergebnisse zurückzuschreiben. Damit war 44:16 der genaue Ablauf einer Multiplikation nicht in der Verdatung des Rechenwerks festgelegt, sondern in der Anordnung der Kontakte auf dem Rad. Wollte man den 44:25 Ablauf ändern, änderte man das Rad. Die heutige Rechnertechnik nennt ein solches Vorgehen Mikroprogrammierung. Besonders sorgfältig behandelte Zuse 44:34 einen Punkt, den viele spätere Entwicklungen vernachlässigten. Das Verhalten bei Ausnahmefällen. Gleitkommazahlen bringen die 44:42 Schwierigkeit mit sich, dass sich die Null in normalisierter Form nicht darstellen lässt. Zuse löste das durch eine Übereinkunft. Ein Exponent von -64 44:53 bedeutete die Zahl 0. Ein Exponent von 63 bedeutete unendlich groß. Eine eigene Schaltung beobachtete ständig den Ausgang des Exponentenadierwerks 45:04 und setzte bei Bedarf entsprechende Kennzeichen. Damit rechnete die Maschine auch dann richtig, wenn ein Wert null oder unendlich war. Bei Aufgaben, die 45:13 überhaupt kein sinnvolles Ergebnis haben, 0 unendlich weniger unendlich, unendlich geteilt durch unendlich 0 mal unendlich, 45:23 leuchtete auf der Ausgabetafel eine besondere Lampe auf und die Maschine hielt an. Auch Überlauf und Unterlauf des Zahlenbereichs wurden erkannt. Zuse 45:33 gelang das mit wenigen Relais. Er tat es aus einem einfachen Grund. Die Maschine sollte auch dann richtig rechnen, wenn niemand daneben stand. Eine Einrichtung 45:43 fehlte jedoch und ihr Fehlen bestimmte die Beurteilung der Z3 für Jahrzehnte, der bedingte Sprung. Die Maschine konnte den Ablauf eines Programms nicht vom 45:51 Ergebnis einer Rechnung abhängig machen. Schleifen ließen sich noch herstellen, indem man die beiden Enden des Lochstreifens zusammenklebte. 46:00 Aber es gab keine Möglichkeit, an einer Stelle zu prüfen, ob eine Bedingung erfüllt war und je nach Antwort den einen oder den anderen Weg 46:07 einzuschlagen. Nach der verbreiteten Auffassung ist genau diese Fähigkeit das, was eine Rechenmaschine von einem Rechner im 46:14 vollen Sinne unterscheidet. Nach diesem Maßstab wäre die Z3 keine universelle Maschine gewesen, sondern ein sehr weit entwickelter Automat. Der Einwand wiegt 46:24 schwer, denn technisch wäre der bedingte Sprung nicht schwierig gewesen. Bei einem Programm auf Lochstreifen ist er umständlich, doch es hätte nur weniger 46:33 zusätzlicher Schaltungen bedurft. Zuse verzichtete nicht aus Unkenntnis. Er hatte in seinen Schriften jener Jahre zahlreiche Aufgaben beschrieben, die er 46:42 mit seinen Maschinen lösen wollte. und für diese Aufgaben brauchte er den bedingten Sprung nicht. Später, im Zusammenhang mit dem, was er freie 46:51 Rechenpläne nannte, hat er den Gedanken durchaus formuliert. Bei freien Rechenplänen, schrieb er, beeinflussen die eigentlichen Variablen den Ablauf 47:00 der Rechnung und es könne beispielsweise die Art der Operation erst errechnet werden. Der Gedanke war da. In die Maschine gebaut wurde er nicht. Sie war 47:09 für die Aufgaben gedacht, die auf seinem Schreibtisch lagen. Die Antwort auf die Streitfrage kam spät und aus unerwarteter Richtung. 1998 47:19 legte der Informatiker Raul Rochars einen Beweis vor, dass die Z3 im Sinne Tourings eine universelle Rechenmaschine ist. Der Kunstgriff besteht darin, den 47:29 fehlenden bedingten Sprung durch arithmetische Mittel zu ersetzen. Man lässt die Maschine sämtliche Zweige eines Programms nacheinander durchlaufen 47:37 und multipliziert die Ergebnisse mit Faktoren, die je nach Bedingung 0 oder 1 sind. Der unerwünschte Zweig wird dadurch unwirksam, ohne dass ein Sprung 47:47 nötig ist. Ein solches Programm ist außerordentlich unhandlich und in der Praxis kaum brauchbar. Doch für die grundsätzliche Frage genügt es. Rochas 47:57 zeigte damit zugleich, daß der bedingte Sprung für Universalität nicht zwingend erforderlich ist. Damit ist ein Teil der Frage beantwortet und ein anderer offen 48:06 geblieben. Dass die Z3 im theoretischen Sinne universell ist, gilt heute als gezeigt. Ob sie deshalb der erste Computer der Welt genannt werden darf, 48:15 hängt davon ab, welchen Maßstab man anlegt, ob man die tatsächlich eingebauten Befehle zählt oder das, was sich aus ihnen ableiten lässt. ob man 48:23 elektronische Bauweise verlangt oder nicht, ob man den gespeicherten Programmablauf zur Bedingung macht. Verschiedene Länder haben verschiedene 48:31 Antworten gegeben und derselbe Rochas, der den Beweis führte, hat an anderer Stelle festgehalten, dass die Erfindung des Rechners eine gemeinsame Leistung 48:39 zweier Erteile über 12 Jahre hinweg gewesen sei. Unstrittig bleibt, was die Maschine aus 2400 Relais im Mai 1941 konnte. einem geschriebenen Plan folgen, 48:52 ohne dass ein Mensch eingriff. In einer Werkhalle der Hänschel Flugzeugwerke stand um das Jahr 1942 ein Mann vor einer Tragfläche und las Messuhurren ab. 49:03 Es waren viele an die 80 Stück verteilt über die gesamte Fläche des Bauteils. Jede zeigte an, um wie viel die tatsächliche Form an dieser Stelle von 49:12 der vorgeschriebenen abwich. Der Mann notierte die Werte auf einem Bogen, ein zweiter übertog sie in eine Rechenmaschine und daraus ergaben sich 49:20 die Korrekturen, mit denen sich die Fertigungsungenauigkeiten ausgleichen ließen. Der ganze Vorgang dauerte lange und verlangte den Einsatz 49:28 einer ganzen Reihe von Menschen. Wenig später stand an derselben Stelle ein Schrank mit etwa 600 Relais. Er nahm die Werte aller Messuhren unmittelbar auf, 49:38 wandelte die Zeigerstellungen selbsttätig in Zahlen um und führte die vorgeschriebene Rechnung aus. Kein Ablesen, kein Notieren, kein 49:46 Eintippen. [räuspern] Ein Gerät, das eine gemessene Größe in eine Zahl übersetzt, würde man heute einen analog Digitalwandler nennen. Die Anlage 49:55 insgesamt war vermutlich die erste Prozesssteuerung der Welt. Wie es dazu kam, hat mit den eigentömlichen Verhältnissen zu tun, in denen Konrad 50:03 Zuse in diesen Jahren arbeitete. Er lebte zwischen zwei Welten. In der einen war er Statiker im Dienst eines Rüstungsbetriebs, ein Angestellter mit 50:11 festen Aufgaben, der Bauteile berechnete und Berichte schrieb. In