Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Komplexchemie: Aufbau, Ladung und Bindung
Lerne, wie Zentralteilchen und Liganden Komplexe bilden und wie Ladung, Koordinationszahl und Farbwechsel zusammenhängen.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Komplexchemie untersucht Teilchen aus einem Zentrum und gebundenen Liganden. Die Liganden liefern Elektronenpaare; aus ihren Ladungen und der Oxidationszahl des Zentrums ergibt sich die Gesamtladung. Ein Ligandenaustausch kann Farbe und Eigenschaften verändern.
Ein Komplex besteht aus einem Zentralteilchen und daran gebundenen Liganden. Die Liganden stellen freie Elektronenpaare für koordinative Bindungen bereit. Aus den Ladungen aller Bestandteile kannst du die Ladung des Komplexes und die Oxidationszahl des Zentralteilchens bestimmen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Komplex besteht aus einem Zentralteilchen, meist einem Metallatom oder Metallion, und direkt gebundenen Liganden. Ein Ligand liefert ein freies Elektronenpaar; das Zentrum nimmt es in einem geeigneten freien Orbital auf. Die eckigen Klammern fassen die gebundene Einheit, die Koordinationseinheit, zusammen. In \ce{[Zn(NH3)4]^{2+}} ist Zink das Zentrum, vier neutrale Ammoniakmoleküle sind Liganden und 2+ ist die Gesamtladung. Der Index 4 zählt Liganden; die hochgestellte 2+ zählt Ladungen. Ebenso sind in \ce{[Ag(NH3)2]^+} zwei Ammoniakmoleküle und in \ce{[Cr(H2O)6]^{3+}} sechs Wassermoleküle Liganden. In \ce{[Fe(CN)6]^{4-}} binden sechs Cyanidionen an Eisen.
Allgemein schreibt man [M(L)_n]^q: M ist das Zentrum, L ein Ligand, n seine Anzahl und q die Gesamtladung. Die koordinative Bindung entsteht aus dem Elektronenpaar des Liganden. Nach der Bildung gehört es zur Bindung. Das ist nicht automatisch eine vollständige Elektronenübertragung oder eine Redoxreaktion.
Eine Komplexbildung zeigt die Bilanz:
\ce{Zn^{2+} + 4 NH3 <=> [Zn(NH3)4]^{2+}}
Auf beiden Seiten stehen ein Zinkteilchen, vier Ammoniakmoleküle und die Ladung 2+.
Definition
Komplex
Ein Komplex ist ein zusammengesetztes Teilchen aus einem Zentralteilchen und daran koordinierten Liganden. Das Zentralteilchen ist meist ein Metallatom oder Metallion.
Definition
Koordinative Bindung
Bei einer koordinativen Bindung stammen beide Bindungselektronen ursprünglich vom Liganden. Nach der Bindungsbildung gehört das Elektronenpaar zur Bindung zwischen Ligand und Zentralteilchen.
Merke: Ligand spendet, Zentrum nimmt an: Der Ligand ist Elektronenpaardonator, das Zentralteilchen Elektronenpaarakzeptor. Es nimmt das Paar in einem geeigneten freien Orbital auf.
Teste dich
Die Gesamtladung ist die Summe der formalen Oxidationszahl des Zentrums und aller Ligandenladungen. Sie steht rechts außerhalb der Klammer. Die Oxidationszahl des Zentrums ist eine andere Größe. Wasser und Ammoniak sind neutrale Liganden, Chlorid und Cyanid tragen je -1. In \ce{[Cu(NH3)4]^{2+}} hat Kupfer deshalb die Oxidationszahl +II.
Die Koordinationszahl zählt die unmittelbar gebundenen Donoratome. Bei einzähnigen Liganden ist sie gleich der Ligandenzahl; ein mehrzähniger Ligand bindet über mehrere Atome. Sie grenzt mögliche Raumformen ein. Bei Koordinationszahl 4 kommen etwa tetraedrische und quadratisch-planare Formen vor; die Zahl allein entscheidet nicht.
Beispiel: Oxidationszahl von Eisen
- 1Gegeben ist \ce{[Fe(CN)6]^{4-}}; gesucht ist die Oxidationszahl x des Eisens.
- 2Jeder der sechs Cyanidliganden trägt -1 bei; zusammen sind das 6\cdot(-1)=-6.
- 3Der ganze Komplex trägt -4. Daher gilt x-6=-4.
