Der freie Wille - Determinismus - Indeterminismus Andreas Lorson https://www.youtube.com/watch?v=1h2sbXiqjaQ Transkript (automatisch erstellt) 0:01 Der freie Wille. Das ist Lilli. Beim Frühstück steht sie vor der schwierigen Entscheidung, ob sie gesundes Obst essen soll oder doch 0:11 lieber einen leckeren Schokoriegel. Sie entscheidet sich für den Riegel. Sie beginnt zu grübeln. Hätte sie sich in dieser Situation auch anders entscheiden 0:20 können oder stand diese Entscheidung bereits vorher fest und Lilly wusste es noch nicht? Ist sie in ihrer Entscheidung überhaupt wirklich frei? 0:29 Hat sie einen freien Willen? Die Vorstellung des freien Willens spielt für den Menschen und unsere Gesellschaft eine zentrale Rolle. Wir 0:39 gehen davon aus, dass der Mensch Kraft seines Willens sein Handeln auch aktiv steuern kann. Aber wir wissen auch, dass wir ständig bestimmten Einflüssen 0:48 unterliegen. Aus irgendeinem Grund hatte Lilli beim Frühstück einfach mehr Lust auf etwas Süßes. Viel mehr noch. Die Gesetze der Physik 0:58 zeigen uns, dass es kein Ereignis ohne Ursache geben kann. Das heißt, dass aber doch auch unsere Entscheidungen durch bestimmte Ursachen beeinflusst werden 1:07 müssen. Und diese Ursachen müssen wiederum eigene Ursachen haben. Dieses Konstrukt von Verkettung von kausalverbundenen Ereignissen bezeichnet 1:17 man als Kausalkette. Ob der Mensch über einen freien Willen verfügt, ist ein zentraler Aspekt der Ethik und Anthropologie. Dies führt uns 1:27 zu zwei philosophischen Positionen, den Determinismus und den Indeterminismus. Der Determinismus geht davon aus, dass wir völlig äußeren Einflüssen 1:39 unterliegen. Wir sind sozusagen in all unserem Tun determiniert, vorherbestimmt. Wir unterliegen als Mensch auch den Gesetzen der Physik und 1:48 damit den Gesetzen der Kausalkette. Daraus folgt, dass wir keinen freien Willen haben. Freie Entscheidungen gibt es einfach nicht. 1:59 Der Indeterminismus geht davon aus, dass wir keinen inneren oder äußeren zwingenden Einflüssen unterliegen, die unser Handeln bestimmen. Scheinbar gibt 2:08 es also den freien Willen. Aber wie kann denn der Wille unser Handeln aktiv beeinflussen, wenn es laut Indeterminismus genau solche Einflüsse 2:18 eigentlich gar nicht gibt? Also ist auch beim Inditerminismus kein freier Wille möglich. Der freie Wille ist eng mit dem Konzept 2:29 der Verantwortung verbunden. Nur wenn ich eine Entscheidung frei treffen konnte, kann ich hierfür auch verantwortlich sein. Aber wie können wir 2:38 einen Mörder beispielsweise für sein Handeln verantwortlich machen, wenn es doch scheinbar keinen freien Willen gibt und er sein Handeln nicht selbst 2:46 beeinflussen konnte? Unser gesamtes gesellschaftliches System baut darauf auf, dass wir davon ausgehen, dass der Mensch einen freien 2:56 Willen hat. Aber weder der Determinismus noch der Indeterminismus lassen einen freien Willen zu. Wie können wir dieses Dilemma lösen? 3:06 Die Position des Kompatibilismus verbindet deterministische und indeterministische Elemente. Er gesteht zu, dass einige Handlungen von innen und 3:16 außen beeinflusst, also determiniert und damit unfrei sind. Dies ermöglicht uns aber auch, dass der freie Wille wieder aktiv Einfluss auf das Handeln nehmen 3:26 kann. Der freie Wille wird also wieder möglich. Aber hier gibt es ein ungelöstes Problem. Welche Handlungen sind denn nun 3:36 genau determiniert und damit unfrei? Und welche Handlungen sind das Ergebnis unseres freien Willens? Diese Abgrenzung kann der Kompatibilismus derzeit nicht 3:45 leisten. Mehr noch, es ist ein großer Streitpunkt, welcher Anteil des menschlichen Verhaltens durch z.B. biologische oder soziologische Einflüsse 3:55 geprägt und damit determiniert sind und welcher Anteil noch in unseren eigenen Händen in unserem freien Willen liegt.