der anderen war er ein Erfinder, der eine neue Gattung von Maschine entwickelte, für die sich 50:20 kaum jemand interessierte. Die erste Welt kostete ihn seine Zeit, die zweite gab ihm seinen Sinn und gelegentlich berührten sich beide. Sein Vorgesetzter 50:31 Professor Herbert Wagner leitete bei Henschel die Entwicklung feresteuerter Flugkörper. Wagner verfügte über etwas, das damals mehr wert war als Geld, eine 50:41 hohe Dringlichkeitsstufe. Sie erlaubte ihm Mitarbeiter anzufordern und zu halten. [räuspern] Zuse war dadurch von der Front freigestellt, 50:49 jedoch an einer Arbeit gebunden, die nicht die Seine war. Wagner erwies sich als verständnisvoller Mann. Er ließ seinem Statiker nach Möglichkeit Zeit 50:59 für das eigene Vorhaben und stellte keine Fragen, wenn dieser über eigenen Zeichnungen saß. Ohne dieses Entgegenkommen wäre in jenen Jahren 51:07 nichts entstanden. Aus der Verbindung beider Welten erwogs die Maschine S1. Sie unterschied sich in wesentlichen Punkten von den Anlagen der Z-Reihe. Sie 51:17 war nicht frei programmierbar, ihr Ablauf war fest verdratet, weil sie stets dieselbe Rechnung ausführen sollte. Sie arbeitete mit zwölf Stellen 51:26 und rechnete nach dem dualen Prinzip. Zwei Stück wurden gebaut. Sie ersetzten ein Dutzend Rechnerinnen und Rechner und liefen zwei Jahre lang zuverlässig in 51:35 zwei Schichten täglich. Damit erbrachte Zuse zum ersten Mal den Nachweis, dass seine Technik nicht nur im Versuch, sondern im rauen Betrieb bestand. Die 51:46 Erfahrung mit der S1 führte unmittelbar zur nächsten Stufe. Solange ein Mensch die Messuhren ablas und die Zahlen eingab, blieb der langsamste Teil des 51:55 Vorgangs unverändert. Also entwarf Suse ein verbessertes Modell, die S2. dass die Messwerte selbsttätig abtastete und unmittelbar in den Rechner übernahm. 52:05 Etwa 100 Messuhren wurden nacheinander abgefragt. Damit war der Kreis geschlossen. Ein technischer Vorgang wurde gemessen, das Ergebnis 52:13 unverzüglich verrechnet und aus der Rechnung ergaben sich die Anweisungen für den nächsten Arbeitsschritt. Genau das ist der Grundgedanke jeder 52:20 Prozessrechentechnik. Imselben Zeitraum machte sich Zuse selbständig. 1941 entstand in Berlin das Zuseingenieurbüro und Apparatebau. Es 52:30 war ein sehr kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern und dennoch ein bemerkenswerter Vorgang. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Betrieb zu 52:38 dem einzigen Zweck gegründet, Rechenanlagen zu entwickeln. Zuse blieb nebenher Statiker bei Henschel. Er führte damit zwei Berufe zugleich aus in 52:47 einer Stadt, die zunehmend unter Luftangriffen l. Die Bombardierungen Berlins nahmen von 1943 an eine Heftigkeit an, die den Alltag völlig 52:56 veränderte. Angriffe erfolgten fast täglich. Ganze Straßenzüge verschwanden binnen einer Nacht. Materialbeschaffung wurde zum Glücksspiel. Arbeitskräfte 53:06 waren kaum noch zu bekommen und die Werkstätten mussten mehrfach verlegt werden. In diesen Verhältnissen weiterzuarbeiten verlangte eine 53:13 Beharlichkeit, die schwer nachzuvollziehen ist. Zuse arbeitete weiter. In der Nacht zum 21. Dezember 1943 53:23 traf ein Luftangriff die Gegend um die Mädfesselstraße. Die Werkstatt wurde zerstört, mit ihr die Z3 und mit ihr sämtliche Zeichnungen, sämtliche 53:32 Aufnahmen, sämtliche Unterlagen, die sich dort befanden. [räuspern] Von der ersten funktionsfähigen, programmgesteuerten Rechenmaschine der 53:39 Welt blieb nicht ein Bauteil, nicht ein Blattpapier, nicht eine einzige Fotografie übrig. Was von ihr übrig blieb, war das Gedächtnis eines Mannes 53:48 und der Text einer Patentanmeldung, die anderen Orts lag. Zuse hat über diese Nacht später erstaunlich nüchtern gesprochen. In Berlin verlor damals 53:57 jeder etwas und viele verloren ungleich mehr. Doch der Verlust hatte eine Eigenart, die ihn von anderen unterschied. Die Maschine war der 54:05 einzige Beweis für das, was er geleistet hatte. Ohne sie stand nur noch seine Behauptung im Raum, und Behauptungen von Einzelnen wogen in den folgenden Jahren 54:14 wenig. Ein zweites Verschwinden aus jener Zeit ist bis heute ungeklärt geblieben. Die S2, jene Anlage, die Messwerte selbsttätig aufnahm und 54:24 verarbeitete, absolvierte ihre Erprobung an einer Fertigungsstraße im Sudetenland. Zum vollen Einsatz kam sie nicht mehr, 54:32 denn der Krieg erzwang die Verlagerung des gesamten Werks. Danach verliert sich ihre Spur vollständig. Über ihr weiteres Schicksal gibt es keine gesicherte 54:40 Kenntnis. Was das bedeutete, wird erst durch einen Vergleich deutlich. Die Z3 war zu diesem Zeitpunkt zerstört. Die Z4 war noch nicht fertig. Die 54:50 amerikanischen Anlagen, die später bekannt wurden, waren noch nicht in Betrieb. Wenn die S2 den Krieg unbeschädigt überstand, dann war sie in 54:58 jenen Monaten möglicherweise der einzige arbeitsfähige Rechenautomat auf der Welt. Zuse selbst hat vermutet, dass das Werk in sowjetische Hände fiel und die 55:07 Anlage damit dorthin gelangte. Er fügte allerdings sogleich hinzu, es sei unwahrscheinlich, dass jemand mit ihr etwas hätte anfangen können, selbst wenn 55:16 man sie unbeschädigt vorgefunden hätte. Eine Maschine ohne Beschreibung, ohne Anleitung, ohne den Menschen, der ihre Logik im Kopf trug, war ein Schrank 55:26 voller Relais. Damit endet die Spur der S-Reihe. Andere Vermutungen sind geäußert worden, daß die Anlage bereits bei der Verlagerung verloren ging, daß 55:35 sie als Altmaterial verwertet wurde, dass sie in einem Lagerbestand unerkannt zugrunde ging. Keine dieser Möglichkeiten lässt sich belegen, keine 55:44 widerlegen. Es gibt keine Zeugen, keine Bestandsverzeichnisse, keine Aufnahmen. Die erste Prozesssteuerung der Welt existiert nur noch als Beschreibung in 55:54 den Erinnerungen ihres Erbauers. Für Zuse selbst war die Bilanz dieser Jahre eigentümlich zwiespältig. Er hatte technisch gesehen mehr erreicht als je 56:02 zuvor. Er hatte gezeigt, dass seine Maschinen im Dauerbetrieb bestanden, dass sie Menschen ersetzen konnten und dass sich ihr Anwendungsbereich weit 56:11 über das reine Zahlenrechnen hinauserstreckte. Er hatte ein eigenes Unternehmen und zugleich besaß er von allem, was er gebaut hatte, am Ende 56:19 dieser Zeit fast nichts mehr. Die Z1 war längst verschrottet, die Z2 verschwunden, die Z3 zerbombt, die S-Maschinen verloren. Was ihm blieb, war 56:29 eine unfertige Anlage in Kisten und Gestellen und die Überzeugung, dass die Sache selbst nicht verloren gehen konnte, weil sie in Gedanken bestand und 56:38 Gedanken sich nicht bombardieren lassen. Auf diese Überzeugung hin richtete er sein weiteres Handeln aus. Er kämpfte in den kommenden Monaten nicht mehr um 56:46 Anerkennung, nicht um Aufträge und nicht um seine Stellung. Er kämpfte um eine einzige Maschine. Auf dem Ladeplatz standen Kisten und Gestelle, sorgfältig 56:56 verschnürt, und niemand wußte, wohin sie fahren sollten. Es war das Frühjahr 1945. Aus dem Osten näherte sich eine Front, 57:05 aus dem Westen eine zweite. Zwischen beiden lag ein Land, dessen Verkehrswege zerstört, dessen Bahnhöfe getroffen und dessen Straßen von Flüchtlingstrecks 57:14 verstopft waren. In den Kisten befand sich eine Rechenanlage, an der ein kleiner Kreis von Menschen seit 3 Jahren gearbeitet hatte und die kurz vor der 57:23 Fertigstellung stand. Sie war das einzige, was von jahrelanger Arbeit noch vorhanden war. Begonnen hatte der Bau der Z4 um 1942, 57:33 als beschlossen wurde, eine leistungsfähigere Nachfolgerin der zerstörten Maschine zu schaffen. Die Erwartungen waren zuversichtlich. Man 57:41 rechnete mit anderthalb Jahren Bauzeit. Vorgesehen war ein mechanischer Speicher mit 1024 Zahlen mehrere Lochstreifen Leser und Locher sowie Einrichtungen für 57:52 eine beweglichere Programmierung. Der Speicher kehrte zur Mechanik zurück, weil sich diese Bauweise für reine Ablage bewährt hatte und weil Relais in 58:00 dieser Menge unbezahlbar geworden waren. Das Rechenwerk blieb bei Relais, etwa 2200 an der Zahl und arbeitete mit einer Wortlänge von 32 Stellen. Der Anfang 58:12 verlief gut, dann holte der Krieg das Vorhaben ein. Material war nur noch über Zuteilungen zu bekommen. Fachkräfte wurden eingezogen und von 1943 an 58:22 bestimmten die Luftangriffe den Tagesablauf. Der Standort der Anlage musste mehrfach gewechselt werden. Jeder Umzug bedeutete 58:30 Abbau, Transport, Wiederaufbau und Neujustierung. Wochen, in denen nicht gearbeitet werden konnte. Die veranschlagten anderthalb Jahre wurden 58:39 zu drei und fertig wurde die Maschine erst, als der Krieg zu Ende ging. In den letzten Wochen fand die Gruppe Zuflucht in Göttingen. Dort wurde die Z4 im 58:48 Laboratorium der aerodynamischen Versuchsanstalt aufgestellt. Am 28. April 1945 konnte sie den Professoren Prantel, 58:58 Bettz und Küssner vorgeführt werden. Die Namen wiegen schwer. Ludwig Prantel gilt als Begründer der modernen Strömungslehre. Albert Betz war einer 59:07 der führenden Fachleute für Strömungsmechanik. Hans Georg Küssner hatte jene Determinanten entwickelt, deren Berechnung die Z34 Jahre zuvor 59:17 bewältigt hatte. Diese drei Männer sahen eine funktionierende Rechenanlage. Es war eine Vorführung vor der ersten Reihe der deutschen Forschung und sie fand 59:26 statt, als um sie herum ein Staat zusammenbrach. Für die Maschine bedeutete Göttingen nur ein Zwischenspiel von wenigen Wochen. 59:34 Die Stadt geriet in Gefahr, eingenommen zu werden und niemand konnte sagen, ob sie zuvor noch angegriffen würde. Dann kam eine Anordnung des 59:42 Luftfahrtministeriums. Die Anlage sei, in die unterirdischen Werke im Harz zu verbringen. Dort, in den Stollen des Koins, wurden Untertage 59:50 die sogenannten Vergeltungswaffen gefertigt. Die Gruppe fuhr hin. Was sie dort vorfand, veranlasßte sie den Befehl, nicht auszuführen. In den 1:00:00 Stollen arbeiteten Häftlinge unter Bedingungen, die Zuse später als furchtbar bezeichnete. Erst an diesem Ort erfuhren er und seine Begleiter, 1:00:09 unter welchen Umständen diese Waffen entstanden. Sie weigerten sich, die Maschine dort zurückzulassen. Über diesen Ort ist viel geschrieben 1:00:17 worden und die historische Forschung hat ihn eingehend untersucht. Für die Geschichte der Z4 ist er der Punkt, an dem eine technische Odyssee auf etwas 1:00:26 trifft, das mit Technik nichts mehr zu tun hat. Zuse hat in seinen späteren Darstellungen keinen Zweifel daran gelassen, dass ihn das Gesehene 1:00:35 erschütterte. Er hat sich zugleich nie als Widerstandskämpfer dargestellt. Er war ein Ingenieur, der in einem Rüstungsbetrieb gearbeitet hatte, weil 1:00:44 das der Weg war, auf dem er seine Arbeit fortsetzen konnte und der sich in dem Augenblick verweigerte, indem ihm die Folgen unmittelbar vor Augen standen. 1:00:53 Über die moralische Lage der Ingenieure jener Jahre wird bis heute unterschiedlich geurteilt und die Antworten fallen je nach Standpunkt 1:01:00 verschieden aus. Um wegzukommen, brauchte die Gruppe ein Fahrzeug und Fahrzeuge waren in diesen Wochen kaum zu bekommen. Hilfe kam aus einer Richtung, 1:01:09 die zu den Merkwürdigkeiten dieser Geschichte gehört. Mitarbeiter aus dem Umkreis Wernh von Bruns, der Raketenentwicklung leitete, verschafften 1:01:18 ihnen einen Lastwagen. So konnten die Kisten aufgeladen werden und die Fahrt ging weiter nach Süden. Was folgte, war eine Reise durch ein zerfallenes Land. 1:01:28 Die Fronten verschoben sich täglich. Brücken waren gesprengt, Straßen gesperrt. Treibstoff war eine Rarität. Ein Lastwagen mit unbestimmter Ladung 1:01:36 und Papieren, deren Aussteller es bald nicht mehr geben würde, konnte an jeder Kontrolle aufgehalten werden. Die Fahrt führte über Bayern immer weiter nach 1:01:44 Süden bis in ein Alpendorf namens Hinterstein im Algu. Dort fand sich schließlich ein Platz, an dem die Maschine untergebracht werden konnte. Zu 1:01:52 diesem Zeitpunkt war die Z4 die einzige überlebende Anlage aus Zus gesamter Arbeit. Die erste Maschine existierte nicht mehr, die zweite ebenso wenig. Die 1:02:02 dritte war zerbombt, die Sondermaschinen verschwunden. Wäre auf dieser Fahrt etwas geschehen, ein Angriff, eine Beschlagnahme, ein Achsbruch auf einer 1:02:11 Gebirgsstraße, so wäre von den Rechenanlagen der Jahre 1936 bis 45 kein einziges Stück auf die Nachwelt gekommen. Der gesamte 1:02:21 materielle Bestand einer neuen Technik lag auf einer Ladefläche. In Hinterstein kam die Anlage zur Ruhe und mit ihr die Menschen. Berlin lag hinter ihnen. Die 1:02:31 Firma war aufgelöst, die Gruppe zerstreut. Wer aus der Stadt herausgekommen war, war zunächst einmal froh, überlebt zu haben. Für Zuse begann 1:02:39 ein Jahr von seltsamer Stille. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt gab es keine Luftangriffe, keine Behörden, keine Termine, keine Anrufe, keine 1:02:47 Besucher. Es gab eine Berglandschaft, eine untergestellte Maschine und viel Zeit. Später kamen britische und amerikanische Fachleute, sprachen mit 1:02:56 ihm und besen sich die Anlage. Sie stellten Fragen, machten sich Notizen und zogen weiter. Zu jenen deutschen Wissenschaftlern, die nach dem Krieg von 1:03:05 den Siegermächten übernommen wurden und ihre Laufbahn anderen Orts fortsetzten, gehörte zu nicht. Er blieb, wo er war. 1947 1:03:14 wurde die Maschine von Hinterstein nach Hopferrau bei Füssen gebracht und dort in einem ehemaligen Pferdestall wieder betriebsbereit aufgestellt. Es war ein 1:03:22 Wiederaufbau unter denkbar einfachen Verhältnissen ohne Werkstatt, ohne Ersatzteile, ohne Zulieferer. Während in den Vereinigten Staaten die Entwicklung 1:03:31 von Rechenanlagen mit erheblichen Mitteln vorangetrieben wurde, standen in Hinterstein Werkzeug und Erfindungsgabe zur Verfügung und sonst wenig. Am Ende 1:03:40 lief die Anlage. Nach mancherlei Umbau und weiteren Verbesserungen wurde sie um 1950 an der technischen Hochschule in Zürich aufgestellt, wo sie mehrere Jahre 1:03:51 lang arbeitete und in dieser Zeit der einzige betriebsfähige Rechner auf dem europäischen Festland war. Heute steht sie als historisches Gerät im Deutschen 1:04:00 Museum in München. Nicht mehr in voller Funktion, aber vollständig. die einzige Maschine aus Zus Berliner Jahren, die dieselbe ist, die damals gebaut wurde 1:04:10 und nicht ein später Nachbau. Sie verdankt das einem Lastwagen, einer Verweigerung und einer Fahrt durch ein Land, das in jenen Wochen aufhörte zu 1:04:19 bestehen. In einem Alpendorf im Algu saß im Jahr 1945 ein Mann an einem Tisch und schrieb Schaufgaben auf. Er notierte, wie ein 1:04:28 Springer zieht, wann ein König im Schach steht, wie sich feststellen lässt, ob ein Zug erlaubt ist. Er tat das nicht in Worten und nicht in der üblichen 1:04:36 Schachnotation, sondern in einer Zeichensprache, die er selbst entwickelt hatte. Draußen lag Schnee auf den Bergen. Das Land rings um war zerstört. 1:04:46 Es gab keine Post, keine Aufträge und keine Aussicht auf Arbeit. Und der Mann, der über diesen Blättern saß, hatte Schach eigens erlernt, um es 1:04:55 aufschreiben zu können. Ein besonders guter Spieler wurde er nie. Über 60 Seiten füllte er mit Schachprogrammen. Sie waren Teil eines Werks, das er 1:05:04 Theorie der angewandten Logistik nannte und indem er ein Vorhaben ausarbeitete, das ihn seit Jahren beschäftigte. Eine allgemeine Sprache zur Beschreibung von 1:05:14 Rechenvorgängen. Er nannte sie Plankalkül. Es war die erste höhere Programmiersprache der Welt. Der Weg 1:05:22 dorthin hatte weit zurückgereicht. Schon während der Arbeit an den Maschinen hatte Zuse bemerkt, dass die Geräte nur die eine Hälfte des Problems lösten. Die 1:05:31 andere Hälfte bestand darin, ihnen mitzuteilen, was sie tun sollten. Solange es um einzelne Formeln ging, genügte eine Ainanderreihung von 1:05:39 Befehlen. Sobald aber umfangreichere Aufgaben mit vielen Zwischenschritten, wiederkehrenden Teilstücken und verwickelten Abhängigkeiten anstanden, 1:05:48 wurde diese Ainanderreihung unübersichtlich. Es fehlte ein Mittel, um die Beziehungen innerhalb einer Rechnung genau zu 1:05:55 fassen. Gegen Kriegsende war ihm ein Mitarbeiter zugewiesen worden, der Mathematiker Lierer, ein Schüler des Logikers Heinrich Scholz aus Münster. 1:06:04 Damit kam Zuse zum zweiten Mal mit der mathematischen Logik in Berührung, diesmal auf einem höheren Niveau. Ihn reizten vor allem der Prädikatenkalkül 1:06:14 und der Relationenkalkül und zwar aus einem Grund, der unmittelbar aus seinem ersten Beruf stammte. Ein Fachwerk im Bauwesen, 1:06:21 überlegte er, ähnelt in seiner Struktur den Grafen des Relationenkalküls. Man kann ein Fachwerk als Liste von Knotenpaaren aufschreiben und damit in 1:06:31 Daten zerlegen. Diese Daten lassen sich speichern und verarbeiten. [räuspern][schnauben] Also müsste eine Maschine nicht nur Zahlen ausrechnen, 1:06:38 sondern Konstruktionen behandeln können, etwas, das bis dahin ausschließlich der menschliche Verstand vermochte. Aus dieser Überlegung erwuchs eine 1:06:47 Erweiterung des Rechenbegriffs, die Zuse selbst für seine wichtigste Einsicht hielt. Schon 1935 und 36 war ihm klar geworden, dass sich 1:06:56 sämtliche Daten durch Bitmuster darstellen lassen und das Rechnen nichts anderes bedeutet als die Bildung neuer Daten aus vorgegebenen nach festen 1:07:05 Regeln. Von Bitz sprach damals niemand. Er sagte ja nein wert. Aus dieser Definition folgte seine Grundtese: "Die Datenverarbeitung beginnt beim Bit." Was 1:07:16 sich in Bits darstellen lässt, lässt sich verarbeiten. Zahlen ebenso wie Buchstaben, Konstruktionen, Namen, Spielstellungen. Das Schachspiel diente 1:07:25 ihm dabei als Prüfstein. Es bot auf engem Raum eine Fülle von Datenstrukturen, 64 Felder, sechs Figurenarten, zwei Farben, eine 1:07:34 überschaubare Menge von Regeln und daraus eine unübersehbare Menge von Stellungen. Wenn eine Zeichensprache stark genug war, um Schachprobleme zu 1:07:43 beschreiben, dann war sie stark genug für die Aufgaben von Rechenanlagen überhaupt. Der Begriff der algorithmischen Sprache war ihm zu 1:07:50 dieser Zeit unbekannt. Genau eine solche schuf er. Der Plankalkül unterschied sich in einem entscheidenden Punkt von allem, was ein Jahrzehnt später 1:07:59 entstehen sollte. Er war nicht dazu gedacht, die Z4 oder irgendeine andere vorhandene Maschine zu programmieren. Sein Zweck war ein weiterer. Er sollte 1:08:08 helfen, die Gesetzmäßigkeiten von Schaltungen einheitlich zu formulieren für die Gleitkommare Rechnung ebenso wie für die Planung von Befehlsfolgen. Er 1:08:17 umfasste also beides, was man heute Hardware und Software nennt. Diese Begriffe kannte Zuse nicht. Sie kamen erst viel später aus dem englischen 1:08:25 Sprachraum und setzten sich dann allgemein durch. Damit ist der eigentümlichste Zug dieser Arbeit benannt. Ein Mann entwarf eine Sprache 1:08:33 für Maschinen, die es nicht gab. Die einzige Anlage, die ihm zur Verfügung stand, war für ihre Ausführung viel zu klein. Kein Übersetzungsprogramm 1:08:42 existierte, keines wurde geschrieben. Es gab nichts, worauf sich ein Plankalkülprogramm hätte ausführen lassen. Zuse arbeitete trotzdem daran 1:08:52 und zwar aus einem Grund, der seiner ganzen Denkweise entspricht. Er hatte an den Maschinen gelernt, daß eine Vorschrift wichtiger ist als das Gerät, 1:09:00 das sie ausführt. Die Formulare in seinem ersten Beruf hatten eine Rechnung beschrieben, unabhängig davon, wer sie ausführte. Die Aussagenrechnung hatte 1:09:08 Schaltungen beschrieben, unabhängig davon, ob sie aus Blechen oder aus Relais bestanden. Nun sollte eine Sprache Rechenvorgänge beschreiben, 1:09:16 unabhängig davon, welche Anlage sie später ausführen würde. Der Gedanke ging der Verwirklichung voran, wie er es immer getan hatte. Neben dem Planalkül 1:09:26 entstand in diesen Monaten noch ein anderes Vorhaben, das er die programmfertigende Maschine nannte. Es sollte umfangreiche Programme aus 1:09:34 Teilprogrammen nach vorgegebenen Kennwerten zusammensetzen, die dafür nötigen Adressumrechnungen leisten und Ingenieurkonstruktionen 1:09:43 mit Hilfe von Paarlisten behandeln, aus denen sich ein Rechenprogramm ableiten ließe. Die Arbeit war gegen Kriegsende vom Luftfahrtministerium in Auftrag 1:09:52 gegeben worden. Sie erwies sich als zu weit angelegt und kam über das Reißbrett nicht hinaus. Der zugrunde liegende Gedanke, Rechner 1:10:01 nach numerischen und logischen Aufgaben zu trennen, hat sich später nirgends durchgesetzt, weil die Elektronik so schnell wurde, dass eine einzige 1:10:08 Maschine beides erledigen konnte. Mit dem Plankalkül berührte Zuse auch zum ersten Mal ein Feld, das erst Jahrzehnte später einen Namen erhielt. Er war sich 1:10:18 völlig darüber im Klaren, daß keine seiner Maschinen jemals Rechnungen dieser Art würde ausführen können. Doch der Kombinationsspeicher und die 1:10:27 allgemeine Schaltungslogik wiesen für ihn in die richtige Richtung. Was heute künstliche Intelligenz heißt, war für ihn die folgerichtige Fortsetzung des 1:10:35 Gedankens, dass alle Daten aus Ja Neinwerten bestehen. Während er in den Bergen schrieb, drang eine Nachricht aus Amerika nach Europa. In Pennsylvania war 1:10:46 eine Rechenanlage in Betrieb gegangen, die mit 18 000 Elektronenröhren arbeitete. Die Zahl ging um die Welt. Suse und seine Bekannten konnten nur den 1:10:55 Kopf schütteln und sich fragen, wozu viele Röhren nötig sein sollten. Ihr eigenes Denken hatte sich seit jeher am Grundsatz des geringsten Aufwands 1:11:04 ausgerichtet, denn andere Mittel hatten sie nie besessen. Diese Not hatte sie gezwungen, jede Schaltung mehrfach zu überdenken, bis sie mit dem 1:11:11 geringstmöglichen Materialeinsatz auskam. Die Wege der alten Freunde trennten sich in dieser Zeit endgültig. In Westdeutschland war es zunächst 1:11:20 untersagt, elektronische Geräte zu entwickeln. Helmut Schreier, dessen ganzes Interesse der Röhrentechnik galt, sah für sich 1:11:27 keine Möglichkeit, seine Forschungen fortzusetzen und ging nach Brasilien, wo er einen Lehrstuhl übernahm. Dann kam Besuch nach Hinterstein. Es hatte sich 1:11:36 herumgesprochen, daß in Südbayern eine Rechenanlage arbeitete. Aus den Vereinigten Staaten erging an eine deutsche Gesellschaft der Auftrag, der 1:11:44 Sache nachzugehen. Es folgten ausführliche und vielversprechende Gespräche über mögliche Anwendungsgebiete. 1:11:51 Ein Vertrag kam nicht zustande, denn entschieden wurde jenseits des Atlantiks und Interesse bestand dort im Wesentlichen an den Schutzrechten. nicht 1:12:00 einmal die Zusage, dass Zuse die Entwicklung würde fortführen dürfen, war zu erreichen. Rechenanlagen galten damals schlicht als nicht besonders 1:12:08 wichtig. Mehr Erfolg brachte eine zweite Verbindung. Ein amerikanisches Büromaschinenunternehmen erteilte den Auftrag, die Entwicklung fortzusetzen. 1:12:18 Zunächst in einem besonderen Vorhaben zur mechanischen Relichnik. Der Elektronik traute man noch nicht ganz und wollte einen zweiten Weg offen 1:12:27 halten. Zuse und seine Mitarbeiter waren längst vom Gegenteil überzeugt und arbeiteten damit gegen die eigene Einsicht. Die Maschine wurde dennoch 1:12:36 bemerkenswert. Der erste Fließbandrechner der Welt, eine Lochkartenmaschine, in die zwischen Kartenleser und Kartenlocher eine Reihe 1:12:45 mechanischer Adierwerke eingebaut war. Multipliziert wurde durch wiederholtes Adieren und die Genauigkeit war trotz der langsamen Mechanik 1:12:52 zufriedenstellend. Etwa 40 Zusatzgeräte entstanden in dieser Bauart, von denen die meisten in die Schweiz gingen. Über den Plankkalkül 1:13:01 selbst legte sich unterdessen Stille. Die Arbeit blieb unveröffentlicht, denn es gab in Deutschland keine Zeitschrift und keine Einrichtung, die sie hätte 1:13:09 aufnehmen können. Als etwa ein Jahrzehnt später die ersten Programmiersprachen entstanden, waren diese von anderer Art. Sie richteten sich nach den vorhandenen 1:13:19 elektronischen Maschinen und behandelten in erster Linie bedingte Verzweigungen und Adressumrechnungen. Für logische Operationen, für Prädikaten 1:13:28 und Relationenkalkül für Schachprogramme bestand kaum Nachfrage. Die These, dass die Datenverarbeitung beim Bit beginnt, galt 1:13:36 den Mathematikern der Zeit nicht als grundlegend. Zuß es eigenes Urteil viel selbstkritisch aus. Der Plankalkül sei zutief in schwierige Rechnungen 1:13:45 eingedrungen, die man besser der Zukunft überlassen hätte. Hinzukam, daß er in den frühen 50er Jahren vollständig vom Aufbau seines Unternehmens in Anspruch 1:13:54 genommen war. Genau in