Deutsch · Klasse 7–8 · aktualisiert
Argumenttypen erkennen und sicher beurteilen
Fakten, Fachleute, Werte, Vergleiche: Du lernst, Argumenttypen zu erkennen, ihre Tragfähigkeit zu prüfen und Scheinargumente zu entlarven.
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Kurz gesagt
Argumenttypen zeigen, womit eine These begründet wird: mit Daten (Faktenargument), Fachleuten (Autoritätsargument), Werten (normatives Argument), einem Vergleich (analogisierendes Argument), einer einleuchtenden Überlegung (Plausibilitätsargument) oder einer entkräfteten Gegenposition (indirektes Argument).
Argumenttypen zeigen, auf welche Weise eine These begründet wird. Du erkennst sie, indem du prüfst, ob ein Argument mit Fakten, Fachwissen, Werten, Vergleichen, Schlussfolgerungen oder der Widerlegung einer Gegenposition arbeitet. Entscheidend ist aber nicht nur der Typ: Auch Belege, Verlässlichkeit und logische Verbindung bestimmen die Qualität.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine These ist eine Behauptung oder Position, die begründet werden soll. Das Argument liefert den Grund dafür. Ein Beispiel veranschaulicht den Grund; ein Beleg sichert ihn durch nachprüfbares Material ab.
Definition
Argument
Ein Argument ist ein Grund, der eine These stützt oder widerlegt. Es beantwortet die Frage: Warum soll die These gelten?
Beispiel: These, Argument und Beispiel
- 1These: Jede Klasse sollte einmal pro Woche einen festen Termin für den Klassenrat bekommen.
- 2Argument: Konflikte lassen sich leichter lösen, wenn es einen festen Ort gibt, an dem alle zu Wort kommen.
- 3Beispiel: Streiten zwei Gruppen jede Pause um den Fußballplatz, kann der Klassenrat eine Regel aushandeln, statt dass der Streit immer wieder neu beginnt.
- 4Das Beispiel macht das Argument anschaulich. Ob der Klassenrat solche Konflikte tatsächlich dauerhaft löst, müsste zusätzlich geprüft werden.
Merke: Eine hilfreiche Grundstruktur für deine Argumentation lautet: These → Argument → Beispiel oder Beleg → Rückbezug auf die These. Ein Beispiel veranschaulicht; ein Beleg soll eine Aussage nachprüfbar stützen.
Teste dich
Die Einteilung kann je nach Lehrwerk etwas variieren. Besonders verbreitet sind die sechs Typen in der Tabelle. Jeder Typ hat seine eigene Grenze. Ein Einzelfall belegt keine allgemeine Regel, kann aber eine Behauptung wie „Das passiert nie“ widerlegen. Ein Autoritätsargument überzeugt nur, wenn die Person wirklich für das Thema qualifiziert ist und ihre Aussage korrekt wiedergegeben wird. Ein normatives Argument wirkt, wenn die Werte geteilt und passend angewendet werden. Eine Analogie trägt nur, wenn die verglichenen Situationen in den entscheidenden Punkten ähnlich sind. Ein Plausibilitätsargument wie „Wenn jede Person weiß, was sie übernimmt, vermeiden wir eher doppelte Arbeit“ ist nachvollziehbar, aber noch kein Nachweis für jede Gruppe. Ein indirektes Argument entkräftet eine Gegenposition; das beweist die eigene These aber nicht automatisch. Manche Einteilungen führen zusätzlich das Erfahrungsargument: Es beruft sich auf persönliche oder bekannte Erfahrungen und ist anschaulich, aber weniger verallgemeinerbar als ein tragfähiger Faktenbeleg.
| Typ | Stützt sich auf | Erkennungssignal |
|---|---|---|
| Faktenargument | überprüfbare Tatsachen, Daten, Statistiken | Die Aussage lässt sich an Daten oder Beobachtungen prüfen. |
| Autoritätsargument | Fachleute oder anerkannte Institutionen | Eine fachkundige Person oder Institution wird als Stütze genannt. |
| Normatives Argument (Werteargument) | Werte, Normen, Regeln wie Gerechtigkeit, Verantwortung oder Schutz | Es geht darum, was richtig, gerecht oder geboten sein soll. |
| Analogisierendes Argument | einen Vergleich mit einem ähnlichen Bereich | „Das ist vergleichbar mit …“, „So wie …, so auch …“ |
| Plausibilitätsargument | eine logisch nachvollziehbare Überlegung | Ein vermuteter Ursache-Folge-Zusammenhang wirkt einleuchtend. |
| Indirektes Argument | die Entkräftung einer Gegenposition | Eine Gegenmeinung wird aufgegriffen und widerlegt. |
Beispiel: Ein indirektes Argument
- 1These: Gruppenarbeit sollte nicht grundsätzlich abgeschafft werden.
- 2Gegenposition: In Gruppen arbeitet immer nur eine Person.
- 3Entkräftung im erfundenen Beispiel: Bei unserer letzten Gruppenarbeit hat jedes Gruppenmitglied einen eigenen, erkennbaren Teil beigetragen.
- 4Der geschilderte Gegenfall widerlegt das Wort „immer“. Ob Gruppenarbeit in jeder Situation die beste Methode ist, wurde damit noch nicht bewiesen.
Teste dich
Der Name des Argumenttyps ist noch kein Qualitätssiegel: Ein Faktenargument kann auf ungeeigneten Daten beruhen, ein Autoritätsargument auf einer fachfremden Person und eine Analogie auf einem unpassenden Vergleich. Prüfe jedes Argument deshalb mit fünf Fragen. Passt es zur These? Ein wahrer Satz kann trotzdem am Thema vorbeigehen. Ist die Grundlage verlässlich? Daten brauchen eine nachvollziehbare Grundlage, Autoritäten passende Fachkenntnis. Trägt die Schlussfolgerung? Aus dem Grund muss die These folgen oder wenigstens gestützt werden. Gelten Einschränkungen? Einzelfälle, Ausnahmen oder unpassende Vergleiche schwächen die Aussage. Wie wirkt es auf die Adressaten? Werte- und Autoritätsargumente wirken nicht bei allen gleich, und Zustimmung allein macht einen Schluss nicht richtig. Ein Beispiel: „Eine bekannte Schauspielerin empfiehlt eine Lernmethode. Deshalb ist diese Methode nachweislich wirksam.“ Das ähnelt einem Autoritätsargument, ist aber schwach: Bekanntheit bedeutet keine Fachkenntnis im Bereich Lernen, und eine Empfehlung ersetzt keinen Nachweis.
Definition
Scheinargument
Ein Scheinargument sieht wie eine Begründung aus, ersetzt aber die sachliche Prüfung. Es lenkt etwa durch Druck, Mitleid, eine angebliche Mehrheit, einen persönlichen Angriff oder eine verzerrte Gegenposition ab.
| Scheinargument | Was passiert | Beispiel |
|---|---|---|
| Drohung (Argumentum ad baculum) | Angst soll Zustimmung erzwingen. Eine mögliche Strafe beweist nicht, dass die Position richtig ist. | „Du musst meiner Lösung zustimmen, sonst nehme ich dich nicht in die Gruppe auf.“ |
| Mitleidsappell (Argumentum ad misericordiam) | Mitleid soll Zustimmung erzeugen, obwohl es die Behauptung nicht stützt. | „Meine Präsentation muss die beste Bewertung erhalten, weil ich gestern sehr müde war.“ |
| Mehrheitsargument (Argumentum ad populum) | Die angebliche Meinung vieler gilt als Beweis. | „Fast alle in der Klasse glauben das, also muss es stimmen.“ |
| Persönlicher Angriff (Argumentum ad hominem) | Nicht die Aussage, sondern die Person wird angegriffen. | „Sein Vorschlag für die Wandfarbe kann nicht sinnvoll sein, weil er oft zu spät kommt.“ |
| Strohmann-Argument | Die Gegenposition wird verzerrt und dann die schwächere Ersatzposition widerlegt. | Aus „Bei langen Hausaufgaben sollte geprüft werden, ob alle Aufgaben nötig sind“ wird „Du willst also überhaupt keine Hausaufgaben mehr.“ |
Merke: Prüfe immer: Stützt der genannte Grund wirklich die konkrete These? Gefühle oder Mehrheiten sind nicht automatisch unsachlich: Mitleid kann für Hilfe sprechen, eine Mehrheit kann eine Abstimmung entscheiden. Beides beweist aber nicht die Wahrheit einer Tatsachenbehauptung.
Teste dich
Mehrere Typen können zusammenwirken: Eine Fachperson kann beispielsweise überprüfbare Daten nennen. Begründe dann, welcher Typ überwiegt oder wie sich die Typen ergänzen. Arbeite nicht nur nach einzelnen Signalwörtern. Untersuche immer den Zusammenhang zwischen These, Begründung und Wirkung. Formulierungshilfe für deine Analyse: „Die Autorin oder der Autor verwendet ein …argument. Das erkenne ich daran, dass … . Es soll die These stützen, indem … . Das Argument wirkt tragfähig / eingeschränkt tragfähig / nicht tragfähig, weil … .“
Beispiel: Ein Textausschnitt, Schritt für Schritt analysiert
- 1Textausschnitt: „Unsere Schule sollte einen Tauschschrank für Bücher einrichten. Wer ein gelesenes Buch abgibt, ermöglicht anderen eine weitere Nutzung. Das unterstützt einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Dingen.“
- 2These: Die Schule soll einen Büchertauschschrank einrichten.
- 3Typ: Die Begründung beruft sich auf verantwortungsvollen Umgang, also auf einen Wert. Es handelt sich überwiegend um ein normatives Argument.
- 4Wirkung und Grenze: Es kann Menschen überzeugen, denen Verantwortung und die weitere Nutzung vorhandener Dinge wichtig sind. Ob der Schrank tatsächlich genutzt würde, müsste zusätzlich belegt oder erprobt werden.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Lies den Abschnitt vollständig. Kläre Thema, Position und Streitfrage.
- 2Markiere die These. Was soll gelten oder getan werden?
- 3Ordne die Begründungen zu. Welcher Grund stützt welche These?
- 4Bestimme den Argumenttyp. Benenne das entscheidende Merkmal.
- 5Prüfe die Qualität. Untersuche Belegbarkeit, Verlässlichkeit, Logik, Einschränkungen und Adressatenbezug.
- 6Beschreibe die Wirkung. Erkläre, wie das Argument überzeugen soll und ob das gelingt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Argumenttypen
Aufbau
These, Argument, Beispiel oder Beleg
Sachlich prüfen
Fakten, Autorität, Werte, Analogie, Plausibilität, Gegenposition
Qualität
Passung, Verlässlichkeit, Logik, Grenzen, Adressaten
Scheinargumente
Drohung, Mitleid, Mehrheit, Personenangriff, Strohmann
Analyse
markieren, zuordnen, benennen, prüfen, Wirkung erklären
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bestimme Typ und Tragfähigkeit: „Die Schule sollte Trinkwasserspender aufstellen. Wie ein Auto regelmäßig Treibstoff braucht, braucht auch der Körper beim Lernen regelmäßig Flüssigkeit.“
- 1These markieren: Die Schule soll Trinkwasserspender aufstellen.
- 2Begründung zuordnen: Der Körper braucht beim Lernen regelmäßig Flüssigkeit.
- 3Typ bestimmen: „Wie ein Auto …, braucht auch …“ ist ein Vergleich, also ein analogisierendes Argument.
- 4Qualität prüfen: Auto und Körper ähneln sich im entscheidenden Punkt, denn beide brauchen regelmäßig Nachschub. Dass die Spender tatsächlich genutzt würden, zeigt der Vergleich aber nicht.
- 5Wirkung beschreiben: Das Bild vom Auto ist anschaulich und leicht verständlich. Tragfähig ist das Argument aber nur eingeschränkt, weil ein Beleg für den Nutzen an dieser Schule fehlt.
Fehler finden
Lina bestimmt die Argumenttypen in vier Aussagen. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Bekanntheit ist keine Fachkenntnis: Ein Rapper ist kein Fachmann fürs Lernen. Richtig: „Ein bekannter Rapper sagt, dass Vokabellernen nichts bringt.“ → nur scheinbar ein Autoritätsargument, nicht tragfähig
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein arbeitet mit überprüfbaren Tatsachen oder Daten. Ein beruft sich auf Fachleute oder Institutionen. Ein stützt sich auf Werte oder Normen. Beim Strohmann-Argument wird eine Gegenposition verzerrt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback