Das Britische Empire MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=3CMF6Fh43p4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Mit dem Brexit am 31. Januar 2020 0:03 hat Großbritannien die Europäische Union verlassen. Der britische Premierminister Boris Johnson spricht davon, 0:09 dass man das Land wieder zu alter Größe zurückbringen will. Damit beschwert er die glorreiche Zeit des britischen Empires. 0:17 Was das genau ist, wie es aufgebaut wurde, und warum es zerfallen ist, 0:22 das erklären wir kurz und knapp in diesem Video. *Klingelton* 0:27 Zuerst noch was für historische Feinschmecker. Es geht in diesem Video um einen längeren Zeitraum. 0:32 In diesem Zeitraum verändert sich das Land, von dem ich erzähle, ziemlich intensiv. 0:37 Erst England, das Königreich England, dann, ab 1707, Großbritannien. 0:42 Das Vereinigte Königreich, England, Schottland. Ab 1801 das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland. 0:49 Dann, ab 1927, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, 0:54 wie wir es heute kennen. Ist ein bisschen kompliziert. 0:58 In diesem Video sage ich entweder England oder Großbritannien. Ansonsten würde das zu kompliziert. 1:02 Ich meine mit Großbritannien übrigens den Staat. Großbritannien als geographischer Begriff 1:08 bezeichnet nämlich die Insel Großbritannien. Und jetzt geht es los. 1:13 England liegt auf einer Insel. Da meint man doch, 1:18 das Land müsste von Anfang an eine Seefahrernation sein. Aber im 16. Jahrhundert beherrschen Spanien und Frankreich die Meere. 1:25 Im Kampf gegen Spanien legt sich das Königreich England eine echte Flotte zu. 1:30 Die Anfänge sind ein bisschen fragwürdig. Die damalige Königin Elisabeth, allerdings die Erste, 1:36 so alt ist sie dann doch noch nicht, beauftragt Freibeuter damit, 1:39 spanische Kolonien in Amerika und spanische Schiffe auf dem Atlantik anzugreifen. 1:43 Und auszurauben. Königliche Piraterie, sozusagen. Als die Spanier mit ihrer Armada 1:48 eine große Flotte gegen England schicken, muss das Königreich selbst eine Flotte dagegen aufstellen. 1:54 So eine Flotte hat ja auch viel Schönes. Denn sie bietet auch einem relativ kleinen Land wie England 1:59 die Möglichkeit, gegen viel größere Gegner mitzuhalten. Wenn man auf dem Wasser kämpft, 2:05 ist nämlich nicht die Zahl der Soldaten entscheidend, sondern die Qualität der Schiffe und die Ausbildung der Seeleute. 2:11 Daran arbeiten die Engländer. Und so setzen sie sich in den kommenden 200 Jahren 2:16 auf See gegen Spanien durch. Gegen die Niederlande und gegen Frankreich. 2:21 Ab dem Jahr 1805, seit der Schlacht von Trafalgar, zwischen den Briten und den Verbündeten Franzosen und Spaniern, 2:27 ist Großbritannien die größte Seemacht der Welt. Das bleibt bis zum 2. Weltkrieg so. 2:35 Zurück ins frühe 17. Jahrhundert. Zwischen dem Jahr 1607 und 1650 2:40 verlassen viele Tausende Siedler England. Sie fliehen vor religiöser Verfolgung. 2:45 Und sie hoffen auf die Reichtümer des neuen Landes. An der Ostküste Nordamerikas 2:50 bauen sie sich ein neues Zuhause auf. Kolonien entstehen. Die Anfänge des Kolonialreiches sind, wie später auch noch, 2:57 private Unternehmungen, auf die sich der Staat bzw. der König draufsetzt. 3:02 Indem er es genehmigt. Später, im Zeitalter des Kolonialismus, 3:07 geht es weniger um die Besiedlung, sondern um die wirtschaftliche Ausbeutung von Kolonien. 3:11 Bis zur Unabhängigkeit der USA ist es britische Kolonialreich atlantisch. 3:16 Später orientiert sich Großbritannien nach Osten. Australien, Südafrika und vor allem Indien. 3:21 Die britische Regierung wird zunächst nicht selbst in Indien tätig. 3:26 Das überlässt sie einer Vereinigung von Kaufleuten, die in der Ost-Indien-Company zusammengeschlossen sind. 3:31 Diese Company besitzt nicht nur das Handelsmonopol für Indien. Sondern sie darf auch Stützpunkte bauen. 3:37 Sie befestigen, eigene Soldaten einstellen. Die Gesellschaft stellt sich zunächst mit dem Kaiser 3:43 das Mogul-Reiches gut. Der beherrscht den Großteil des Subkontinents Indien. 3:47 Als dieses Reich zerfällt, erweitert die Handelsgesellschaft ihr Einflussgebiet. 3:53 Nach gut 60 Jahren verfügt sie über einen beträchtlichen Grundbesitz. 