dem Zeitraum, in dem die Programmiersprachen an Bedeutung gewannen und die großen Fachdiskussionen geführt wurden. An diesen Gesprächen 1:14:04 konnte er nicht teilnehmen. Der Plankalkül wurde erst viel später aus historischem Interesse veröffentlicht, auch in englischer Sprache. Die Fachwelt 1:14:13 erkannte dann, dass hier eine Sprache vorlag, die in manchem den logischen Programmiersprachen näher stand als den Befehlsorientierten ihrer Zeit. Was in 1:14:23 einem Alpendorf entstanden war, kam damit ans Licht, als die Entwicklung längst andere Wege gegangen war. Ein Schweizer Professor stieg um das Jahr 1:14:32 1949 aus dem Wagen und betrat einen umgebauten Stall in Süddeutschland. Er hieß Eduard Stiefel, lehrte angewandter Mathematik an der 1:14:41 eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich und suchte für sein Institut eine Rechenanlage. In Amerika waren solche Anlagen im 1:14:49 Entstehen, doch sie waren nicht käuflich. und schon gar nicht in Europa. Was er in diesem Stall vorfand, war eine Maschine aus Relais und mechanischem 1:14:58 Speicher, drei Jahre zuvor über verstopfte Straßen hierher gebracht, in einem Bauwerk aufgestellt, das für Vieh errichtet worden war. Stiefel ließ sich 1:15:08 eine Rechnung vorführen. Dann entschied er, die Anlage für seine Hochschule zu mieten. [räuspern] Diese Entscheidung veränderte alles. Sie brachte nicht nur 1:15:16 Geld, sondern etwas, das schwerer wog. die Bestätigung durch eine angesehene Einrichtung des Auslands. Die Anlage wurde überarbeitet und um Fähigkeiten 1:15:26 erweitert, die ihr bislang gefehlt hatten, insbesondere um den bedingten Sprung und um den Aufruf von Unterprogrammen über einen zweiten 1:15:34 Lochstreifenleser. Ein Schreibgerät kam als Ausgabe hinzu. 1950 wurde sie in Zürich aufgestellt und arbeitete dort bis 55 im Institut für 1:15:44 angewandte Mathematik. In diesen Jahren war sie der einzige betriebsfähige Rechner auf dem europäischen Festland. Studenten und Wissenschaftler in Zürich 1:15:53 rechneten damit Aufgaben, für die anderswo in Europa niemand ein Gerät besaß. 1949 gründete Zuse mit einigen Freunden in 1:16:03 Neukirchen im Kreis Hühnfeld etwa 120 km nördlich von Frankfurt die Zuse Kommanditgesellschaft. Der Zweck war Rechenanlagen zu bauen und 1:16:13 zu verkaufen. Man muß sich die Lage vergegenwärtigen, um die Kühnheit dieses Schritts zu ermessen. Deutschland lag in Trümmern. Die Währung war gerade erst 1:16:22 neu geordnet. An Investitionsgütern herrschte allgemeiner Mangel und ein Markt für Rechenanlagen bestand nicht. Er musste erst geschaffen werden. Wer 1:16:31 damals ein Unternehmen für Rechner gründete, verkaufte etwas, von dem die möglichen Kunden noch nicht wussten, daß sie es brauchten. Das Jahr 1950 brachte 1:16:40 drei Aufträge, die den Betrieb trugen. Der erste war die Vermietung nach Zürich, der zweite kam von einem amerikanischen Büromaschinenkonzern, 1:16:48 der eine Serie von 30 Rechenlochern bestellte. Der Dritte kam aus Wetzler. Die Firma Lightz stellte optische Geräte her und war durch ihre Kleinbildkamera 1:16:57 weltbekannt geworden. Die Berechnung von Linsen gehört zu den rechenaufwendigsten Aufgaben der Technik überhaupt. Jeder Lichtstrahl muss durch jede Fläche 1:17:06 verfolgt werden und für ein einziges Objektiv sind tausende solcher Verfolgungen nötig. Ein Rechenbüro brauchte dafür Monate. Le besaß die 1:17:15 Mittel und bestellte eine eigene Anlage, die Z, eine Weiterentwicklung mit zahlreichen Lochstreifenlesern. etwa sechm so schnell wie die Vorgängerin mit 1:17:25 42 Stellen Wortlänge. Sie war die größte Relaisrechenanlage Deutschlands und der erste kommerziell verkaufte Rechner des Landes. Der Preis betrug 300.000 Mark 1:17:35 und Leits zahlte im voraus. Diese Vorauszahlung war die eigentliche Grundlage des Unternehmens. Mit ihr ließ sich einstellen, einkaufen, bauen. Aus 1:17:44 dem Stall wurde ein Betrieb. Was folgte, war ein Aufstieg, der in der deutschen Wirtschaftsgeschichte jener Jahre seinesgleichen sucht. 1954 1:17:54 kam die Z1 heraus und mit ihr fand zu sie einen Markt, den außer ihm niemand sah. In Deutschland lief die Flurbereinigung in vollem Gang. Die über 1:18:04 Generationen zersplitterten Ackerflächen wurden neu geordnet und jede Neuordnung verlangte umfangreiche Vermessungsrechnungen. 1:18:12 Die Z11 rechnete mit gleitender Kommastelle, war frei programmierbar und ließ sich durch Tastendruck bedienen. 48 Stück wurden gebaut für 1:18:21 Vermessungsämter, für die optische Industrie und für Versicherungen. Die Anwender schätzten an ihr etwas, das später verloren ging. Sie konnten 1:18:29 jederzeit verfolgen, wie die Rechnung voranschritt und behielten alles unter Kontrolle. Mit zunehmender Selbsttätigkeit wurde daraus im Lauf der 1:18:37 Zeit ein Geflecht von Verzweigungen, das kaum noch zu durchschauen war und die Software wurde zum wachsenden Problem. 1956 1:18:46 folgte die Z22, die erste elektronische Anlage des Unternehmens mit Röhren und einem Magnetrommelspeicher für 8192 1:18:55 Wörter. Sie war zugleich die erste Anlage, bei der das Programm im Speicher stand. 58 Stück entstanden und sie fanden ihren Weg vor allem an 1:19:04 Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen zu einem Preis, der deutlich unter dem der amerikanischen Wettbewerber lag. Zwei Jahre später kam 1:19:13 die Z23, die erste Transistoranlage des Hauses, mit derselben Logik, aber dreimal so schnell. Von ihr wurden über 100 Stück 1:19:22 gebaut. Sie war der größte Erfolg des Unternehmens. Aus derselben Zeit stammt eine Entwicklung, die auf ein ganz anderes 1:19:28 Feld führte. Vermessungsfachleute wünschten sich, dass die zuvor berechneten Karten selbsttätig gezeichnet würden und legten dabei 1:19:36 größten Wert auf Genauigkeit. Daraus entstand der Grafomat, das erste rechnergesteuerte Zeichengerät, das auf ein 20 mm genau arbeitete. Das Interesse 1:19:47 war groß, auch außerhalb der Vermessung. Es waren die ersten Schritte in Richtung dessen, was später Rechnerunterstütztes Konstruieren genannt wurde. Wie weit 1:19:56 Zuse dabei vorauschte, zeigt ein Vorgang aus dem Jahr 1964. Er verhandelte mit einem großen europäischen Teppichhersteller über die 1:20:06 Rechnergestützte Steuerung einer Webmaschine und schlug vor, bereits beim Entwurf des Musters anzusetzen. Sein erklärtes Ziel war nicht, den Handwerker 1:20:15 überflüssig zu machen, sondern ihm ein neues Werkzeug zu geben. Der Vorschlag stieß bei allen Beteiligten auf vollständige Ablehnung und der Vertrag 1:20:23 kam nicht zustande. Es war nicht das erste Mal, dass er die Erfahrung machte, dass es nicht immer von Vorteil ist, der erste zu sein. 1964 beschäftigte das 1:20:33 Unternehmen in Bad Hersfeld etwa 1200 Menschen. Aus einer Gründung im Stall war ein bedeutender Industriebetrieb geworden. Insgesamt sollten von 1949 1:20:44 bis 71 mehr als 800 Anlagen entstehen und imselben Jahr musste Zuse die Führung aus der Hand geben. Ein Unternehmen, das Jahr für Jahr gewachsen 1:20:54 war, das über eine ganze Reihe erfolgreicher Baureihen verfügte und dessen Gründer als der maßgebliche Kopf der europäischen Rechnertechnik galt, 1:21:03 geriet in eine Lage, aus der es sich nicht mehr selbst befreien konnte. Die Gründe lagen in der Natur des Geschäfts. Die Entwicklungskosten stiegen 1:21:12 unaufhörlich und zwar auf beiden Seiten. Die Anlagen selbst wurden aufwendiger und zugleich wuchsen die Aufwendungen für die Software, die zuvor kaum eine 1:21:21 Rolle gespielt hatten. Wer mithalten wollte, brauchte Kapital in einer Größenordnung, die ein aus dem nichts gewachsenes Unternehmen nicht aufbringen 1:21:29 konnte. Hinzu kam die Ausrichtung des Hauses. Zuse hatte stets für kleine und mittlere Betriebe gebaut, für Vermessungsämter, Optikfirmen, 1:21:38 Institute. In den frühen Jahren war das genau richtig gewesen, denn die großen Mittel gab es nirgends. Später jedoch wurden die Forschungsabteilungen 1:21:47 erheblich besser ausgestattet und kauften große teure Anlagen, jenen Bereich also, den das Unternehmen Mangelskapital nicht bedienen konnte. Es 1:21:57 hatte den Kunden den Appetit gemacht und sah zu, wie diese anderswo bestellten. Ein weiterer Umstand kam hinzu, der späte Übergang zur reinen Elektronik. 1:22:06 Zusatentscheidung für Relais war lange richtig gewesen, weil sie zuverlässig arbeiteten, als der Elektronik noch niemand traute. Als die elektronischen 1:22:15 Bauteile ausgereift waren, hatten andere einen Vorsprung und überall stand die Übermacht der amerikanischen Rechnerindustrie, die in Europa in 1:22:23 diesen Jahren einen Marktanteil gewann, gegen den ein mittelständisches Haus in Hessen wenig ausrichten konnte. Die Folge war der schrittweise Verlust der 1:22:31 Selbstständigkeit. Neue Gesellschafter mussten aufgenommen werden. Das Unternehmen ging zunächst an einen Elektrokonzern über und gelangte später 1:22:40 vollständig zu Siemens, das von 1967 an die Nachfolge antrat. 1971 wurde der Name Zuse Kommanditgesellschaft gelöscht. Für den Gründer bedeutete das 1:22:52 eine Cesur, die er mit bemerkenswerter Gelassenheit trug. Er blieb dem Nachfolgeunternehmen als freier Mitarbeiter verbunden und stellte fest, 1:23:00 daß ihm die Last der Geschäftsführung nun abgenommen war. Zwei Jahrzehntelang hatte er Bilanzen gelesen, Personal geführt und um Aufträge geworben. Was 1:23:09 [räuspern] er wollte, war etwas anderes gewesen und dafür hatte er zuletzt kaum noch Zeit gehabt. In einer Werkstatt in Hühnfeld arbeitete in den 80er Jahren 1:23:18 ein Mann von über 70 Jahren an einer Maschine, die es seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gab. Er hatte keine Fotografien. Denn es existierte 1:23:26 keine einzige. Er hatte keine vollständigen Zeichnungen, denn sie waren in einer Dezembernacht verbrannt. Was er hatte, waren einige alte 1:23:34 Unterlagen und sein Gedächtnis. Aus diesen Quellen entstand ein zweites Mal, jene Konstruktion aus tausenden Stahlblechen, die einst das Wohnzimmer 1:23:44 seiner Eltern gefüllt hatte. Die Rekonstruktion steht heute im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Es war nicht der erste solche Nachbau. Bereits 196 1:23:54 und6 hatte Zuse die zerbombte Relaismaschine im eigenen Betrieb wiedererstehen lassen, teils um sie einem Patentgericht vorzuführen, teils 1:24:02 zu Werbezwecken. Diese Nachbildung steht im Deutschen Museum in München. Später folgten weitere Rekonstruktionen durch andere Hände. unter ihnen die seines 1:24:11 Sohnes Horst Zuse, der die Maschine noch einmal in Originalgröße und in vollem Betriebszustand aufbaute und sie regelmäßig einem Publikum vorführte. Als 1:24:21 Fachleute in den 90er Jahren mit Konrad Zuse über den Aufbau seiner Anlagen sprachen, um deren Architektur erstmals genau zu beschreiben, staunten sie 1:24:30 darüber, dass nach fast 60 Jahren der gesamte Entwurf noch immer vollständig in seinem Kopf vorhanden war. Die Erwähnung des Patentgerichts führt zu 1:24:39 einem Kapitel, das sich durch fast sein ganzes Leben zog. 1941 hatte Zuse eine Anmeldung für seine Rechenmaschine eingereicht. Der Krieg verhinderte 1:24:49 zunächst jede Bearbeitung, danach die Nachkriegsverhältnisse. Als die Sache in den 50er Jahren wieder aufgenommen wurde, hatte sich die Lage 1:24:56 grundlegend verändert. Inzwischen bestand eine Rechnerindustrie mit erheblichen Interessen und diese setzte sich mit allen verfügbaren Mitteln gegen 1:25:04 die Anmeldung zur Weh. Es folgte ein langwieriges und kostspieliges Verfahren. 1967 wies ein deutscher Richter die Anmeldung endgültig zurück 1:25:14 mit der Begründung, es fehle an Erfindungshöhe. Zuse verlor damit einen Kampf, den er 26 Jahre lang geführt hatte. Über dieses Urteil ist viel 1:25:24 gestritten worden und die Bewertungen gehen bis heute auseinander. Die einen sehen darin eine sachlich haltbare Entscheidung, weil eine so grundlegende 1:25:32 Idee schwerlich einem Einzelnen zugesprochen werden kann. Die anderen sehen darin die Wirkung wirtschaftlicher Übermacht auf ein Verfahren, das ein 1:25:40 Vierteljahrhundert zu lange gedauert hatte. Sicher ist allein, dass für Zuse damit die Aussicht endete, an der weltweiten Verbreitung seiner Gedanken 1:25:48 wirtschaftlich beteiligt zu werden. Vom Tagesgeschäft befreit, wandte er sich in den späten Jahren wieder dem zu, was ihn von Anfang an angezogen hatte, den 1:25:57 grundsätzlichen Fragen. Er beschäftigte sich mit Rechnerarchitektur und besonders mit dem gleichzeitigen Arbeiten mehrerer Maschinen. Bereits in 1:26:05 den 50er Jahren hatte er für den Wetterdienst eine Anlage entworfen, die man heute einen Zellularrechner nennen würde. Ein Feld gleicharzellen, 1:26:14 von denen jede nur mit ihren Nachbarn in Verbindung steht. Auch hier, so urteilte er selbst, habe er laufen wollen, bevor er gehen konnte. Aus diesem Gedanken 1:26:24 erwuchs 1969 eine Schrift, die den Titel rechnender Raum trug und zu den ungewöhnlichsten Arbeiten seines Lebens gehört. Ihre Grundidee lautet, dass das 1:26:34 gesamte Weltall selbst als eine Art Zellularrechner aufgefasst werden könnte. Der Raum bestünde demnach aus einer unabsehbaren Zahl kleinster 1:26:42 Zellen, die nach festen Regeln ihren Zustand ändern. Und was wir als physikalische Vorgänge wahrnehmen, wäre das Ergebnis dieser Zustandsänderungen. 1:26:51 Zuse selbst träumte ein, dass ein experimenteller Nachweis fehle und die Theseer unbestätigt bleibe. Er war zugleich überzeugt, dass der Gedanke 1:27:00 künftig erhebliche Bedeutung gewinnen und der theoretischen Physik bei einigen Problemen helfen wde. Die Fachwelt nahm die Schrift zunächst zurückhaltend auf. 1:27:10 In späteren Jahrzehnten haben sich einzelne Physiker ernsthaft mit ähnlichen Vorstellungen befasst. und die Frage gilt weder als entschieden noch 1:27:17 als erledigt. Ein zweiter Gedanke jener Jahre betraf sich selbst reproduzierende Systeme. Andere hatten das Thema rein mathematisch behandelt. Zuse ging es als 1:27:27 Ingenieur an. Ihnen interessierte, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, damit eine Werkzeugfabrik ihre eigenen wesentlichen Bestandteile herstellen 1:27:35 kann. Der Vorschlag stieß auf entschiedene Ablehnung. Eine so weitreichende Lösung wollte niemand erwägen. Zuse blieb dabei, daß die 1:27:44 herkömmliche Fertigung Schritt für Schritt selbsttätig werde und dass solche vorausschauenden Entwicklungen eines Tages Wirklichkeit würden. Neben 1:27:52 alldem kehrte er zu einer Neigung seiner Jugend zurück. Er malte. Über Jahrzehnte hinweg entstand eine beachtliche Zahl von Ölbildern, Portraits und 1:28:02 Landschaften, gemalt von einem Mann, der als Schüler Städte der Zukunft gezeichnet hatte und dessen ganzes technisches Werk aus dem Vermögen 1:28:10 erwachsen war, sich Anordnungen bildlich vorzustellen. Die Ehrungen, die ihm in Deutschland zu Teil wurden, sind kaum aufzuzählen. 1:28:19 Doktor würden verlihen ihm die technische Hochschule Berlin Schalottenburg, die Universitäten Hamburg, Dortmund und Dresden, die 1:28:26 Hochschule in Weimer sowie Einrichtungen in Island und Italien. 1991 verlie ihm die altgenössische technische Hochschule Zürich die 1:28:36 Ehrendoktor Würde, jene Hochschule, in der vier Jahrzehnte zuvor seine gerettete Maschine gearbeitet hatte. Er erhielt den Werner von Siemensring, das 1:28:46 große Verdienstkreuz mit Stern, den bayerischen Maximilians Orden und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Straßen, Schulen, ein Forschungszentrum 1:28:55 in Berlin, ein Museum in Hühnfeld und ein Förderprogramm für Gastdozenten tragen seinen Namen. Im Ausland dagegen blieb er lange nahezu unbekannt. In den 1:29:04 Vereinigten Staaten kannte man ihn während der 60er und 70er Jahre außerhalb enger Fachkreise so gut wie gar nicht. Erst in den 80er und 90er 1:29:13 Jahren wurde einer breiteren Öffentlichkeit außerhalb Deutschlands zugänglich, was er geleistet hatte. Die Gründe dafür sind mehrfach. die 1:29:20 Abgeschiedenheit der Kriegsjahre, in denen keine Veröffentlichung möglich war, die Zerstörung sämtlicher Belege, das Fehlen von Übersetzungen und der 1:29:29 Umstand, dass die Entwicklung nach dem Krieg dort weiterging, wo Mittel und Institutionen vorhanden waren. Seine öffentlichen Äußerungen zu diesem Thema 1:29:38 ließen eine gewisse Bitterkeit erkennen. Er hielt sich Zeit seines Lebens für den eigentlichen Erfinder des Rechners. Wie diese Frage zu beantworten sei, hängt 1:29:48 bis heute davon ab, welchen Maßstab man wählt und verschiedene Länder haben verschiedene Antworten gegeben. Wer die erste frei programmierbare, vollständig 1:29:57 funktionsfähige Maschine sucht, kommt an Berlin und dem Mai 1941 nicht vorbei. Wer elektronische Bauweise verlangt, wird nach Amerika oder England blicken. 1:30:08 Wer den im Speicher abgelegten Programmablauf zur Bedingung macht, wird in Manchester fündig. Der Fachmann, der die Architektur der frühen Zusechinen 1:30:16 als erster genau beschrieb, zog daraus den Schluss, dass die Erfindung des Rechners eine gemeinschaftliche Leistung war, die zwei Erdteile und 12 Jahre 1:30:24 umfasste. Unbestritten ist, was aus Zuses Werk in jede heutige Maschine eingegangen ist. das Dualsystem, die Trennung von Speicher und Rechenwerk, 1:30:34 die Gleitcomma Stellung mit ihrer Behandlung von null und unendlich, die programmgesteuerte Abarbeitung, der vorausschauende Übertrag, die 1:30:42 Mikrosteuerung, die Fließbandverarbeitung, der Gedanke einer Sprache zur Beschreibung von Rechenvorgängen. 1:30:49 Das alles entstand in einem Wohnzimmer, einer Hinterhofwerkstatt und einem Stall ohne Institut, ohne staatliche Förderung, ohne Vorbilder. Konrad Zuse 1:30:58 starb am 18. Dezember 1995 in Hühfeld, wo er seit 1956 gelebt hatte im Alter von 85 Jahren. Wenige Jahre zuvor hatte er über die Zukunft seines Faches 1:31:10 gesagt, er sei sich einer Sache gewiss. Die Entwicklung des Rechners habe noch einen weiten Weg vor sich und die jungen Leute hätten noch reichlich Arbeit vor 1:31:19 sich. Damit sind wir am Ende dieser Folge angelangt. Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie mir bis hierher gefolgt sind. Mein Name ist Konrad 1:31:27 Steinbach. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, freue ich mich über ihren Daumen nach oben und über Ihr Abonnement dieses Kanals, damit Sie keine der 1:31:36 kommenden Folgen versäumen.