Die gesamte Geschichte der DDR zum Einschlafen Ruhe der Zeit https://www.youtube.com/watch?v=-h9Lz5-kKI4 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Die DDR war ein Land, das nur vier Jahrzehnte existierte und doch Millionen Menschen geprägt hat. Zwischen Trümmern, neuen Grenzen, sozialistischen 0:11 Versprechen, Alltag, Kontrolle und Hoffnung entstand ein Staat, der 1990 wieder verschwand. Bevor wir tiefer eintauchen, schreib mir doch einmal in 0:21 die Kommentare, von wo und um welche Uhrzeit du diese Geschichte hörst. Und wenn dir solche Reisen durch die Vergangenheit gefallen, hilfst du mir 0:29 mit einem Like und Abo enorm dabei, mehr solcher Geschichten erzählen zu können. Vielen Dank für deine Unterstützung. Das Jahr 1945 0:39 war für Deutschland kein gewöhnlicher Neubeginn. Es war eher ein leises Erwachen in einer Welt, die kaum noch wieder zu erkennen war. 0:48 Der zweite Weltkrieg war vorbei. Die großen Städte lagen in Trümmern. Berlin, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Chemnitz und viele andere Orte waren gezeichnet 1:01 von Bomben, Feuer und Zerstörung. Straßen waren aufgerissen, Häuser ausgebrannt, Bahnhöfe beschädigt, Brücken eingestürzt. 1:12 Zwischen den Ruinen bewegten sich Menschen, die alles verloren hatten. Familien suchten nach Angehörigen. Kinder standen in langen Schlangen für 1:21 Brot. Frauen räumten Steine aus zerstörten Gebäuden. Heimkehrende Soldaten kamen aus Gefangenschaft zurück und fanden oft kein Zuhause mehr vor. 1:32 Deutschland war besiegt, der Nationalsozialismus war zusammengebrochen und mit ihm war auch der deutsche Staat, 1:41 wie er vorher existiert hatte, verschwunden. Doch das Land war nicht einfach frei. Es wurde von den Siegermächten 1:49 kontrolliert, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Diese vier Mächte teilten Deutschland in 1:59 Besatzungszonen auf. Im Westen entstanden die amerikanische, britische und französische Zone. Im Osten lag die sowjetische Besatzungszone. 2:10 Auch Berlin, obwohl mitten in der sowjetischen Zone gelegen, wurde in vier Sektoren geteilt. Ein amerikanischer, ein britischer, ein französischer und 2:21 ein sowjetischer Sektor. Schon hier in dieser geteilten Stadt konnte man den kommenden Konflikt erahnen, denn die Siegermächte hatten 2:30 zwar gemeinsam gegen Hitler Deutschland gekämpft, aber sie hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen sollte. Im 2:40 Westen standen Demokratie, Marktwirtschaft und eine enge Bindung an die westlichen Staaten im Mittelpunkt. Im Osten setzte die Sowjetunion auf ein 2:50 sozialistisches System, auf staatliche Kontrolle, auf Planwirtschaft und auf eine Gesellschaft, die nach kommunistischen Vorstellungen geformt 3:00 werden sollte. Noch war die DDR nicht gegründet, noch gab es keinen ostdeutschen Staat. Aber in der sowjetischen Besatzungszone 3:10 begann sich bereits eine neue Ordnung zu bilden. Alte Eliten wurden entmachtet. Großgrundbesitzer verloren ihr Land. Viele Betriebe wurden enteignet. 3:22 Verwaltungen, Schulen, Medien und Parteien wurden schrittweise neu ausgerichtet. Nach außen klang vieles nach Befreiung, 3:31 Gerechtigkeit und Neuanfang. Und für manche Menschen fühlte es sich auch genauso an. Nach Jahren von Krieg, Diktatur und Zerstörung gab es den 3:41 Wunsch nach einem anderen Deutschland, ein Deutschland ohne Nazis. Ein Deutschland ohne Militarismus. Ein Deutschland in dem Arbeiter, Bauern 3:51 und einfache Menschen mehr zählen sollten als früher. Doch dieser Neubeginn war nicht frei von Druck. Wer politisch nicht in das neue 4:02 System passte, geriet schnell unter Verdacht. Wer Kritik äußerte, mußte vorsichtig sein. Und wer auf eine offene Demokratie 4:11 hoffte, merkte bald, daß die sowjetische Besatzungsmacht und die neuen kommunistischen Funktionäre eigene Pläne hatten. So entstand in den Jahren nach 4:22 1945 langsam eine neue Wirklichkeit. Nicht plötzlich, nicht an einem einzigen Tag, sondern Schritt für Schritt in Ämtern, 4:32 in Schulen, in Fabriken, in Zeitungen, in Parteibüros und in den Köpfen der Menschen. Während im Alltag noch Hunger, Kälte und 4:44 Wohnungsnot herrschten, wurde im Hintergrund bereits die Zukunft vorbereitet. eine Zukunft, in der Deutschland nicht 4:53 mehr ein gemeinsames Land sein würde, sondern zwei verschiedene Wege gehen sollte. Der Westen und der Osten entfernten sich voneinander, erst 5:03 langsam, dann immer deutlicher. Und aus der sowjetischen Besatzungszone sollte bald ein neuer Staat entstehen. Ein Staat, der versprach, aus den 5:14 Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ein Staat, der sich selbst als antifaschistisch, gerecht und sozialistisch beschrieb. 5:24 ein Staat, der später deutsche demokratische Republik heißen sollte. Doch bevor diese DDR gegründet wurde, musste die sowjetische Besatzungszone 5:35 erst vollständig umgeformt werden. Und genau dort beginnt das nächste Kapitel. In der sowjetischen Besatzungszone begann nach 1945 5:48 ein tiefgreifender Umbau. Es war kein Umbau, der laut und plötzlich geschah. Er geschah Schritt für Schritt in Dörfern und Städten, in Behörden, 5:59 Schulen, Zeitungen und Fabriken. Und oft geschah er unter dem Eindruck von Hunger, Unsicherheit und der Hoffnung, dass nach dem Krieg endlich 6:11 etwas Neues entstehen könnte. Die Sowjetunion wollte verhindern, dass von deutschem Boden noch einmal Krieg ausging. Doch sie wollte auch Einfluss 6:22 sichern. Der Osten Deutschlands sollte nicht einfach wieder zu einem normalen deutschen Staat werden. Er sollte Teil 6:31 einer neuen politischen Ordnung werden, die sich an Moskau orientierte. Zunächst stand vieles unter dem Zeichen der Entnazifizierung. 6:42 Nationalsozialistische Funktionäre sollten aus Ämtern, Schulen, Gerichten und Verwaltungen entfernt werden. Viele Menschen begrüßten das. Nach 12 Jahren 6:53 Diktatur wirkte der Gedanke an einen klaren Bruch mit der Vergangenheit notwendig. Doch bald wurde deutlich, dass nicht nur alte Nationalsozialisten 7:03 entmachtet wurden, auch politische Gegner der neuen Ordnung gerieten unter Druck. In der sowjetischen Zone entstanden neue Machtstrukturen. 7:14 Die Kommunistische Partei Deutschlands, die KPD, kehrte zurück. Auch die sozialdemokratische Partei Deutschlands, die SPD, wurde wieder 7:23 zugelassen. Doch anders als im Westen sollten diese Parteien im Osten nicht lange unabhängig nebeneinander bestehen. Im Jahr 1946 7:34 wurden KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone zur sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zusammengeschlossen. 7:44 Der Name klang nach Einheit, nach Zusammenarbeit. nach einem gemeinsamen antifaschistischen Neuanfang. 7:52 Doch diese Vereinigung geschah nicht überall freiwillig. Viele Sozialdemokraten wollten keine Verschmelzung mit den Kommunisten. 8:01 Manche hatten Angst, manche wurden überzeugt, andere wurden gedrängt, isoliert oder zum Schweigen gebracht. Aus dieser neuen Partei der SED sollte 8:13 später die eigentliche Machtzentrale der DDR werden. Noch gab es die DDR nicht. Aber die Partei, die sie beherrschen würde, war bereits da. Währenddessen 8:25 veränderte sich auch das Land selbst. Eine der wichtigsten Maßnahmen war die Bodenreform. Großgrundbesitzer, 8:33 ehemalige Nationalsozialisten und Menschen, die als Belastete galten, verloren ihren Besitz. Ihr Land wurde aufgeteilt und dann landarme Bauern, 8:43 Flüchtlinge und Neubauern vergeben. Auf Plakaten stand: "Junkerland in Bauernhand. Für viele klang das wie Gerechtigkeit. 8:54 Nach Jahrhunderten, in denen große Güter und alte Eliten das Land geprägt hatten, sollten nun einfache Menschen Boden bekommen. Doch auch diese Reform war 9:05 nicht nur sozialer Ausgleich, sie war zugleich ein politisches Signal. Die alten Besitzverhältnisse sollten verschwinden. Die Gesellschaft sollte 9:15 neu geordnet werden. Auch in der Industrie begann der Wandel. Betriebe wurden enteignet. Unternehmen, die früher Rüstung produziert hatten oder 9:24 deren Besitzer als belastet galten, gingen in öffentliches Eigentum über. Es entstanden volkseigene Betriebe, die später zu einem der Grundfeiler der DDR 9:35 Wirtschaft wurden. Der Staat oder genauer gesagt die neue politische Führung griff immer stärker in die Wirtschaft ein. 9:45 Produktion, Preise, Rohstoffe und Arbeitskräfte sollten nicht mehr durch den Markt gesteuert werden, sondern durch Pläne. Aus einer zerstörten 9:57 Nachkriegswirtschaft sollte eine sozialistische Planwirtschaft entstehen. Doch in diesen ersten Jahren war das Leben der Menschen 10:05 noch weit entfernt von großen politischen Visionen. Viele dachten nicht zuerst an Sozialismus oder Parteien. Sie dachten 10:14 an Brot, an Kohle, an ein Dach über dem Kopf, an verschwundene Angehörige, an das nächste Stück Seife, an den nächsten Winter. In den Stäten standen Ruinen wie 10:29 dunkle Gerippe. In vielen Wohnungen fehlten Fenster, Türen, Heizmaterial und Möbel. Züge fuhren unregelmäßig. Straßen waren beschädigt, Brücken 10:41 mussten repariert werden, Fabriken lagen still oder arbeiteten nur langsam wieder an. Gleichzeitig kamen Millionen Vertriebene und Flüchtlinge aus den 10:51 ehemaligen deutschen Ostgebieten. Sie suchten Unterkunft, Arbeit und einen neuen Anfang. In vielen Orten mußten Familien enger 11:01 zusammenrücken. Fremde Menschen teilten sich Zimmer, Küchen und Höfe. So war die sowjetische Besatzungszone ein Ort voller Widersprüche. 11:11 Auf der einen Seite gab es den Wunsch nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach einem neuen Deutschland, das nicht mehr von Krieg, 11:21 Nationalismus und alten Eliten geprägt sein sollte. Auf der anderen Seite entstand ein System, in dem politische Freiheit immer 11:30 enger wurde. Die Richtung war vorgegeben, die Macht konzentrierte sich und wer sich dieser Entwicklung widersetzte, hatte immer weniger Raum. 11:40 Auch die Medien wurden neu geordnet. Zeitungen, Rundfunk und Verlage standen zunehmend unter Kontrolle. Was veröffentlicht wurde, sollte zum 11:51 Aufbau der neuen Ordnung passen. Kritik durfte es geben, aber nur in bestimmten Grenzen. Und diese Grenzen wurden mit der Zeit enger. In den Schulen begann 12:03 ebenfalls eine neue Zeit. Lehrpläne wurden verändert. Alte Lehrer wurden überprüft. Neue Lehrer, oft in kurzer Zeit 12:12 ausgebildet, sollten ein anderes Denken vermitteln. Die Jugend sollte nicht nur lesen, schreiben und rechnen lernen, sie sollte 12:22 auch zu sozialistischen Bürgern erzogen werden. So wuchs eine neue Ordnung nicht nur durch Gesetze und Befehle, sie wuchs auch durch Sprache, durch Lieder, durch 12:34 Schulbücher, durch Zeitungsartikel, durch Versammlung, durch neue Begriffe, die jeden Tag wiederholt wurden. Antifaschismus, 12:44 demokratischer Neubeginn, Arbeiterklasse, Volksmacht, Plan, Sozialismus. Für manche Menschen waren diese Worte 12:53 ehrlich mit Hoffnung verbunden. Für andere wurden sie mit der Zeit zu formeln, die man sagte, weil man sie sagen musste. In diesen Jahren wurde der 13:02 Grundstein für einen Staat gelegt, der sich später als demokratisch bezeichnen würde, aber in Wahrheit von einer Partei gelenkt wurde. 13:12 Die sowjetische Besatzungsmacht blieb dabei der entscheidende Faktor. Ohne ihre Zustimmung konnte kaum etwas Wichtiges geschehen. Sie bestimmte die 13:22 großen Linien. Sie stützte die neuen Machthaber und sie sorgte dafür, dass der Osten Deutschlands fest in ihrem Einflussbereich blieb. 13:32 Gleichzeitig entfernten sich die westlichen Besatzungszonen immer weiter von der sowjetischen Zone. Im Westen wurden wirtschaftliche und politische 13:41 Strukturen aufgebaut, die sich an den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich orientierten. Im Osten entstand ein anderes Modell, 13:51 zwei Wege, zwei Ordnungen, zwei Vorstellungen davon, was Deutschland nach Hitler sein sollte. Noch war die Teilung nicht endgültig. 14:02 Noch gab es Menschen, die hofften, Deutschland könne wieder zusammenfinden. Doch mit jedem Jahr wurde diese Hoffnung schwächer. Die Fronten des kalten 14:11 Krieges wurden klarer, Misstrauen wuchs, Entscheidungen wurden härter und aus der Besatzungszeit wurde langsam eine neue politische Wirklichkeit. 14:23 Bis schließlich im Jahr 1949 aus der sowjetischen Besatzungszone ein eigener Staat entstand. Ein Staat mit eigener Regierung, mit 14:34 eigener Verfassung, mit eigenen Symbolen und mit einem Namen, der nach Volksherrschaft klang, deutsche demokratische Republik. Doch wie 14:44 demokratisch dieser neue Staat wirklich war, sollte sich bald zeigen. Im Jahr 1949 wurde sichtbar, was sich in den Jahren 14:56 zuvor bereits vorbereitet hatte. Deutschland war nicht mehr nur besetzt. Deutschland war nun geteilt nicht nur durch Kontrollposten, Verwaltungsgrenzen 15:06 oder unterschiedliche Besatzungszonen, sondern durch zwei politische Systeme, die immer weiter auseinander drifteten. Im Westen entstand im Mai 1949 15:19 die Bundesrepublik Deutschland. Ein neuer Staat mit einem Grundgesetz, einem Parlament, freien Wahlen und einer engen Bindung an die westlichen 15:29 Siegermächte. Bonn wurde zur provisorischen Hauptstadt, nicht Berlin, denn Berlin lag tief im Osten, mitten in der 15:39 sowjetischen Besatzungszone und war selbst noch in vier Sektoren geteilt. Die Bundesrepublik verstand sich nicht 15:47 als endgültige Lösung. Sie sah sich als Teil Deutschlands, das eines Tages wieder vereint werden sollte. Doch im Osten wurde wenige Monate später ein 15:58 anderer Weg eingeschlagen. Am 7. Oktober 1949 wurde die deutsche demokratische Republik gegründet, die DDR. 16:09 Auch sie gab sich eine Verfassung. Auch sie hatte ein Parlament. Auch sie sprach von Demokratie, Frieden, Antifaschismus und dem Willen des 16:20 Volkes. Doch hinter diesen Worten entstand ein Staat, der von Anfang an stark von der Sowjetunion geprägt war und in dem 16:30 wichtigste Macht nicht beim Parlament lag, sondern bei der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Der erste Präsident der DDR wurde 16:41 Wilhelm Peak. Der erste Ministerpräsident wurde Otto Grote wohl. Beide standen für den neuen Staat, für seine offiziellen Bilder, reden und 16:51 Feiern. Doch eine der entscheidenden Figuren im Hintergrund war Walter Ulbricht. Er war kein Mann der großen Wärme. Er war 17:01 nüchtern, hart, diszipliniert und eng mit der kommunistischen Bewegung verbunden. Mit ihm gewann die SD immer mehr 17:11 Kontrolle über die Richtung des neuen Staates. Die DDR nannte sich demokratisch, aber die Demokratie, die sie meinte, 17:20 unterschied sich stark von dem, was im Westen darunter verstanden wurde. Es gab Wahlen, es gab Parteien, es gab Organisationen. 17:31 Doch die Parteien und Massenorganisationen waren in der nationalen Front zusammengeschlossen 17:38 und diese nationale Front wurde von der SED dominiert. Die Menschen konnten wählen, aber sie konnten nicht wirklich frei zwischen politischen Alternativen 17:49 entscheiden. Auf Wahlzetteln standen Einheitslisten. Die großen Entscheidungen waren vorher getroffen. Das Ergebnis sollte nicht 17:57 offen sein. Es sollte Zustimmung zeigen. So entstand ein Staat, der nach außen Institutionen hatte, die vertraut wirkten. Regierung, Parlament, 18:09 Ministerien, Verfassung, Gerichte, Wahlen. Doch im Inneren war die Macht anders verteilt. Die Partei stand über allem. Sie 18:20 bestimmte die Richtung der Politik. Sie beeinflusste die Wirtschaft, sie kontrollierte die Medien, sie prägte die Schulen. Sie entschied, welche Karrieren 18:31 möglich waren und welche nicht. Für viele Menschen im Osten Deutschlands war die Gründung der DDR kein lautes historisches Ereignis, das sofort den 18:41 Alltag veränderte. Der Alltag blieb zunächst schwer. Noch immer waren viele Städte beschädigt. Noch immer fehlten Wohnungen, noch immer 18:51 waren Lebensmittel knapp, noch immer standen Menschen an, noch immer suchten Familien nach Vermissten, noch immer kamen Vertriebene an, die irgendwo neu 19:01 beginnen mussten. Aber über diesem Alltag lag nun ein neuer Staat mit neuen Symbolen, mit neuen Fahnen, mit neuen Zeitungen, mit neuen Reden, mit neuen 19:14 Versprechen. Die DDR versprach, ein anderes Deutschland zu sein. Ein Deutschland, das angeblich endgültig mit dem 19:23 Faschismus gebrochen hatte. Ein Deutschland der Arbeiter und Bauern. Ein Deutschland ohne Großkapitalisten, ohne Junker, ohne alte Eliten. Ein 19:33 Deutschland, das nicht vom Westen abhängig sein wollte, sondern seinen eigenen sozialistischen Weg gehen sollte. Diese Versprechen klangen für 19:42 manche überzeugend. Viele Menschen waren vom Krieg erschöpft. Sie wollten Sicherheit. Sie wollten Ordnung. Sie wollten Arbeit. Sie wollten Brot, 19:54 Wohnungen und Frieden. Sie wollten nicht zurück in die Vergangenheit. Und die DDR bot ihnen eine klare Erzählung. Der alte Staat war gescheitert. Der 20:06 Nationalsozialismus war besiegt. Nun sollte etwas Neues entstehen, ein besseres, gerechteres, friedlicheres Land. Doch von Beginn an gab es eine 20:17 Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der Staat sprach von Volksherrschaft, aber die Bevölkerung konnte die 20:25 politische Richtung kaum ändern. Der Staat sprach von Freiheit, aber freie Presse, freie Parteien und freie öffentliche Kritik waren stark 20:37 eingeschränkt. Der Staat sprach von Frieden, aber seine Macht beruhte auch auf Kontrolle, Disziplin und enger Bindung an die 20:46 sowjetische Ordnung. Der Staat sprach von Gleichheit, aber schon früh entstand eine neue politische Elite, die Zugang zu besseren Informationen, besseren 20:57 Positionen und größerem Einfluss hatte. Währenddessen entwickelte sich die Bundesrepublik im Westen in eine andere Richtung. 21:06 Dort wurde die Marktwirtschaft aufgebaut. Die westlichen Zonen erhielten Hilfe durch den Marshall Plan. Die politische 21:15 Ordnung orientierte sich an parlamentarischer Demokratie und westlicher Integration. Im Osten dagegen begann der Aufbau eines 21:24 sozialistischen Staates. Die Wirtschaft sollte geplant werden. Die Gesellschaft sollte geformt werden. Die Menschen sollten nicht nur Bürger eines Landes 21:34 sein, sondern Teil eines politischen Projekts. So standen sich nun zwei deutsche Staaten gegenüber. Beide sprachen Deutsch, beide beriefen sich 21:44 auf Deutschland. Beide behaupteten, aus der Katastrophe der Vergangenheit gelernt zu haben, doch sie zogen unterschiedliche Schlüsse. Im Westen 21:55 entstand ein Staat, der sich Schritt für Schritt in Richtung westlicher Demokratie und Marktwirtschaft bewegte. Im Osten entstand ein Staat, der sich 22:05 als antifaschistisch und sozialistisch verstand, aber immer stärker von einer Partei gelenkt wurde. Für die Menschen bedeutete diese Teilung zunächst oft 22:16 etwas sehr persönliches. Familien lebten plötzlich in verschiedenen Staaten. Freunde wurden durch politische Grenzen getrennt. 22:26 Arbeitswege, Besuche und alte Verbindungen wurden komplizierter. Noch war die Grenze nicht vollständig geschlossen. 22:35 Noch konnte man sich bewegen. Noch war Berlin ein besonderer Ort, an dem die Teilung zwar sichtbar war, aber noch nicht endgültig aus Beton bestand. 22:46 Doch die Richtung war klar. Die beiden deutschen Staaten entfernten sich voneinander. Jahr für Jahr, Gesetz für Gesetz, Schulbuch für Schulbuch, 22:56 Zeitungsartikel für Zeitungsartikel, Grenzposten für Grenzposten. Die DDR war nun gegründet, aber ein Staat entsteht nicht nur durch eine 23:06 Urkunde. Er entsteht durch Macht, durch Regeln, durch Alltag, durch Kontrolle, durch Zustimmung und manchmal auch durch Angst. 23:20 In den kommenden Jahren sollte die DDR versuchen, ihren sozialistischen Anspruch Wirklichkeit werden zu lassen. Sie wollte Betriebe lenken, Dörfer 23:30 verändern, Schulenformen, Parteien kontrollieren, Jugendliche erziehen und aus einer zerstörten Nachkriegsgesellschaft eine neue 23:39 sozialistische Gesellschaft bauen. Doch dieser Aufbau brachte nicht nur Hoffnung, er brachte auch Druck, Widerstand, 23:49 Flucht und bald einen ersten großen Riss, denn der junge Staat verlangte viel von seinen Menschen und nicht alle waren bereit, diesen Weg schweigend 23:59 mitzugehen. Aus der sowjetischen Besatzungszone war nun offiziell ein eigener Staat geworden mit Regierung, Parlament, Verfassung, 24:10 Fahne und Hymne. Doch hinter diesen äußeren Zeichen stand eine größere Aufgabe. Die DDR sollte nicht einfach nur verwaltet werden, sie sollte 24:21 umgebaut werden. Aus einem zerstörten Nachkriegsland sollte ein sozialistischer Staat entstehen. Ein Staat, in dem Fabriken, Schulen, 24:31 Landwirtschaft, Medien, Kultur und Alltag nach neuen Regeln funktionieren sollten. Die Führung der SE sprach vom Aufbau 24:40 einer besseren Gesellschaft, eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, ohne alte Großgrundbesitzer, ohne mächtige Kapitalisten, 24:50 ohne jene Eliten, die man für Krieg, Faschismus und soziale Ungerechtigkeit verantwortlich machte. In den Reden klang dieser Aufbau klar 25:00 und entschlossen. Die Arbeiterklasse sollte führen. Die Bauern sollten Teil des neuen Staates sein. Die Jugend sollte eine friedliche sozialistische 25:10 Zukunft aufbauen und die DDR sollte beweisen, dass im Osten Deutschlands ein anderes gerechteres Deutschland möglich war. 25:20 Für manche Menschen war das tatsächlich mit Hoffnung verbunden. Viele hatten den Krieg erlebt. Viele hatten Armut, Angst, Verlust und Zerstörung gesehen. Viele 25:31 wollten nie wieder einen Staat, der in Militarismus und Diktatur endete. Wenn nun von Frieden, Arbeit, Bildung und sozialer Gerechtigkeit gesprochen wurde, 25:42 dann klang das für einige wie ein echter Neubeginn. Kinder aus Arbeiterfamilien sollten bessere Chancen bekommen. Frauen sollten 25:52 stärker in Beruf und Gesellschaft eingebunden werden. Alte Besitzverhältnisse sollten aufgebrochen werden. Bildung, Arbeit und Wohn sollten 26:02 nicht nur vom Geldbeutel abhängen. Doch der Aufbau des Sozialismus war nicht nur ein Versprechen, er war auch ein Machtprojekt. 26:11 Denn die SED wollte nicht nur überzeugen, sie wollte führen und Führung bedeutete in der DDR immer stärker Kontrolle. Die Partei verstand 26:23 sich als Kraft, die angeblich wusste, wohin die Geschichte gehen musste. Sie sah sich nicht einfach als eine Partei unter mehreren. Sie sah sich als 26:33 Avantgarde, als politische Spitze einer neuen Gesellschaft. Das bedeutete, die wichtigsten 26:40 Entscheidungen sollten nicht offen zwischen verschiedenen politischen Lagern ausgehandelt werden. Sie sollten von der Partei vorbereitet, gelenkt und 26:49 durchgesetzt werden. In Betrieben entstanden Parteiorganisationen. 26:56 In Schulen wurde die Erziehung politischer. In Verwaltungen achtete man darauf, wer zuverlässig war. In den Medien wurde immer deutlicher, welche 27:06 Meinung erwünscht war. Schritt für Schritt entstand ein System, in dem Karriere, Sicherheit und Anerkennung oft davon abhing, ob jemand 27:16 als politisch vertrauenswürdig galt. Wer mitmachte, konnte aufsteigen. Wer sich anpasste, hatte Ruhe. Wer überzeugt war, fand seinen Platz im neuen Staat. Doch 27:28 wer widersprach, wer zweifelte oder wer zu offen Kritik äußerte, konnte Schwierigkeiten bekommen. Nicht immer sofort, nicht immer dramatisch, aber 27:40 spürbar. Eine Bewerbung wurde schwieriger, ein Studienplatz blieb aus. Ein Vorgesetzter wurde mißstrauisch, ein Gespräch wurde notiert, eine Tür blieb 27:52 geschlossen. So wuchs die DDR nicht nur durch große Beschlüsse, sie wuchs auch durch viele kleine Signale des Alltags, durch das, 28:02 was man sagen durfte, durch das, was man besser verschwieg, durch die Frage, wem man vertrauen konnte und durch das Gefühl, dass der Staat immer mit am 28:13 Tisch saß. Besonders wichtig wurde die Wirtschaft. Die DDRFührung wollte eine Planwirtschaft aufbauen. Das bedeutete, 28:23 nicht Angebot und Nachfrage sollten bestimmen, was produziert wurde, sondern staatliche Pläne. In diesen Plänen wurde festgelegt, welche Betriebe welche Waren 28:34 herstellen sollten, wie viele Maschinen gebraucht wurden, welche Rohstoffe verteilt wurden, welche Ziele erreicht werden mussten und welche Branchen 28:45 besonders wichtig waren. Die Schwerindustrie spielte dabei eine große Rolle. Stahl, Maschinenbau, Chemie, Energie, Bergbau. 28:57 Diese Bereiche galten als Grundlage für einen starken sozialistischen Staat. Die DDR sollte industriell wachsen, unabhängig werden und im Wettbewerb mit 29:06 dem Westen bestehen. Doch der Anfang war schwer. Viele Anlagen waren beschädigt oder veraltet. Ein Teil der Industrie war nach dem 29:16 Krieg als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut worden. Rohstoffe waren knapp, Transportwege mussten wiederhergestellt werden und überall 29:27 fehlte es an Material, Fachkräften und moderner Technik. Trotzdem wurden hohe Ziele gesetzt. Die Arbeiter sollten mehr leisten. Die Betriebe sollten Pläne 29:39 erfüllen oder übererfüllen. Die Zeitungen berichteten von Aktivisten, von Helden der Arbeit, von Menschen, die angeblich aus Überzeugung weit über das 29:48 normale Maß hinausarbeiteten. Es entstand eine neue Sprache der Produktion, Planerfüllung, Arbeitsnorm, Brigade, Wettbewerb, 30:00 Aktivist, volkseigener Betrieb. Diese Begriffe sollten zeigen, dass Arbeit nicht nur Broterwerb war, sie sollte Dienst an der neuen Gesellschaft 30:10 sein. Doch im Alltag war die Realität oft nüchterner. Viele Menschen arbeiteten hart, aber Löhne, Versorgung und 30:20 Wohnverhältnisse blieben schwierig. In den Geschäften fehlten Waren, Handwerker waren knapp, Wohnungen waren eng und die Erinnerung an die bessere 30:31 Versorgung im Westen wurde für viele immer stärker, denn der Westen war nicht weit entfernt. Die Bundesrepublik entwickelte sich 30:41 wirtschaftlich schneller. Mit westlicher Hilfe, Marktwirtschaft und wachsender Produktion begann dort langsam das, was später Wirtschaftswunder genannt wurde. 30:52 Für viele Menschen in der DDR war dieser Unterschied spürbar durch Verwandte, durch Briefe, durch Pakete, durch Radiosendungen, 31:03 durch Besuche und besonders durch Berlin, wo Ost und West noch direkt nebeneinander lagen. Der sozialistische Aufbau musste sich 31:12 also ständig vergleichen lassen, nicht nur mit einer Idee, sondern mit einem realen anderen Deutschland. Das setzte die DDR Führung unter Druck. Je größer 31:24 der Unterschied wirkte, desto stärker musste der eigene Weg begründet werden. Und je mehr Menschen zweifelten, desto wichtiger wurde Kontrolle. Die SD 31:34 erklärte, Schwierigkeiten seien nur Übergangsprobleme. Der Sozialismus müsse erst aufgebaut werden. Opfer sein notwendig, Disziplin 31:45 sein notwendig, Geduld sein notwendig. Doch viele Menschen hatten nach Krieg und Entbehrung bereits jahrelang Geduld gehabt. Sie wollten nicht nur 31:55 Zukunftsversprechen, sie wollten ein besseres Leben im Jetzt. Der Staat versprach Wohnung, aber viele lebten weiter beengt. Er versprach 32:06 Versorgung, aber vieles blieb mangelware. Er versprach Demokratie, aber die politische Richtung war festgelegt. Er versprach Frieden, aber 32:18 die Sprache wurde immer kämpferischer. So entstand eine Spannung, die sich durch die gesamte frühe DDR zog. Zwischen Hoffnung und Zwang. 32:30 zwischen Aufbau und Kontrolle, zwischen sozialem Versprechen und politischer Engel. Auch in der Gesellschaft selbst begann sich vieles zu verändern. Die 32:40 Jugend wurde früh eingebunden. Kinder traten in Pionierorganisationen ein. Jugendliche kamen zur FDJ, der freien deutschen Jugend. Dort ging es um 32:53 Gemeinschaft, Freizeit und Zukunft, aber auch um politische Erziehung. Man sang Lieder, man trug Halstücher, man nahm an Veranstaltungen teil, man lernte, welche 33:06 Worte richtig waren und welche Haltung erwartet wurde. In den Schulen wurde Geschichte neu erzählt. Der Nationalsozialismus erschien als Folge 33:15 von Kapitalismus, Militarismus und alten Eliten. Die Sowjetunion wurde als Befreierin dargestellt, die DDR als antifaschistischer Neubeginn, die 33:28 Bundesrepublik dagegen zunehmend als Staat des Westens, des Kapitals und Alter Kräfte. Diese Erzählung wurde nicht nur in 33:36 Schulbüchern verbreitet, sie war auch in Zeitung, reden, Filmen und Feiern präsent. Die DDR schuf sich selbst eine 33:45 Geschichte, in der sie auf der richtigen Seite stand, und diese Geschichte wurde zu einem wichtigen Teil ihrer Legitimation. 33:54 Wer die DDR kritisierte, stellte aus Sicht der Führung nicht nur einzelne Entscheidungen in Frage. Er stellte angeblich den antifaschistischen und 34:04 sozialistischen Neubeginn in Frage. Das machte Kritik gefährlich, denn der Staat sah sich nicht als gewöhnlicher Staat mit Fehlern. Er sah sich als 34:15 historisches Projekt, als Antwort auf Hitler, als Bollwerk gegen Faschismus, als Zukunft der Arbeiterklasse, als besseres Deutschland. 34:27 Diese großen Worte gaben dem Staat Kraft, aber sie machten ihn auch starr. In den frühen 1950er Jahren wurde der Druck stärker. Die Wirtschaft sollte 34:39 schneller wachsen. Die sozialistische Umgestaltung sollte entschlossener vorangehen. Die politischen Gegner sollten weniger Raum bekommen. Die 34:49 Bevölkerung sollte sich klarer zum neuen Staat bekennen. Doch viele Menschen taten das nicht. Manche waren vorsichtig loyal. Manche arrangierten sich. Manche 35:00 glaubten wirklich an den Sozialismus. Andere blieben innerlich auf Distanz und viele verließen das Land. Noch war die Grenze zum Westen nicht 35:10 vollständig geschlossen. Noch konnte man über Berlin in den Westen gelangen. Noch war fluchtchwierig, aber möglich. gerade 35:19 junge gut ausgebildete Menschen gingen, Ärzte, Ingenieure, Handwerker, Studenten, Facharbeiter, 35:30 Menschen, die in der DDR keine Zukunft sahen oder sich dem wachsenden politischen Druck entziehen wollten. Für den jungen Staat war das ein 35:39 schweres Problem, denn er wollte eine neue Gesellschaft aufbauen, aber ein Teil seiner Bevölkerung stimmte mit den Füßen ab. 35:48 So zeigte sich schon wenige Jahre nach der Gründung. Die DDR konnte Menschenarbeit geben, sie konnte Wohnungen versprechen, sie konnte 35:57 Schulen umbauen, sie konnte Betriebe verstaatlichen, sie konnte Pläne schreiben, aber sie konnte Vertrauen nicht einfach befehlen. 36:08 Und genau dieses fehlende Vertrauen wurde immer deutlicher. Im Sommer 1952 verkündete die SED offiziell den Aufbau 36:18 des Sozialismus. Der Kurs wurde härter. Die Kontrolle nahm zu. Die Anforderungen an Arbeiter und Betriebe stiegen. Gleichzeitig blieb 36:28 der Alltag angespannt. Die Versorgung war schwierig. Die politische Atmosphäre wurde enger. Die Menschen spürten, dass der Staat viel verlangte und wenig 36:39 Widerspruch duldete. In Fabriken wurde über Normen gesprochen, über höhere Leistung, über mehr Arbeit für denselben Lohn. 36:49 über Ziele, die von oben gesetzt wurden. Und je mehr Druck entstand, desto mehr wuchs die Unzufriedenheit. Noch war sie oft leise, in Gesprächen am 37:00 Küchentisch, in Pausenräumen, auf Baustellen, in Straßenbahn, auf Wegen zur Arbeit. Doch unter der Oberfläche sammelte sich etwas, eine Müdigkeit, 37:12 eine Wut, eine Enttäuschung. Der Aufbau des Sozialismus sollte zeigen, dass die DDR stark war, dass sie eine Zukunft hatte, dass sie den 37:23 richtigen Weg ging. Doch im Jahr 1953 sollte sich zeigen, wie brüchig dieser junge Staat noch war. Denn aus Unzufriedenheit wurde Protest, 37:36 aus Protest wurde ein Aufstand und aus einem Arbeitskonflikt wurde der erste große Schock der DDR Geschichte. 37:47 Im Sommer 1953 zeigte sich zum ersten Mal offen, wie groß die Spannung in der jungen DDR bereits geworden war. 37:56 Nach außen sprach die Führung weiter vom Aufbau des Sozialismus, von Fortschritt, Disziplin und einer besseren Zukunft. Doch in vielen 38:06 Betrieben, Wohnungen und Straßen war die Stimmung eine andere. Die Menschen waren müde. Viele hatten den Krieg überlebt, den Hunger der Nachkriegszeit getragen 38:17 und jahrelang auf bessere Zeiten gehofft. Aber der Alltag blieb schwer. Die Versorgung war angespannt, Wohnungen waren knapp, viele Preise stiegen und 38:29 der politische Druck nahm zu. Besonders in den Betrieben wuchs die Unzufriedenheit. Die Regierung hatte beschlossen, die 38:38 Arbeitsnormen zu erhöhen. Das bedeutete, Arbeiter sollten mehr leisten, oft ohne entsprechend mehr Lohn zu bekommen. Für die Führung war das ein Schritt, um die 38:49 Wirtschaft voranzubringen. Für viele Arbeiter fühlte es sich wie eine zusätzliche Belastung an. Gerade jene Menschen, in deren Namen die 38:59 DDR angeblich regiert wurde, fühlten sich übergang, die Arbeiter. Am 16. Juni 1953 begannen Bauarbeiter in Ostberlin zu 39:11 protestieren. Sie zogen durch die Straßen, zunächst wegen der erhöhten Normen. Doch aus einer wirtschaftlichen Forderung wurde schnell etwas Größeres. 39:21 Die Menschen verlangten nicht nur niedrigere Arbeitsnormen, sie forderten freie Wahlen. Sie forderten den Rücktritt der Regierung. Sie forderten 39:32 mehr Freiheit. Was als Protest von Bauarbeitern begann, breitete sich rasch aus. Am nächsten Tag, dem 17. Juni 1953 kam es in vielen Städten und Orten der 39:46 DDR zu Streiks, Demonstrationen und Aufständen. In Berlin, Leipzig, Halle, Magdeburg, Dresden, Jener, Görlitz und vielen weiteren Orten gingen Menschen 39:59 auf die Straße. Arbeiter verließen ihre Betriebe. Menschen sammelten sich auf Plätzen. Rufe halten durch Straßen, die nur wenige Jahre zuvor noch voller 40:11 Trümmer gewesen waren. Für einen Moment schien sichtbar zu werden, was sonst oft nur leise ausgesprochen wurde. Die Unzufriedenheit war nicht vereinzelt, 40:22 sie war weit verbreitet. Viele Menschen hatten nicht nur ein Problem mit einzelnen Entscheidungen, sie zweifelten am gesamten Kurs des 40:30 Staates. Die DDR-Führung war überfordert. Sie hatte sich als Regierung der Arbeiter und Bauern dargestellt. 40:39 Doch nun waren es gerade Arbeiter, die gegen sie demonstrierten. Das war gefährlich für die Legitimation des jungen Staates. Denn wenn die 40:48 Arbeiterklasse angeblich die Grundlage der Macht war, was bedeutete dann, wenn Arbeiter auf die Straße gingen und diese Macht ablehnten? 40:59 Die Führung konnte diesen Protest nicht einfach als Missverständnis behandeln. Sie sah darin eine ernste Bedrohung und sie war nicht allein. Die Sowjetunion 41:10 hatte in der DDR das letzte Wort, wenn es um die Sicherung der Macht ging. Sowjetische Truppen standen im Land. Panzer waren bereit und am 17. Juni 41:21 griffen sie ein. In Ostberlin und anderen Städten wurden Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen. Panzer rollten durch Straßen. Der 41:31 Ausnahmezustand wurde verhängt. Menschen wurden verhaftet. Einige verloren ihr Leben. Der Aufstand war vorbei, bevor er eine echte Chance hatte, das System zu 41:43 verändern. Doch seine Wirkung blieb. Für die Menschen in der DDR war der 17. Juni ein Schock. Viele hatten erlebt, wie schnell der Staat Gewalt einsetzen 41:54 konnte, wenn seine Macht bedroht war. Andere hatten gesehen, dass Widerstand möglich war, auch wenn er gefährlich war. Für die SD war der Aufstand eine 42:06 tiefe Demütigung. Sie erklärte später, der 17. Juni sei kein echter Volksaufstand gewesen, sondern ein vom Westen gesteuerter 42:17 faschistischer Putschversuch. Diese Deutung passte in das Weltbild der Partei. Sie musste nicht eingestehen, dass viele Menschen aus eigener 42:26 Erfahrung und eigener Unzufriedenheit gehandelt hatten. Doch im Inneren verstand die Führung sehr genau, was geschehen war. Der Staat war noch nicht 42:37 fest genug, die Zustimmung war nicht stark genug. Der Alltag war nicht stabil genug und die Kontrolle musste aus Sicht der 42:46 Partei enger werden. Nach dem 17. Juni wurde die Überwachung verschärft. Betriebe, Verwaltungen und öffentliche Räume wurden genauer 42:56 beobachtet. Die Sicherheitsorgane gewannen an Bedeutung. Wer Kritik äußerte, wurde noch vorsichtiger. 43:05 Der Aufstand zeigte der DDR Führung, dass sie ihre Bevölkerung nicht allein mit Parolen und Plänen führen konnte. Sie brauchte auch Angst, Kontrolle und 43:16 die sichtbare Unterstützung der sowjetischen Macht. Gleichzeitig veränderte der 17. Juni auch den Blick des Westens auf die DDR. 43:26 In der Bundesrepublik wurde der Tag später als Symbol für den Wunsch nach Freiheit und Einheit verstanden. Er wurde zum Gedenktag, zum Zeichen dafür, 43:36 dass die deutsche Teilung nicht einfach akzeptiert war. Für die DDR dagegen blieb der 17. Juni ein Ereignis, über das nur in der offiziellen Sprache 43:46 gesprochen werden durfte. nicht als Aufstand der eigenen Bevölkerung, nicht als Ausdruck echter Verzweiflung, sondern als feindlicher Angriff. Doch 43:57 viele Menschen wussten, was sie gesehen hatten oder was Angehörige erlebt hatten oder was in ihren Städten geschehen war. Der 17. Juni verschwand nicht einfach 44:08 aus dem Gedächtnis. Er blieb unter der Oberfläche, in Familiengeschichten, in vorsichtigen Gesprächen, in der Erinnerung an einen Moment, in 44:19 dem der junge Staat plötzlich verletzlich wirkte. Und für die SD wurde dieser Tag zu einer Warnung. Nie wieder sollte sich ein solcher Protest 44:29 unkontrolliert ausbreiten. Nie wieder sollte die Macht der Partei so offen in Frage gestellt werden. Nie wieder sollte die Straße stärker wirken als der Staat. 44:40 Von nun an wurde die DDR vorsichtiger, härter und misstrauischer. Sie wollte Stabilität, aber Stabilität bedeutete für die Führung nicht offene Diskussion. 44:53 Sie bedeutete Ordnung, Kontrolle, Disziplin und Loyalität. So wurde der 17. Juni 1953 zum ersten großen Riss in der Geschichte 45:06 der DDR. Ein Riss zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Arbeiterstaat und 45:13 Arbeiterprotest, zwischen Hoffnung auf Sozialismus und Angst vor dem eigenen Volk. Der Aufstand war niedergeschlagen, 45:22 doch die Fragen, die er sichtbar gemacht hatte, blieben bestehen. Wie viel Zustimmung hatte dieser Staat wirklich? Wie frei konnten Menschen in 45:33 ihm leben? Und was würde passieren, wenn immer mehr Menschen begannen, nicht nur zu zweifeln, sondern zu gehen? Denn in den Jahren nach dem Aufstand 45:44 wurde ein anderes Problem immer größer. Hunderttausende verließen die DDR. leise entschlossen mit Koffern, Kindern, Erinnerungen und der Hoffnung auf ein 45:57 anderes Leben. Und diese Fluchtbewegung sollte den jungen Staat bald vor seine nächste große Krise stellen. 