- 4Also ist x=+2: Eisen hat die Oxidationszahl +II.
| Koordinationszahl | mögliche Form | Beispiel |
|---|---|---|
| 2 | linear | \ce{[Au(CN)2]^-} |
| 4 | tetraedrisch oder quadratisch-planar | \ce{[NiCl4]^{2-}} oder \ce{[Ni(CN)4]^{2-}} |
| 6 | oktaedrisch | \ce{[Co(NH3)6]^{3+}} |
Teste dich
Komplexbildung und Ligandenaustausch können Gleichgewichte sein. Bei gezielt veränderter Ligandenkonzentration und sonst möglichst gleichen Bedingungen kann eine andere Komplexart überwiegen. Nur dann lässt sich ein Farbwechsel verlässlich der zugegebenen Ligandenart zuordnen, etwa der Chloridzugabe.
Beim Kupfer(II)-System beschreibt eine vereinfachte Gleichung den Austausch von Wasser gegen Chlorid. Tatsächlich sind im gelösten Aquakomplex meist sechs Wassermoleküle gebunden, also \ce{[Cu(H2O)6]^{2+}}; die Gleichung zeigt vereinfacht nur vier davon:
\ce{[Cu(H2O)4]^{2+} + 4 Cl^- <=> [CuCl4]^{2-} + 4 H2O}
Der Aquakomplex erscheint blau. Bei mehr Chlorid kann die Lösung grün werden, weil der Anteil an Chloridokomplexen wächst; mehrere Kupferkomplexe können zur Farbe beitragen. Die Farbe ist die Beobachtung. Die Deutung ist der Ligandenaustausch am Kupferzentrum; Farbe allein beweist keine vollständige Struktur.
Merke: Eine Farbänderung kann einen Ligandenaustausch anzeigen. Begründe sie mit der veränderten Ligandenart und der Verschiebung des Komplexgleichgewichts.
Teste dich
Ein Komplexion ist eine geladene Koordinationseinheit. Ein neutrales Komplexteilchen trägt keine Gesamtladung. Beide sind einzelne Teilchen; ein festes Salz mit vielen Gegenionen bildet dagegen ein Ionengitter. In festem \ce{K4[Fe(CN)6]} gleichen vier Kaliumionen die Ladung von \ce{[Fe(CN)6]^{4-}} aus.
Ein hydratisiertes Metallion ist in Wasser von Wassermolekülen umgeben. Direkt gebundene Wassermoleküle heißen Aqua-Liganden. „Hydratisiert“ betont die Umgebung im Wasser, „Aquakomplex“ die direkte Bindung. Bei einer unbekannten Formel markierst du erst Zentrum und Liganden, bilanzierst dann die Ladungen und deutest Beobachtungen erst danach.
| Begriff | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Komplexion | geladene Koordinationseinheit | \ce{[Fe(CN)6]^{4-}} |
| neutrales Komplexteilchen | einzelne Einheit ohne Gesamtladung | \ce{[PtBr2(NH3)2]} |
| Ionengitter | viele Kationen und Anionen im festen Salz | festes \ce{K4[Fe(CN)6]} |
| hydratisiertes Ion | gelöstes Ion mit Wassermolekülen | Kupfer(II)-Ion mit Wasserliganden |
Teste dich
Alles auf einen Blick
Komplexchemie
Aufbau
Zentralteilchen; Liganden
Bindung
Elektronenpaardonator; Elektronenpaarakzeptor
Beschreibung
Gesamtladung; Oxidationszahl; Koordinationszahl
Veränderung
Komplexbildung; Ligandenaustausch; Farbwechsel
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zink-Komplex bilden und lesen
- 1Gegeben ist die vereinfachte Bildung von \ce{[Zn(NH3)4]^{2+}} aus \ce{Zn^{2+}} und neutralem Ammoniak.
- 2Vier Ammoniakmoleküle liefern je ein freies Elektronenpaar; Zink ist der Akzeptor.
- 3Die Ladung ist +2+4\cdot0=+2. Vier einzähnige Liganden geben die Koordinationszahl 4.
- 4Die Gesamtladung steht rechts der Klammer, die Ligandenzahl als Index bei Ammoniak.
Fehler finden
Oxidationszahl im Bromidokomplex In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Gesamtladung -2 ist nicht die Oxidationszahl. Richtig ist x-4=-2, also x=+2 beziehungsweise +II.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
In \ce{[Ag(NH3)2]^+} ist Silber das . Die beiden Ammoniakmoleküle sind . Jeder Ammoniakligand stellt ein bereit. Das gesamte Komplexteilchen ist positiv geladen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback