Mindestlohn: Erhöhung auf bis zu 14,60 Euro | BR24 BR24 https://www.youtube.com/watch?v=23yoU6XeGj8 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Die Politik hat den Mindestlohn in Deutschland ja schon elf mal erhöht. Heute nun wieder ein kräftiger Schritt nach oben. Vor 10 Jahren ging es los mit 0:10 diesem Mindestlohn bei 8,50 € pro Stunde. Momentan liegt er bei 12,82 €. Doch zum 1. Januar steigt er dann erstmal auf 13,90 € pro Stunde und ein 0:23 Jahr später noch mal auf 14,60 €. Ein Plus, bei dem in Deutschland bald über 6 Millionen Menschen mehr Geld in der Tasche haben, aber einige befürchten 0:34 auch höhere Kosten. Dieser Kaiserschm teurer werden. Das fürchtet der Münchner Wirtshausbetreiber Jakob Portlänger. Er zahlt zwar jetzt 0:44 schon mehr als den Mindestlohn, doch der Gastronom fürchtet, wenn der Mindestlohn steigt, fordern auch die anderen mehr Lohn. 0:52 Das bringt uns natürlich in gewisse Schwierigkeiten, weil das mit der mit der Kostenexplosion, die wir sowieso schon haben, einfach noch mal eins oben 1:04 drauf legt. Existenzängste bei den Arbeitgebern, Unsinn finden die Gewerkschaften. Meinung nach hilft ein höherer 1:12 Mindestlohn allen, den Arbeitnehmern und der Wirtschaft. Der Mindestlohn ist kein Jobkiller, sondern er schafft im Niedriglohnbereich 1:21 einfach mal ja Endgeldstruktur für der, wo man einigermaßen leben kann und mit 13, 14 € ist sowieso auch noch schwer über die Runden zu kommen. Also dieses 1:30 Klagen und dieses jammern der Arbeitgeber kann ich nicht mehr hören. Die SPD hat im Wahlkampf sogar mit 15 € Mindestlohn geworben. Für den Münchner 1:39 Bundestagsabgeordneten Sebastian Rolof ist die Erhöhung jetzt ein erster Schritt. Es ist eine Lohnerhöhung. um 14% für 1:46 ungefähr 6 Millionen Menschen in Deutschland. Ähm, das ist nicht ganz, was wir uns vorgestellt haben, aber wir haben die Wahl auch verloren. Deswegen 1:53 glaube ich, dass das schon ein Tag ist, wo man zufrieden sein kann. Nicht für den Gastronomen Jakob Portlänger. Er findet, Steuersenkungen 2:01 wären für alle besser. Da wä es eigentlich einfach gescheider. Man wird den Weg finden, dass die Mitarbeiter mehr Netto von ihrem Brutto 2:09 bekommen, anstatt den Brutto Mindestlohn zu erhöhen. So eine Einkommenssteuersenkung hat die Regierung ins Auge gefasst, wenn der 2:17 Bundeshaushalt das hergibt. Reden wir noch mal mit dem Arbeitsmarktforscher Professor Enzo Weber aus Nürnberg. Herr Weber, kann 2:26 sich die stolpernde deutsche Wirtschaft überhaupt so ein kräftiges Plus beim Mindestlohn erlauben? 2:34 Also auf der einen Seite, es wird eine deutliche Kaufkraftsteigerung geben, denn diese Lohnsteigerung durch den Mindestlohn, das ist mehr als 8 % im 2:42 nächsten Jahr, dann noch mal 5% hinterher, nächstes Jahr mehr als 6 Millionen Jobs davon betroffen. Aber auf der anderen Seite sehen wir eben auch, 2:50 das ist deutlich überproportional über der allgemeinen Lohnentwicklung und damit wird es irgendwann eng, wie viel eigentlich noch erwirtschaftet werden 2:59 kann, denn das ist ja das entscheidende, damit die Jobs auch gehalten werden. Und bei der Produktivitätsentwicklung, da haben wir seit Jahren Stagnation, also 3:06 bei dem was pro Stunde dann auch wirklich erwirtschaftet wird. Deswegen diese Mindestlohnsteigerung geht durchaus in den kritischen Bereich. Ja, 3:14 Herr wie wir haben es ja gerade angesprochen, mehr Mindestlohn heißt mehr Kaufkraft. Darauf hofft zumindest schwarz-rot. Geht die Rechnung denn 3:21 überhaupt auf? Vieles wird ja auch teurer, wie wir gerade gehört haben. Also, wenn man sich mal die Löhne heute anschaut und die Inflationsentwicklung 3:31 abzieht, dann liegen wir bei den Reallöhnen heute tatsächlich unter dem, was wir vor Corona hatten. Aber andererseits die Wirtschaft hatte 3:40 natürlich auch große Kostensteigerungen und da kommen dann die Löhne noch oben drauf und die unteren Löhner sind in den vergangenen Jahren sogar deutlich 3:47 stärker gestiegen als die oberen. Also da ist die Schere nicht aufgegangen, sondern zugegangen. Dementsprechend also Lohn Ungleichheit zu senken, das ist 3:56 schon sinnvoll, aber man darf es nicht überdrehen, denn irgendwann ist man im roten Bereich, wo die Jobs dann gestrichen werden. 4:03 Ja, und noch ein anderer Punkt, Herr Weber, nach all den Debatten um das Bürgergeld. Jetzt steigt der Mindestlohn, steigt damit auch wieder 4:09 die Motivation zum Arbeiten. Also, wenn der Mindestlohn steigt, dann gibt es erstmal mehr eigenen Verdienst 4:19 und dann kann man da auch Sozialleistungen reduzieren und einsparen. Das kann durchaus im Bürgergeld einige hundert Millionen 4:25 ausmachen. Und der Anreiz zur Arbeitsaufnahme oder auch zur Ausweitung von Arbeit, der steigt damit auch. Aber es steigt auch der Anreiz, ohne 4:34 Ausbildung direkt in einen Helferjob zu gehen, wo man dann vielleicht auch ganz ordentlich verdienen kann. Und da sehen wir über die vergangenen Jahre ist auch 4:42 der Anteil der jungen Leute, die keine Ausbildung haben, immer höher geworden. Also auch darauf muss man achten, das ist die Achilles Fe. 4:48 Ja, ganz kurz noch, Herr Weber, Deutschland hat ja nun den vierthöchsten Mindestlohn in der ganzen EU. Sind wir damit überhaupt noch 4:54 wettbewerbstauglich? Also Deutschland hat eins der höchsten Lohnniveaus in der EU, das ist richtig. 5:02 Deutschland hat aber auch mit die höchste Produktivität in der EU und das ist es ja, was wir wollen, also was dabei rauskommt und darauf muss der 5:10 Fokus Investitionen, Innovationen äh und dann auch wirklich wieder in die Qualifizierung stark reingehen, denn am Ende kommt es ja nicht darauf an, wer 5:19 zahlt am meisten, sondern wer macht am meisten draußen. Und da kommt's auch darauf an, wie funktioniert der Arbeitsmarkt? Da brauchen wir eine gute 5:26 Lohntransparenz, damit Menschen sehen, wohin können sie sich entwickeln und dann nimmt nämlich auch der Druck auf den Mindestlohn ab, wenn der 5:34 Arbeitsmarkt selber eine stärkere Aufwärtsbewegung generiert. Eine Analyse von Professor Enzo Weber. Vielen Dank.