Der Wiener Kongress I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=3BlqCoutRrI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video erkläre ich euch die vier wichtigsten Ergebnisse des Wiener Kongresses. 0:04 Wie Europa nach der Zeit von Napoleon neu geordnet wird, welche Beschlüsse auf dem Wiener Kongress getroffen werden 0:11 und was es bedeutet, wenn man sagt, der Kongress tanzt. Eben alles, was du wissen musst. 0:21 Wir befinden uns Mitte des Jahres 1814. Napoleon Bonaparte, also der Mann, 0:26 der mehr als zehn Jahre lang die Geschicke Europas bestimmte, hockt auf der Mittelmeerinsel Elba im Exil. 0:32 Und jetzt, wo er weg ist, muss man erst einmal eine neue Ordnung für Europa finden. 0:37 Die Sieger, das sind England, Russland, Preußen und Österreich, laden alle Fürsten Europas nach Wien ein. 0:43 Dort will man die anstehenden Fragen besprechen. Diese große Friedenskonferenz heißt logischerweise der Wiener Kongress 0:49 und beginnt am 01. November 1814. Geleitet wird der Kongress 0:54 vom österreichischen Kanzler Fürst Klemens von Metternich. Er wird zum wichtigsten Politiker der kommenden Jahre. 1:01 Drei grundlegende Regeln, drei Prinzipien prägen die Verhandlungen: Die Regel der Legitimität, also der Gesetzmäßigkeit, 1:10 die der Solidarität unter den Fürsten Europas und die der Restauration, der Wiederherstellung der alten Ordnung. 1:18 Wir kommen gleich darauf zurück. Wichtig: Bei dem Kongress kommen keine Vertreter der gewählten Regierungen 1:23 oder der Parlamente zusammen, sondern es treffen sich Fürsten. Also die Menschen, die durch die Revolution 1:30 oder durch den Alleinherrscher Napoleon aus ihren Ämtern gejagt wurden. Deshalb könnt ihr euch vorstellen, was das große Ziel der Versammlung ist, 1:37 es geht darum, die sogenannte alte Ordnung wiederherzustellen. Die legitime oder rechtmäßige Ordnung, wie man es damals nennt. 1:45 Das ist das Prinzip der Legitimität. Die Uhr wird sozusagen zurückgedreht. 1:56 Man kann das auf der Landkarte hier ganz gut erkennen. Hier sehen wir Europa und vor allem die Gebiete, 2:01 in denen Napoleon seine Brüder als Herrscher eingesetzt hatte oder die von Frankreich besetzt oder umgestaltet wurden. 2:07 In Spanien, Portugal und in verschiedenen italienischen Ländern kommen die Herrscher, die Napoleon abgesetzt hatte, wieder an die Macht. 2:14 Auch der Kirchenstaat wird wiederhergestellt. Holland wird wieder frei und mit Belgien, 2:19 das vorher zu Österreich gehört hat, zusammengeschlossen. Damit will man einen starken Staat schaffen, 2:25 der nicht wieder von Frankreich geschluckt werden kann. Auch die Königreiche Schweden und Norwegen werden vereinigt. 2:32 Die Schweiz wird für immer neutral, gehört also keinem Bündnis an. Österreich bekommt Tirol, Salzburg und Gebiete in Norditalien zurück. 2:42 Eine komplette Restauration hat man übrigens gar nicht versucht. Es wäre auch Unsinn gewesen, denn was die Französische Revolution 2:48 und Napoleon taten, das hat viele Staaten moderner gemacht. Heute würde man sagen, wettbewerbsfähiger. 2:57 Wie gesagt, es klappt nicht überall, die alte Ordnung wiederherzustellen. In Deutschland, das könnt ihr euch in diesem Video hier oben anschauen, 3:04 hat Napoleon viele kleine Gebiete von Klöstern, Rittern oder Reichstätten aufgelöst und größeren Staaten hinzugefügt. 3:11 So mancher Herrscher bekam nicht nur mehr Land, sondern auch eine Rangerhöhung, zum Beispiel den Titel König. 3:18 Und natürlich will zum Beispiel der König von Bayern nichts verlieren. Vor allem nicht seinen Königstitel, kann man ja verstehen. 3:24 Deshalb wird Deutschland noch einmal neu geordnet. Die Königreiche, die unter Napoleon entstanden sind, dürfen weiterbestehen. 3:31 Zum Teil erhalten sie sogar noch mehr Gebiete dazu. Bayern schluckt etwa die freie Reichsstadt Nürnberg und bekommt die Pfalz dazu. 3:39 Hannover wird neues Königreich und enorm vergrößert wird Preußen, vor allem um Gebiete am Rhein. 3:46 Ihr seht, dass Deutschland kein Nationalstaat wird wie die anderen Länder, es bleibt bei dem Flickenteppich. 3:52 Auch wenn die deutschen Länder im sogenannten Deutschen Bund zusammengeschlossen werden. 3:57 Dazu könnt ihr übrigens auch in diesem Video hier oben alles Wichtige erfahren. Zu guter Letzt wird Frankreich wieder verkleinert, 4:07 damit es seine Vormachtstellung verliert und es wird auch wieder Königreich. Aber wieso darf Frankreich wieder eine Großmacht sein? 4:15 Na ja, den anderen Großmächten, vor allem England, ist es wichtig, dass es nicht wieder eine Großmacht gibt, 4:20 die so stark wird, dass sie gegenüber den anderen ein Übergewicht bekommt. Im Gegenteil, die europäischen Mächte sollen im Gleichgewicht sein. 4:28 Und damit sind wir schon bei einem weiteren Punkt. Ihr habt vielleicht schon mal 4:32 die Redewendung "der Kongress tanzt" gehört. Das bezieht sich auf das Drumherum, das den Wiener Kongress begleitet. 4:39 Es sind ja 200 Fürsten und ihre Abgesandten zusammengekommen. Aber nur die fünf Großmächte bestimmen wirklich, was gemacht wird. 4:47 Da haben die Delegationen natürlich viel freie Zeit und die bringt man am besten rum, indem man sich amüsiert. 4:53 Die Friedenskonferenz hat ein fettes Begleitprogramm mit Bällen, Festen und Konzerten. 4:59 Fast jeden Abend ist irgendwas geboten. Aber natürlich geht es nicht allein ums Feiern, 5:03 auf solchen Bällen kann man auch mal inoffiziell miteinander reden. Und Fürst von Metternich nutzt diese Feste, 5:09 um Spannungen, die zwischen den Großmächten immer wieder entstehen, in angenehmer Atmosphäre abzubauen. 5:15 Das ist wie heute. Wenn sich Staatschefs begegnen, gibt es oft bewusst lockere Momente. 5:21 Als der amerikanische Präsident George W. Bush die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht hatte, 5:27 da hat man zusammen gegrillt. Und Fürst von Metternich macht das beim Wiener Kongress ganz ähnlich. 5:32 Schon damals spotten die Leute: Der Kongress tanzt, aber er bewegt sich nicht. 5:36 Sie meinen damit, dass die Verhandlungen nicht vorwärts kommen und dass sich die Leute einfach nur amüsieren. 5:41 Aber nach fast einem Jahr einigen sie sich dann doch, die europäischen Fürsten, und zwar auf eine neue Ordnung 5:47 und auf ein, neudeutsch würde man sagen, Konfliktmanagement. Wenn es zwischen zwei Staaten kracht, 5:53 dann soll das Problem von den Großmächten diplomatisch, also durch Verhandlungen, gelöst werden. 5:59 Damit will man neue Kriege verhindern. Damit diese neue Ordnung nicht mehr durcheinander gebracht wird, 6:09 entweder durch einen neuen Diktator wie Napoleon oder eine neue Revolution in einem Land, 6:13 damit die ausgehandelte, ausbalancierte Ordnung hält, geben die Großmächte eine Garantieerklärung ab. 6:20 Der Zar von Russland, der Kaiser von Österreich und der König von Preußen schließen die sogenannte Heilige Allianz. 6:27 Sie wollen gemeinsam gegen alle vorgehen, die die Ordnung stören. 6:32 Die Fürsten versprechen sich gegenseitig Solidarität. Man könnte sagen, sie verbünden sich gegen ihre Völker. 6:39 Also, die Staaten untereinander sollen nicht mehr kämpfen. Aber gegen die Bürger, die aufbegehren, Rechte einfordern, 6:46 gegen die will man notfalls gemeinsam Armeen in Marsch setzen. Das also sind die vier wichtigsten Ergebnisse des Wiener Kongresses: 7:06 Natürlich sind die einen mehr mit diesen Ergebnissen zufrieden als die anderen. Und wie die Sache im damaligen Deutschland aussieht, 7:13 damit beschäftige ich mich im nächsten Video. Und damit ihr nichts verpasst, empfehle ich euch diesen Kanal zu abonnieren, 7:19 dann bekommt ihr ständig neue Videos. Und wie immer gilt: Fragen, Anregungen und Kommentare gerne unten eintippen. 7:26 Wir kümmern uns dann drum. Würde mich freuen, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. 7:31 Danke fürs Zuschauen, bis dann. Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017