Deutsche Literatur: „Augen in der Großstadt“ – Kurt Tucholsky (mit Sonja „SONNI“ Hubmann) Sonja Hubmann https://www.youtube.com/watch?v=3ThAr7zOi_g Transkript (automatisch erstellt) 0:00 augen in der großstadt von kurt tucholsky schönen guten tag euch ein was habe ich heute für euch ein etwas desillusioniert 0:14 das gedicht von kurt tucholsky sein werk augen in der großstadt wurde erstmals 1930 unter seinem pseudonym theobald tiger in der arbeiter illustrierte 0:27 zeitung veröffentlicht das gedicht befindet sich übrigens auch in dem buch lernen lachen ohne zu weinen das 1932 erschien vorgetragen von sommer sonne 0:41 hubmann wenn du zur arbeit gehst am frühen morgen wenn du am bahnhof stehst mit bahnen sorgen da zeigt die stadt der asphalt glattem 0:54 menschen trichter millionen gesichter zwei feinde augen ein kurzer blick die puppen die lieder was war das vielleicht mein lebensglück 1:09 vorbei verweht nie wieder du gehst dein leben lang auf 1000 straßen du siehst auf deinem gang die dich 1:22 vergasen ein auge winkt die seele klingt du hast gefunden nur für sekunden zwei fremde augen ein kurzer blick die braue popien die 1:36 lieder kein mensch dreht die zeit zurück vorbei nie wieder du musst auf deinem gang doch städte wandern schießt einen pulsschlag lang 1:54 den fremden anderen es kann ein feind sein was kann ein freund sein es kann im kampf ein genosse sein fazit hinüber und 2:06 zieht vorüber drei fremde augen ein kurzer blick die pupillen die lieder was war das von der großen menschheitsaufgaben diesem gedicht spürt 2:34 man bereits seine resignation was aber war die ursache für seine seelische niedergeschlagenheit gewesen kurt tucholsky bekannte sich nach den 2:44 schrecklichen des ersten weltkriegs zum pazifismus er wetterte gegen das soldatentum den nationalismus und auch die 2:55 sozialdemokratische partei deutschlands die radikale geldentwertung in den jahren 1914 bis 1923 gipfelte bei ihm sogar in einem selbstmordversuch 3:09 irgendwie kam er aber wieder auf die beine und arbeit sei kurzfristig in einem bankhaus aber schon ein jahr danach bekam er einen job als 3:20 korrespondent bei der wochenzeitschrift die weltbühne und ging nach paris sein verhältnis zu deutschland blieb jedoch ein gespaltenes obwohl er das land als 3:33 solches liebte fasste er die dort herrschenden politischen verhältnisse und wetterte soldaten sind mörder oder die deutsche revolution steht noch aus 3:46 1929 übersiedelte tucholsky nach schweden er sagt zwar die schrecken des hitler-regimes auf deutschland zukommen 3:55 konnte aber mit seinen artikeln keine veränderungen bewirken man kann sich ungefähr vorstellen wie tucholsky beim schreiben des 4:06 vorliegenden gedichts zumute gewesen sein musste es sollte aber noch schlimmer kommen denn man verurteilte den herausgeber der weltbühne kann von 4:18 ossietzky grund dafür war das erscheinen eines kritischen artikels über die aufrüstung der deutschen 4:26 wehrmacht in seiner zeitschrift man steckte ihn letztendlich in ein konzentrationslager dual ski wäre ihm gerne zu hilfe gekommen hatte aber angst 4:38 selbst festgenommen zu werden er machte sich deshalb jedoch noch zeitlebens vorwürfe und schrieb ich habe damals versagt es war ein gemisch aus 4:50 faulheit feigheit ekel und verachtung 1933 wurde die zeitschrift weltbühne dann gänzlich verboten die bücher tucholskys wurden verbrannt 5:03 in einem verbitterten brief rechnete der schriftsteller aber noch kurz vor seinem tod mit dem hitler regime ab mein leben ist mir zu kostbar mich unter einem 5:15 apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten birnen zu produzieren ich habe mit diesem land dessen sprache ich so wenig wie möglich spreche nichts 5:27 mehr zu schaffen möge es verrecken wgs russland erobern ich bin damit fertig ja was soll man dazu noch sagen vorbei 5:41 verweht nie wieder [Musik]