3:57 Und über eine ganz ansehnliche Armee. Mit dieser Armee führt sie den Krieg gegen Frankreich. 4:02 Und erobert später praktisch ganz Indien. Da sind wir auch schon beim Thema: 4:09 Wer Weltmacht werden will, der muss Kriege führen. Der erste wichtige Krieg für das britische Weltreich 4:15 ist der 7-jährige Krieg. Von 1756-1763. 4:20 Es ist der Krieg, den die Briten in den Kolonien gegen Frankreich führen. 4:25 Gekämpft wird in Nordamerika, in Mittelamerika, in Indien und Afrika. 4:29 Am Ende gewinnt Großbritannien Nordamerika. Einiges Land in West-Afrika. 4:34 Und es legt den Grundstock für seine Herrschaft über Indien. 20 Jahre später sieht es ein bisschen anders aus. 4:41 Die nordamerikanischen Kolonien erkämpfen sich die Unabhängigkeit. Sie gründen die Vereinigten Staaten von Amerika. 4:48 Auch dazu haben wir schon mal ein Video gemacht. Einfach oben auf das "i" klicken. 4:52 Auch Kanada wird 1867 politisch voll selbstständig. England verliert einen großen Teil seines Kolonialreiches. 5:00 Aber wichtiger ist damals der Kampf gegen Frankreich. Dort bricht 1789 die Revolution aus. 5:06 Später wird Napoleon Alleinherrscher. Nach dessen endgültiger Niederlage 1815 ist Frankreich erschöpft. 5:12 Großbritannien hat jetzt keinen gleichwertigen Gegner mehr. Und kann sich sein Weltreich "zusammenerobern". 5:18 Zum Beispiel Australien, Neuseeland, Burma und Malaysia. 1857 kommt es zu Aufständen gegen die Ostindien-Company. 5:27 Die ist mittlerweile eine Art britische Behörde. Das Empire schlägt den Aufstand in Indien brutal nieder. 5:33 Im Jahr 1858 wird Indien eine echte Kolonie. Das Vize-Königreich Indien. 5:39 1877 nimmt Königin Victoria den Titel "Kaiserin von Indien" an. Krieg ist natürlich immer unmenschlich. 5:47 Im Krieg bewusst gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen, hat aber noch mal eine andere Qualität. 5:53 So geschehen im Krieg mit den Buren. Das sind die Nachkommen europäischer Siedler, 5:58 die in Südafrika leben. Die Briten fackeln hier ganze Felder ab, 6:03 um Hungersnöte auszulösen. Mehr als 100.000 Menschen, darunter sehr viele Frauen und Kinder, 6:08 kommen in Konzentrationslager. Ja, das ist der richtige Begriff,"Concentration-Camp". 6:13 So nennen die Briten diese Lager. Ich sage das so ausführlich, 6:17 damit niemand auf die Idee kommt, die "Concentration-Camps" im Buren-Krieg könnte man 6:21 mit den Konzentrationslagern der Nazis vergleichen. Aber grausam und entsetzlich sind sie natürlich trotzdem. 6:26 Durch das Leiden ihrer gefangenen Frauen will die Armee die Buren zum Aufgeben zwingen. 6:32 Mehr als 20.000 Menschen sterben. Aber diese Grausamkeiten werden öffentlich. 6:37 Und die britische Regierung muss auf Druck der britischen Öffentlichkeit ihre Politik ändern. 6:42 Seit den 1880er Jahren erobert Großbritannien fast ganz West-Afrika. 6:47 1882 wird Ägypten besetzt. Großbritannien bekommt den Suez-Kanal in die Hand 6:52 und kontrolliert mit diesem und mit dem Kap der Guten Hoffnung den Handel mit Asien. 6:57 Für seine Handelsinteressen setzt das Empire auch Gewalt ein. China wird gezwungen, 7:02 sich dem Welthandel und dem Opium zu öffnen. Dazu gibt es auf meinem Kanal ein Video. 7:07 Findet ihr, wenn ihr oben auf das "i" klickt. Während dieser ganzen Zeit 7:12 erlebt England einen Wirtschaftsaufschwung. Das Stichwort lautet Industrialisierung. 7:17 Wer mehr dazu wissen will, der findet auch hier auf dem "i" ein Video dazu. 7:23 Eine Folge der Industrialisierung ist, dass in England massenhaft Waren 7:27 zu günstigen Preisen hergestellt werden. Die Kolonien müssen diese Waren abnehmen. 7:32 Und gleichzeitig müssen sie Rohstoffe ins Mutterland liefern. Großbritannien als größte Wirtschaftsmacht 7:37 und als größte Kolonialmacht, als stärkste Seemacht, treibt die Weltwirtschaft in Richtung Freihandel voran. 7:44 Achtung, Freihandel. Boris Johnson sagt zum Brexit: "Wir wollen ein Super-Champion des Freihandels sein. 7:51 Und wir werden zu alter Größe zurückfinden." Auch hier knüpft er bewusst an das britische Empire an. 7:57 Im 19. und frühen 20. Jahrhundert ist der internationale Handel schon sehr weit entwickelt. 8:02 Großbritannien hat dabei die Nase vorn. Denn es hat die besten Startbedingungen. 