46:06 Nach dem 17. Juni 1953 kehrte in der DDR äußerlich wieder Ruhe ein. Die Straßen lehrten sich, die Betriebe arbeiteten weiter. Die 46:18 Zeitungen sprachen wieder von Fortschritt, Aufbau und sozialistischer Zukunft. Doch unter der Oberfläche hatte sich 46:27 etwas verändert. Viele Menschen wussten nun, wie weit der Staat gehen würde, wenn seine Macht in Frage stand. Und trotzdem mußte das Leben 46:37 weitergehen. In den Städten standen noch immer Ruinen. Zwischen beschädigten Fassaden, engen Hinterhöfen und notdürftig 46:46 reparierten Wohnung begann der Alltag der jungen DDR. Kinder gingen zur Schule. Arbeiter fuhren früh in die Betriebe. Frauen 46:57 standen in Geschäften an. Straßenbahnen quietschten durch graue Straßen und in vielen Wohnungen wurde sparsam geheizt, gekocht und geplant. 47:09 Die 1950er Jahre waren in der DDR keine einfache Zeit. Der Krieg lag noch nicht lange zurück. Viele Familien hatten Tote, vermisste oder Verwundete zu 47:21 beklagen. Heimkehrer aus Gefangenschaft kamen zurück in Orte, die sich verändert hatten. Vertriebene aus den ehemaligen 47:30 deutschen Ostgebieten suchten eine neue Heimat. Wohnraum war knapp. Lebensmittel waren nicht immer zuverlässig verfügbar. Viele Dinge, die heute 47:39 selbstverständlich wirken, waren damals kostbar. Ein gutes Paar Schuhe, ein warmer Mantel, Seife, Kaffee, Fleisch, Baumaterial, 47:52 Ersatzteile. Oft musste improvisiert werden. Man reparierte, was eigentlich längst kaputt war. Man tauschte, was man irgendwo 48:00 bekommen konnte. Man wartete, fragte herum, stellte sich an und hoffte, dass noch etwas übrig blieb. Gleichzeitig wurde überall vom Aufbau gesprochen. Die 48:12 DDR wollte zeigen, dass sie stärker wurde. Neue Betriebe sollten entstehen. Alte Fabriken sollten wieder produzieren. Wohnungen sollten gebaut 48:23 werden, die Jugend sollte anpacken. Das Land sollte aus den Trümmern heraus in eine sozialistische Zukunft gehen. Auf Plakaten sah man lächelnde Arbeiter, 48:33 Bauern, Ingenieure und junge Menschen. Sie blickten nach vorn in eine helle Zukunft, die oft klarer wirkte als die Gegenwart. 48:43 Denn der echte Alltag war widersprüchlich. Es gab Menschen, die an den neuen Staat glaubten. Sie sahen in der DDR eine 48:52 Chance für soziale Gerechtigkeit, Bildung und Frieden. Kinder aus einfachen Familien konnten tatsächlich neue Möglichkeiten bekommen. Viele 49:02 Frauen wurden stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden. Der Staat versprach Sicherheit, Arbeit und Aufstieg. Aber es gab auch viele, die 49:11 skeptisch blieben. Sie spürten die politische Engel. Sie hörten, welche Meinung erwünscht war. Sie sahen, wer gefördert wurde und 49:20 wer nicht. Sie merkten, dass man vorsichtig sein musste, wenn man über Politik sprach. In Betrieben gab es Versammlungen, in Schulen politische 49:31 Erziehung, in Jugendorganisationen neue Rituale, in Zeitungen immer wieder dieselben Worte. Fortschritt, Frieden, Plan, Sozialismus, Arbeiterklasse. 49:45 Für manche klangen diese Worte nach Zukunft. Für andere wurden sie zu einer Sprache, die man verstand, aber innerlich nicht immer glaubte. 49:54 Besonders deutlich wurde der Unterschied zum Westen, denn die Bundesrepublik war nah, nicht nur geographisch, sondern auch in den Köpfen. Viele Menschen 50:05 hatten Verwandte im Westen. Briefe kamen an, Pakete wurden geschickt. Man hörte westliche Radiosender. Man hörte von vollen Schaufenstern, 50:15 neuen Waren, besseren Löhnen und wachsendem Wohlstand. Während die DDR ihre Planwirtschaft aufbaute, begann im Westen das 50:25 Wirtschaftswunder sichtbar zu werden. Dieser Vergleich war gefährlich für den jungen Staat, denn er zeigte den Menschen, dass es eine Alternative gab. 50:35 Noch war die Grenze nicht vollkommen geschlossen. Noch war Berlin offen genug, um zum wichtigsten Fluchtweg zu werden. Wer die DDR verlassen wollte, 50:45 konnte über Ostberlin nach Westberlin gelangen. Von dort aus führte der Weg in die Bundesrepublik. Viele gingen nicht leichtfertig. 50:54 Sie ließen Wohnungen zurück, Arbeitsplätze, Nachbarn, Freunde, manchmal sogar Teile der Familie. Aber sie ging, weil sie im Westen mehr 51:05 Freiheit, bessere Chancen oder einfach ein anderes Leben erwarteten. Besonders schmerzhaft war für die DDR Wer ging? Nicht nur politisch verfolgte, 51:17 nicht nur unzufriedene, auch junge Menschen, Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Handwerker und Facharbeiter verließen das Land. Genau jene Menschen, 51:27 die der Staat für seinen Aufbau brauchte. Für die DDRFührung wurde diese Fluchtbewegung zu einem ernsten Problem. 51:39 Jeder Mensch, der ging, war nicht nur ein verlorener Arbeiter oder Bürger. Er war auch ein sichtbares Misstrauensvotum gegen den Staat. 51:49 Die Regierung sprach von Republik Flucht. Das Wort klang nicht nach persönlicher Entscheidung, es klang nach Verrat. Wer ging, verließ nicht einfach 51:59 ein Land. Aus Sicht der Führung verließ er das sozialistische Projekt, doch die Ursachen verschwanden dadurch nicht. 52:08 Viele Menschen wollten reisen können, sagen können, was sie dachten, arbeiten, wo sie wollten, lesen, was sie wollten, wählen, was sie wollten. Und manche 52:20 wollten schlicht ein Leben, das weniger eng, weniger kontrolliert und materiell besser war. Trotzdem war die DDR der 1950er Jahre 52:31 nicht nur ein Land der Angst oder des Mangels. Es gab auch Nachbarschaft, Familienleben, Feste, Kindheit, Arbeitsethos und echte Bindung. 52:42 Menschen gingen ins Kino, feierten Geburtstage, hörten Musik, machten Ausflüge, verliebten sich, heirateten und zogen Kinder groß. 52:53 Der Alltag bestand nicht nur aus Politik, er bestand aus vollen Küchen am Abend, aus Kohleöfen im Winter, aus Schulwegen am Morgen, aus Gesprächen im 53:03 Treppenhaus, aus langen Arbeitstagen, aus kleinen Freuden, wenn ein Paket aus dem Westen kam oder im Laden endlich etwas Besonderes zu kaufen war. 53:14 Genau darin lag die besondere Spannung der DDR. Sie war für ihre Bürger nicht nur ein System, sie war auch zu Hause. Ein 53:24 Zuhause mit Grenzen, mit Regeln, mit Druck, aber auch mit Erinnerung, Gewohnheiten und vertrauten Orten. In den 1950er 53:36 Jahren versuchte der Staat sich zu stabilisieren. Er baute Institutionen aus, kontrollierte die Gesellschaft enger und 53:44 hielt an seinem sozialistischen Weg fest. Doch die offene Grenze blieb wie ein Ventil. Solange Menschen gehen konnten, 53:53 mußten sie nicht bleiben. Und solange sie nicht bleiben mussten, war die Macht des Staates unvollständig. Jahr für Jahr verließen viele die DDR 54:04 mit Koffern, mit Dokumenten, mit Angst vor Entdeckung, mit Hoffnung auf einen neuen Anfang. Die Führung beobachtete diese 54:14 Entwicklung mit wachsender Sorge, denn ein Staat kann Fabriken verstaatlichen, er kann Schulen umformen, er kann Zeitungen kontrollieren, er kann Reden 54:25 halten und Pläne schreiben. Aber wenn seine Menschen in großer Zahl fortgehen, zeigt sich etwas, dass keine Propaganda vollständig verdecken kann. 54:36 Der junge Staat hatte ein Problem und dieses Problem führte direkt nach Berlin in jene geteilte Stadt, die bald zum gefährlichsten offenen Punkt im kalten 54:48 Krieg werden sollte. In den 1950er Jahren war Berlin der empfindlichste Punkt der DDR. 54:58 Die Stadt lag mitten in der sowjetischen Besatzungszone und doch war sie selbst geteilt. Ein Teil gehörte zum Osten, drei Teile 55:07 gehörten zum Westen. Ostberlin war die Hauptstadt der DDR. Westberlin dagegen war ein westlicher Vorposten umgeben von DDRgebiet. 55:20 Diese besondere Lage machte Berlin zu einem Ort voller Spannung. Hier standen sich die Systeme direkter gegenüber als irgendwo sonst. Nicht 55:29 abstrakt, nicht nur in Reden oder Zeitungsartikeln, sondern sichtbar in Straßen, Bahnhöfen, Schaufenstern und Gesprächen. 55:40 Wer in Ostberlin lebte, konnte sehen, wie nah der Westen war. Manchmal nur wenige Stationen entfernt, manchmal nur eine Straße weiter, 55:50 manchmal nur hinter einer Sektorengrenze, die noch nicht aus Beton und Stacheldraht bestand. 55:57 Für viele Menschen wurde Berlin deshalb zum Tor. Zum Tor in die Bundesrepublik, zum Tor in ein anderes Leben, zum Tor aus einem Staat, den sie nicht mehr als 56:08 ihre Zukunft sahen. Wer die DDR verlassen wollte, ging oft zuerst nach Berlin. Dort konnte man von Ost nach West gelangen und sich in 56:19 Westberlin melden. Von dort aus führte der Weg weiter in die Bundesrepublik. Nicht jeder, der ging, war ein 56:26 politischer Gegner. Manche waren es. Andere wollten einfach bessere Arbeit, bessere Löhne, mehr Konsum oder mehr Bewegungsfreiheit. 56:38 Ein Arzt, der keine Zukunft sah, ein Ingenieur, der bessere Möglichkeiten suchte, eine junge Familie, die ihren Kindern 56:49 ein anderes Leben wünschte, ein Student, der nicht wollte, dass seine politische Haltung über seine Karriere entscheidet. Die Gründe waren 56:58 verschieden, aber zusammen wurden sie für die DDR zu einem massiven Problem, denn jeder Mensch, der ging, fehlte. in Krankenhäusern, in Schulen, in 57:10 Werkstätten, in Universitäten, in Betrieben, in der Verwaltung. Besonders bitter war, dass viele gut ausgebildete Menschen flohen. Der Staat 57:22 hatte sie gebraucht, um sein neues System aufzubauen. Doch gerade sie hatten oft die besten Möglichkeiten im Westen schnell wieder Fuß zu fassen. 57:33 Die DDR Führung sprach von Republikt. Dieses Wort zeigte, wie der Staat diese Entscheidung sah. nicht als persönlichen Schritt, nicht als Ausdruck von 57:45 Enttäuschung oder Angst, sondern als Verrat sozialistischen Aufbau. Doch je härter die Sprache wurde, desto weniger verschwand das Problem. Im Gegenteil, 57:57 die Fluchtbewegung zeigte, dass viele Menschen der DDR nicht vertrauten. Sie zeigte, dass der Staat seine Bürger nicht nur überzeugen musste, er musste 58:08 sie halten. Und solange Berlin offen blieb, war das kaum möglich. Westberlin wirkte auf die DDR Führung wie ein Stachel. 58:18 Ein Ort, an dem westliche Medien, westliche Waren, westliche Politik und westliche Möglichkeiten mitten im Osten präsent waren. Von dort kamen 58:30 Radiosendungen, von dort kamen Nachrichten, von dort kamen Vergleiche, die der DDR nicht gefielen. Ein Schaufenster konnte 58:40 politisch werden, ein Paket konnte politisch werden, ein Besuch bei Verwandten konnte politisch werden, denn alles erinnerte daran, dass es neben der 58:50 DDR noch ein anderes deutsches Leben gab. Für die SED war das gefährlich. Ein Staat, der seine Überlegenheit behauptete, konnte sich schwer leisten, 59:03 daß so viele Menschen ihn verließen. Ein Staat, der von Zukunft sprach, musste erklären, warum ausgerechnet junge Menschen ging. 59:14 Ein Staat, der sich Arbeiter und Bauernstaat nannte, musste hinnehmen, dass Arbeiter und Fachkräfte ihre Koffer packten. 59:23 Berlin wurde dadurch immer mehr zur offenen Wunde, nicht nur geographisch, sondern psychologisch. Solange diese Stadt offen blieb, blieb 59:33 auch die Entscheidung offen. Bleiben oder gehen, anpassen oder neu anfangen, hoffen oder fliehen. Viele Familien sprachen leise darüber, 59:44 manche planten lange, andere entschieden plötzlich. Ein Koffer wurde gepackt. Dokumente wurden mitgenommen. Ein letzter Blick fiel auf die Wohnung. Dann 59:55 ging es zum Bahnhof, zur S-Bahn, zur Grenze der Sektoren. Nicht jeder Weg gelang, nicht jede Entscheidung war frei von Schmerz und nicht jeder fand im 1:00:07 Westen sofort das erhoffte Glück. Aber für die DDR war entscheidend. Sie konnte diese Bewegung nicht dauerhaft zulassen. Ende der 1950er Jahre wurde die Lage 1:00:19 immer angespannter. Die Führung wusste, dass sie Berlin irgendwann schließen müsste, wenn sie den eigenen Staat stabilisieren wollte. 1:00:29 Noch war die Mauer nicht gebaut, noch bewegten sich Menschen durch die geteilte Stadt. Noch gab es Lücken, Wege und Übergänge. Doch die Frage stand 1:00:40 bereits im Raum. Wie lange konnte ein Staat bestehen, wenn seine Bürger ihn verlassen konnten? Berlin gab darauf jeden Tag eine stille 1:00:49 Antwort und diese Antwort gefiel der DDRFührung immer weniger. Um die frühe DDR zu verstehen, muss man eine Sache klar sehen. Die Macht lag 1:01:04 nicht einfach bei der Regierung. Sie lag nicht wirklich beim Parlament und sie lag auch nicht bei den Wahlen, die regelmäßig abgehalten wurden. Die 1:01:13 eigentliche Macht lag bei der SED. der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und eine der wichtigsten Figuren dieser Partei war Walter 1:01:23 Ulbricht. Ulbricht war kein Politiker, der durch Wärme oder Nähe auffiel. Er wirkte streng, diszipliniert, kontrolliert und 1:01:33 unbeweglich. Ein Mann, der an die historische Mission des Kommunismus glaubte und der überzeugt war, dass der Sozialismus 1:01:42 nicht dem Zufall überlassen werden durfte. Für ihn war Politik kein offenes Gespräch zwischen verschiedenen 1:01:50 Meinungen. Politik war Führung, Planung, Kontrolle, Durchsetzung. Die SED sah sich selbst nicht als normale Partei. Sie verstand sich als 1:02:03 führende Kraft der Gesellschaft, als Partei, die angeblich wusste, wohin sich die Geschichte bewegen musste. Das bedeutete, die wichtigsten 1:02:13 Entscheidungen wurden nicht im offenen Streit verschiedener Parteien getroffen. Sie wurden innerhalb der Parteiführung vorbereitet und dann durch Staat, 1:02:22 Verwaltung, Betriebe und Organisationen umgesetzt. Die DDR hatte zwar ein Parlament, die Volkskammer, sie hatte Ministerien, 1:02:33 sie hatte Gerichte, sie hatte Parteien neben der SE. Doch diese Parteien waren in der nationalen Front eingebunden. Sie sollten den Eindruck politischer Breite 1:02:44 vermitteln, aber keine echte Konkurrenz zur SD bilden. Wahlen dienten weniger dazu, Macht zu wechseln. Sie dienten dazu, Zustimmung zu zeigen. Die Bürger 1:02:57 sollten nicht entscheiden, welche Richtung das Land nahm. Sie sollten bestätigen, dass die vorgegebene Richtung richtig war. So entstand ein 1:03:06 Staat, in dem vieles offiziell demokratisch klang, aber in der Praxis gelenkt war. Die Partei griff tief in den Alltag 1:03:16 hinein. In den Betrieben gab es Parteisekretäre. in Schulenpolitische Vorgaben, in Universitäten ideologische Prüfungen. In 1:03:26 Verwaltungen wurde darauf geachtet, wer zuverlässig war. In Zeitungen erschien nur, was zur Linie passte. Wer Karriere machen wollte, 1:03:37 musste nicht nur fachlich gut sein, er musste auch politisch vertrauenswürdig wirken. Das bedeutete nicht, dass jeder überzeugter Sozialist war. Viele 1:03:47 Menschen passten sich an. Sie gingen zu Versammlung, sie unterschrieben Erklärung, sie verwendeten die richtigen Worte, sie hielten sich aus 1:03:57 Schwierigkeiten heraus. In einem solchen System lernte man früh zwischen öffentlicher und privater Sprache zu unterscheiden. 1:04:06 Was man im Betrieb sagte, war nicht immer das, was man am Küchentisch dachte. Was man in der Schule antwortete, war nicht immer das, was man 1:04:16 zu Hause hörte. Was in der Zeitung stand, war nicht immer das, was Menschen auf der Straße glaubten. Diese doppelte Wirklichkeit wurde typisch für die DDR. 1:04:28 Nach außen gab es Zustimmung, Parolen und Rituale. Im Inneren gab es Zweifel, Vorsicht und manchmal stillen Widerstand. 1:04:38 Walter Ulbricht verkörperte diese frühe Phase der DDR wie kaum ein anderer. Unter ihm wurde der sozialistische Umbau vorangetrieben. 1:04:49 Die Planwirtschaft wurde ausgebaut. Die Macht der SED wurde gefestigt. Die Grenze zum Westen wurde wichtiger und nach dem Schock von 1953 1:05:02 wurde die Kontrolle noch ernster genommen. Für die Parteiführung war klar, der Staat durfte nie wieder so verwundbar 1:05:10 wirken wie am 17. Juni. Also wurde das Netz enger, nicht immer sichtbar, nicht immer laut, aber ständig spürbar in Akten, in Berichten, in 1:05:23 Kaderentscheidungen, in Gesprächen, in der Frage, wer studieren durfte, wer reisen durfte, wer befördert wurde und wer plötzlich 1:05:33 Schwierigkeiten bekam. Die DDR war damit nicht nur ein Land mit Grenzen nach außen, sie war auch ein Land mit unsichtbaren Grenzen im 1:05:42 Inneren. Grenzen des Sagbaren, Grenzen des Denkbaren, Grenzen dessen, was man öffentlich zeigen durfte. Und doch lebten die Menschen weiter. Sie 1:05:54 arbeiteten, gründeten Familien, bauten Wohnungen auf, feierten Geburtstage, gingen zur Schule, machten Ausflüge und suchten ihren Platz in diesem Staat. 1:06:06 Viele arrangierten sich, manche glaubten an ihn, andere hielten Abstand und wieder andere planten irgendwann den Weg hinaus. 1:06:16 Die SED wollte eine Gesellschaft form, die geschlossen hinter ihr stand. Doch je stärker sie versuchte, alles zu kontrollieren, desto deutlicher wurde 1:06:26 auch ihre Angst. die Angst vor Kritik, die Angst vor Abweichung, die Angst vor dem Westen und die Angst davor, dass zu viele Menschen dem Staat innerlich 1:06:39 längst nicht mehr folgten. Diese Angst führte die DDR immer weiter zu einer Entscheidung, die ihr Gesicht für immer verändern sollte. 1:06:49 Wenn die Menschen freiwillig gingen, mußte der Staat sie daran hindern. Und der Ort, an dem diese Entscheidung sichtbar werden sollte, war Berlin. 1:07:02 Im Sommer 1961 spitzte sich die Lage zu. Die DDR verlor weiterhin Menschen, nicht nur einzelne, nicht nur wenige, sondern Jahr für Jahr 1:07:14 sehr viele. Sie gingen über Berlin durch eine Stadt, die noch immer offen genug war, um aus einem Leben in der DDR in ein neues Leben im Westen zu wechseln. 1:07:26 Für die DDR war das mehr als ein praktisches Problem. Es war ein politischer Makel. Ein Staat, der von Zukunft sprach, mußte erklären, warum so 1:07:37 viele Menschen diese Zukunft verließen. Ein Staat, der sich Arbeiter und Bauernstaat nannte, musste erklären, warum Arbeiter, Ärzte, Ingenieure, 1:07:48 Lehrer und junge Familien ihre Koffer packten. Die Führung wusste, wenn diese Bewegung weiterging, würde die DDR immer schwächer werden. Offiziell hieß es 1:08:01 lange, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten. Doch hinter den Kulissen wurde genau das vorbereitet. In der Nacht vom 12 auf den 13. August 1:08:13 1961 begann die Abriegelung Berlins. Straßen wurden gesperrt, S-Bahnverbindungen unterbrochen, Grenzübergänge blockiert. 1:08:25 Stacheldraht wurde ausgerollt. Polizisten, Soldaten und Kampfgruppen standen bereit. Viele Menschen wachten am Morgen auf und merkten, dass ihre 1:08:35 Stadt über Nacht eine andere geworden war. Eine Straße, die gestern noch begehbar war, endete plötzlich an einer 1:08:43 Absperrung. Ein Weg zur Arbeit war versperrt. Ein Besuch bei Verwandten nicht mehr möglich. Ein vertrauter Bahnhof 1:08:52 geschlossen. Familien wurden getrennt. Freunde konnten sich nicht mehr sehen. Menschen standen auf beiden Seiten der Grenze und 1:09:01 winkten einander zu, ohne zu wissen, wann sie sich wieder begegnen würden. Am Anfang war es noch Stacheldraht, provisorisch, 1:09:11 roh, improvisiert. Doch bald wurde daraus Beton. Die Berliner Mauer entstand nicht als einzelnes Bauwerk an einem Tag. Sie 1:09:21 wurde mit der Zeit ausgebaut, verstärkt und perfektioniert. Aus einfachen Absperrung wurden Mauern, Wachtürme, Sperrstreifen, Signalzäune 1:09:32 und Kontrollanlagen. Die DDR nannte die Mauer einen antifaschistischen Schutzwall. Sie behauptete, sie schütze den Osten vor 1:09:43 Feinden, Spionen und westlicher Aggression. Doch für die meisten Menschen war offensichtlich, was sie vor allem tat. 1:09:52 Sie hinderte die eigenen Bürger daran zu gehen. Die Mauer veränderte die DDR grundlegend. 1:10:00 Von 1961 konnte man noch hoffen, notfalls auszureisen oder zu fliehen. Nach 1961 1:10:09 wurde diese Hoffnung viel gefährlicher. Die Grenze war nun nicht mehr nur eine politische Linie. Sie wurde zu einer lebensgefährlichen Barriere. Wer dennoch 1:10:20 fliehen wollte, musste Tunnel graben, Verstecke bauen, Papiere fälschen, schwimmen, klettern oder riskante Wege über die Sperranlagen suchen. Manche 1:10:31 schafften es, viele wurden verhaftet, einige starben. Für die DDR Führung brachte der Mauerbau zunächst Stabilität. 1:10:41 Die große Fluchtbewegung wurde gestoppt. Der Staat konnte seine Arbeitskräfte halten. Die Wirtschaft bekam Planungssicherheit. 1:10:51 Die Partei gewann Zeit. Doch der Preis war hoch. Denn die Mauer zeigte der Welt, dass die DDR ihre Bürger nicht allein durch Überzeugung halten konnte. 1:11:02 Sie brauchte Beton, Stacheldraht und bewaffnete Grenzer. Für die Menschen im Land begann nun eine neue Phase. Viele arrangierten sich. Sie 1:11:13 bauten ihr Leben innerhalb der Grenzen auf. Sie arbeiteten, gründeten Familien, zogen in neue Wohnung, machten Urlaub an der Ostsee oder im Thüringerwald und 1:11:25 suchten kleine Freiheiten im Alltag. Aber die Mauer blieb immer da, auch wenn man nicht täglich vor ihr stand, auch wenn man weit weg von Berlin lebte, auch 1:11:38 wenn das eigene Leben scheinbar normal verlief. Sie war ein Zeichen dafür, daß dieser Staat seine Bürger einschloss. Und so wurde der 13. August 1961 1:11:51 zu einem der wichtigsten Einschnitte in der Geschichte der DDR. Vorher war die DDR ein Staat, aus dem viele ging. Danach war sie ein Staat, 1:12:01 aus dem man kaum noch herauskam. Die offene Wunde Berlin wurde geschlossen, aber die Narbe blieb sichtbar für Jahrzehnte. 1:12:13 Nach dem Bau der Berliner Mauer war die DDR nicht mehr dasselbe Land. Die Grenze war nun nicht mehr nur eine Linie auf Karten. Sie wurde zu einer sichtbaren, 1:12:24 bewachten und gefürchteten Wirklichkeit. In Berlin bestand sie aus Beton, Stacheldraht, Wachtürmen und Kontrollpunkten. 1:12:33 Doch auch außerhalb Berlins zog sich eine lange innerdeutsche Grenze durch Wälder, Dörfer, Felder und Flüsse. Sie trennte nicht nur zwei Staaten, sie 1:12:44 trennte Landschaften, Familien, Erinnerungen und Lebenswege. Manche Dörfer lagen plötzlich am Rand einer Sperrzone. 1:12:54 Straßen endeten an Zäunen. Alte Wege wurden unpassierbar. Menschen, die früher Nachbarn im nächsten Ort besucht hatten, blickten 1:13:03 nun auf Grenzanlagen, Warnschilder und Patrouillen. Die DDR baute diese Grenze immer weiter aus. Es gab Kontrollstreifen, 1:13:12 Signalzäune, Hundelaufanlagen, Wachtürme, Minenfelder in bestimmten Bereichen und 1:13:20 Grenzsoldaten, die jeden Versuch verhindern sollten, das Land unerlaubt zu verlassen. Die offizielle Sprache sprach von Grenzsicherung, 1:13:30 von Schutz, von Verteidigung gegen den Westen. Doch für viele Menschen bedeutete die Grenze vor allem eines. Man konnte nicht 1:13:39 einfach gehen. Reisen in den Westen waren für die meisten DDR Bürger stark eingeschränkt. Besuche waren kompliziert. 1:13:49 Anträge konnten abgelehnt werden. Wer einen Ausreiseantrag stellte, riskierte berufliche und private Nachteile. 1:13:59 Die Grenze wirkte dadurch nicht nur äußerlich, sie wirkte auch innerlich. Sie bestimmte, was Menschen planten, wovon sie träumten, worüber sie 1:14:08 schwiegen und welche Gedanken sie besser für sich behielten. Trotzdem versuchten immer wieder Menschen zu fliehen. Manche gruben 1:14:17 Tunnel unter der Berliner Mauer, andere versteckten sich in Autos. Einige bauten Heißluftballons, kletterten über Sperranlagen, schwamm 1:14:27 durch Gewässer oder suchten Wege über andere sozialistische Länder. Jeder Fluchtversuch war riskant. Er konnte gelingen, er konnte im Gefängnis enden 1:14:38 oder tödlich, denn die Grenze war nicht dafür gebaut, Menschen aufzuhalten wie ein gewöhnlicher Zaun. Sie war dafür gebaut, Flucht möglichst unmöglich zu 1:14:48 machen. Für die Grenzsoldaten selbst war diese Grenze ebenfalls ein besonderer Ort. Viele waren junge Männer, die ihren Dienst leisten mussten. Sie standen 1:14:58 nachts auf Türmen, liefen Streifen, beobachteten Gelände und sollten im Ernstfall handeln. Auch sie waren Teil eines Systems, das ihnen klare Befehle 1:15:09 gab und viele von ihnen trugen diese Erfahrung lange mit sich. Für die Menschen im Alltag wurde die Grenze zu einer ständigen Gewissheit. 1:15:19 Man musste nicht täglich an ihr stehen, um sie zu spüren. Sie war in Gesprächen vorhanden, in Familiengeschichten, in Westpaketen, in nichtmöglichen Besuchen, 1:15:30 in Briefen, die vorsichtig formuliert wurden, in Sehnsucht nach Orten, die eigentlich nah waren und doch unerreichbar wirkten. 1:15:39 Besonders hart traf die Teilung Familien. Eltern sahen ihre Kinder nicht. Geschwister lebten in verschiedenen Staaten. Großeltern 1:15:48 konnten Enkel nur selten oder gar nicht besuchen. Manchmal lagen nur wenige Kilometer zwischen ihnen, aber politisch lagen Welten dazwischen. Die Grenze 1:15:59 machte aus Nähe Entfernung und aus Entfernung manchmal Schweigen. Gleichzeitig gewöhnte sich die DDR Gesellschaft mit den Jahren an diesen 1:16:10 Zustand. Nicht, weil er natürlich war, sondern weil Menschen lernen, mit fast allem zu leben, wenn es lange genug dauert. 1:16:20 Man organisierte sich innerhalb der Grenzen. Man fuhr an die Ostsee, Stadt nach Italien. Man machte Urlaub im Harz, im Erzgebirge, im Sprehwald oder am 1:16:31 Ballaton in Ungarn. Man baute Dutschen, pflegte Gärten, traf Freunde, feierte Feste und richtete sich ein. Doch die Grenze blieb. Sie war der harte Rahmen 1:16:44 um das normale Leben und gerade darin lag ihre Wirkung. Die DDR konnte nach 1961 stabiler wirken. Die Betriebe verloren 1:16:57 weniger Arbeitskräfte. Die Partei hatte mehr Kontrolle. Der Staat konnte langfristiger planen. Aber diese Stabilität beruhte auf 1:17:06 Einschränkung. Auf der Tatsache, daß Millionen Menschen nicht frei entscheiden konnten, wohin sie reisen, wo sie leben oder welchen 1:17:15 Weg sie wählen wollten. So wurde die Grenze zu einem Symbol der DDR selbst. Sie zeigte Ordnung, aber auch Angst. Sie zeigte Stärke, aber auch Schwäche. Sie 1:17:29 zeigte Kontrolle, aber auch das Misstrauen eines Staates gegenüber seinen eigenen Bürgern. Und während die Grenzanlagen immer 1:17:37 perfekter wurden, entwickelte sich im Inneren der DDR ein neues Leben. Ein Leben, das nach außen stabiler wirkte als zuvor. Ruhiger, geordneter, 1:17:50 planbarer. Doch unter dieser Oberfläche blieben viele Fragen bestehen. 1:17:59 Nach dem Bau der Mauer veränderte sich die DDR. nicht sofort in jedem Wohnzimmer, nicht an jedem Arbeitsplatz, nicht in jedem Dorf und jeder Stadt auf 1:18:10 die gleiche Weise. Aber der große offene Ausweg war geschlossen. Die Fluchtbewegung, die den jungen Staat jahrelang geschwächt hatte, wurde stark 1:18:20 gebremst. Die DDR verloren nun deutlich weniger Menschen. Betriebe konnten besser planen. Schulen, Universitäten und 1:18:29 Verwaltungen mussten weniger fürchten, dass ausgebildete Menschen plötzlich in den Westen gingen. Für die SD war das eine Erleichterung. 1:18:40 Der Staat wirkte stabiler, geordneter, fester. Doch diese Stabilität hatte einen Preis. Sie beruhte auf einer Grenze, die die 1:18:51 eigenen Bürger am Gehen hinderte. In den 1960er Jahren begann die DDR sich stärker als eigener Staat zu inszenieren. Nicht mehr nur als 1:19:03 Übergangslösung, nicht mehr nur als östlicher Teil eines geteilten Deutschlands, sondern als sozialistischer deutscher Staat mit 1:19:11 eigener Identität. Die Partei sprach von Fortschritt, Wissenschaft, Technik und Planung. Die Wirtschaft sollte moderner werden. 1:19:22 Betriebe sollten effizienter arbeiten. Neue Wohngebiete entstanden, Schulen wurden ausgebaut. Die Jugend wurde stärker in Organisationen eingebunden. 1:19:33 Das Leben bekam mehr Struktur. Kinder gingen in die Schule, trugen Pionierhalstücher und lernten Lieder über Frieden, 1:19:42 Freundschaft und Sozialismus. Jugendliche wurden Teil der FD Joch. Erwachsene arbeiteten in volkseigenen Betrieben, nahmen an Versammlungen teil 1:19:53 und verbrachten ihre Freizeit in Verein, Kleingärten oder Kulturhäusern. Für viele Menschen war der Alltag nicht ständig politisch dramatisch. Er war oft 1:20:04 ruhig. wiederholend, berechenbar. Man stand morgens auf, ging zur Arbeit, holte Kinder aus der Betreuung, kaufte einen, was gerade verfügbar war, 1:20:16 besuchte Nachbarn, hörte Radio, sah Fernsehen, reparierte Dinge, die im Westen vielleicht einfach ersetzt worden wären. 1:20:27 Gerade diese Normalität ist wichtig, wenn man die DDR verstehen will, denn sie war nicht nur Mauer, Stasi und Parteitage. 1:20:36 Sie war auch Küche, Betrieb, Schulhof, Straßenbahn, Gartenlaube und Sonntagsspaziergang. Viele Menschen bauten sich innerhalb der 1:20:46 Grenzen ein Leben auf. Sie verliebten sich, heirateten, bekamen Kinder, machten Ausflüge, feierten Jugendweihe, fuhren an die Ostsee oder besuchten 1:20:57 Verwandte im eigenen Land. Die DDR war für sie nicht nur ein System, sie war der Ort, an dem ihr Leben stattfand. Und doch blieb die 1:21:09 politische Enge immer spürbar. Wer laut gegen die Partei sprach, riskierte Schwierigkeiten. Wer Westkontakte hatte, konnte beobachtet 1:21:19 werden. Wer zu offen zweifelte, machte sich angreifbar. Und wer reisen wollte, merkte schnell, daß die Welt größer war als der erlaubte 1:21:29 Bewegungsraum. In der Öffentlichkeit wurde Zustimmung erwartet bei Wahlen, bei Versammlungen, bei Feiern, bei Parolen am Arbeitsplatz, 1:21:41 bei Schulveranstaltungen. Nicht jeder glaubte alles, was gesagt wurde, aber viele wussten, wann man mitsprach, wann man schwieg und wann man 1:21:51 besser nicht auffiel. So entstand eine Art stiller Vertrag zwischen vielen Bürgern und dem Staat. Der Staat versprach Arbeit, Sicherheit, 1:22:02 Bildung, günstige Mieten und soziale Stabilität. Die Menschen sollten dafür Loyalität zeigen oder zumindest keine offene 1:22:11 Gegnerschaft. Man konnte in der DDR ein geregeltes Leben führen, aber man mußte wissen, wo die Grenzen lagen. Diese Grenzen 1:22:22 verliefen nicht nur an der Mauer, sie verliefen auch in Gesprächen, in Bewerbungen, in Schulnoten, in Studienplätzen, 1:22:31 in Karrieren, in Reiseanträgen, in der Frage, wem man vertraute. Die 1960er Jahre waren deshalb eine Zeit der Beruhigung, aber nicht der Freiheit. 1:22:45 Die DDR hatte sich nach dem Schock der frühen Jahre gefestigt. Sie wirkte sicherer als zuvor. Sie begann ihren Bürgern mehr Ordnung und Zukunft zu 1:22:56 versprechen. Doch unter der Oberfläche blieben alte Probleme bestehen. Die Wirtschaft blieb anfällig. Der Vergleich mit dem Westen 1:23:05 blieb schmerzhaft. Die politische Kontrolle blieb eng und die Mauer erinnerte jeden Tag daran, daß dieser Staat nicht allein auf Zustimmung 1:23:15 bauen konnte. Am Ende der Jahre stand die DDR stabiler da als zuvor, aber sie war auch starrer 1:23:25 geworden und bald sollte in der Führung ein Wechsel kommen. Walter Ulbricht, der Mann des harten Aufbaus, verloren Einfluss. Ein anderer trat nach vorn. 1:23:38 Erich Honneker. Mit ihm begann eine neue Phase der DDR. eine Phase, die mehr Wohlstand, mehr Wohnungs und mehr soziale Sicherheit versprach. Doch auch 1:23:50 dieses neue Versprechen hatte Grenzen. Anfang der 1970er Jahre begann in der DDR eine neue Phase. Walter Ulbricht, 1:24:03 der den Staat über Jahrzehnte geprägt hatte, verlor an Macht. Er stand für den harten Aufbau des Sozialismus, für Disziplin, Kontrolle, Planung und 1:24:15 eine oft unbewegliche Linie. Doch viele Probleme waren geblieben. Die Wirtschaft war angespannt. Der Vergleich mit der Bundesrepublik 1:24:24 blieb unangenehm und viele Menschen wünschten sich nach Jahren des Mangels nicht nur politische Reden, sondern ein spürbar besseres 1:24:33 Leben. Im Jahr 1971 übernahm Erich Honeker die Führung der Sedoneker 1:24:42 war jünger als Ulbricht, aber kein Außenseiter. Er war tief im System verwurzelt. Schon beim Bau der Berliner Mauer hatte er 1:24:51 eine wichtige Rolle gespielt. Er war kein Reformer im westlichen Sinn, aber er verstand, dass die DDR ihren Bürgern mehr bieten musste, wenn sie dauerhaft 1:25:03 ruhig bleiben sollte. Sein großes Versprechen hieß Einheit von Wirtschafts und Sozialpolitik. Das bedeutete, die Wirtschaft sollte 1:25:15 nicht nur produzieren, planen und erfüllen. Sie sollte auch den Alltag der Menschen verbessern. Mehr Wohnung, mehr Konsum, mehr soziale Sicherheit, mehr 1:25:26 Kinderbetreuung, mehr Unterstützung für Familien, ein Leben, das nicht reich, aber verlässlich wirken sollte. 1:25:35 Vor allem der Wohnungsbau wurde zu einem zentralen Projekt. Überall entstanden Plattenbausiedlungen, große Wohnblöcke mit Fernwärme, Bad, 1:25:45 Küche, Balkon und Aufzug. Für viele Familien war das ein echter Fortschritt. Wer vorher in einer alten feuchten Wohnung mit Kohleofen gelebt hatte, 1:25:56 empfanden eine Neubauwohnung oft als Aufstieg. Die DDR wollte zeigen, der Sozialismus kann nicht nur kontrollieren, er kann 1:26:05 auch versorgen. Auch Frauen und Familien wurden stärker unterstützt. Kinderkrippen, Kindergärten und Horte sollten es ermöglichen, dass beide 1:26:16 Eltern arbeiten konnten. Die Berufstätigkeit von Frauen wurde normaler als in vielen westlichen Gesellschaften dieser Zeit. Der Staat 1:26:24 versprach Sicherheit von der Kindheit bis ins Alter, Schule. Ausbildung, Arbeit, Wohnung, Rente. Für viele Menschen war genau das der Kern des DDR 1:26:38 Alltags. Nicht Freiheit im großen politischen Sinn, sondern Berechenbarkeit. Man wusste, dass man Arbeit finden 1:26:46 würde. Man wusste, dass Mieten niedrig waren. Man wusste, dass Bildung und Gesundheitsversorgung zugänglich waren. Man wusste, dass der Staat für vieles 1:26:56 zuständig war. Doch dieses Versprechen hatte einen Preis, denn die politische Kontrolle blieb, die Mauer blieb, die Stasi blieb, die Sed blieb die 1:27:10 entscheidende Macht. Honekas DDR wurde also nicht freier. Sie wurde in gewisser Weise bequemer. Der Staat gab seinen Bürgern mehr 1:27:21 soziale Sicherheit und erwartete dafür Ruhe. Er wollte Zustimmung nicht nur durch Ideologie erzeugen, sondern durch 1:27:28 Stabilität im Alltag. Viele Menschen arrangierten sich damit. Sie arbeiteten, richteten ihre Wohnungen ein, fuhren in den Urlaub, kauften 1:27:38 Möbel, warteten auf ein Auto und planten ein Leben innerhalb der Grenzen. Doch unter der Oberfläche sammelten sich neue Probleme, denn soziale Versprechen 1:27:49 kosten Geld. Wohnungen, Subventionen und Versorgung mussten bezahlt werden. Die Planwirtschaft blieb schwerfällig. Viele Betriebe waren ineffizient. 1:28:01 Moderne Technik fehlte und der Abstand zum Westen verschwand nicht. Honeker gab der DDR Ruhe, aber er löste nicht ihre tiefsten Widersprüche. Er 1:28:12 machte den Staat stabiler im Alltag, doch zugleich abhängiger davon, dass dieses Versprechen von Sicherheit und Versorgung dauerhaft funktionierte. 1:28:23 Und genau das sollte später immer schwieriger werden. In den 1970er Jahren wirkte die DDR nach außen ruhiger als zuvor. 1:28:36 Die großen offenen Krisen lagen zurück. Die Mauer stand, die Fluchtbewegung war stark begrenzt und unter Erich Honeker versprach der Staat seinen Bürgern ein 1:28:47 geordnetes, sicheres Leben. Für viele Menschen begann der Tag früh. In den Neubaugebieten gingen morgens die Lichter an. Kinder wurden in Krippen, 1:28:59 Kindergärten oder Schulen gebracht. Straßenbahnen und Busse füllten sich. Arbeiter fuhren in Betriebe, Verwaltungen, Kombinate, Werkhallen und 1:29:09 Büros. Arbeit war in der DDR mehr als nur Einkommen. Sie war Teil der staatlichen Ordnung. Fast jeder sollte arbeiten. 1:29:20 Arbeitslosigkeit gab es offiziell nicht. Der Betrieb war nicht nur Arbeitsplatz, sondern oft auch sozialer Mittelpunkt. Dort gab es Brigaden, Feiern, 1:29:31 Auszeichnung, Ferienplätze, Betriebssport, Versammlung und manchmal auch Wohnungsvergabe. Viele Menschen verbrachten Jahrzehnte 1:29:41 imselben Betrieb. Man kannte Kollegen, Vorgesetzte, Abläufe und Gewohnheiten. Der Betrieb gab Sicherheit, aber er war auch ein Ort politischer Kontrolle, denn 1:29:54 auch dort war die Partei präsent. Es gab Versammlungen, Parolen, Berichte, kollektive Verpflichtungen und Erwartungen, wie man sich öffentlich 1:30:05 verhalten sollte. Wer ruhig mitlief, hatte meist wenig Probleme. Wer auffiel, zu kritisch sprach oder sich verweigerte, konnte 1:30:15 Schwierigkeiten bekommen. Auch die Schule war stark vom Start geprägt. Kinder lernten lesen, schreiben, rechnen, Geschichte, 1:30:25 Naturwissenschaften und Sport. Aber sie lernten auch, welche Rolle die DDR für sich selbst beanspruchte. Die Sowjetunion wurde als großer Freund 1:30:37 dargestellt, der Sozialismus als Zukunft, die Bundesrepublik oft als kapitalistischer Gegenpol. Schon früh wurden Kinder in 1:30:46 Organisationen eingebunden. Zuerst bei den Jungpionieren, später bei den Tmann Pionieren, dann in der FD J. Für viele Kinder waren diese 1:30:56 Organisationen nicht nur Politik, sie bedeuteten auch Gemeinschaft, Ausflüge, Lieder, Fahnappelle, Ferienlager und kleine Rituale des Alltags. Doch auch 1:31:07 hier galt: Wer nicht mitmachte, fiel auf. Familien mußten abwägen. Nicht jede Entscheidung war frei von Folgen. Manchmal ging es nicht um große 1:31:18 Überzeugung, sondern um praktische Fragen. Bekommt das Kind später einen guten Ausbildungsplatz? Darf es Abitur machen? Kann es 1:31:27 studieren? Wird die Familie als zuverlässig gesehen? So reichte Politik bis in private Lebensläufe hinein. 1:31:37 Gleichzeitig war das Familienleben oft erstaunlich normal. Zu Hause wurde gekocht, gestritten, gelacht und geplant. 1:31:46 Es gab Geburtstage, Sonntagskaffee, Urlaube, Hausaufgaben, Fernsehaende und Nachbarschaftshilfe. Viele Wohnungen waren klein, aber 1:31:57 vertraut. In Plattenbauten hörte man Schritte im Treppenhaus, Stimmen hinter dünnen Wänden und Kinder auf den Höfen. Die 1:32:06 Menschen richteten sich ein mit Schrankwand, Teppich, Küchentisch, Radio, später Farbfernseher mit Pflanzen auf der Fensterbank, mit 1:32:16 Fotos, Büchern, Porzellan und kleinen Dingen, die ein Zuhause ausmachten. Der Alltag in der DDR bestand aus Widersprüchen. 1:32:26 Es gab Sicherheit, aber wenig Freiheit. Es gab Gemeinschaft, aber auch Anpassungsdruck. Es gab Arbeit für fast alle, aber oft 1:32:36 wenig Auswahl. Es gab Bildungschancen, aber politische Grenzen. Viele Menschen lebten nicht ständig gegen den Staat, aber sie lebten auch nicht vollkommen 1:32:46 frei in ihm. Sie fanden Wege. Man sagte öffentlich das Nötige und privat manchmal das Ehrliche. Man erfüllte Erwartungen und suchte sich kleine 1:32:57 Räume, in denen man selbst bestimmen konnte. Im Garten, in der Familie, im Freundeskreis, beim Basteln, beim Sport, beim Urlaub an 1:33:08 der Ostsee oder an einem stillen Abend, wenn das Radio leise lief und draußen die Stadt langsam dunkler wurde. So wurde der Alltag zum eigentlichen 1:33:19 Fundament der DDR. Nicht die großen Reden hielten das Land zusammen, sondern Millionen kleiner Routinen. Arbeit, Schule, Familie, 1:33:32 Wohnung, Nachbarschaft, Gewohnheit. Doch unter dieser ruhigen Oberfläche blieb die Frage bestehen, wie lange ein 1:33:41 Staat funktionieren konnte, der seinen Bürgern Sicherheit gab, aber ihnen das Rechtnahmen, wirklich freiuwählen. 1:33:51 Ein wichtiger Teil des DDR Alltags war die Rolle der Frauen. Die DDR verstand sich als moderner sozialistischer Staat und dazu gehörte das Versprechen, Frauen 1:34:03 stärker in Arbeit, Bildung und Gesellschaft einzubeziehen. Frauen sollten nicht nur Ehefrauen und Mütter sein. Sie sollten arbeiten, 1:34:13 lernen, Berufe ausüben, eigenes Geld verdienen und am Aufbau des Sozialismus teilnehmen. In vielen Familien wurde das bald 1:34:23 selbstverständlich. Morgens gingen nicht nur Männer zur Arbeit, auch Frauen standen früh auf, brachten Kinder in die Grippe, in den 1:34:32 Kindergarten oder zur Schule und fuhren dann selbst in Betriebe, Büros, Krankenhäuser, Schulen, Geschäfte oder Verwaltungen. 1:34:43 Die Berufstätigkeit von Frauen war in der DDR sehr verbreitet. Der Staat förderte sie bewusst, denn er brauchte Arbeitskräfte 1:34:54 und er wollte zeigen, dass der Sozialismus Frauen bessere Möglichkeiten bot als frühere Gesellschaften. Dafür wurde die Kinderbetreuung stark 1:35:03 ausgebaut. Es gab Krippen für sehr kleine Kinder, Kindergärten für Vorschulkinder, Horte für Schulkinder nach dem 1:35:13 Unterricht. Viele Eltern konnten dadurch arbeiten, ohne daß ein Elternteil dauerhaft zu Hause bleiben musste. Für viele Frauen 1:35:21 war das ein echter Fortschritt. Sie hatten eigenes Einkommen. Sie waren unabhängiger. Sie konnten Berufe erlernen. Sie konnten 1:35:30 studieren. Sie konnten in Bereichen arbeiten, die früher stärker Männern vorbehalten waren. Doch die Realität war nicht nur einfach, denn obwohl Frauen 1:35:41 offiziell gleichberechtigt waren, trugen sie oft weiterhin den größten Teil der Hausarbeit. Nach der Arbeit begann zu Hause die 1:35:49 zweite Schicht: Einkaufen, kochen, waschen, Kinder versorgen, Hausaufgaben kontrollieren, Termine organisieren, anstehen, wenn es etwas seltenes zu 1:36:00 kaufen gab, improvisieren, wenn etwas fehlte. Die DDR sprach von Gleichberechtigung, aber im Alltag bedeutete das für viele 1:36:12 Frauen nicht weniger Belastung, sondern mehr Verantwortung. Sie sollten berufstätig sein, gute Mütter sein, den Haushalt führen, 1:36:22 politisch zuverlässig wirken und sich zugleich in den Rhythmus des sozialistischen Alltags einfügen. Trotzdem empfanden viele Frauen ihr 1:36:32 Leben nicht nur als Last. Für manche war Arbeit ein wichtiger Teil ihrer Identität. Sie wollten nicht abhängig sein. Sie 1:36:41 wollten gebraucht werden. Sie wollten Anerkennung bekommen, Kolleginnen treffen, Fähigkeiten entwickeln und ein eigenes Leben außerhalb der Wohnung 1:36:50 haben. Der Staat unterstützte Familien auch durch soziale Leistungen. Es gab Mutterschutz, Unterstützung für junge 1:36:59 Ehepaare, günstige Mieten und staatliche Programme für Kinder und Familien. Besonders unter Honeeker wurde versucht, Familie und Beruf stärker miteinander zu 1:37:10 verbinden. Nach außen passte das gut zur Selbstdarstellung der DDR. Die Frau im Sozialismus sollte aktiv 1:37:19 sein, gebildet, berufstätig, gesellschaftlich eingebunden. Doch auch hier blieb der Widerspruch bestehen. Die DDR öffnete Frauen viele Türen, aber sie 1:37:32 nahm ihnen nicht automatisch die alten Lasten ab. Sie sprach von Gleichheit, aber viele Führungspositionen blieben männlich geprägt. Sie förderte 1:37:42 Berufstätigkeit, aber sie erwartete gleichzeitig Anpassung an Staat, Betrieb und Partei. So war das Leben vieler Frauen in der 1:37:53 DDR geprägt von Stärke und Erschöpfung zugleich, von echter Teilhabe, von täglicher Arbeit, von Stolz, von Pflicht, von kleinen Freiheiten und von 1:38:05 einem Alltag, der oft nur funktionierte, weil Frauen unglaublich viel trugen. In Küchen, Betrieben, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern hielt diese Arbeit 1:38:17 das Land zusammen. nicht laut, nicht immer sichtbar, aber jeden Tag. Und gerade daran zeigt sich, die Geschichte der DDR war nicht nur die Geschichte von 1:38:28 Parteichefs, Mauern und Staatsverträgen. Sie war auch die Geschichte von Müttern, Arbeiterinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen, Verkäuferinnen, Ingenieurinnen und 1:38:39 Großmüttern von Frauen, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit lebten, zwischen sozialistischem Versprechen und 1:38:47 ganz normalem Alltag. Die Wirtschaft der DDR folgte einem anderen Prinzip als die Wirtschaft im 1:38:57 Westen. Nicht der Markt sollte entscheiden, was produziert wurde. Nicht Konkurrenz, Preise und private Unternehmen sollten den Takt vorgeben, 1:39:07 sondern der Staat. Die DDR war eine Planwirtschaft. Das bedeutete, in Plänen wurde festgelegt, welche Betriebe was 1:39:18 herstellen sollten, wie viel Stahl gebraucht wurde, wie viele Maschinen entstehen sollten, welche Waren produziert wurden, welche Ziele ein 1:39:27 Betrieb erreichen musste. Auf dem Papier wirkte das geordnet. Alles sollte berechenbar sein. Alles sollte dem Gemeinwohl dienen. Nichts sollte vom 1:39:38 Zufall des Marktes abhängen. Die großen Betriebe gehörten dem Staat. Sie hießen volkseigene Betriebe. Viele waren in größeren Kombinaten organisiert. Dort 1:39:50 arbeiteten tausende Menschen in Industrie, Chemie, Maschinenbau, Textilproduktion, Energie oder Landwirtschaft. 1:40:00 Für viele Bürger hatte dieses System auch Vorteile. Arbeitslosigkeit gab es offiziell nicht. Ein Arbeitsplatz war fast sicher. Mieten blieben niedrig. 1:40:11 Grundversorgung, Bildung und Gesundheitswesen waren stark staatlich organisiert. Niemand sollte völlig aus dem System herausfallen. Doch die 1:40:20 Schwächen der Planwirtschaft wurden mit den Jahren immer sichtbarer, denn ein Plan konnte nicht immer wissen, was Menschen wirklich brauchten. Er konnte 1:40:29 Mengen festlegen, aber nicht automatisch Qualität erzeugen. Er konnte Ziele setzen, aber nicht garantieren, dass Material, Technik und Motivation 1:40:41 ausreichten. Viele Betriebe arbeiteten mit veralteten Maschinen. Ersatzteile fehlten, Rohstoffe waren knapp. Lieferketten 1:40:52 funktionierten nicht zuverlässig und wenn an einer Stelle etwas fehlte, geriet oft der ganze Ablauf ins Stocken. So entstand eine Kultur der 1:41:02 Improvisation. Man organisierte, man tauschte, man reparierte, man kannte jemanden, der jemanden kannte. Man wartete nicht nur 1:41:12 auf offizielle Wege, sondern suchte nach praktischen Lösungen. In der DDR wurde vieles am Leben gehalten, was anderswo längst ersetzt worden wäre. Das zeigte 1:41:23 Geschick, aber es zeigte auch Mangel. In den Geschäften gab es Grundnahrungsmittel, aber viele waren waren nicht immer 1:41:32 verfügbar. Manche Dinge gab es nur zeitweise, andere nur mit Beziehung und wieder andere nur nach langer Wartezeit. Wenn etwas Besonderes in den Laden kam, 1:41:44 sprach es sich schnell herum. Dann stellte man sich an, manchmal ohne genau zu wissen, was es gab. Denn wenn Menschen Schlange standen, musste es 1:41:55 etwas geben, das sich lohnte. Dieses Warten gehörte zum Alltag, auf Möbel, auf Ersatzteile, auf bestimmte Kleidung, auf gute Lebensmittel, auf 1:42:07 Baumaterial und besonders auf ein Auto. Der Trabant wurde dadurch zum Symbol der DDR, nicht nur, weil er so bekannt war, 1:42:17 sondern weil man oft viele Jahre auf ihn warten musste. Die Planwirtschaft versprach Versorgung, aber sie erzeugte oft Knappheit. Sie versprach Gleichheit, 1:42:28 aber im Alltag hatten diejenigen Vorteile, die gute Kontakte hatten, in wichtigen Betrieben arbeiteten oder Zugang zu besonderen Waren bekam. Es gab 1:42:39 offizielle Preise und es gab die stille Welt der Beziehung. ein Handwerker, ein Verkäufer, ein Lagerarbeiter, ein Bekannter im Betrieb, ein Verwandter 1:42:51 mit Westkontakten. So entstand neben der offiziellen Wirtschaft eine zweite informelle Ordnung. Nicht offen kapitalistisch, 1:43:00 aber praktisch, menschlich, notwendig. Die Menschen lernten mit Mangel zu leben, nicht passiv, sondern erfinderisch. Sie bauten selbst, sie 1:43:12 pflegten Kleidung. Sie reparierten Geräte, sie tauschten Dienstleistung, sie horteten Dinge, die später nützlich 1:43:20 sein konnten. Ein Brett, eine Schraube, ein Stück Stoff, ein Ersatzteil, eine Dose Farbe. Nichts wurde leichtfertig weggeworfen. Doch je länger die DDR 1:43:33 existierte, desto stärker wurde der Abstand zum Westen sichtbar. Westliche Waren wirkten moderner, bunter, vielfältiger, verführerischer. 1:43:44 Und dieser Vergleich war gefährlich, denn er zeigte nicht nur wirtschaftliche Unterschiede, er zeigte auch, dass das Versprechen der sozialistischen 1:43:53 Überlegenheit im Alltag schwer einzulösen war. Die DDR konnte Arbeit geben, sie konnte Sicherheit geben, sie konnte 1:44:02 Grundversorgung sichern, aber sie konnte vielen Menschen nicht das Maß an Auswahl, Qualität und Wohlstand bieten, dass sie im Westen sahen oder 1:44:11 vermuteten. So wurde die Wirtschaft zu einem dauerhaften Problem des Staates. nicht sofort zerstörerisch, nicht jeden Tag dramatisch, aber 1:44:22 langsam, stetig und schwer zu lösen. Die Planwirtschaft hielt die DDR zusammen und gleichzeitig machte sie müde. 1:44:35 Im Alltag der DDR spielte Konsum eine besondere Rolle. Nicht weil die Menschen nur an Dinge dachten, sondern weil Dinge oft mehr bedeuteten als ihren 1:44:45 eigentlichen Nutzen. Eine Jeans war nicht nur eine Hose, ein Kaffee aus dem Westen war nicht nur ein Getränk, ein Kaugummi, eine Schokolade, ein Parfüm 1:44:56 oder eine Schallplatte konnten wie kleine Botschaften aus einer anderen Welt wirken. Die DDR wollte eine sozialistische 1:45:05 Gesellschaft sein, eine Gesellschaft, in der Nichtbesitz und Werbung den Menschen bestimmen sollten. Doch auch in der DDR wollten Menschen schöne Kleidung, gute 1:45:16 Möbel, moderne Technik, gutes Essen und ein Gefühl von Auswahl. Genau dort entstand ein Widerspruch. Der Staat versprach Versorgung, 1:45:27 aber die Menschen sehnten sich oft nach Dingen, die schwer zu bekommen waren. In vielen Geschäften gab es das Nötige, aber nicht immer das gewünschte. Man 1:45:37 konnte einkaufen, aber man konnte nicht einfach alles kaufen. Manchmal fehlte Fleisch, manchmal fehlte gutes Obst, manchmal fehlten bestimmte Schuhe, 1:45:49 Stoffe, Ersatzteile oder Möbel. Und wenn etwas Besonderes auftauchte, sprach es sich schnell herum. Dann bildeten sich Schlangen. Menschen 1:46:00 stellten sich an, auch wenn sie noch nicht genau wussten, was es gab. Denn in der DDR galt oft: "Wenn irgendwo eine Schlange steht, dann muss es etwas 1:46:10 geben." Besonders berühmt wurde der Trabant. Der Trabant war klein, laut, einfach gebaut und wurde doch zu einem der 1:46:21 stärksten Symbole der DDR. Für viele Familien war er kein Witz, sondern ein Traum. Ein eigenes Auto bedeutete Freiheit 1:46:30 innerhalb der Grenzen. Man konnte an die Ostsee fahren, in den Thüringer Wald, zum Campingplatz, zur Dutsche, zu Verwandten in einer anderen Stadt. Doch 1:46:42 auf einen Trabant musste man oft viele Jahre warten. Wer ein Auto bestellte, wusste, dass es nicht in wenigen Wochen kam. 1:46:51 Es konnte ein halbes Leben dauern, bis die Bestellung wirklich erfüllt wurde. Und gerade diese Wartezeit machte den Trabant so typisch für die DDR. 1:47:01 Er zeigte den Wunsch nach Mobilität, aber auch die Grenzen der Planwirtschaft. Neben den normalen Geschäften gab es 1:47:10 besondere Orte, die für viele Menschen fast geheimnisvoll wirkten. Die Intersops. Dort konnte man westliche Waren kaufen. Kaffee, Zigaretten, 1:47:21 Alkohol, Süßigkeiten, Kosmetik, Kleidung und andere Produkte, die sonst schwer oder gar nicht erhältlich waren. Aber bezahlen konnte man dort nicht einfach 1:47:33 mit DDR Mark. Man brauchte harte Währung, Westgeld. Das war ein empfindlicher Punkt, denn ein sozialistischer Staat, der offiziell 1:47:45 die Überlegenheit seines Systems betonte, betrieb Läden, in denen viele Begehrte Waren nur mit westlicher Währung zu haben waren. 1:47:55 Für Menschen ohne Westkontakte war das bitter. Andere bekamen Pakete von Verwandten aus der Bundesrepublik. Westpakete wurden zu kleinen 1:48:05 Ereignissen. Wenn ein Paket ankam, wurde es geöffnet wie ein Fenster in eine andere Welt. Darin lagen Kaffee, Schokolade, Strumpfhosen, Seife, 1:48:16 Kleidung, manchmal kleine Spielzeuge oder Zeitschriften. Der Geruch allein blieb vielen in Erinnerung. Diese Pakete waren mehr als 1:48:27 Hilfe. Sie waren Verbindung, Erinnerung, Vergleich. und manchmal auch Schmerz, denn sie zeigten, dass es auf der anderen Seite 1:48:37 Dinge gab, die im eigenen Land selten oder unerreichbar waren. Der Konsum wurde dadurch politisch, auch wenn er ganz alltäglich wirkte. 1:48:48 Ein Stück Schokolade konnte eine Frage auslösen. Warum gibt es das dort und hier nicht? Warum sieht die Verpackung anders aus? 1:48:57 Warum wirkt alles moderner? Warum muss man bei uns so lange warten? Die DDR versuchte eigene Produkte, eigene Marken und eigene Formen von 1:49:07 Stolz zu schaffen. Es gab vertraute waren, die viele Menschen mochten. Es gab Alltagsprodukte, an denen Erinnerungen hing. Es gab 1:49:18 Geschmäcker, Gerüche und Gegenstände, die später für viele zum Gefühl der Kindheit wurden. Doch der Vergleich mit dem Westen blieb. 1:49:28 In Wohnzimmern liefen manchmal westliche Fernsehsender. In Briefkästen lagen Paketscheine. In Gesprächen erzählte jemand von 1:49:37 Verwandten in Hamburg, Köln oder München. Und in den Köpfen entstand ein Bild vom anderen Deutschland. Nicht immer realistisch, nicht immer 1:49:47 vollständig, aber stark. So wurde Konsum in der DDR zu einer stillen Sehnsucht. Nicht nur nach Waren, sondern nach Auswahl. 1:49:58 nach Beweglichkeit, nach Farbe, nach einem Leben, in dem man weniger warten musste. Und während die Menschen weiter improvisierten, 1:50:08 reparierten, tauschten und sparten, blieb diese Sehnsucht bestehen. Leise, alltäglich und für den Staat nie ganz ungefährlich. 1:50:21 Filme, Bücher, Musik, Theater, Fernsehen und Sport sollten nicht einfach nur den Alltag begleiten. Sie sollten auch zeigen, welches Bild die DDR von sich 1:50:33 selbst hatte. Ein Land der Arbeiter, ein Land des Friedens, ein Land der Bildung, ein Land, das anders sein wollte als der Westen. In den Kinos liefen Filme der 1:50:45 Defa. Manche erzählten vom Krieg und vom Antifaschismus, andere vom Alltag, von Liebe, Arbeit, 1:50:54 Jugend und den kleinen Konflikten des Lebens. Es gab Filme, die bis heute bekannt sind und es gab Filme, die verboten oder 1:51:03 zurückgehalten wurden, wenn sie der Führung zu kritisch erschienen. Denn Kunst durfte in der DDR viel zeigen, aber nicht alles. Sie durfte Missstände 1:51:15 andeuten. Sie durfte Menschen ernst nehmen, sie durfte poetisch, ruhig oder nachdenklich sein. Doch wenn sie zu deutlich am Start, an der Partei oder an 1:51:28 der politischen Ordnung zweifelte, wurde es gefährlich. Auch Schriftsteller, Musiker und Künstler bewegten sich in diesem Spannungsfeld. 1:51:39 Manche glaubten an die Idee des Sozialismus und wollten ihn verbessern. Andere passten sich an. Wieder andere gerieten in Konflikt mit der Führung. 1:51:50 Kultur war dadurch oft ein Raum zwischen Anpassung und vorsichtiger Wahrheit. Auch das Fernsehen wurde wichtig. In vielen Wohnzimmern stand irgendwann ein 1:52:01 Fernseher. Abends versammelten sich Familien davor. Nachrichten, Shows, Filme, Sportübertragung und Kindersendungen 1:52:11 wurden Teil des Alltags. Das Sandmännchen wurde für viele Kinder zu einer vertrauten Figur, eine kleine ruhige Gestalt am Abend, ein Ritual vor 1:52:23 dem Schlafen gehen, ein Stück Kindheit, das viele Menschen bis heute mit der DDR verbinden. Doch auch hier war der Westen nie weit 1:52:34 weg. In vielen Teilen der DDR konnte man westdeutsches Fernsehen empfangen. Viele Menschen sahen heimlich oder ganz 1:52:42 selbstverständlich A, R, D und ZDF. Sie verglichen Nachrichten, Werbung, Kleidung, Sprache und Bilder. Das Westfernsehen wurde zu einem Fenster. 1:52:55 Nicht immer vollständig, nicht immer objektiv, aber es zeigte eine Welt, die anders aussah als die eigene. Für die DDR Führung war das ein Problem, denn 1:53:06 sie konnte Zeitungen kontrollieren, sie konnte den eigenen Rundfunk lenken, aber sie konnte nicht verhindern, dass viele Menschen am Abend die Antenne drehten. 1:53:16 Besonders stolz war die DDR auf den Sport. Bei olympischen Spielen und internationalen Wettbewerben gewann sie 1:53:24 viele Medaillen. Sportlerinnen und Sportler wurden zu Aushängeschildern des Staates. Der Erfolg sollte beweisen, dass der Sozialismus stark, modern und 1:53:35 leistungsfähig war. Kinder wurden früh gefördert, Talente wurden gesucht, Trainingszentren aufgebaut, 1:53:44 Disziplin, Planung und staatliche Unterstützung machten die DDR im Sport sehr erfolgreich. Doch auch dieser Erfolg hatte 1:53:53 Schattenseiten, Leistungsdruck, politische Nutzung und später bekannt gewordene Dopingpraktiken zeigten, dass Medaillen nicht nur 1:54:02 sportliche Bedeutung hatten, sie waren auch ein Mittel der Selbstdarstellung. Die DDR wollte gesehen werden als kleiner Staat mit großer Leistung, als 1:54:13 ernstzunehmender Teil der Welt, als Land, das trotz Mauer und Mangel Erfolge vorweisen konnte. Für die Menschen im Alltag waren Kultur 1:54:23 und Sport aber nicht nur Propaganda, sie waren echte Erlebnisse. Ein Kinobesuch, ein Lied im Radio, ein Fußballspiel, ein Abend vor dem Fernseher, ein Buch, 1:54:36 das man heimlich weiterempfahl, ein Konzert, bei dem für einen Moment etwas freier wirkte. Kultur gab dem Leben Farbe, auch in 1:54:46 einem Staat, der vieles kontrollieren wollte. Und vielleicht lag genau darin ihre Kraft, denn zwischen offiziellen Botschaften, staatlichen Erwartungen und 1:54:57 alltäglicher Unterhaltung fanden Menschen manchmal etwas eigenes, ein Gefühl, eine Erinnerung, einen stillen Gedanken oder einfach 1:55:09 einen ruhigen Abend, an dem draußen die Straßen dunkel wurden und drinnen der Fernseher leise flimmerte. 1:55:20 Die Jugend hatte in der DDR eine besondere Bedeutung. Für den Staat war sie nicht nur eine neue Generation, sie war die Zukunft des Sozialismus. 1:55:31 Kinder und Jugendliche sollten früh lernen, wo sie hingehörten. Sie sollten die DDR als ihr Land verstehen, die Sowjetunion als Freund, 1:55:41 den Sozialismus als richtigen Weg und den Westen als Gegenbild. Deshalb begann politische Erziehungen schon früh. Viele Kinder wurden 1:55:51 Jungpioniere, später Telmannpioniere. Sie trugen Halstücher, nahmen an Appellen teil Sangenlieder und lernten, 1:56:00 dass Gemeinschaft, Frieden und Sozialismus zusammengehörten. Für viele Kinder war das zunächst nicht bedrohlich. Es war Alltag. Es waren 1:56:10 Ausflüge, Ferienlager, Fahnen, Gruppenstunden und Rituale. Man war dabei, weil fast alle dabei waren. Später kam die FDJ, die freie 1:56:23 deutsche Jugend. Auch sie war mehr als eine Jugendorganisation. Sie war ein Werkzeug des Staates. Sie sollte Jugendliche binden, erziehen und 1:56:33 zeigen, dass die junge Generation hinter der DDR stand. Wer studieren wollte, wer beruflich vorankommen wollte, wer nicht auffallen 1:56:43 wollte, trat meist ein. Nicht immer aus Überzeugung, oft aus Vernunft. Man wusste, dass Anpassung Türen öffnen konnte, doch gerade Jugendliche ließen 1:56:54 sich nie vollständig kontrollieren. Sie hörten Musik, die nicht vorgesehen war. Sie trugen Kleidung, die anders wirkte. Sie sahen Westfernsehen. 1:57:05 Sie interessierten sich für Jeans, Rockmusik, lange Haare, später Punk, Blues und Heavy Metal. Manchmal war schon ein Haarschnitt politisch. Eine 1:57:16 Lederjacke, ein Aufnäher, ein Lied, ein Blick. Der Staat wollte eine disziplinierte sozialistische Jugend, aber viele Jugendliche wollten einfach 1:57:27 sie selbst sein. In den 1960er Jahren sorgte Badmusik für Unruhe. Später kamen Rock, Bluser, Punks und andere Subkulturen hinzu. Nicht alle waren 1:57:41 offen politisch, viele wollten nur Abstand vom offiziellen Ton. Sie wollten keine Parolen, keine ständigen Belehrungen, keine vorgeschriebene 1:57:52 Begeisterung. Sie wollten Musik hören, Freunde treffen, frei aussehen, freischen und nicht bei jedem Schritt das Gefühl haben, beobachtet zu werden. 1:58:05 Für die DDR Führung war das schwer einzuordnen, denn unangepasste Jugend konnte wie ein Angriff wirken. Nicht weil jeder Jugendliche Staat stürzen 1:58:15 wollte, sondern weil schon der Wunsch nach Eigenheit ein Problem für ein System war, das Konformität erwartete. So entstanden Konflikte. Jugendliche 1:58:28 wurden kontrolliert, Konzerte wurden beobachtet, manche Bands bekamen Auftrittsverbote. Punks konnten von Polizei und 1:58:37 Staatssicherheit bedrängt werden. Wer als Negativadent galt, hatte es schwerer. Doch trotz allem verschwanden diese Jugendkulturen nicht. Sie fanden 1:58:47 ihre Räume in Kellern, in Kirchen, auf Konzerten, in Parks, in privaten Wohnungen, in kleinen Gruppen, in denen man anders sprechen konnte als in der 1:59:00 Schule oder im Betrieb. Besonders die Kirchen wurden für manche Jugendliche zu Schutzräumen, nicht immer aus religiösen Gründen, sondern weil 1:59:10 dort gelegentlich mehr möglich war als in staatlichen Räumen. Hier konnten Friedensgruppen, Umweltgruppen und unangepasste Jugendliche zusammenkommen. 1:59:21 Nicht frei im westlichen Sinn, aber freier als anderswo in der DDR. Für viele junge Menschen blieb das Leben dennoch widersprüchlich. 1:59:32 Sie gingen zur Schule, sie machten eine Ausbildung, sie leisteten Dienst. Sie gingen zur FDJ Veranstaltung und hörten danach Musik, die der Staat misstrauisch 1:59:43 betrachtete. Sie lebten zwischen Anpassung und Abgrenzung, zwischen öffentlicher Rolle und privatem Ich, zwischen 1:59:52 Zukunftsversprechen und dem Gefühl, dass diese Zukunft zu eng war. Nicht jeder rebellierte. Viele machten mit, viele arrangierten sich, viele wollten einfach 2:00:03 ein normales Leben, einen Beruf, Freunde, Liebe und ein bisschen Ruhe. Aber die Jugend zeigte immer wieder, dass die DDR ihre Menschen nicht 2:00:16 vollständig formen konnte. Der Staat konnte Unterrichtspläne schreiben, er konnte Organisationen schaffen, er konnte Parolen drucken. Er konnte 2:00:26 Karrieren lenken, aber er konnte nicht verhindern, dass junge Menschen eigene Sehnsüchte entwickelten, nach Musik, nach Stil, nach Bewegung, nach Wahrheit, 2:00:40 nach einem Leben, das nicht schon vorher festgelegt war. Und in diesen kleinen Sehnsüchten lag etwas, das für die DDR gefährlich werden konnte. Denn ein 2:00:51 Staat, der die Zukunft kontrollieren will, muss vor allem die Jugend gewinnen. Doch viele Jugendliche hörten längst andere Stimmen, manchmal aus dem 2:01:00 Westen, manchmal aus der eigenen Stadt und manchmal einfach aus sich selbst. Die DDR verstand sich offiziell als Friedenstaat. 2:01:14 In Reden, Schulbüchern und Zeitungen wurde immer wieder betont, dass vom Boden der DDR nie wieder Krieg ausgehen sollte. 2:01:23 Der Staat sah sich als antifaschistisch, als Schutzmacht des Friedens und als Teil eines sozialistischen Lagers, das angeblich nur verteidigen wollte. Und 2:01:35 doch war die DDR stark militarisiert. Überall im Alltag begegnete man Uniformen, Symbolen und militärischer Sprache. Die nationale Volksarmee, kurz 2:01:47 NVA, wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Staates. Sie war nicht nur eine Armee, sie war auch ein politisches Instrument. Die Soldaten 2:01:58 sollten nicht einfach nur militärisch ausgebildet werden. Sie sollten auch ideologisch zuverlässig sein. Sie sollten den Sozialismus verteidigen, die 2:02:08 DDR, die Partei und die Grenze, die diesen Staat nach außen abschloss. Für junge Männer bedeutete das Werdrele wurden eingezogen. Sie verließen für 2:02:20 eine Zeit Familie, Arbeit, Ausbildung oder Studium und kamen in Kasernen, in denen Disziplin, Gehorsam und politische Schulungen zum Alltag gehörten. 2:02:31 Der Dienst war für manche eine normale Pflicht, für andere eine Belastung und für wieder andere ein innerer Konflikt. Denn nicht jeder wollte eine Waffe 2:02:42 tragen, nicht jeder wollte Teil eines Systems sein, das die eigene Bevölkerung an der Grenze bewachte. Nicht jeder wollte Befehle ausführen, 2:02:52 die er innerlich ablehnte. In der DDR gab es später die Möglichkeit als Bausoldat zu dienen. Das bedeutete Dienst ohne Waffe, aber nicht ohne 2:03:04 Druck. Wer diesen Weg wählte, galt oft als politisch verdächtig. Er konnte Nachteile bekommen beim Studium, im Beruf, in der Einschätzung durch 2:03:16 Behörden und Partei. Denn in einem Staat, der Loyalität erwartete, war schon die Verweigerung der Waffe ein Zeichen. Auch Kinder und Jugendliche 2:03:26 wurden früh an militärisches Denken herangeführt. Es gab vormilitärische Ausbildung, Übungen, Geländespiele, 2:03:36 Schießtraining in bestimmten Zusammenhängen, Zivilverteidigung und in der Schule Unterrichtseinheiten, die auf Verteidigung und Ernstfall 2:03:46 vorbereiten sollten. Die Sprache des kalten Krieges war ständig präsent. Der Westen wurde als Bedrohung dargestellt, die NATO als Gefahr, die Bundesrepublik 2:03:58 als Teil eines feindlichen Systems, die Sowjetunion dagegen als großer Bruder und Schutzmacht. So entstand ein Weltbild, in dem die DDR 2:04:08 immer wachsam sein musste. Wachsam gegen Spione, gegen Sabotage, gegen Imperialismus, gegen feindliche Einflüsse. 2:04:19 Diese Wachsamkeit passte gut zu einem Staat, der ohnehin viel kontrollierte. Auch die Grenze war militärisch geprägt. Die Grenztruppen hatten die Aufgabe, 2:04:29 Fluchten zu verhindern. Ihre Präsenz machte sichtbar, dass die Mauer und die innerdeutsche Grenze nicht nur politische Zeichen waren, sie waren 2:04:39 Teil eines bewaffneten Systems. Für die Menschen im Alltag war diese Militarisierung manchmal weit weg und manchmal sehr nah. Weit weg, wenn man in 2:04:50 der Wohnung saß, zur Arbeit ging, Kinder großzog und den normalen Rhythmus des Lebens verfolgte. Nah, wenn ein Sohn zur Armee mußte, wenn 2:05:03 ein Verwandter bei den Grenztruppen diente, wenn in der Schule über den Ernstfall gesprochen wurde, wenn bei Aufmärschen Uniform durch die Straßen 2:05:13 ging oder wenn man merkte, dass der Staat von seinen Bürgern nicht nur Arbeit und Zustimmung erwartete, sondern im Zweifel auch Einsatzbereitschaft. 2:05:24 Die DDR wollte stark wirken, nach innen, nach außen, gegenüber dem Westen, gegenüber den eigenen Bürgern. Doch auch hier zeigte sich ein Widerspruch. Ein 2:05:37 Staat, der sich Friedensstaat nannte, baute eine straffe militärische Ordnung auf. Ein Staat, der von Freiheit sprach, verlangte gehorsam. 2:05:48 Ein Staat, der seine Jugend für die Zukunft gewinnen wollte, führte sie zugleich an Uniform, Befehl und Feindbild heran. 2:05:59 Für manche Menschen gehörte das einfach zur Zeit des kalten Krieges. Für andere war es ein weiterer Grund, innerlich auf Abstand zu gehen. So war die 2:06:08 Militarisierung der DDR nicht nur eine Frage von Armee und Grenze. Sie war Teil des gesamten Systems. Ein System, das Sicherheit versprach, aber Sicherheit 2:06:21 oft mit Kontrolle verwechselte. Und genau diese Kontrolle zeigte sich am deutlichsten in einer Institution, deren Name bis heute mit Angst, Misstrauen und 2:06:32 Überwachung verbunden ist, dem Ministerium für Staatssicherheit, der Stasi. 2:06:41 Kaum eine Institution steht so stark für die DDR wie die Stasi. Offiziell hieß sie Ministerium für Staatssicherheit. Doch im Alltag sagte man meist einfach 2:06:52 die Stasi. Sie war Geheimdienst, politische Polizei und Überwachungsapparat zugleich. Ihre Aufgabe war es, den Staat zu schützen, 2:07:02 aber in der Praxis bedeutete das vor allem, die Macht der Sed zu sichern. Die Stasi wissen, was Menschen dachten, was sie sagten, mit wem sie sprachen, 2:07:15 welche Briefe sie schrieben, welche Kontakte sie hatten, ob sie zufrieden waren, ob sie zweifelten, ob sie gehen wollten. Sie arbeitete nicht nur mit 2:07:26 hauptamtlichen Mitarbeitern, sie arbeitete auch mit inoffiziellen Mitarbeitern, Menschen, die Berichte schrieben über Kollegen, Nachbarn, 2:07:37 Freunde, manchmal sogar über Familienmitglieder. Nicht jeder tat das aus Überzeugung. Manche wurden gedrängt, manche wollten 2:07:46 Vorteile, manche hatten Angst. Andere glaubten wirklich, dem Staat zu dienen. Genau darin lag die besondere Macht der Stasi. Sie war nicht nur in Büros, Akten 2:07:58 und Verhören präsent. Sie reichte in den Alltag hinein, in Betriebe, in Universitäten, in Kirchen, in Künstlerkreise, 2:08:08 in Jugendgruppen, in Sportvereine, in Hausgemeinschaften. Die Stasi musste nicht überall sichtbar sein, um zu wirken. Oft reichte schon 2:08:18 die Möglichkeit, dass jemand mithörte. Ein Gespräch wurde vorsichtiger, ein Witz wurde leiser erzählt, ein Brief wurde sorgfältiger formuliert, eine 2:08:29 Kritik wurde nur noch unter engen Freunden ausgesprochen. So entstand Misstrauen. Nicht überall, nicht in jedem Moment, aber oft genug, um das 2:08:39 Klima eines Landes zu verändern. Viele Menschen wussten nicht genau, ob sie beobachtet wurden, aber sie wussten, dass es möglich war. 2:08:49 Die Stasi sammelte Akten, Notizen, Fotos, Tonaufnahmen, Berichte, Beobachtungen, kleine Details, die für Außenstehende belanglos wirken konnten. 2:09:00 Wer traf sich wann mit wem? Wer hörte Westmusik? Wer stellte einen Ausreiseantrag? Wer ging in die Kirche? Wer äußerte 2:09:10 Zweifel? Wer hatte Kontakte in den Westen? Nicht jede Akte führte sofort zur Verhaftung. Oft ging es um Kontrolle, Einschüchterung und Lenkung. 2:09:22 Menschen konnten beruflich blockiert werden. Ein Studium konnte unmöglich werden. Eine Reise wurde abgelehnt. Eine Beförderung blieb aus. Freundschaften 2:09:32 wurden gestört. Gruppen wurden zersetzt. Dieses Wort wurde später besonders bekannt. Zersetzung. Es bedeutete Menschen nicht immer offen 2:09:43 zu bestrafen, sondern sie langsam zu schwächen durch Gerüchte, durch Druck, durch Unsicherheit, durch Eingriffe in Beruf, Beziehung und Alltag. Die Stasi 2:09:56 wollte verhindern, dass aus einzelnen Zweifeln organisierter Widerstand wurde. Sie wollte wissen, bevor etwas geschah. Eingreifen, bevor Protest entstand. 2:10:08 kontrollieren, bevor Kritik öffentlich wurde. Für die DDR Führung war sie ein Schutzschild. Für viele Bürger war sie ein Schatten. Nicht jeder Mensch in der 2:10:19 DDR wurde ständig verfolgt. Nicht jeder Alltag war von Angst bestimmt. Viele lebten jahrelang scheinbar normal. Aber die Stasi war Teil der unsichtbaren 2:10:31 Architektur des Staates. Wie die Mauer die äußere Grenze markierte, so markierte die Stasiere Grenze. Sie zeigte, wie wenig Vertrauen die Führung 2:10:42 in die eigene Bevölkerung hatte. Ein Staat, der überzeugt gewesen wäre, von seinen Bürgern getragen zu werden, hätte kein solches Netz gebraucht. Doch 2:10:53 die DDR wollte nicht nur Handlungen kontrollieren, sie wollte Stimmungen erkennen, Gedanken früh erfassen, Abweichungen beobachten und so wurde 2:11:03 Überwachung zu einem festen Bestandteil ihrer Macht. Die Stasi war nicht das ganze Leben in der DDR, aber sie lag über vielen 2:11:12 Lebensbereichen wie ein leiser Nebel. Man sah ihn nicht immer, doch man spürte, dass er da war und gerade deshalb wurde sie zu einem der 2:11:23 dunkelsten Kapitel dieses Staates. Neben der Stasi gab es in der DDR noch eine weitere Ebene der Kontrolle, die 2:11:34 Justiz. Nach außen hatte die DDR Gerichte Staatsanwälte, Gesetze und Verfahren. Es gab Urteile, Akten, Paragraphen und Richter. Alles wirkte 2:11:47 wie ein normaler Rechtsstaat. Doch in politischen Fällen war die Justiz nicht unabhängig. Sie stand im Schatten der Partei und wenn es um die Sicherheit des 2:11:57 Staates ging, zählte nicht zuerst das Recht des Einzelnen. Es zählte die Stabilität des Systems. Wer offen gegen die DDR sprach, wer Flugblätter 2:12:08 verteilte, wer einen Fluchtversuch plante, wer westliche Kontakte hatte oder wer einen Ausreiseantrag stellte und dabei zu laut wurde, konnte schnell 2:12:20 ins Visier geraten. Viele wurden nicht wegen gewöhnlicher Verbrechen verfolgt, sondern weil sie dem Staat unbequem wurden. Die Begriffe 2:12:31 klangen offiziell und nüchtern. Staatsfeindliche Hetze, ungesetzlicher Grenzübertritt, Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit, 2:12:41 landesverräterische Nachrichtenübermittlung. Doch hinter diesen Worten standen oft Menschen, die einfach freisrechen, 2:12:49 freireisen oder frei leben wollten. Manche landeten in Gefängnissen wie Bauzen oder hohen Schönhausen, Orte, deren Namen später für politische Haft, 2:13:01 Verhöre und psychischen Druck standen. Die Methoden waren nicht immer sichtbar brutal. Oft waren sie leise, zermürbend und 2:13:11 genau darauf ausgelegt, Menschen innerlich zu brechen. Lange Verhöre, Isolation, Schlafentzug, 2:13:20 Drohungen gegen Familie oder Beruf, Ungewissheit darüber, was als nächstes geschieht. Der Staat wollte nicht nur Information, 2:13:29 er wollte Kontrolle über den Menschen. Für viele Häftlinge war besonders schlimm, daß sie nicht wussten, wie lange alles dauern würde. Tage 2:13:38 verschwammen, Stimmen im Flur, Schritte vor der Tür, ein Schlüssel im Schloss, ein Raum ohne Zeit. Politische Haft bedeutete nicht nur 2:13:49 Gefängnis, sie bedeutete auch den Versuch, Würde und Willen zu behalten, während der Staat einem das Gefühl gab, völlig ausgeliefert zu sein. 2:14:00 Gleichzeitig gab es den Freikauf politischer Gefangene. Die Bundesrepublik zahlte über Jahre hinweg Geld oder Waren, damit politische 2:14:09 Häftlinge aus der DDR entlassen und in den Westen gebracht wurden. Für die DDR war das ein zynisches Geschäft. Menschen, die sie selbst eingesperrt 2:14:20 hatte, wurden zu einer Quelle für Devisen. Für die Betroffenen konnte es die Rettung sein, aber auch ein harter Bruch. Sie kamen frei, doch sie verloren 2:14:32 oft ihre Heimat, ihre Wohnung, ihren alten Alltag und manchmal Menschen, die zurückblieben. Auch außerhalb der Gefängnisse wirkte 2:14:41 die Justiz als Drohung. Man mußte nicht verhaftet werden, um vorsichtig zu sein. Es reichte zu wissen, dass es passieren konnte. Diese 2:14:52 Möglichkeit lag wie ein Schatten über vielen Gesprächen. Wer einen Ausreiseantrag stellte, wurde häufig beruflich benachteiligt. 2:15:02 Kinder konnten Probleme in Schule oder Ausbildung bekommen. Freunde zogen sich zurück. Nachbarn wurden misstrauisch. Der Alltag wurde enger. Die DDR 2:15:13 bestrafte nicht immer nur den Einzelnen. Manchmal traf der Druck auch sein Umfeld. So entstand ein System, in dem Recht nur schützen sollte, sondern auch 2:15:24 erziehen, abschrecken und disziplinieren. Natürlich lebten Millionen Menschen in der DDR, ohne je in politische Haft zu 2:15:33 geraten. Viele begegneten Gerichten nur bei gewöhnlichen Dingen oder gar nicht. Doch die Existenz politischer Justiz war entscheidend. Sie zeigte, dass der Staat 2:15:44 Grenzen setzte, die man nicht überschreiten sollte. Nicht öffentlich, nicht organisiert, nicht laut. Wer es doch tat, konnte spüren, dass hinter den 2:15:56 ruhigen Fassaden von Ämtern, Schulen und Betrieben ein harter Apparat stand. Die DDR wollte ein geordnetes Land sein, aber diese Ordnung beruhte auch auf 2:16:08 Angst, auf der Angst vor Akten, vor Verhören, vor Urteilen, vor Gefängnissen, vor einem Leben, das plötzlich aus der Bahn geriet. 2:16:18 Und doch entstanden gerade in dieser enge Räume, in denen Menschen versuchten anders zu denken. Nicht überall, nicht massenhaft, nicht immer offen. Aber in 2:16:30 Kirchen, privaten Wohnungen, kleinen Gruppen und unter mutigen Einzelnen wuchs eine leise Opposition, ein Widerstand ohne große Macht, aber 2:16:42 mit einer Kraft, die der Staat nie vollständig auslöschen konnte. In der DDR gab es nur wenig Raum für offene Opposition. 2:16:54 Die SED kontrollierte Parteien, Medien, Betriebe, Schulen und viele öffentliche Organisationen. Wer Kritik äußerte, musste vorsichtig 2:17:05 sein. Wer sich zusammenschloss, wurde beobachtet. Und wer zu deutlich gegen den Staat sprach, konnte schnell Probleme 2:17:13 bekommen. Doch ganz verschwinden ließ sich Widerspruch nie. Er fand Wege, leiser, vorsichtiger, versteckter. Ein wichtiger Ort dafür war die Kirche. 2:17:26 Die Kirchen standen in der DDR unter Druck, aber sie waren nicht vollständig Teil des Staates. Gerade deshalb wurden sie für manche 2:17:35 Menschen zu Schutzräumen. Nicht jeder, der dorthining, war streng religiös. Manche suchten Glauben, andere suchten Gemeinschaft. 2:17:45 Wieder andere suchten einfach einen Ort, an dem man anders sprechen konnte als im Betrieb, in der Schule oder bei offiziellen Versammlung. 2:17:55 In Gemeinderäumen trafen sich Friedensgruppen, Umweltgruppen, Jugendliche, Künstler, Menschen, die über Abrüstung, 2:18:04 Gerechtigkeit, Umweltzerstörung oder Menschenrechte sprechen wollten. Die Themen wirkten manchmal klein, aber in einem Staat, der fast alles politisch 2:18:14 deutete, konnten sie schnell gefährlich werden. Wer über Frieden sprach, stellte indirekt die Militarisierung in Frage. Wer über Umwelt sprach, zeigte auf 2:18:27 Probleme, die der Staat lieber verschwieg. Wer über Menschenrechte sprach, berührte den Kern der politischen Ordnung. Auch 2:18:36 Künstler und Schriftsteller bewegten sich zwischen Anpassung und Kritik. Manche versuchten innerhalb der DDR zu arbeiten und trotzdem ehrlich zu 2:18:46 bleiben. Sie schrieben Gedichte, Lieder, Bücher oder Theaterstücke, in denen nicht immer direkt, aber doch spürbar vom Widerspruch des Landes erzählt 2:18:57 wurde. Von Eng, von Sehnsucht, von Müdigkeit, von Wahrheit hinter offiziellen Worten. Nicht alles durfte erscheinen. Nicht jedes Konzert durfte 2:19:09 stattfinden. Nicht jeder Text wurde gedruckt. Manche Künstler wurden verboten, überwacht oder ausgebürgert. Andere passten ihre Sprache an, wurden 2:19:20 vorsichtiger, versteckten Kritik zwischen den Zeilen. So entstand eine Kultur des Andeutens. Man sagte nicht immer offen, was gemeint war, aber viele 2:19:31 verstanden es trotzdem. Ein Satz konnte mehr bedeuten, als er sagte. Ein Lied konnte mehr tragen als eine Melodie. Ein Theaterabend konnte 2:19:41 für einen Moment zeigen, was im Alltag unausgesprochen blieb. Die Opposition in der DDR war lange nicht groß genug, um den Staat direkt zu 2:19:51 stürzen. Aber sie hielt etwas wach, den Gedanken, dass es auch anders sein könnte, dass Frieden nicht nur ein Wort auf Plakaten war, dass Gerechtigkeit 2:20:04 nicht nur von oben verordnet werden konnte, dass ein Staat, der sich demokratisch nannte, auch echte Mitsprache zulassen müsste. 2:20:14 Für die Stasi waren diese Gruppen ein Problem. Nicht, weil sie sofort mächtig waren, sondern weil sie unabhängig waren. Sie trafen sich außerhalb der 2:20:25 staatlichen Kontrolle. Sie sprachen über Dinge, die nicht im offiziellen Ton gehalten waren. Sie bauten Vertrauen auf, wo der Staat misstrauen wollte. 2:20:36 Deshalb wurden sie beobachtet. Berichte wurden geschrieben, Informanten eingeschleustt, Veranstaltungen gestört, Menschen unter 2:20:45 Druck gesetzt und doch blieben diese kleinen Räume bestehen. In Kirchen, in Wohnungen, in Ateliers, in Proberäumen, in Hinterzimmern, in Gesprächen nach 2:20:58 Veranstaltung. Dort entstand keine laute Revolution, noch nicht, aber dort entstand eine Sprache, die später wichtig werden sollte. 2:21:09 Eine Sprache der Friedlichkeit, der Würde, der Verantwortung, des vorsichtigen Mutes. Viele Menschen, die 1989 2:21:19 auf die Straße gingen, hatten diese Erfahrungen nicht vergessen. Sie wussten, wie man sich trifft, wie man spricht, wie man Angst aushält, wie man 2:21:31 ruhig bleibt, wenn der Staat nervös wird. So wirkten Kirche, Künstler und Opposition lange Zeit wie kleine Lichter 2:21:40 in einem engen Land. Nicht hell genug, um alles zu verändern, aber hell genug, um nicht völlig zu verschwinden. Und mit jedem Jahr, indem 2:21:49 die DDR älter wurde, wurden diese Lichter wichtiger. Die DDR sprach viel von Fortschritt, von Industrie, von Produktion, von Wachstum, 2:22:05 von der Kraft der Arbeiterklasse. Doch dieser Fortschritt hatte einen Preis, der lange nur leise besprochen wurde. Die Umwelt der DDR war stark 2:22:16 belastet. Besonders in den Industriegebieten sah man es deutlich. In Städten mit Chemiewerken, Braunkohlekraftwerken 2:22:24 und alten Fabriken lag oft ein schwerer Geruch in der Luft. Rauch stieg aus Schornstein. Staub legte sich auf Fensterbänke, Straßen und 2:22:34 Fassaden. Flüsse waren verschmutzt, Wälder litten und manche Landschaften wurden durch Tagebau tief verändert. Die Braunkohle 2:22:45 spielte eine zentrale Rolle. Sie war einer der wichtigsten Energieträger der DDR. Sie war verfügbar, heimisch und für den 2:22:55 Staat unverzichtbar. Doch sie war auch schmutzig. Wenn im Winter die Öfen brannten und die Kraftwerke liefen, hing über manchen 2:23:04 Städten ein grauer Schleier. In Regionen wie Bitterfeld, Leipzig, Halle oder im Lausitzer Braunkohle Revier wurde die Umweltbelastung besonders sichtbar. 2:23:17 Der Staat wußte von diesen Problemen, aber offen darüber zu sprechen war schwierig, denn Umweltzerstörung pasß nicht zum offiziellen Bild eines 2:23:26 planenden, vernünftigen und zukunftsorientierten Sozialismus. Die DDR wollte zeigen, dass sie die Natur besser schützen könne als der 2:23:36 kapitalistische Westen. Doch in der Realität fehlten oft Geld, moderne Technik und politischer Wille. Produktionsziele 2:23:46 waren wichtiger als saubere Luft. Ein Betrieb musste seinen Plan erfüllen. Ein Kraftwerk musste Energie liefern. Eine Chemiefabrik musste produzieren. 2:23:58 Wenn Filteranlagen fehlten oder veraltet waren, wurde trotzdem weitergearbeitet. Die Menschen lebten mit den Folgen. Sie rochen die Luft, sie sahen den Schmutz. 2:24:10 Sie wussten, welcher Fluss nicht mehr sauber war. Sie merkten, daß Kinder krank wurden oder Wälder sich veränderten. Doch 2:24:19 öffentlich wurde vieles beschönigt. Zahlen wurden nicht immer transparent veröffentlicht. Kritik galt schnell als politisch 2:24:27 empfindlich. Wer Umweltprobleme zu deutlich benannte, konnte den Eindruck erwecken, den Staat anzugreifen. Gerade deshalb wurden Umweltgruppen 2:24:38 wichtig. Oft trafen sie sich unter dem Dach der Kirche. Dort sammelten Menschen Informationen, sprachen über verschmutzte Flüsse, Luftbelastung, 2:24:48 Müll, Atomkraft und zerstörte Landschaften. Es ging dabei nicht nur um Natur, es ging auch um Wahrheit. 2:24:57 Denn wer über Umwelt sprach, sprach indirekt über das, was der Staat verschwieg, über die Grenzen der Planwirtschaft, 2:25:07 über die Folgen des Produktionsdrucks, über den Abstand zwischen offizieller Darstellung und alltäglicher Wirklichkeit. Ähm, so wurde Umweltschutz 2:25:17 in der DDR auch zu einer politischen Frage. Nicht, weil jeder Umweltaktivist den Staat stürzen wollte, sondern weil schon das genaue Hinsehen gefährlich 2:25:28 werden konnte. Ein verschmutzter Fluss war mehr als ein verschmutzter Fluss. Er war ein Beweis dafür, dass die Wirklichkeit nicht immer 2:25:38 zu den Parolen passte. Und je älter die DDR wurde, desto deutlicher wurden diese Risse. Die Menschen konnten vieles ertragen. Mangel, Wartezeiten, graue 2:25:51 Fassaden, eingeschränkte Reisen. Aber wenn ein Staat auch noch die Luft, das Wasser und die Landschaft belastete und zugleich so tat, als sei alles unter 2:26:02 Kontrolle, dann wuchs das Misstrauen. Die Umweltprobleme waren deshalb kein Randthema. Sie waren ein stiller Hinweis darauf, dass die DDR an ihre Grenzen 2:26:14 kam. Technisch, wirtschaftlich, politisch und moralisch. Unter dem Rauch der Fabriken lag nicht nur Staub. Dort lag auch die Frage, wie 2:26:26 lange ein Staat seine Probleme verstecken konnte, bevor sie überall sichtbar wurden. 2:26:35 Die DDR war nie ein Staat, der völlig allein über seinen Weg entschied. Von Anfang an stand sie im Schatten der Sowjetunion. 2:26:43 Moskau war Schutzmacht, Vorbild, Partner und Grenze dessen, was politisch möglich war. Die DDR Führung sprach zwar von 2:26:54 Souveränität, von Freundschaft und von internationaler Solidarität, doch in den entscheidenden Fragen blieb die Sowjetunion die wichtigste Macht. 2:27:05 Ohne sie hätte es die DDR in dieser Form nicht gegeben, ohne sie hätte die SED ihre Herrschaft kaum so lange sichern können. 2:27:16 Die DDR war Teil des Ostblocks. Sie gehörte zum Warschauerpakt, dem militärischen Bündnis der sozialistischen Staaten. Und sie war 2:27:25 eingebunden in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, den RGW. Dort sollte die Wirtschaft der sozialistischen Länder miteinander 2:27:36 verbunden werden. Rohstoffe, Maschinen, Energie, Industrieprodukte und politische Interessen wurden zwischen den Staaten des Ostens abgestimmt. 2:27:47 Die DDR lieferte Technik, Maschinen, Chemieprodukte und Industrieerzeugnisse. Im Gegenzug war sie stark abhängig von sowjetischem Öl, Gas und anderen 2:27:59 Rohstoffen. Diese Verbindung gab Sicherheit. Aber sie machte die DDR auch abhängig. Wenn Moskau sich bewegte, musste 2:28:09 Ostberlin reagieren. Wenn Moskau Druck machte, konnte die DDR Führung kaum ausweichen. Und wenn in der Sowjetunion neue 2:28:18 Gedanken entstanden, wie später unter Gorbatschow, wurde das für die DDR gefährlich. Doch in dener Jahren wollte die DDR vor allem eines 2:28:32 Anerkennung. Lange hatte die Bundesrepublik versucht, die DDR international zu isolieren. Doch mit der Entspannungspolitik 2:28:42 änderte sich die Lage. Die beiden deutschen Staaten näherten sich vorsichtig an. Verträge wurden geschlossen, Grenzen wurden anerkannt 2:28:52 und die DDR gewann international an Sichtbarkeit. Für die SD war das ein großer Erfolg. Die DDR wollte nicht nur als sowjetische Besatzungsfolge gesehen 2:29:04 werden, sie wollte als eigener Staat wahrgenommen werden, mit Botschaften, mit Diplomaten, mit Flagge, mit Sitz in internationalen Organisationen, 2:29:17 mit Staatsbesuchen, Verträgen und offiziellen Empfängen. Der Eintritt in die Vereinten Nation war dafür ein wichtiges Symbol. 2:29:27 Die DDR war nun nicht mehr nur der andere deutsche Staat im Schatten der Bundesrepublik. Sie war auf der Weltbühne angekommen, 2:29:36 zumindest äußerlich. In Afrika, Asien und Lateinamerika suchte die DDR Kontakte zu jungen Staaten, Befreiungsbewegung und sozialistischen 2:29:46 Partnern. Sie unterstützte politische Projekte, bildete Fachkräfte aus und präsentierte sich als solidarischer Staat auf der 2:29:56 Seite der Unterdrückten. Diese internationale Solidarität klang idealistisch, aber sie diente auch Interessen. Die DDR wollte Einfluss, 2:30:08 Anerkennung, Prestige und sie wollte zeigen, dass sie moralisch auf der richtigen Seite der Geschichte stand. Gleichzeitig kamen Menschen aus anderen 2:30:18 Ländern in die DDR, Studenten, Facharbeiter, Auszubildende und Vertragsarbeiter aus Ländern wie Vietnam, Mozambique, Angola oder Kuba. 2:30:31 Sie arbeiteten in Betrieben, lebten oft in Wohnheim und waren Teil eines Systems, das nach außen internationale Freundschaft betonte. 2:30:40 Doch ihr Alltag war nicht immer einfach. Viele blieben getrennt von der Mehrheitsgesellschaft. Kontakte waren begrenzt. Rassismus 2:30:49 existierte, auch wenn er offiziell nicht zum Selbstbild des sozialistischen Staates passte. Und die Bedingungen waren oft streng geregelt. Die DDR 2:31:00 sprach von Völkerfreundschaft, aber auch hier lagen Anspruch und Wirklichkeit nicht immer beieinander. International wollte die DDR modern, 2:31:11 friedlich und solidarisch wirken. Nach innen blieb sie ein kontrollierter Staat mit Mauer, Stasi und eingeschränkter Freiheit. 2:31:21 Dieser Widerspruch begleitete sie bis zum Ende. Auf Kongressen bei Sportereignissen und Staatsbesuchen zeigte die DDR ein geordnetes Gesicht. 2:31:32 Ein Land mit Fahnen, Uniformen, Kulturprogrammen und klaren Botschaften. Doch hinter diesem Gesicht standen dieselben Probleme wie im Inneren. 2:31:43 Wirtschaftliche Abhängigkeit, politische Starrheit, Angst vor Reformen und die ständige Notwendigkeit, die eigene Existenz zu rechtfertigen. 2:31:54 Die DDR war auf der Weltkarte angekommen, aber sie blieb ein Staat, dessen Schicksal eng mit Moskau verbunden war. Solange die Sowjetunion 2:32:04 stark wirkte, konnte auch die DDA stabil erscheinen. Doch wenn sich dort etwas änderte, würde auch in Ostberlin nichts mehr so sicher sein wie zuvor. 2:32:15 Und genau das sollte in den 1980er Jahren geschehen. In den 1980er Jahren wirkte die DDR nach außen noch immer stabil. Die Fahnen 2:32:30 hingen, die Parteitage fanden statt. Die Zeitungen berichteten von Erfolgen. Die Betriebe erfüllten ihre Pläne, die Schulen erzogen weiter im 2:32:40 Geistesozialismus und die Grenze stand so fest wie zuvor. Doch unter dieser Oberfläche wurde der Staat müder. Viele Menschen spürten, 2:32:50 dass die großen Versprechen der DDR an Kraft verloren hatten. Die Wirtschaft kam immer stärker unter Druck. Maschinen waren veraltet. Betriebe arbeiteten oft 2:33:02 ineffizient. Rohstoffe waren teuer, moderne Technik fehlte und viele waren, die Menschen sich wünschten, waren weiterhin schwer 2:33:11 zu bekommen. Die DDR versuchte ihren Bürgern Sicherheit zu geben. Günstige Mieten, subventionierte Lebensmittel, 2:33:20 Arbeitsplätze, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau. Doch all das kostete Geld. Der Staat 2:33:30 wollte den Alltag stabil halten, aber genau diese Stabilität wurde immer schwerer zu finanzieren. Viele Probleme wurden nicht offen benannt. Sie wurden 2:33:41 verwaltet, beschönigt, verdrängt. In den Geschäften sah man den Mangel. In den Betrieben sah man die alten Maschinen. In den Städten sah man graue Fassaden, 2:33:53 kaputte Straßen und verschlissene Infrastruktur. Die DDR funktionierte noch, aber sie wirkte zunehmend erschöpft. Auch 2:34:04 politisch änderte sich wenig. Erich Honeker und die alte Parteiführung hielten an ihrem Kurs fest. Sie glaubten, die DDR müsse nur standhaft 2:34:14 bleiben. Keine westlichen Experimente, keine echten Reformen, keine Öffnung, die das System gefährden könnte. Doch viele Menschen glaubten nicht mehr an 2:34:25 diese Sprache. Die Parolen klangen immer leerer. Die offiziellen Nachrichten wirkten immer weiter entfernt vom Alltag. 2:34:34 Die Lücke zwischen dem, was gesagt wurde und dem, was Menschen erlebten, wurde größer. Gerade junge Menschen fühlten sich 2:34:43 eingeengt. Sie sahen im Westfernsehen andere Bilder, andere Musik, andere Kleidung, andere Möglichkeiten. Nicht alles daran war so frei und 2:34:54 glänzend, wie es wirkte. Aber es reichte, um die eigene Engel deutlicher zu spüren. Immer mehr Menschen stellten Ausreiseanträge. 2:35:04 Sie wollten nicht mehr warten, nicht mehr hoffen, nicht mehr zwischen Anpassung und Schweigen leben. Für den Staat waren diese Anträge eine 2:35:13 Provokation. Für die Betroffenen waren sie oft der letzte Versuch, ein anderes Leben zu beginnen. Wer einen Ausreiseantrag 2:35:21 stellte, musste mit Folgen rechnen. Probleme im Beruf, Druck durch Behörden, Beobachtung, Ablehnung, Jahre des Wartens und trotzdem taten es immer 2:35:34 mehr. Auch die Opposition wurde sichtbarer. Friedensgruppen, Umweltgruppen, kirchliche Kreise und kritische Künstler 2:35:43 sprachen über Themen, die der Staat nicht kontrollieren konnte, ohne sich selbst zu entlarfen. Frieden, Umwelt, Menschenrechte, 2:35:54 Reisefreiheit, Wahrheit. Es waren einfache Worte, aber in der DDR wurden sie schwer, denn sie stellten Fragen, auf die der Staat keine 2:36:05 ehrliche Antwort geben wollte. Warum durfte man nicht frei reisen? Warum durfte man nicht frei wählen? Warum wurden Umweltprobleme verschwiegen? 2:36:14 Warum musste ein angeblich starker Staat seine Bürger überwachen? Die DDR hatte darauf offizielle Antworten, aber immer weniger Menschen 2:36:24 glaubten ihn. So entstand in denziger Jahren keine plötzliche Explosion, eher ein langsames Nachlassen der Bindung. Der Staat stand noch, die Mauer stand 2:36:37 noch, die Stasi arbeitete weiter, die Partei regierte weiter, aber innerlich entfernten sich viele Menschen. Sie machten mit, weil sie mussten. 2:36:48 Sie schwiegen, weil es sicherer war. Sie arbeiteten, weil das Leben weiterging. Doch die Überzeugung wurde schwächer. Ein Staat kann lange bestehen, wenn 2:37:00 Menschen an ihn glauben. Er kann auch bestehen, wenn Menschen Angst vor ihm haben. Aber wenn immer mehr Menschen weder wirklich glauben, noch offen 2:37:10 zustimmen, wird seine Macht brüchig. In den 1980er Jahren war genau das zu spüren. Die DDR wurde nicht von einem Tag auf den anderen schwach. Sie wurde 2:37:22 langsam schwerfällig, starr, müde, unfähig, sich selbst zu erneuern. Und während Ostberlin an alten Antworten festhielt, begann in Moskau etwas, das 2:37:35 die DDR Führung zutiefst beunruhigen sollte, denn ausgerechnet die Sowjetunion, die große Schutzmacht der DDR, begann sich zu verändern. 2:37:48 Für die DDR war die Sowjetunion immer mehr gewesen als nur ein Verbündeter. Sie war Schutzmacht, Vorbild, Rückhalt und der wichtigste Garant dafür, dass 2:37:59 die SD ihre Macht behalten konnte. Solange Moskau fest hinter der DDR stand, konnte Ostberlin sicherer auftreten. Die Mauer, die Grenze, die 2:38:11 Partei, die politische Ordnung. All das war auch durch die Macht der Sowjetunion abgesichert. Doch Mitte der 1980er Jahre begann sich 2:38:23 in Moskau etwas zu verändern. Michael Gorbatschow wurde neuer Führer der Sowjetunion. Er sprach von Reformen, von Offenheit, 2:38:33 von Erneuerung, von einem Sozialismus, der nicht erstarren durfte. Zwei Worte wurden besonders bekannt: Glasnost und Perestreika. 2:38:43 Glasnost bedeutete Offenheit, mehr öffentliche Diskussion, mehr Kritik, mehr Wahrheit über Probleme, die lange verschwiegen worden waren. Perestreiker 2:38:54 bedeutete Umbau. Die Wirtschaft und der Staat sollten verändert werden, damit das System wieder lebendig wurde. Für viele Menschen im Ostblock klang das wie 2:39:04 ein Signal. Wenn sogar die Sowjetunion über Reformen sprach, warum sollte sich dann in der DDR nichts ändern? Doch für die DDRFührung war genau das 2:39:16 gefährlich. Erich Honeker und seine Umgebung wollten keine echte Öffnung. Sie sahen Reformen nicht als Rettung, sondern als Risiko. Denn wer einmal 2:39:26 begann über Fehler zu sprechen, konnte irgendwann auch über die Partei sprechen, über die Mauer, über die Stasi, über die Wahlen, über die 2:39:37 fehlende Freiheit. Die DDR-Führung wollte Stabilität. Aber sie verwechselte Stabilität immer mehr mit Stillstand. 2:39:47 Während in Moskau neue Worte gesprochen wurden, klangen die Reden in Ostberlin alt. Während Gorbatschow Veränderung versprach, hielt Honeker an der 2:39:57 gewohnten Linie fest. Während andere sozialistische Länder vorsichtig Bewegung zuließen, wirkte die DDR Führung unbeweglich. 2:40:07 Für viele Bürger wurde dieser Unterschied deutlich. Sie sahen Gorbatschow im Fernsehen. Sie hörten seine Worte. Sie merkten, daß selbst im 2:40:16 Zentrum des Ostblocks Dinge gesagt wurden, die in der DDR kaum möglich waren. Das machte die eigene Enge noch sichtbarer. 2:40:26 Plötzlich war der Westen nicht mehr der einzige Vergleich. Nun kam der Druck auch aus dem Osten aus Moskau. Das war für die SD besonders unangenehm, 2:40:37 denn jahrzehntelang hatte sie sich auf die Sowjetunion berufen, auf ihre Freundschaft, auf ihre Autorität, auf ihre historische Rolle. Doch wenn 2:40:48 diese Sowjetunion nun selbst reformen wollte, wirkte die DDR Führung wie ein Schüler, der den Lehrer nicht mehr verstehen wollte. 2:40:58 Honeker blieb dabei. Die DDR habe keinen Grund, ihren Weg zu ändern. Offiziell wurde weiter von Erfolgen gesprochen, von Sozialismus, von Stabilität, von 2:41:10 Planerfüllung, von Frieden. Doch im Land wuchs das Gefühl, dass die Führung die Wirklichkeit nicht mehr sehen wollte. Die Menschen spürten die 2:41:20 wirtschaftlichen Probleme. Sie sahen die Umweltzerstörung, sie kannten die Mängel. Sie wussten von Ausreiseanträgen, 2:41:29 Verhaftungen und Überwachung und sie erlebten eine Partei, die so tat, als sei der Kurs richtig und nur die Geduld der Bürger zu klein. Gobatschows 2:41:38 Reformen veränderten die DDR nicht sofort. Die Mauer stand weiter, die Stasi arbeitete weiter, die SED regierte weiter, aber etwas im Bewusstsein 2:41:51 veränderte sich. Die Vorstellung, dass alles für immer so bleiben müsßte, bekam Risse. Wenn Moskau sich bewegen konnte, dann 2:42:01 konnte sich vielleicht auch Ostberlin bewegen. Wenn Reformen möglich waren, dann war Stillstand keine Naturgewalt. 2:42:09 Wenn selbst die Sowjetunion Probleme zugab, dann konnte die DDR nicht ewig so tun, als sei alles in Ordnung. Für die Opposition waren diese Entwicklungen 2:42:20 wichtig. Sie gaben Mut, nicht offenen Schutz, nicht völlige Sicherheit, aber das Gefühl, dass die Geschichte wieder in Bewegung geraten war. Für die Sedagen 2:42:33 wurde Gorbatschow zur Bedrohung. Nicht, weil er die DDR direkt angriff, sondern weil seine Existenz die alte Ordnung in Frage stellte. Er zeigte, dass 2:42:44 Sozialismus auch anders gedacht werden konnte und genau das wollte die DDR Führung verhindern. Doch Geschichte läßt sich nicht 2:42:53 dauerhaft anhalten. Ende der 1980er Jahre begann sich der Druck im ganzen Ostblock zu erhöhen. In Polen, Ungarn und anderen Ländern entstanden 2:43:04 Bewegungen, Reformen und neue Öffnungen. Besonders Ungarn sollte bald eine entscheidende Rolle spielen, denn dort begann sich eine Grenze zu öffnen und 2:43:14 für viele DDR Bürger wurde daraus eine neue Hoffnung. Wenn die Mauer in Berlin noch stand, vielleicht gab es einen anderen Weg hinaus über Prag, über 2:43:25 Budapest, über Botschaften, über Züge, über Straßen, die plötzlich wieder in Bewegung gerieten. Die DDR Führung wollte Ruhe, doch in Europa begann etwas 2:43:39 zu rutschen. Langsam, dann schneller. Und bald sollte aus Müdigkeit Bewegung werden, aus Bewegung Protest. und aus Protest ein Herbst, der die DDR 2:43:52 für immer verändern würde. Im Jahr 1989 geriet die DDR in Bewegung, nicht 2:44:02 plötzlich aus dem Nichts, nicht durch einen einzigen Moment, sondern durch viele kleine Risse, die sich nun miteinander verbanden. 2:44:12 Die Menschen waren unzufrieden. Viele wollten Reisen, viele wollten ehrlichere Politik, viele wollten Reform und immer mehr wollten die DDR einfach verlassen. 2:44:25 Besonders wichtig wurde Ungarn. Dort begann sich die Grenze nach Österreich zu öffnen. Für DDR Bürger war das ein Signal. Wenn der direkte Weg in den 2:44:36 Westen durch die Mauer versperrt war, dann konnte vielleicht ein anderer Weg möglich werden. Tausende reisten nach Ungarn. Manche mit Urlaubskoffern, 2:44:46 manche mit Kindern, manche mit dem Plan nicht zurückzukehren. Campingplätze, Bahnhöfe und Straßen wurden zu Orten der Entscheidung. 2:44:57 Für viele Familien war es ein Schritt voller Angst. Sie wußten nicht, ob sie durchkommen würden. Sie wussten nicht, ob sie alles 2:45:05 verlieren würden. Aber sie wussten, dass sie nicht mehr warten wollten. Auch westdeutsche Botschaften wurden zu Zufluchtsorten. 2:45:15 In Prag und Warschau suchten DDR Bürgerschutz. Sie hofften über diplomatische Wege ausreisen zu können. Die Bilder von 2:45:24 Menschen, die in überfüllten Botschaftsgeländen ausharten, zeigten der Welt, wie tief die Krise geworden war. 2:45:32 Die DDRFührung versuchte weiter Kontrolle zu behalten, doch sie wirkte zunehmend hilflos. Denn wenn Menschen massenhaft fliehen, ist das mehr als ein 2:45:42 Verwaltungsproblem. Es ist ein Zeichen, dass ein Staat sein Vertrauen verloren hat. Gleichzeitig begannen immer mehr Menschen innerhalb 2:45:52 der DDR zu protestieren. Besonders Leipzig wurde wichtig. In der Nikolai Kirche fanden Friedensgebete statt. Menschen kamen zusammen, zunächst 2:46:03 vorsichtig, dann zahlreicher. Sie beteten, sprachen, hörten zu und gingen schließlich auf die Straße. Aus kleinen Versammlungen wurden 2:46:12 Montagsdemonstrationen. Die Rufe waren einfach, aber sie hatten Kraft. Wir sind das Volk. Diese Worte trafen den Kern des Systems, denn die 2:46:23 DDR hatte jahrzehntelang behauptet, im Namen des Volkes zu sprechen. Nun stand dieses Volk auf der Straße und sagte: "Wir sind selbst da. Wir wollen selbst 2:46:36 gehört werden." Der Staat wusste nicht, wie er reagieren sollte. Die Erinnerung an Gewalt lag in der Luft. Viele Menschen hatten Angst, dass die 2:46:46 Demonstration niedergeschlagen werden könnten. Niemand wusste, ob Panzer rollen würden. Niemand wusste, ob geschossen würde. Niemand wusste, ob 2:46:56 dieser Herbst friedlich bleiben konnte. Doch die Menschen kamen trotzdem in Leipzig, in Dresden, in Berlin, in Plauen, in vielen Städten der DDR. Sie 2:47:10 trugen Kerzen, sie hielten Schilder, sie gingen langsam durch die Straßen, nicht als bewaffnete Revolutionäre, sondern als Bürger, die nicht länger 2:47:20 schweigen wollten. Die Stasi beobachtete, die Polizei war bereit, die Partei beriet, doch die alte Macht wirkte 2:47:29 unsicher. Je mehr Menschen auf die Straße gingen, desto schwerer wurde es, sie alle als Feinde oder Provokateure darzustellen. Es waren Arbeiter, 2:47:39 Studenten, Eltern, Rentner, Christen, Nichtchristen, Ausreisevillige, Reformer, Menschen mit ganz unterschiedlichen Hoffnungen. Manche 2:47:52 wollten die DDR verlassen, andere wollten sie verändern. Wieder andere wussten, dass es so nicht weitergehen konnte. Im Oktober 1989 2:48:04 feierte die DDR noch ihren 40. Geburtstag mit Fahren, Reden, Paraden und offiziellen Gästen. Doch die Feier wirkte seltsam hohl. Ein 2:48:16 Staat, der sich selbst feierte, während seine Bürger flohen und demonstrierten, zeigte damit, wie weit Führung und Bevölkerung auseinander geraten waren. 2:48:27 Kurz darauf verlor Erich Honeker seine Macht. Egon Krenz übernahm. Er sprach von Wände, von Erneuerung, von Dialog. Doch für viele Menschen kam das zu spät. 2:48:40 Die Angst war gebrochen, nicht vollständig, nicht überall, aber genug, um die alte Ordnung ins Wanken zu bringen. 1989 2:48:50 wurde aus Unzufriedenheit Bewegung. Aus Bewegung wurde Mut und aus Mut entstand ein Druck, den die DDR Führung nicht mehr kontrollieren konnte. Die Mauer 2:49:02 stand noch, aber innerlich hatte sie bereits begonnen zu fallen. Der 9. November 1989 begann nicht wie ein Tag, der die Welt 2:49:14 verändern würde. In der DDR war die Lage angespannt. Die Menschen demonstrierten weiter. Viele wollten Reform, viele wollten 2:49:24 Reisefreiheit. Viele wollten nicht länger hinnehmen, dass der Staat über ihr Leben bestimmte. Die neue Führung unter Egon Krenz 2:49:33 versuchte die Kontrolle zu behalten. Sie wollte zeigen, dass sie handlungsfähig war, dass sie auf die Bevölkerung hörte, dass Veränderung möglich sei, ohne das 2:49:44 ganze System zu verlieren. Ein neues Reisegesetz sollte die Lage beruhigen. DDRbürger sollten leichter in den Westen reisen dürfen. Doch wieo oft in diesem 2:49:55 Staat war auch dieser Schritt von Bürokratie, Unsicherheit und schlechter Kommunikation begleitet. 2:50:03 Am Abend des 9. November trat Günther Schabowski vor die Presse. Er war Mitglied der SED Führung. In einer Pressekonferenz erklärte er neue 2:50:14 Reisebestimmungen. Die Formulierungen waren kompliziert, die Details unklar. Dann fragte ein Journalist, ab wann diese Regelung 2:50:23 gelten sollle. Schabowski blätterte in seinen Unterlagen. Er wirkte unsicher und dann sagte er sinngemäß: "Sofort." Unverzüglich. 2:50:35 Diese Worte veränderten alles. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich die Nachricht über Nachrichtenagenturen, über Fernsehen, über Radio, über 2:50:46 Gespräche in Wohnung, Straßen und Treppenhäusern. Viele Menschen verstanden, die Grenze ist offen. Ob das wirklich so gemeint 2:50:55 war, wussten die Grenzsoldaten noch nicht. Ob es Befehle gab, wussten viele ebenfalls nicht. Doch die Menschen warteten nicht mehr auf Erklärung. Sie 2:51:06 gingen los zu den Grenzübergängen, zur Bonmerstraße, zum Checkpoint Charlie, zur Invalidenstraße, 2:51:16 an die Orte, die jahrzehntelang Trennung bedeutet hatten. Immer mehr Menschen sammelten sich vor den Schlagbäumen. Sie wollten hinüber, nicht irgendwann, nicht 2:51:27 nach Antrag, nicht nach Genehmigung, sondern jetzt. Die Grenzsoldaten waren überfordert. Sie hatten keine klaren Befehle. Vor ihnen 2:51:38 standen nicht ein paar einzelne Flüchtlinge, sondern Menschenmengen. Familien, junge Leute, ältere Menschen, neugierige, Entschlossene, 2:51:50 Menschen, die spürten, dass dieser Moment größer war als jede Anordnung. Die Spannung war gewaltig. Noch war nicht sicher, ob alles friedlich bleiben 2:51:59 würde. Noch hätte ein falscher Befehl, ein Schuss, eine Panik, alles verändern können. Doch dann geschah das, was kaum jemand 2:52:09 für möglich gehalten hatte. Die Grenze öffnete sich. Menschen gingen nach Westberlin. Sie wurden begrüßt. Sie weinten. Sie lachten. Sie lagen sich in 2:52:22 den Armen. Fremde Menschen umarmten einander, als wären sie alte Freunde. Auf der Mauer standen Menschen. Sie tanzten, winkten, riefen, sangen. Andere 2:52:33 schlugen mit Hämmern kleine Stücke aus dem Beton. Ein Bauwerk, das jahrzehntelang Angst, Trennung und Tod bedeutet hatte, wurde 2:52:43 plötzlich zu einem Ort der Freude. Für viele war es ein unwirklicher Abend. Menschen, die jahrelang nicht reisen durften, gingen einfach über die Grenze. 2:52:54 Familien, die getrennt waren, konnten sich wiedersehen. Straßen, die geendet hatten, führten plötzlich weiter. Die Mauer war an diesem Abend nicht sofort 2:53:04 verschwunden. Sie stand noch aus Beton. Sie war noch sichtbar, doch ihre Macht war gebrochen. Ein Staat, der seine Bürger 2:53:14 jahrzehntelang eingeschlossen hatte, konnte sie nicht mehr zurückhalten. Der 9. November war kein geplanter Triumph. Er war ein Moment aus Druck, 2:53:24 Verwirrung, Mut und Geschichte. Die DDR Führung hatte versucht, eine Krise zu verwalten. Doch am Ende verlor sie die Kontrolle über das Symbol ihrer 2:53:35 Macht. Die Mauer fiel nicht durch Krieg, nicht durch Panzer, nicht durch einen Angriff von außen. Sie fiel, weil Menschen 2:53:45 gingen, weil sie nicht mehr warteten, weil die Angst schwächer geworden war als der Wunsch nach Freiheit. In dieser Nacht wurde sichtbar, dass die DDR nicht 2:53:57 mehr dieselbe war. Die Grenze war offen, die Menschen waren in Bewegung und die Welt sah zu. Was jahrzehntelang fest und 2:54:07 unüberwindbar gewirkt hatte, war plötzlich offen. Doch mit dem Fall der Mauer war die Geschichte noch nicht zu Ende. Die DDR 2:54:17 existierte weiter. Es gab noch Regierung, Parteien, Betriebe, Schulen, Armee, Polizei und Behörden. Aber ihre Grundlage war erschüttert. 2:54:29 Denn wenn die Mauer fällt, fällt nicht nur eine Grenze. Es fällt auch die Erzählung eines Staates, der behauptet hatte, diese Grenze sei notwendig, 2:54:38 richtig und dauerhaft. Nach dem 9. November begann die letzte Phase der DDR, eine kurze, schnelle und unruhige Zeit zwischen Freude und Unsicherheit, 2:54:51 zwischen Reform und Auflösung, zwischen Hoffnung auf einen neuen Sozialismus und dem Wunsch nach deutscher Einheit. Nach dem Fall der Mauer begann eine 2:55:02 Zeit, in der alles schneller wurde. Die DDR existierte noch. Ihre Ministerien arbeiteten weiter, ihre Betriebe produzierten weiter, ihre Schulen 2:55:13 öffneten weiter am Morgen und doch war nichts mehr wie zuvor. Die Grenze war offen. Menschen fuhren in den Westen oft zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie 2:55:24 besuchten Verwandte, liefen durch Einkaufsstraßen, sahen volle Schaufenster, bunte Werbungen und eine Welt, die ihnen jahrzehntelang nah und 2:55:34 doch unerreichbar gewesen war. Viele kamen zurück in die DDR, aber sie kamen verändert zurück, denn wer einmal gesehen hatte, wie offen die Grenze nun 2:55:46 war, konnte nicht mehr in die alte Wirklichkeit zurückkehren. Die SED verlor ihre Macht Schritt für Schritt. Aus der alten Staatspartei 2:55:57 wurde eine Partei, die sich retten wollte. neue politische Gruppen entstanden. Bürgerbewegungen, Parteien und Initiativen forderten freie Wahlen, 2:56:07 Rechtsstaatlichkeit und Aufarbeitung. An runden Tischen wurde diskutiert. Dort saßen Vertreter des alten Systems und Vertreter der Opposition. 2:56:19 Man sprach über Reformen, über Kontrolle der Sicherheitsorgane, über freie Medien, über neue Gesetze und über die Zukunft des Landes. Für einen 2:56:31 kurzen Moment schien vieles offen. Manche wollten eine bessere DDR, einen demokratischen Sozialismus, ein Land ohne Stasi, ohne Mauer, ohne 2:56:42 Einparteienherrschaft, aber trotzdem eigenständig. Andere wollten so schnell wie möglich die deutsche Einheit. Je länger die 2:56:51 Krise dauerte, desto stärker wurde dieser Wunsch, denn die Wirtschaft der DDR war schwach. Viele Betriebe waren nicht konkurrenzfähig. 2:57:02 Die Währung verlor Vertrauen. Menschen fragten sich, ob ihr Arbeitsplatz, ihre Ersparnisse und ihre Zukunft sicher waren. 2:57:11 Auf den Straßen änderten sich die Rufe aus. Wir sind das Volk. wurde immer öfter. Wir sind ein Volk. Dieser Satz zeigte, wohin sich die 2:57:23 Stimmung bewegte. Im März 1990 fanden die ersten freien Volkskammerwahlen in der DDR statt. Zum ersten Mal konnten die Bürger 2:57:33 wirklich entscheiden, nicht über Einheitslisten, nicht über vorgegebene Zustimmung, sondern zwischen echten politischen 2:57:42 Alternativen. Das Ergebnis war klar, die Mehrheit wollte einen schnellen Weg zur deutschen Einheit. Nun begann ein politischer 2:57:52 Prozess, der in wenigen Monaten vollendete, was jahrzehntelang unmöglich gewirkt hatte. Im Sommer 1990 kam die 2:58:02 Währungswirtschafts und Sozialunion. Die Demark wurde in der DDR eingeführt. Für viele Menschen war das ein Moment großer Hoffnung. Die westdeutsche 2:58:14 Währung stand für Stabilität, Kaufkraft und ein neues Leben. Doch sie brachte auch Härte, denn mit der neuen Währung standen die DDRbetriebe plötzlich im 2:58:25 direkten Wettbewerb mit der westlichen Wirtschaft. Viele waren darauf nicht vorbereitet. Was im geschlossenen System der 2:58:33 Planwirtschaft noch funktioniert hatte, wirkte im offenen Markt oft veraltet, zu teuer oder zu schwach. Trotzdem bewegte sich die Geschichte 2:58:43 weiter. International musste die deutsche Einheit abgesichert werden. Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hatten noch Rechte in Deutschland. 2:58:54 Deshalb verhandelten die beiden deutschen Staaten mit den Vereinigten Staaten der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich. 2:59:03 Diese Gespräche wurden als 2 +4 Verhandlungen bekannt. Am Ende stand die Zustimmung zur deutschen Einheit. Am 3. Oktober 1990 2:59:14 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Damit endete die deutsche demokratische Republik offiziell. Ein Staat, der 40 Jahre 2:59:23 existiert hatte, verschwand von der Landkarte. Seine Fahnen wurden eingeholt, seine Ministerien aufgelöst, seine Armee integriert oder abgewickelt, 2:59:35 seine Gesetze ersetzt, seine Grenze geöffnet, seine Partei entmachtet. Doch für die Menschen war das Ende nicht so einfach wie ein Datum im 2:59:45 Geschichtsbuch. Für viele war es Befreiung. Endlich reisen, endlich frei wählen, endlich sagen, was man dachte, endlich ohne 2:59:56 Mauer leben. Für andere war es auch Verlust. Der Arbeitsplatz war unsicher. Der Betrieb verschwand. Der vertraute Alltag brach weg. Berufe, Lebensläufe 3:00:08 und Erfahrung wurden plötzlich weniger wertgeschätzt. Die Wiedervereinigung war ein historisches Glück, aber sie war kein 3:00:16 sanfter Übergang. Sie brachte Freiheit und Unsicherheit, Hoffnung und Enttäuschung, neue Möglichkeiten und tiefe Brüche. Die 3:00:29 DDR war verschwunden, aber ihre Geschichte war nicht vorbei, denn was ein Staat über vier Jahrzehnte geprägt hatte, verschwindet nicht einfach mit 3:00:39 einer Unterschrift. Es bleibt in Erinnerung, in Familien, in Stäten, in Akten, in Wunden und in Fragen, die noch lange nachwirkten. 3:00:50 Nach dem 3. Oktober 1990 war die DDR offiziell verschwunden. Doch für die Menschen im Osten begann damit nicht einfach ein neues Kapitel voller 3:01:00 Klarheit. Für viele begann eine Zeit, in der fast alles neu bewertet wurde. Der Staat, in dem sie aufgewachsen waren, existierte 3:01:10 nicht mehr. Die Gesetze änderten sich, die Währung war neu. Die Betriebe wurden geprüft. Parteien, Verwaltungen, Schulen, Universitäten, Polizei und 3:01:22 Armee mussten sich verändern. Was gestern noch selbstverständlich war, konnte heute plötzlich überholt wirken. Besonders hart traf der Wandel die 3:01:33 Arbeitswelt. Viele DDRbetriebe waren auf die Planwirtschaft ausgerichtet. Sie hatten produziert, weil ein Plan es vorsah. Sie 3:01:42 hatten Abnehmer, weil der Staat sie zugeteilt hatte. Sie hatten Preise, die nicht durch offenen Wettbewerb entstanden waren. Nun standen sie 3:01:52 plötzlich im Markt. Sie mussten sich mit westdeutschen und internationalen Unternehmen messen. Viele waren dafür schlecht vorbereitet. Maschinen waren 3:02:03 veraltet. Produkte waren nicht konkurrenzfähig. Kosten waren zu hoch. Absatzmärkte im Osten brachen weg. Die Treuhandanstalt 3:02:13 bekam die Aufgabe, die volkseigenen Betriebe zu privatisieren, zu sanieren oder zu schließen. Auf dem Papier klang das wie Verwaltung. In Wirklichkeit 3:02:24 bedeutete es für Millionen Menschen Unsicherheit. Betriebe, in denen ganze Familien gearbeitet hatten, wurden verkauft oder 3:02:32 abgewickelt. Arbeitsplätze verschwanden, Biographi gerieten ins Wanken. Menschen, die jahrzehntelang gebraucht worden waren, 3:02:41 fühlten sich plötzlich überflüssig. In der DDR hatte es offiziell keine Arbeitslosigkeit gegeben. Nun wurde Arbeitslosigkeit für viele eine bittere 3:02:52 Erfahrung. Nicht nur wirtschaftlich, auch seelisch. Denn Arbeit war mehr gewesen als Lohn. Der Betrieb war Alltag, Gemeinschaft, Sicherheit und 3:03:03 Identität. Wenn er verschwand, verschwand ein Stück vertrauter Welt. Gleichzeitig kamen neue Freiheiten. Menschen konnten reisen, sie 3:03:14 konnten frei wählen, sie konnten Zeitungen lesen, Parteien gründen, Vereine bilden, Unternehmen starten und offen sagen, was sie dachten. 3:03:26 Die Stasiakten wurden geöffnet. Viele erfuhren, wer sie beobachtet hatte. Manche fanden Namen von Bekannten, Kollegen oder Freunden. Die 3:03:36 Vergangenheit kam zurück, oft schmerzhaft und leise. Für manche war die Wiedervereinigung ein Befreiungsmoment, der nicht in Frage 3:03:45 stand. Für andere mischte sich die Freiheit mit Enttäuschung. Sie hatten sich ein besseres Leben erhofft, aber nicht unbedingt das 3:03:55 Gefühl, daß ihre eigene Geschichte plötzlich weniger wert war. Viele fühlten sich beurteilt, belehrt oder überrollt. 3:04:04 So entstand ein kompliziertes Erbe. Die DDR war eine Diktatur gewesen, ein Staat mit Mauer, Stasi, politischer Kontrolle und fehlender Freiheit. 3:04:18 Aber sie war auch der Ort gewesen, an dem Menschen geboren wurden, arbeiteten, liebten, Kinder großzogen, Freundschaften schlossen und 3:04:28 Erinnerungen sammelten. Diese beiden Wahrheiten stehen nebeneinander. Man kann das System klar benennen, ohne den Menschen ihre Lebensgeschichte zu 3:04:37 nehmen. Und man kann persönliche Erinnerungen ernst nehmen, ohne die Unfreiheit des Staates zu verharmlosen. Genau darin liegt bis heute die 3:04:48 Schwierigkeit der DDR Erinnerung. Für die einen steht sie für Kontrolle, Angst und Unterdrückung, für andere auch für Kindheit, 3:04:58 Nachbarschaft, Zusammenhalt und soziale Sicherheit. Beides gehört zur Geschichte. Nach 1990 verschwand die DDR als Staat, 3:05:09 aber ihre Spuren blieben. In Plattenbauten und Grenzmuseen, in Familiengesprächen und alten Fotos, in Akten, Liedern, Schulheften, Orden, 3:05:21 Möbeln und Erinnerung, in Verletzungen, die nicht sofort heilten und in Fragen, die bis heute nachwirken. Was bedeutet Freiheit, wenn sie mit 3:05:31 Unsicherheit kommt? Was bedeutet Sicherheit, wenn sie mit Kontrolle bezahlt wird? Und wie erinnert man sich an ein Land, das für manche Heimat war 3:05:41 und für andere Gefängnis? Die Geschichte der DDR endet deshalb nicht einfach mit der Wiedervereinigung. Sie geht weiter in den Menschen, die sie 3:05:51 erlebt haben, in ihren Kindern, in ihren Städten und in einem Deutschland, das bis heute lernt, diese Vergangenheit ehrlich zu verstehen. M.