8:07 Ohne Seemacht keine Kolonialmacht. Und keine Handelsmacht. Auf dem Höhepunkt seiner Macht, so um 1900 herum, 8:17 herrscht Großbritannien über ein Viertel der Welt. Auf diesem Höhepunkt befindet sich das Empire eigentlich im Zerfall. 8:23 Die Regierung in London hat aus der Unabhängigkeit der USA gelernt. 1867 wird die Kolonie Kanada zu einem Dominion umgestaltet. 8:32 Innenpolitisch genießt das Land Autonomie. Außenpolitisch bleibt es fest dem Mutterland verbunden. 8:38 Auch Australien, Neuseeland und Südafrika werden solche Dominions. Selbstbestimmung gibt es also zunächst nur in Ländern, 8:47 deren Bevölkerung meist aus weißen Menschen besteht. Als die Dominions im 20. Jahrhundert 8:53 nach noch größerer Unabhängigkeit streben, wird es Weltreich umgewandelt in das Commonwealth Of Nations. 8:59 Eigentlich sollen die Mitglieder dieses Klubs die britische Königin als Staatsoberhaupt anerkennen. 9:05 Aber von 52 Staaten machen das nur noch 16. Seit den 1990er Jahren gehören sogar Staaten zum Commonwealth, 9:11 die gar keine britischen Kolonien waren. Aus einem Weltreich wird so eine lose Staatengemeinschaft. 9:18 Im 1. und 2. Weltkrieg kämpfen Millionen Soldaten aus dem Commonwealth, vor allem aus Indien, Neuseeland und Australien, 9:25 an der Seite Großbritanniens. Mit der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 9:31 ist das britische Empire eigentlich am Ende. Augenfällig wird das im Falle der Suez-Krise 1956. 9:38 Die USA, als neue Weltmacht, verhindern, dass Großbritannien sich militärisch 9:43 weiter die Kontrolle über den Kanal sichert. Anfang der 1960er Jahre 9:48 werden dann die afrikanischen Kolonien unabhängig. Als 1997 Hongkong an China zurückgegeben wird, 9:53 heißt es in der Presse, das ist das Ende des Empire. Aber das Weltreich hat praktisch schon 9:59 Jahrzehnte früher zu existieren aufgehört. Warum zerfällt die Macht? Das hat verschiedene Gründe. 10:06 Andere Mächte kommen auf. Das Deutsche Reich in Europa, die Sowjetunion. 10:11 Aber vor allem die USA. Die beherrschten und unterdrückten Völker begehren auf. 10:20 Großbritannien verliert viel Kraft in den Weltkriegen gegen Deutschland. 10:27 Die Briten entwickeln in der Zeit des Empire ein besonderes Selbstverständnis. 10:31 Die Staatsräson geht davon aus, dass Großbritannien vom Schicksal oder von Gott ausersehen ist, 10:37 über die Welt zu herrschen. Mit der britischen Herrschaft 10:41 kommt sehr oft der Fortschritt der Moderne in die besetzten Länder. Vor allem die Eisenbahn. Eine gute Infrastruktur. Moderne Medizin. 10:48 Bildung. Andererseits wird das Empire mit Gewehren beherrscht. 10:53 Nicht mit Schulheften. Die Briten herrschen als Eroberer. 10:58 Sie haben auch rassistische Ansichten und Vorurteile. Sie üben ihre Herrschaft aber fast immer indirekt aus. 11:03 Also über lokale Machthaber. Oder über Volksgruppen, mit denen sie besonders zusammenarbeiten. 11:08 Und die gewisse Privilegien genießen. Es geht hier nicht um Gut oder Böse. 11:13 Kolonialismus ist immer eine Zwangsherrschaft. Und mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht vereinbar. 11:20 Warum knüpfen in der Brexit-Kampagne viele Befürworter des Ausstiegs aus der EU an das Empire an? 11:27 An die scheinbar "gute, alte Zeit"? Naja, Menschen erinnern sich sehr ungern an das, 11:33 was sie in der Vergangenheit falsch gemacht haben. Oder was ihre Vorfahren in der Vergangenheit falsch machten. 11:38 Wenn man alles Negative vom Empire wegnimmt, dann bleibt übrig, damals, da waren wir noch wer. 11:43 Genau diese Gefühle werden für Politik instrumentalisiert. Die Frage an euch, was haltet ihr von Brexit? 11:49 Und von der Sehnsucht nach der alten Zeit? War das ein Fehler? 11:55 Oder kann das tatsächlich ein Schritt zu alter Größe sein? Und wie könnte diese alte Größe aussehen? 12:00 Große Fragen, ich bin mir sicher, ihr habt eine Antwort drauf. Schreibt sie gerne unten in die Kommentare. 12:04 Hier neben mir findet ihr ein weiteres Video von uns. Da geht es um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. 12:11 Da haben die Briten ordentlich etwas einstecken müssen. Direkt darunter ein Video der Kollegen von Funk. 12:16 Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.